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it-sa 2026 in Nürnberg mit Rekord bei Ausstellern und Fokus auf öffentliche Verwaltung

Mehr als 1.000 Aussteller in fünf Messehallen, über 400 Fachvorträge in sechs Foren und die Schirmherrschaft von Bundesinnenminister Alexander Dobrindt — Europas größte Fachmesse für IT-Sicherheit – die it-sa in Nürnberg (27. bis 29. Oktober) erreicht in diesem Jahr neue Dimensionen.

Im Programm spiegelt sich, dass der öffentliche Sektor stärker in den Blick der Branche gerät. Mehrere Forenslots widmen sich den Compliance-Anforderungen aus NIS-2 und DSGVO, dem Schutz kritischer Infrastrukturen und der Frage, wie sich Sicherheitsprozesse auch in heterogenen IT-Landschaften automatisieren lassen. Ransomware-Angriffe auf Landkreise und Stadtwerke, kompromittierte Postfächer und gestohlene Meldedaten haben in den vergangenen Monaten erneut gezeigt, wie verwundbar kommunale IT-Infrastruktur ist. Die NIS-2-Richtlinie verschärft die Anforderungen an Betreiber wesentlicher Einrichtungen — darunter auch kommunale Eigenbetriebe in der Wasser- und Energieversorgung oder im Abfallmanagement.

Ein Thema, das gerade in Verwaltungen praktisch drängend ist, betrifft den Austausch sensibler Daten. Bescheide, Befunde und personenbezogene Unterlagen verlassen das Haus oft über Kanäle, die niemand zentral steuert oder überwacht. Das Münchner Unternehmen FTAPI stellt auf der it-sa dafür eine neue Infrastrukturstrategie vor. Statt einzelner Verschlüsselungswerkzeuge für einzelne Übertragungswege soll eine übergreifende Plattform den gesamten ausgehenden Datenverkehr kontrollierbar machen. FTAPI nennt den Ansatz „System of Exchange”. Geschäftsführer Ari Albertini erläutert ihn in einem Fachvortrag sowie in einem gemeinsamen Slot mit secunet zum Einsatz souveräner KI im Datenaustausch. FTAPI ist in Halle 7 am Stand 508 vertreten.

Einen anderen Zugang verfolgt der Jenaer Anbieter Enginsight unter dem Motto „Ich sehe was, was Du nicht siehst”. Die vollständig in Deutschland entwickelte Security-Operations-Plattform setzt an der Frage an, welche Systeme überhaupt angreifbar sind und welche Risiken zuerst behandelt werden müssen. An zwölf interaktiven Demo-Points lässt sich live nachvollziehen, wie Schwachstellen erkannt, im Kontext des betroffenen Systems bewertet, behoben und anschließend erneut geprüft werden. „Eine Geschäftsführung muss nicht jedes technische Detail kennen”, sagt CEO Mario Jandeck. Sie müsse aber wissen, welche Risiken für die Organisation relevant seien und worauf sie ihre Entscheidungen stützen könne. Gemeinsam mit fünf Partnerunternehmen deckt Enginsight am Stand das Spektrum von der Beratung über die Implementierung bis hin zu Managed Security Services ab. Die Stände befinden sich in Halle 7A unter den Nummern 7A-112 und 7A-120. (DEKOM, 26.10.2026) Mehr Infos hier…

T3E Logistik entwickelt gemeinsames Störfalllager für Versorger in der Region Ruhr

Wer Strom-, Gas- oder Wassernetze betreibt, muss im Havariefall innerhalb von Stunden reagieren können. Die nötigen Ersatzteile liegen bei vielen Versorgern dezentral in Einzellagern — mit hoher Kapitalbindung und begrenzter Verfügbarkeit. Gleichzeitig steigen die Anforderungen an den KRITIS-Schutz. Cyberangriffe und Extremwetterereignisse treffen Stadtwerke und Netzbetreiber in immer kürzeren Abständen, während Lieferketten für Spezialkomponenten fragil bleiben.

Der Logistikdienstleister T3E Logistik hat deshalb ein Störfallmanagement entwickelt, das konsequent auf Materialverfügbarkeit in Krisenlagen ausgerichtet ist. Im Mittelpunkt steht der Aufbau eines gemeinsamen Störfalllagers in der Region Ruhr. Moderiert von T3E-Logistik-Geschäftsführer Matthias Wiesinger, haben Stadtwerke und Versorgungsunternehmen Anfang Oktober in Pulheim die konkreten Umsetzungsfragen diskutiert.

Bereits im Januar hatte T3E Logistik das Konzept erstmals bei einem Round Table mit westdeutschen Energieversorgern vorgestellt. Der Folgetermin im Oktober ging in die Umsetzungsdetails — von den Beteiligungsmodellen über die bedarfsgerechte Bevorratung bis zu den technischen Voraussetzungen für eine Rund-um-die-Uhr-Verfügbarkeit.

Im Kern geht es um Güter, die im Regelbetrieb selten gebraucht werden — Armaturen, Rohrkomponenten für Gas- und Wassernetze —, bei Havarien aber sofort verfügbar sein müssen. Ein zentrales Lager im Ruhrgebiet verkürzt die Wege und macht schnelle Anlieferung im Störfall möglich. T3E Logistik übernimmt die Lagerbewirtschaftung und die komplette logistische Abwicklung. Für die beteiligten Versorger sinkt die Kapitalbindung, weil sie Bestände gemeinsam vorhalten statt einzeln.

T3E Logistik ist auf Materiallogistik für Netzbetreiber und Energieversorger spezialisiert und betreibt Standorte deutschlandweit. Das Unternehmen hat unter anderem die bauabschnittsgerechte Belieferung für urbane Infrastrukturprojekte entwickelt. Fahrzeuge mit eigenständiger Be- und Entladung liefern Material auf Baustellen an, ohne dass Personal vor Ort sein muss. Die Dokumentation läuft vollständig digital über Geodaten. Mit dem Störfalllager erweitert T3E Logistik dieses Leistungsspektrum gezielt um den KRITIS-Schutz. (DEKOM, 26.10.2026) Mehr Infos hier…

Kommunale Notstromversorgung — Nachholbedarf bei der Einsatzplanung

Wenn das Stromnetz großflächig ausfällt, stehen Wasserversorgung, Abwasserentsorgung, Feuerwehr und Pflege vor derselben Frage: Wie lange hält der Betrieb ohne Netz? Der Berliner Blackout Anfang Januar 2026, bei dem ein Sabotageakt rund 45.000 Haushalte tagelang vom Netz trennte, hat gezeigt, wie schnell kommunale Einrichtungen an ihre Grenzen kommen. Der Bundestag verabschiedete wenige Wochen später das KRITIS-Dachgesetz mit verschärften Anforderungen an Betreiber kritischer Anlagen. Alexander L’vov, Geschäftsführer der QP International GmbH aus Würzburg, deren Marke KSP Generatoren Netzersatzanlagen an Feuerwehren, Hilfsorganisationen und Betreiber kritischer Infrastrukturen liefert, sieht den größten Nachholbedarf allerdings nicht bei der Technik. Im DEKOM-Interview beschreibt er, warum fehlende Lastaufnahmen, nicht vorbereitete Einspeisepunkte und lückenhafte Nachtankkonzepte die eigentlichen Schwachstellen sind — und welche Beschaffungswege auch bei knappen Haushalten funktionieren.

Herr L’vov, Wasserwerke, Klärwerke, Feuerwachen, Pflegeheime, Notunterkünfte – die Liste kommunaler Gebäude und Anlagen, die bei einem Stromausfall funktionieren müssen, ist lang. Wo erleben Sie den größten Nachholbedarf, wenn eine Kommune zum ersten Mal eine Bestandsaufnahme macht?

Alexander L’vov: Selten beim Aggregat selbst, fast immer bei den Grundlagen davor. Viele Kommunen wissen nicht, welche Leistung ihre Gebäude im Notbetrieb tatsächlich brauchen. Es gibt keine Lastaufnahme und keine Liste der Verbraucher, die weiterlaufen müssen. Zweitens fehlt oft die Einspeisung: Das mobile Aggregat steht in der Fahrzeughalle, aber Feuerwehrhaus oder Turnhalle haben keinen Einspeisepunkt mit Netzumschaltung. Drittens der Kraftstoff: Der Tank reicht für einige Stunden, ein Nachtankkonzept für 72 Stunden gibt es nicht. Und viertens der Bestand: Anlagen, die seit Jahren nicht gewartet und nie unter Last getestet wurden. Eine ehrliche Bestandsaufnahme beginnt mit diesen vier Punkten.

Das KRITIS-Dachgesetz verpflichtet Betreiber kritischer Infrastrukturen seit März 2026 zu konkreten Resilienzmaßnahmen. Ab welchen Schwellenwerten sind Kommunen betroffen, und welche Fristen laufen bereits?

Alexander L’vov: Die Lage ist weniger eindeutig, als oft berichtet wird. Das Gesetz gilt seit dem 17. März 2026. Welche Anlagen als kritisch gelten, legt aber erst eine Rechtsverordnung fest. Ein Entwurf liegt seit Mai vor, in Kraft ist sie noch nicht (Stand Anfang Oktober 2026). Bis dahin besteht nach Auskunft des Bundesamts für Bevölkerungsschutz und Katastrophenhilfe keine Registrierungspflicht, es laufen also noch keine Fristen. Als Regelschwellenwert nennt das Gesetz 500.000 versorgte Einwohner. Betroffen sind damit vor allem große Versorger, etwa in den Bereichen Energie, Wasser, Abwasser, Abfallentsorgung und Gesundheit. Sobald eine Anlage als kritisch eingestuft ist, gilt: drei Monate bis zur Registrierung, neun Monate nach der Registrierung die erste Risikoanalyse, zehn Monate nach der Registrierung Resilienzplan und Maßnahmen. Dazu gehört in der Praxis fast immer eine gesicherte Notstromversorgung. Die meisten Kommunen liegen unter dem Schwellenwert. Aus der Verantwortung sind sie damit nicht: Sie ergibt sich aus dem Katastrophenschutzrecht der Länder und aus der Daseinsvorsorge. Mein Rat ist deshalb, nicht auf die Verordnung zu warten. Die verbindliche Einordnung im Einzelfall gehört allerdings zum Juristen, nicht zum Lieferanten.

Ein Klärwerk braucht unter Umständen ein Vielfaches der Leistung eines Rathauses. Nach welchen Kriterien sollte eine Kommune entscheiden, wo sie zuerst investiert – und welche Beschaffungswege von der Miete bis zur Fördermittel-gestützten Investition kommen für knappe Haushalte in Frage?

Alexander L’vov: Ich würde drei Fragen in dieser Reihenfolge stellen. Wo sind bei einem Ausfall Menschen unmittelbar gefährdet? Wo entsteht nach wenigen Stunden ein Schaden, der sich kaum noch einfangen lässt, etwa im Abwasser oder bei der Trinkwasserversorgung? Und was braucht die Kommune, um führungsfähig zu bleiben, also Feuerwehrhaus, Krisenstab und Kommunikation? Daraus ergibt sich eine Prioritätenliste, die sich auch im Rat vertreten lässt. Bei den Beschaffungswegen gibt es mehr Spielraum, als viele denken. Ein mobiles Aggregat auf Anhänger kann mehrere Liegenschaften abdecken, wenn dort Einspeisepunkte vorbereitet sind. Das ist oft der günstigste Einstieg. Wer den Investitionshaushalt schonen muss, kann Anlagen über mehrere Jahre mieten. Ein solches Modell setzen wir derzeit mit einer nordrhein-westfälischen Stadt um: zwei Anlagen, vier Jahre Laufzeit. Für den Kauf kommen je nach Bundesland Förderprogramme für Feuerwehr und Katastrophenschutz in Betracht. Die Richtlinien unterscheiden sich stark, deshalb lohnt der Blick in die Landesförderung vor der Haushaltsanmeldung.

Sie haben nach eigener Angabe mehr als 100 Kommunen beliefert. Können Sie an einem konkreten Projektbeispiel zeigen, wie ein typischer Ablauf von der Bedarfsanalyse bis zur einsatzfähigen Anlage aussieht – und wie lange eine Kommune realistisch einplanen sollte?

Alexander L’vov: Wir haben mehr als 100 Kommunen mit Ausrüstung für den Bevölkerungs- und Katastrophenschutz beliefert. Seit einigen Jahren liegt unser Schwerpunkt vorwiegend auf der Notstromversorgung. Ein typisches Beispiel ist die Kläranlage einer Stadt in Nordrhein-Westfalen. Dort haben wir ein mobiles 60-kVA-Aggregat auf Tandemanhänger geliefert, ausgelegt für Inselbetrieb und Netzparallelbetrieb, und das Betriebspersonal bei der Übergabe eingewiesen. Der Ablauf ist fast immer derselbe: Begehung und Lastermittlung, Entscheidung zwischen stationär und mobil, Leistungsbeschreibung und Vergabe. Nach dem Zuschlag folgen technische Klärung, Fertigung, Lieferung, Inbetriebnahme mit Lastprobelauf und Einweisung. Realistisch sollte eine Kommune von der ersten Begehung bis zur einsatzfähigen Anlage neun bis zwölf Monate einplanen, bei Sonderausführungen eher mehr. Den größten Anteil hat die Fertigung: Standardgeräte sind deutlich schneller verfügbar, Sonderanfertigungen nach Leistungsverzeichnis brauchen allein rund fünf bis sechs Monate. Wer die Anlage im Winter 2027/28 einsatzbereit haben will, sollte die Mittel jetzt für den Haushalt 2027 anmelden.

Viele Kommunen verfügen weder über eigenes elektrotechnisches Fachpersonal noch über Erfahrung mit Vergabeverfahren für Notstromaggregate. Welche Unterstützung brauchen Verwaltungen typischerweise, um von der ersten Idee bis zur ausschreibungsfähigen Beschaffung zu kommen?

Alexander L’vov: Meist vier Dinge. Erstens eine belastbare Lastermittlung: Was muss im Notbetrieb laufen und was nicht? Zweitens die Grundsatzentscheidung zwischen stationär und mobil, mit Aufstellort, Einspeisung und Kraftstoffvorrat. Drittens eine Kostenschätzung, mit der die Verwaltung Mittel anmelden und Fördermöglichkeiten prüfen kann. Viertens eine produktneutrale Leistungsbeschreibung, die trotzdem das Richtige fordert: einschlägige Normen, Abnahme mit Lastprobelauf, Wartung über mehrere Jahre. Bei den ersten drei Punkten unterstützen wir Kommunen im Rahmen der Markterkundung. Die Leistungsbeschreibung selbst gehört in die Hand der Vergabestelle oder eines unabhängigen Fachplaners. Mein Rat: Wartung und Einweisung gleich mit ausschreiben. Ein Aggregat, das nach drei Jahren nicht anspringt, hilft niemandem. (DEKOM, 26.10.2026) Mehr Infos hier…

Zur Person

Alexander L’vov ist Geschäftsführer der QP International GmbH mit Sitz in Würzburg. Das Unternehmen liefert unter der Marke KSP Generatoren Netzersatzanlagen an Kommunen, Feuerwehren, Hilfsorganisationen und Betreiber kritischer Infrastrukturen und begleitet Projekte von der Bedarfsermittlung über Lieferung und Inbetriebnahme bis zur Wartung.

Gewerbesteuer-Zerlegung für Rechenzentren ab 2027 geplant

Der Ausbau digitaler Infrastruktur in Deutschland stellt Städte und Gemeinden vor ein Paradox. Sie stellen Flächen bereit, tragen Lärm, Energie- und Wasserbelastungen — profitieren aber wegen des hohen Automatisierungsgrads von Rechenzentren kaum vom Gewerbesteueraufkommen. Der Gesetzentwurf zum Einkommensteuerreformgesetz 2027 soll das ändern. In seiner Stellungnahme  hat der Bundesrat jetzt Nachbesserungen gefordert.

Bislang richtet sich die Zerlegung des Gewerbesteuermessbetrags auf mehrere Betriebsstandorte eines Unternehmens im Wesentlichen nach den dort gezahlten Arbeitslöhnen. Bei Rechenzentren führt das regelmäßig dazu, dass Standortgemeinden trotz erheblicher infrastruktureller Vorleistungen nur geringe Gewerbesteueranteile erhalten. Der vom Bundeskabinett im September vorgelegte Entwurf sieht deshalb einen neuen Zerlegungsmaßstab nach § 29 Absatz 1 Nummer 4 GewStG vor. Künftig sollen 90 Prozent des Messbetrags nach der nicht redundanten elektrischen Nennanschlussleistung und nur noch zehn Prozent nach den Arbeitslöhnen verteilt werden. Maßgeblich ist die vertraglich mit dem Netzbetreiber vereinbarte Anschlussleistung — unabhängig davon, ob sie bereits voll abgerufen wird. Die Regelung soll erstmals für den Erhebungszeitraum 2027 gelten.

Das hessische Digitalministerium hat den möglichen Effekt beziffert. Bei einem Rechenzentrum mit 40 Megawatt Leistung könnten die Gewerbesteuereinnahmen einer Standortgemeinde von rund 800.000 Euro auf mehr als sieben Millionen Euro steigen. Hessens Digitalministerin Kristina Sinemus betonte im Bundesrat, Städte und Gemeinden müssten stärker an den Erträgen beteiligt werden, wenn sie Flächen und Infrastruktur bereitstellten. Entscheidend sei, dass die Reform tatsächlich vor Ort ankomme.

Der Entwurf definiert Rechenzentren über § 2 Nummer 18 des Energieeffizienzgesetzes. Erfasst sind Strukturen ab 500 Kilowatt installierter IT-Leistung, die der Speicherung, Verarbeitung oder Verbreitung von Daten dienen. Die neue Zerlegung greift allerdings nur für Betriebe, die „ausschließlich” Rechenzentren betreiben — und genau das hat der Bundesrat kritisiert. Viele Betreiber nutzen die IT-Infrastruktur nicht selbst, sondern stellen sie im Rahmen sogenannter Co-Location als Dienstleistung bereit. Ein Unternehmen baut und betreibt die Gebäudestruktur, Kunden stellen ihre eigenen Server auf. Wer ausschließlich solche Informationstechnik betreibt, ohne zugleich Betreiber des Rechenzentrums im Sinne des EnEfG zu sein, fiele nach dem bisherigen Wortlaut aus der Regelung heraus. Der Bundesrat hat deshalb eine Ergänzung beschlossen, die auch den Betrieb von Informationstechnik im Wege der Co-Location einbezieht.

Eine weitere Lücke sieht der Bundesrat bei Technologieunternehmen, die neben dem Rechenzentrumsbetrieb auch andere Geschäftsfelder unterhalten. Das Wort „ausschließlich” im Gesetzentwurf schließt solche Unternehmen aus — obwohl sie zum Teil die größten Rechenzentren errichten. Die Stellungnahme des Bundesrats regt an, stattdessen auf Betriebe abzustellen, die „dem jährlichen Ertrag nach überwiegend” Rechenzentren betreiben. So ließe sich verhindern, dass ein unerheblicher Nebenbetrieb genügt, um den besonderen Zerlegungsmaßstab zu umgehen. Darüber hinaus fordert der Bundesrat eine Evaluierung. Spätestens vier Jahre nach Ablauf des Erhebungszeitraums 2027 soll die Bundesregierung prüfen, ob der gewählte Maßstab zu einer angemessenen Beteiligung der Standortgemeinden geführt hat — und bei Bedarf einen alternativen Zerlegungsmaßstab in Betracht ziehen.

Das Bundesratsvotum ist Teil des laufenden Gesetzgebungsverfahrens. Die abschließende Verabschiedung durch den Bundestag steht noch aus. Da der gesamte Gesetzentwurf zum 1. Januar 2027 in Kraft treten soll, dürfte das parlamentarische Verfahren in den kommenden Wochen zügig voranschreiten. Für Städte und Gemeinden, die Rechenzentrumsansiedlungen begleiten oder planen, lohnt sich ein Blick auf die endgültige Fassung der Zerlegungsregelung — und auf die Frage, ob der eigene Standort von der neuen Verteilung tatsächlich erfasst wird.  (DEKOM, 26.10.2026) Mehr Infos hier…

Moosbasierte Feinstaubfilter für versiegelte Innenstadtflächen

Das Klimaanpassungsgesetz verpflichtet Kommunen zunehmend zu verbindlichen Konzepten gegen urbane Hitzeinseln. Auf versiegelten Marktplätzen und in Fußgängerzonen fehlt jedoch häufig der Platz für konventionelle Baumpflanzungen. Das Berliner Unternehmen Green City Solutions hat moosbasierte Biofilter wie bspw. den CityTree entwickelt, der auf einer Standfläche von rund 3,5 Quadratmetern arbeitet und ohne zusätzliche Flächenversiegelung auskommt. Die vertikalen Moosmodule filtern laut Herstellerangaben stündlich rund 5.000 Kubikmeter Luft und können die Umgebungstemperatur im direkten Umfeld um bis zu vier Grad Kelvin (Celsius) senken. Ein IoT-gestütztes Bewässerungs- und Ventilationssystem steuert die Mooskulturen automatisiert; integrierte Sensoren erfassen Feinstaub, Stickoxide und Klimadaten am Standort. Die multifunktionalen Moosfilter und -kühler kamen und sind bereits in mehreren europäischen Städten im Einsatz, darunter Berlin, London, Oslo und Lissabon. Über die kommunale Einsatzpraxis und die Rolle der Biofilter und den CityTree im Speziellen in kommunalen Klimaanpassungskonzepten sprachen wir mit Peter Sänger, Mitgründer und Geschäftsführer von Green City Solutions.

Herr Sänger, der CityTree kombiniert Mooskulturen mit IoT-Sensorik. Welche messbaren Effekte bei Feinstaubreduktion und Kühlung können Kommunen an einem konkreten Standort erwarten — und wie weisen Sie diese nach?

Peter Sänger: Unsere Biofilter-Systeme erreichen in umfangreichen, standardisierten Messungen eine Feinstaubreduktion von bis zu 82 % der Partikel (PM 2,5 und PM 10) in der durchströmten Luft. Gleichzeitig kühlen sie die unmittelbare Umgebungsluft um bis zu 4 Kelvin spürbar herunter. Diese Werte sind keine Labortheorie, sondern wurden sowohl in kontrollierten Umgebungen als auch im realen Außenbetrieb durch renommierte Forschungseinrichtungen unabhängig validiert: Das Institut für Luft- und Kältetechnik (ILK) Dresden hat die Abscheideraten zertifiziert, das Leibniz-Institut für Troposphärenforschung (TROPOS) in Leipzig hat den Wirkradius im Außenraum erforscht, und der TÜV Süd hat die Filterleistung bei klimaschädlichen Rußpartikeln bestätigt. Ein einzelner CityTree trägt so jährlich zur Kompensation von bis zu 342 kg CO2-Äquivalenten bei.

In der Praxis saugt ein CityTree pro Stunde rund 5.000 Kubikmeter Luft durch seine acht Moosmodule – das entspricht dem Atemvolumen von rund 10.000 Menschen in derselben Zeit. Über unser gesamtes Portfolio hinweg – vom freistehenden CityTree über den kombinierten Informations- und Filterträger CityBreeze bis hin zu vertikalen Fassaden- und Wandmodulen – sorgt intelligente IoT-Sensorik für Transparenz: Über 30 Sensoren erfassen kontinuierlich Feinstaubkonzentrationen, Temperatur, Luftfeuchte sowie meteorologische Parameter in Echtzeit. Die Daten werden vor Ort visualisiert und fließen direkt in unsere Datenplattform, auf die Verwaltungen zugreifen können.

Ein biologischer Vorteil, der den Nachhaltigkeitsaspekt zusätzlich verstärkt: Das Filtermaterial kann sich regenerieren und so wiederverwendet werden. Dafür tauscht unser Wartungsteam die Moosmatten vorsorglich 1-2x jährlich aus, um den Moosen Regenerationszeiten in unserer Moosfarm einzuräumen.

Das Klimaanpassungsgesetz verpflichtet Kommunen zu verbindlichen Anpassungskonzepten. Inwiefern lässt sich der CityTree in ein solches Konzept einbetten, und welche Rolle spielt dabei die Datenerfassung über die verbaute Sensorik?

Peter Sänger: Das Klimaanpassungsgesetz, das seit 2023 verbindliche Rahmenbedingungen setzt, macht aus unserer Sicht zwei Dinge klar: Kommunen müssen handeln – und sie brauchen Maßnahmen, die nachweisbar wirken und sich in bestehende Konzepte und Förderstrukturen integrieren lassen. Genau das ist der Anspruch, den wir mit unseren moosbasierten Luftkühlern und -filtern wie dem CityTree oder seinem Nachfolger dem „EcoBreeze” erfüllen.

Als naturbasierte Lösung sind die Frischluftkonzepte in ihrer Wirkung unmittelbar, lokal und messbar – drei Eigenschaften, die für die Anforderungen an kommunale Klimaanpassungskonzepte entscheidend sind. Sie eignen sich hervorragend als gezielte Hitzeschutz- und Ausgleichsmaßnahmen auf hochversiegelten Plätzen, in Fußgängerzonen, an Verkehrsknotenpunkten oder an Schulhöfen – überall dort, wo klassische Baumpflanzungen an Leitungsnetzen, Tiefgaragen oder Platzmangel scheitern. Durch die enorme Verdunstungsleistung und integrierte Wasserreservoirs leisten sie zudem einen wertvollen Beitrag zu wassersensiblen Stadtstrukturen und zur Schwammstadt-Konzeption.

Die verbaute Sensorik ist dabei das Herzstück der Nachweisführung. Unsere Produkte liefern kontinuierlich Realdaten zu Feinstaubwerten, Temperatur und Kühlleistung am konkreten Standort. Diese Daten können direkt in Monitoring- und Leistungsberichte eingebunden werden. Für Verwaltungen, die gegenüber Ratsgremien oder Fördermittelgebern Wirksamkeitsnachweise erbringen müssen, oder die Daten im öffentlichen Raum direkt darstellen wollen, ist das ein entscheidender Vorteil. Hinzu kommen unsere Umweltproduktdeklarationen, die den CO₂-Fußabdruck über den gesamten Lebenszyklus eines Produktes transparent ausweisen.

Kurz gesagt: Die innovativen Moosfilter liefern nicht nur Wirkung, sondern auch die Dokumentation dieser Wirkung.

Für Kämmerei und Grünflächenamt stellt sich die Kostenfrage: Was muss eine Kommune für Anschaffung, Installation und laufenden Betrieb eines CityTree kalkulieren, und gibt es bestehende Förderzugänge?

Peter Sänger: Qualitativ hochwertige und langlebige Infrastruktur erfordert Investitionen – im kommunalen Quervergleich erweisen sich unsere Biofilter jedoch als wirtschaftlich und haushaltsschonend.

Zum Kaufpreis: Ein CityTree ist ab 42.900 Euro erhältlich. Alternativ bieten wir Miet- und Leasingmodelle ab 899 Euro pro Monat an. Damit ist die Maßnahme aus dem laufenden Budget oder aus dem Investitionshaushalt finanzierbar – je nach finanziellen Möglichkeiten und verfügbaren Förderstrukturen.

Die Betriebskosten sind überschaubar: Je nach Standort und Jahreszeit verbraucht ein CityTree zwischen 10 und 50 Liter Wasser und 1 bis 8 kWh Strom pro Betriebstag. Durch den optionalen Einsatz von Solarmodulen und Wassertanks können diese Verbräuche teilweise oder vollständig ohne feste Zuleitungen gedeckt werden. Über eine Nutzungsdauer von fünf Jahren betrachtet sind die Gesamtkosten im Vergleich zu einer technisch gleichwertigen Kombination aus Luftfilter und Klimaanlage rund 20 % günstiger. Die Lebensdauer des Geräts liegt bei 15 bis 20 Jahren.

Gegenüber herkömmlichen Stadtbäumen, die oft mehr als 5.000 Euro Pflanzkosten plus aufwendige Wurzelraumschaffung und jahrelange Anwachspflege ohne Sofortwirkung erfordern, erbringt beispielsweise ein CityTree die Kühlleistung von rund 80 jungen Stadtbäumen – mit einer Kostenersparnis und Platzersparnis von bis zu 90 % bezogen auf den unmittelbaren Kühleffekt.

Unser wichtigster Hinweis für Kommunen zur Finanzierung: Nutzen Sie bestehende Fördertöpfe. Unsere Biofilter-Systeme sind als Maßnahmen zur Klimafolgenanpassung, Innenstadtbelebung und zum Immissionsschutz bis zu 90 % förderfähig – unter anderem über Bundesprogramme (wie das KAnG-Förderprogramm oder die Nationale Klimaschutzinitiative), Länderprogramme zur Hitzeaktionsplanung sowie die Städtebauförderung. Da viele Kommunen bereits über laufende Förderbescheide in Sanierungs- und Zentrenprogrammen verfügen, lassen sich die Produkte oft unkompliziert integrieren.

Der CityTree soll ohne zusätzliche Flächenversiegelung auskommen. Welche baulichen und infrastrukturellen Voraussetzungen muss ein Standort — etwa ein Marktplatz oder eine Fußgängerzone — trotzdem erfüllen?

Peter Sänger: Der CityTree steht freistehend auf vorhandenem Untergrund, weil seine Sitzgelegenheit gleichsam eine Bodenverankerung ersetzt. Das macht ihn gerade für versiegelte Innenstadtlagen zu einer attraktiven Option, wo klassisches Grün weder aus Platz- noch aus Bodengründen realisierbar ist.

Es gibt dennoch einige Voraussetzungen, die vorab zu prüfen sind. Erstens: die Medienversorgung. Der CityTree benötigt Strom und Wasser. Idealerweise sind am Standort feste Zuleitungen vorhanden – wo das nicht der Fall ist, können Solarmodule und ein integrierter Wassertank diese Funktion übernehmen, was die Standortwahl erheblich flexibilisiert.

Wichtig ist, dass die Flächen eben und zugänglich sind, sodass wir die vormontierten Produkte schnell und unkompliziert anliefern und installieren können. Schließlich empfehlen wir eine Standortanalyse hinsichtlich Sonneneinstrahlung, Aufheizungsintensität und lokaler Staubbelastung – um den Einsatz gezielt dort zu platzieren, wo der Effekt maximal ist. Wir begleiten interessierte Kommunen dabei von der ersten Standortbewertung über die Auslegungsplanung bis zur Inbetriebnahme.

Sie haben bereits Installationen in mehreren europäischen Städten. Welche Erfahrungen berichten Ihnen Kommunen aus dem laufenden Betrieb, und wo sehen Sie den größten Lerneffekt für Verwaltungen, die jetzt erstmals über eine Beschaffung nachdenken?

Peter Sänger: Mit europaweit über 120 aktiven Installationen – von Deutschland, Österreich und der Schweiz bis nach Großbritannien und in die Benelux-Länder – haben unsere Filter allein im vergangenen Jahr über 940 Millionen Kubikmeter Luft gereinigt und abgekühlt. Die Technologie ist praxiserprobt und skalierbar.

Das Feedback der Städte umfasst zwei zentrale Dimensionen: Zum einen die Bürgerwahrnehmung. Ein Biofilter wie der CityTree ist nicht nur funktionale Infrastruktur, sondern fungiert als begrünter Treffpunkt und Sitzgelegenheit mit spürbarer Aufenthaltsqualität. Bürgerinnen und Bürger erleben Klimaanpassung unmittelbar im Straßenraum, was die Akzeptanz kommunaler Umweltmaßnahmen verbessert.

Zum anderen der Betrieb. Verwaltungen schätzen, dass sie kein eigenes Fachpersonal binden müssen. Über unser Full-Service-Betreibermodell übernehmen wir das kontinuierliche Sensor-Monitoring, die technische Wartung und die professionelle Pflege bzw. den Tausch der Moose über unsere eigene Moosfarm.

Der wichtigste Lerneffekt für kommunale Verwaltungen: Binden Sie die internen Schnittstellen frühzeitig ein. Die technische Realisierung und Aufstellung eines Biofilters erfolgt oft innerhalb weniger Wochen. Die eigentliche zeitliche Weichenstellung liegt in der verwaltungsinternen Abstimmung zwischen Tiefbau-, Grünflächen-, Stadtplanungsamt und Kämmerei. Kommunen, die das Projekt von Beginn an als ressortübergreifende Maßnahme aufsetzen, realisieren ihre Vorhaben am schnellsten.

Zudem empfehlen wir, von Anfang an in integrierten Maßnahmenpaketen zu denken: Ein einzelner CityTree am zentralen Marktplatz setzt ein weithin sichtbares Initialsignal, hat jedoch einen begrenzten Wirkradius. In Kombination mit klassischer Begrünung, Schattierelemente und weiteren Moosen, zum Beispiel an Wänden oder mittels CityBreeze an ÖPNV-Wartesituationen, können ganze Quartiersbereiche klimafest angepasst werden. (DEKOM, 26.10.2026) Mehr Infos hier…

Über Green City Solutions

Green City Solutions wurde 2014 von einem jungen Team um Peter Sänger und Zhengliang Wu gegründet und hat seinen Sitz bei Berlin. Das Unternehmen entwickelt moosbasierte Biofilter-Systeme für den urbanen Raum und betreibt eine eigene Moosfarm für die Kultivierung und Regeneration des Filtermaterials. Europaweit sind mehr als 120 Moosmatten in verschiedenen Installationsvarianten im Einsatz.

Zahl der Unternehmensgründungen erreicht höchsten Stand seit 2010

Rund 183.000 neue Unternehmen sind 2025 in Deutschland an den Start gegangen — 7,7 Prozent mehr als im Vorjahr und so viele wie seit 15 Jahren nicht mehr. Das geht aus dem Mannheimer Unternehmenspanel hervor, das das ZEW Mannheim gemeinsam mit der Auskunftei Creditreform erstellt. Besonders deutlich fiel der Zuwachs bei wachstumsorientierten Start-ups aus, deren Zahl um 19 Prozent auf rund 3.100 stieg. Mehr als 45 Prozent davon entfallen auf technologieorientierte Dienstleistungen, angetrieben vom Boom um Künstliche Intelligenz.

Der genauere Blick auf die Zahlen zeigt allerdings ein uneinheitliches Bild. Der Anstieg geht laut ZEW-Forscherin Sandra Gottschalk vor allem auf Gründungen im Kleingewerbebereich ohne Handelsregistereintrag zurück. Bei kapitalintensiveren Gründungen mit Handelsregistereintrag sank die Zahl dagegen um 3,3 Prozent. Auch zwischen den Branchen fallen die Unterschiede erheblich. Im Gastgewerbe wurden rund 20.000 Unternehmen gegründet, gut 20 Prozent mehr als im Vorjahr — bei gleichzeitig steigenden Schließungszahlen. Im forschungsintensiven verarbeitenden Gewerbe ging die Gründungstätigkeit um 2,6 Prozent zurück, im Fahrzeugbau sogar um 8,7 Prozent.

Für die kommunale Wirtschaftsförderung liefern die Zahlen wichtige Hinweise. Der Gründungsboom im Kleingewerbe und im Gastgewerbe schlägt sich unmittelbar in der örtlichen Gewerbestruktur nieder — bringt aber nicht automatisch dauerhaft tragfähige Betriebe hervor, wie die parallelen Schließungszahlen in der Gastronomie zeigen. Zugleich konzentriert sich das Wachstum bei technologieorientierten Start-ups auf wenige Standorte mit vorhandener Infrastruktur für Forschung und Wagniskapital. Ob Städte und Gemeinden jenseits der großen Gründerzentren von dieser Dynamik profitieren, hängt wesentlich davon ab, wie sie digitale Infrastruktur, Gewerbeflächen und Beratungsangebote für Gründer aufstellen. (DEKOM/ZEW, 26.10.2026) PM ZEW hier…

IW-Studie rechnet bis 2040 mit 4,3 Millionen weniger Erwerbsfähigen

Die Bevölkerung in Deutschland schrumpft schneller als noch vor zwei Jahren erwartet. Nach der jüngsten Prognose des Instituts der deutschen Wirtschaft (IW) leben im Jahr 2040 nur noch rund 81,6 Millionen Menschen in Deutschland — ein Rückgang um fast zwei Millionen gegenüber 2025. Auf dem Arbeitsmarkt fällt der Einschnitt noch deutlicher aus. Die Zahl der Menschen im erwerbsfähigen Alter sinkt laut IW bis 2040 um 4,3 Millionen oder 7,7 Prozent auf rund 50,8 Millionen. Noch 2024 ging das Institut von einer wachsenden Bevölkerung aus. Die korrigierte Prognose geht auf sinkende Zuwanderungszahlen und anhaltend niedrige Geburtenraten zurück.

Auf dieser Grundlage hat das IW das sogenannte Potenzialwachstum bis 2040 vorausgeschätzt — also die Wirtschaftsleistung, die bei normaler Auslastung aller Produktionsfaktoren erreichbar ist. Das Ergebnis fällt gemischt aus. Im Durchschnitt liegt das jährliche Potenzialwachstum bei 0,7 Prozent. Nach einer Phase der Quasi-Stagnation zwischen 2020 und 2025 nimmt die Dynamik jedoch schrittweise zu und erreicht zwischen 2036 und 2040 gut ein Prozent pro Jahr. Getragen wird dieser Anstieg vor allem durch höhere Investitionen und technischen Fortschritt. Der Faktor Arbeit bremst die Entwicklung bis Mitte der 2030er Jahre, entfaltet danach aber keine negative Wirkung mehr.

Beim Arbeitsvolumen — also der Gesamtzahl aller geleisteten Arbeitsstunden — hat das IW zwei Szenarien berechnet. Im pessimistischen Fall, in dem sich an der Pro-Kopf-Arbeitszeit nichts ändert, sinkt es bis 2040 um gut sieben Prozent auf rund 57 Milliarden Stunden. Im günstigeren Szenario, das eine weiter steigende Erwerbsbeteiligung vor allem der über 55-Jährigen unterstellt, fällt der Rückgang mit 3,4 Prozent auf 59,3 Milliarden Stunden deutlich geringer aus.

Für Städte und Gemeinden haben die Zahlen unmittelbare Bedeutung. Der öffentliche Dienst gehört zu den Branchen, die der Fachkräftemangel bereits heute am stärksten trifft. Gleichzeitig sind es gerade die personalintensiven Bereiche — Kitas, Bauhöfe, Ordnungsämter —, in denen Automatisierung nur begrenzt helfen kann. IW-Experte Holger Schäfer bringt die Lage auf den Punkt. Deutschland befinde sich nicht vor dem demografischen Wandel, es stecke bereits mittendrin. In wenigen Jahren fehlten der Wirtschaft die Arbeitskräfte, um Wohlstand zu erarbeiten und den Sozialstaat in seiner heutigen Form zu tragen.

Die IW-Studie sieht die Politik in der Pflicht, Anreize für eine höhere Pro-Kopf-Arbeitszeit zu setzen und die Zuwanderung von Fachkräften gezielt zu erleichtern. Zudem seien Investitionen in Digitalisierung und Automatisierung nötig, um den sinkenden Arbeitskräfteeinsatz zumindest teilweise zu kompensieren. Ob sich das günstigere Szenario realisiert, hängt nach Einschätzung des Instituts wesentlich davon ab, ob die Strukturreformen tatsächlich umgesetzt werden. (DEKOM, 26.10.2026) PM IWD hier…

Hausärzteverband warnt vor Personalmangel bei Umsetzung der Notfallreform

Der Bundestag hat die Reform der Notfallversorgung verabschiedet. Doch ob die neuen Strukturen in der Praxis funktionieren, ist umstritten. Der Hausärzteverband Sachsen-Anhalt hat sich in einem offenen Brief an Bundeskanzler Friedrich Merz gewandt und davor gewarnt, dass die Personalfrage ungeklärt sei. „Neue Strukturen schaffen keine zusätzlichen Ärzte — sie verteilen lediglich die ohnehin knappe Arztarbeitszeit neu”, schreibt Verbandsvorsitzender Torsten Kudela.

Die Reform sieht vor, an Krankenhäusern sogenannte integrierte Notfallzentren einzurichten. Dort sollen Patientinnen und Patienten nach einer Ersteinschätzung den weiteren Weg gewiesen bekommen — etwa in die Sprechstunde einer Kooperationspraxis. Zusätzlich soll rund um die Uhr eine telefonische oder videounterstützte Versorgung für Akutfälle zur Verfügung stehen, bei Bedarf auch vor Ort. Ziel ist es, die Notaufnahmen der Krankenhäuser zu entlasten.

Die Kritik an diesem Ansatz kommt aus der gesamten Ärzteschaft und reicht bis in die ersten konkreten Konsequenzen. Die KV Saarland hat bereits angekündigt, Bereitschaftsdienstpraxen infrage zu stellen, weil das Personal dafür fehle. Die Kassenärztliche Bundesvereinigung spricht von einem eklatanten Widerspruch, neue Parallelstrukturen aufzubauen, während der ambulanten Versorgung gleichzeitig Mittel gekürzt werden. Auch der Bundesvorstand des Hausärztinnen- und Hausärzteverbandes um Nicola Buhlinger-Göpfarth und Markus Blumenthal-Beier hatte nach der Verabschiedung im Bundestag betont, die Notaufnahmen sollten auf dem Rücken der niedergelassenen Ärzte entlastet werden. Das könne nicht gut gehen.

Für Städte und Gemeinden, die Krankenhäuser betreiben oder an ihnen beteiligt sind, stellt sich die Frage, wie die integrierten Notfallzentren besetzt werden sollen, wenn niedergelassene Ärzte bereits jetzt an der Belastungsgrenze arbeiten. Die Kassenärztliche Vereinigung Sachsen-Anhalt hatte bereits im April gewarnt, Doppelstrukturen bänden Personal, das schlicht nicht vorhanden sei. Im offenen Brief an den Kanzler vermisst der Hausärzteverband Sachsen-Anhalt zudem die versprochene Entlastung von Bürokratie und den Willen des Gesetzgebers, die Gesundheitskompetenz der Bevölkerung zu stärken. (DEKOM, 26.10.2026) Mehr Infos hier…

Berufliche Schulen: dbb fordert Entlastung der Lehrkräfte

Mehr als 630.000 Stellen im öffentlichen Dienst sind derzeit unbesetzt. Die Nachwuchsgewinnung gehört zu den drängendsten Aufgaben für Verwaltungen auf allen Ebenen. Ein Modell aus dem Saarland zeigt, wie berufliche Schulen gezielt dazu beitragen können, junge Menschen für den Staatsdienst zu gewinnen — vorausgesetzt, die Lehrkräfte haben die Kapazität dafür.

Am Kaufmännischen Berufsbildungszentrum (KBBZ) in Saarlouis läuft seit kurzem eine Fachoberschule für Verwaltung sowie Steuer und Finanzen. Sie verzahnt schulische Ausbildung eng mit der öffentlichen Verwaltung und Unternehmen und eröffnet Absolventen einen direkten Zugang in den öffentlichen Sektor. Andreas Hemsing, Zweiter Vorsitzender des Deutschen Beamtenbundes (dbb), hat sich bei einem Besuch vor Ort ein Bild von dem Ansatz gemacht. Projekte, die gut ausgebildete Fachkräfte in den Staatsdienst brächten, seien angesichts rückläufiger Bewerberzahlen und zunehmender Orientierungslosigkeit bei jungen Menschen „Gold wert”, so Hemsing.

Allerdings stoßen die Lehrkräfte an beruflichen Schulen an ihre Grenzen. Hemsing kritisiert, dass immer mehr Aufgaben auf sie abgeladen werden, die mit dem eigentlichen Lehrauftrag wenig zu tun haben. Lehrkräfte fungierten zunehmend als Jugendpsychologen und Lebensberater, gleichzeitig wachse die bürokratische Belastung. Einen Ausgleich für die Mehrarbeit gebe es nicht — weder durch ein höheres Einkommen noch durch zusätzliche Arbeitszeit.

Erschwerend kommt hinzu, dass ankommende Schülerinnen und Schüler verstärkt Bildungslücken mitbringen. Das betrifft laut dbb vor allem Sprachkenntnisse und grundlegende Kompetenzen in Mathematik und Problemlösung. Lehrkräfte müssen diese Defizite auffangen, bevor der eigentliche Fachunterricht beginnen kann.

Für Städte und Gemeinden, die als Schulträger berufliche Schulen betreiben, verbinden sich mit der Debatte zwei Handlungsfelder. Zum einen bieten Kooperationsmodelle wie in Saarlouis eine Möglichkeit, den eigenen Fachkräftebedarf in der Verwaltung frühzeitig zu sichern. Zum anderen erfordert die Überlastung der Lehrkräfte Investitionen in Unterstützungsstrukturen — von psychosozialer Betreuung über Verwaltungsentlastung bis hin zu Schutzkonzepten gegen die steigende Gewalt an Schulen, die der dbb ebenfalls thematisiert. (DEKOM, 26.10.2026/dbb, 23.10.2006) PM dbb hier…

Photovoltaik-Recycling auf kommunalen Liegenschaften

Die ersten großen Photovoltaik-Jahrgänge aus der frühen EEG-Phase erreichen das Ende ihrer Betriebsdauer. Ein erheblicher Teil dieser Anlagen steht auf Schuldächern, Klärwerken und Bauhöfen, also auf kommunalen Liegenschaften, für deren Rückbau und Verwertung die öffentliche Hand verantwortlich ist. Laut einer Prognose der International Renewable Energy Agency (IRENA) kommen allein in Deutschland bis 2030 rund 400.000 Tonnen Solarmodule jährlich neu in den Abfallstrom. Der Markt beantwortet die Frage, was mit diesen Modulen passiert, bislang überwiegend mit Schreddern.

Das Dresdner Technologieunternehmen FLAXRES hat ein patentiertes Verfahren entwickelt, das die Materialien per Lichtpuls sortenrein trennt, ohne Chemikalien und ohne den Energieaufwand thermischer Verfahren.

Bis 2030 kommen laut der IRENA-Studie rund 400.000 Tonnen Solarmodule jährlich neu in den Abfallstrom. Nico Bernstein, Geschäftsführer der FLAXRES GmbH und des Tochterunternehmens FLAXRES Operations Europe GmbH, beobachtet allerdings, dass die tatsächlichen Ausfallraten höher liegen als die Lebensdauermodelle unterstellen. Gerade bei Modulen, die vor 10 bis 15 Jahren installiert worden seien, zeigten sich zunehmend Qualitätsprobleme, sagt Bernstein. Rückseitenfolien rissen, Gutachter schlössen eine Wiederverwendung der Module aus. FLAXRES habe zuletzt einen Solarpark mit rund 6.000 Modulen übernommen, der nach 14 Jahren vollständig als Schrott eingestuft worden sei.

Ein Problem, das in der kommunalen Praxis bislang wenig Aufmerksamkeit findet, sind verpachtete Flächen. Bernstein kennt Fälle, in denen ein Betreiber einen Solarpark auf kommunalem Grund errichtet hat, die Firma nicht mehr existiert und die Pacht ausläuft. Die Module bleiben beim Grundstückseigentümer liegen, also bei der Kommune. Solche Fälle zögen zunächst rechtliche Klärung nach sich, räumt Bernstein ein. Am Ende stehe aber die praktische Frage, wohin mit den Modulen.

Beim herkömmlichen Schreddern wird das Modul zerkleinert und das Material sortiert. Das FLAXRES-Verfahren setzt stattdessen einen Lichtblitz ein, dessen Intensität dem 50.000- bis 80.000-fachen des normalen Sonnenlichts entspricht. Der Blitz erzeugt an der Oberfläche des Siliziumwafers einen extremen Temperaturgradienten, der den Kunststoff an der Grenzschicht vergast und den Wafer vom Verbund trennt. Anders als bei der Pyrolyse, bei der das gesamte Modul erhitzt und der Kunststoff vollständig vergast werde, bleibe der Großteil des Moduls von der thermischen Belastung weitgehend unberührt, erläutert Bernstein. Die Emissionen seien dadurch minimal, der Energieaufwand liege bei unter einer Kilowattstunde pro Modul. In einem Massentest hat FLAXRES bereits im Jahr 2022 7,5 Tonnen Solarmodule verarbeitet und dabei über 200 Kilogramm Silizium, 4 Kilogramm Silber und 4,9 Tonnen Glas in hoher Reinheit zurückgewonnen.

Den wirtschaftlichen Hebel sieht Bernstein weniger im Recyclingprozess selbst als in der Weiterverwendung der gewonnenen Materialien. Laut einer Erhebung des Fraunhofer-Instituts liege der Materialwert bei einer herkömmlichen Verwertung bei rund 10 Euro pro Modul. Das sortenreine Verfahren erziele höhere Werte, die genaue Höhe hänge allerdings von den jeweiligen Abnehmermärkten ab. Bernstein sieht das Potenzial nicht in einem einzelnen Wertstoff, sondern in der möglichst hochwertigen Rückgewinnung aller im Modul enthaltenen Materialien. Glas stellt zwar den größten Massenanteil dar, zugleich gewinnen aber auch Silizium, Silber, Aluminium und weitere Fraktionen an Bedeutung. Je sortenreiner die Materialien zurückgewonnen werden können, desto höher ist ihr Potenzial für die weitere Verwendung in industriellen Wertschöpfungsketten. Beim Schreddern entstehe dagegen häufig Glaswolle, ein Downcycling, bei dem das Glas für hochwertige Anwendungen verloren gehe.

Für kommunale Betriebe, die Rückbau und Verwertung ausschreiben, ist eine klare Rollenverteilung entscheidend. FLAXRES entwickelt die patentierte Verfahrenstechnologie, während die FLAXRES Operations Europe GmbH als zertifizierter Entsorgungsfachbetrieb auch die Annahme und Behandlung von Photovoltaikmodulen übernehmen kann. Dadurch können sowohl Sammlung und Logistik als auch die hochwertige Verwertung aus einer Hand oder gemeinsam mit regionalen Entsorgungspartnern organisiert werden. Wer bei Ausschreibungen besonderen Wert auf eine hochwertige stoffliche Verwertung legt, sollte bei der Auswahl auf die eingesetzte Technologie und die Verwertungswege der Materialien achten.

Die Sammlung und Logistik übernimmt die FLAXRES Operations Europe dabei teilweise selbst und arbeitet darüber hinaus mit bestehenden Entsorgungs- und Logistikpartnern zusammen. „Die Intelligenz ist die Sammlung“, fasst Bernstein zusammen. Verschiedene Entsorgungsunternehmen seien bereits mit Anfragen an FLAXRES herangetreten, um bestehende Logistikstrukturen mit der Verfahrenstechnologie zu verbinden. Für die kommunale Ebene bedeutet das, dass die vorhandenen Sammel- und Entsorgungsstrukturen nicht ersetzt, sondern um eine technologisch höherwertige Verwertungsoption ergänzt werden. (DEKOM, 26.10.2026) Mehr Infos hier…

Über FLAXRES

Die FLAXRES GmbH mit Sitz in Dresden ist ein Technologieunternehmen für die sortenreine Trennung von Verbundwerkstoffen, spezialisiert auf das Recycling von Photovoltaikmodulen. Das patentierte Lichtpulsverfahren arbeitet ohne Chemikalien und mit einem Bruchteil des Energieaufwands thermischer Verfahren. Gemeinsam mit der FLAXRES Operations Europe GmbH deckt das Unternehmen sowohl die Weiterentwicklung der Technologie als auch die operative Behandlung von Photovoltaikmodulen ab.