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CSRD-Präsident Hans-Wilhelm Dünn: „Wir müssen weg von der digitalen Naivität“

Die Entscheidung der niedersächsischen Landesregierung, rund 30 Millionen Euro in ein KI-gestütztes Abwehrsystem eines US-Anbieters zu investieren, stößt bei Experten auf ein geteiltes Echo. Die Landesregierung begründete die Auftragsvergabe damit, dass auf dem europäischen Markt zum Zeitpunkt der Beschaffung keine vergleichbare technologische Lösung verfügbar gewesen sei. Hiesige Branchenvertreter und Fachleute sehen darin jedoch eine Fehleinschätzung der technologischen Leistungsfähigkeit deutscher Sicherheitsanbieter, die bereits heute hochautomatisierte Alternativen bereitstellen. Diese unterschiedlichen Bewertungen der Marktlage verdeutlichen die Notwendigkeit einer tieferen Auseinandersetzung mit nationalen Sicherheitskapazitäten. Wie staatliche Akteure und Kommunen ihre Handlungsfähigkeit sichern können, ohne die digitale Souveränität preiszugeben, ist auch Kernthema des Souveränitätshubs zu dem der Cyber-Sicherheitsrat Deutschland e.V. (CSRD) am 5. März 2026 nach Berlin einlädt. Im Vorfeld sprachen wir mit dem CSRD -Präsidenten Hans-Wilhelm Dünn darüber, warum deutsche Sicherheitslösungen oft zu Unrecht unter dem Radar fliegen.

DEKOM: Herr Dünn, in der Debatte um IT-Beschaffungen wird oft von „digitaler Souveränität“ gesprochen. Für viele Praktiker in den Kommunen klingt das nach Abschottung. Wie definieren Sie den Begriff im Kontext staatlicher Handlungsfähigkeit?

Hans-Wilhelm Dünn: Wir müssen weg von der Vorstellung, dass Souveränität bedeutet, alles selbst zu bauen oder sich komplett zu isolieren. Das ist im globalen Markt illusorisch. Digitale Souveränität definieren wir im Cyber-Sicherheitsrat Deutschland e.V. als die Fähigkeit, selbstbestimmt über den Einsatz digitaler Komponenten entscheiden zu können. Es geht um Wahlfreiheit und Kontrolle. Wenn eine Kommune nicht mehr wechseln kann, weil die Datenformate proprietär sind oder die Prozesse komplett auf einen US-Hyperscaler zugeschnitten wurden, dann hat sie ihre Souveränität aufgegeben. Souveränität heißt: Ich verstehe, was in meinen Netzen passiert, und ich habe den Schlüssel zu meinen Daten in der eigenen Tasche, nicht auf einem Server in Übersee.

DEKOM: Die Entscheidung in Niedersachsen für US-Software wurde unter anderem damit begründet, dass vergleichbare KI-gestützte Systeme in Deutschland schlicht nicht verfügbar seien. Wenn wir uns aber den Markt ansehen – nehmen wir beispielsweise Enginsight aus Jena, die hochautomatisierte Analysen und Abwehrsysteme anbieten –, wirkt dieses Argument der „technologischen Lücke“ doch vorgeschoben, oder?

Hans-Wilhelm Dünn: Absolut, da sprechen Sie einen wunden Punkt an. Das Beispiel Enginsight zeigt ja exemplarisch, dass wir diese Technologien im eigenen Land haben. Wir haben in Deutschland, gerade im Bereich Cybersecurity und Datenanalyse, exzellente Anbieter. Unternehmen wie diese, die aus der Praxis heraus entstanden sind und Sicherheitslücken automatisiert schließen, beweisen, dass „Security made in Germany“ technologisch absolut auf Augenhöhe ist. Das Problem ist nicht die fehlende Technologie, sondern die fehlende Sichtbarkeit bei den Entscheidern.

DEKOM: Woran liegt das?

Hans-Wilhelm Dünn: US-Konzerne kommen mit riesigen Marketing-Budgets und fertigen Compliance-Versprechen, die Entscheidern ein trügerisches Gefühl von Sicherheit geben. Deutsche Hidden Champions wie die Kollegen aus Jena sind technologisch oft granularer, präziser und vor allem datenschutzkonformer, fallen aber durch das Raster pauschaler Ausschreibungen, weil man sich nicht die Mühe macht, den Markt wirklich zu sondieren. Wir haben hier keine Innovationslücke, sondern eine massive Wahrnehmungs- und Implementierungslücke.

DEKOM: Wenn öffentliche Stellen diese Lücke nicht schließen und weiter auf außereuropäische Anbieter setzen, entstehen langfristige Pfadabhängigkeiten. Welche Risiken sehen Sie hier?

Hans-Wilhelm Dünn: Das Risiko ist dreigeteilt. Erstens: Preisdiktat. Wenn Sie einmal im Ökosystem drin sind, zahlen Sie jeden Preis für das nächste Update. Zweitens: Geopolitik. Technologie wird zunehmend als politische Waffe eingesetzt. Wenn sich die geopolitische Wetterlage ändert, können Updates verweigert oder Dienste eingeschränkt werden. Drittens: Die Sicherheitsarchitektur selbst. Ein System, dessen Quellcode ich nicht auditieren kann, bleibt eine Blackbox. Gerade für Kritische Infrastrukturen auf kommunaler Ebene ist es fahrlässig, sich blind auf Partner zu verlassen, deren Rechtsrahmen – wie der US CLOUD Act – im Widerspruch zu unseren Interessen stehen kann.

DEKOM: Viele Kommunalverwaltungen stehen mit dem Rücken zur Wand: Personalmangel trifft auf Modernisierungsdruck. Was raten Sie einem Bürgermeister konkret, der seine IT sicher aufstellen muss, ohne in diese Abhängigkeitsfalle zu tappen?

Hans-Wilhelm Dünn: Mein Rat ist Pragmatismus gepaart mit Prinzipientreue. Erstens: Automatisierung ist der Schlüssel gegen Fachkräftemangel, nicht das Outsourcing der Datenhoheit. Nutzen Sie Lösungen, die Prozesse wie Schwachstellenscans und Monitoring automatisieren – das entlastet das Personal massiv. Zweitens: Schauen Sie sich den heimischen Markt genau an. Deutsche Anbieter sind oft bereit, Lösungen viel flexibler an kommunale Bedürfnisse anzupassen als ein US-Konzern, der nur „Friss oder stirb“ anbietet. Investieren Sie in Systeme, die in unseren Rechtsraum gehören. Das ist am Ende die günstigste Versicherung gegen politische und digitale Krisen. (DEKOM, 23.02.2026) Mehr zum Cyber-Sicherheitsrat Deutschland e.V. (CSRD) hier…

Das Glasfaser-Wunder von Norderney: Eine Insel zeigt dem Festland die Rücklichter

Der Glasfaserausbau in Deutschland im Februar 2026: Verfügbarkeit auf dem Papier, Stillstand in der Praxis. Aktivierungslücken, strategischer Überbau, Genehmigungsstaus und ein BGH-Urteil, das die Vertragspraktiken der Branche korrigieren musste – das ist die bundesweite Realität. Norderney hat eine andere Geschichte geschrieben. Fast zwei Jahre ist es her, dass die Insel den Vollausbau vermelden konnte. Heute surfen 70 Prozent der Haushalte über das stadteigene Netz. Die Stadtwerke sind damit Marktführer auf der Insel. Stadtwerke-Chef Holger Schönemann ist Elektroingenieur, hat jahrelang Telekommunikationsprojekte bei verschiedenen Telekommunikationsunternehmen geleitet und weiß, was ein Glasfaserprojekt wirklich braucht. Als er 2017 antrat, dauerte es rund zwei Jahre, den Aufsichtsrat zu überzeugen. Dann ging es schnell. Schönemann wusste von Anfang an, welche Rollen, Systeme und Partner ein solches Projekt braucht – ein Wissen, das vielen kommunalen Trägern fehlt. Sein Vorteil war zudem struktureller Natur: Als Chef der Stadtwerke, der Wohnungsgesellschaft und des Flughafens konnte er Entscheidungen treffen, die anderswo über mehrere Tische wandern. Als das Nebenkostenprivileg beim Kabelfernsehen fiel, baute er innerhalb von drei Monaten ein eigenes lineares TV-Angebot über das Glasfasernetz auf – und öffnete damit auch die Türen zu Ferienimmobilien, deren Eigentümer bis dahin kein Interesse an einem Internetanschluss hatten. In der Anfangsphase, die ersten Bagger rollten bereits, stand eine systematische Bestandsaufnahme. Rainer Staar von fiberprojects.de beging mehr als 100 Gebäude auf der Insel, um hausgenau zu klären, wo Glasfaser technisch realisierbar war und wo zunächst Lösungen erarbeitet werden mussten. Was als Vier-Wochen-Auftrag begann, wurde eine Zusammenarbeit von rund zwei Jahren. Staar begleitete die Qualitätssicherung im laufenden Bau, half bei der technischen Einarbeitung externer Mitarbeiter, erwirkte Genehmigungen bei Stadt-/ Kreis- und Landesbehörden – und war das sachliche Korrektiv, als der erste Generalunternehmer ausgetauscht werden musste. Was rät Schönemann Bürgermeistern, die das nachmachen wollen? Mut brauche man, sagt er, aber vor allem den richtigen Partner im Tiefbau. Das sei der teuerste und fehleranfälligste Teil – und der, bei dem Steuergelder am schnellsten verbrennen. Referenzen prüfen. Auf deutschsprachige Bauleitung bestehen, gerade wenn osteuropäische Unternehmen eingesetzt werden. Und: Fachleute früh ins Boot holen, nicht erst wenn etwas schiefläuft. Wer kein stringentes Projektmanagement aufsetze – mit geeigneten Systemen, nicht nur Excel – werde es schwer haben. Die Netto-Bauzeit auf Norderney betrug 500 Tage. Trotz Corona-Abriegelung, Generalunternehmerwechsel und saisonalem Bauzeitfenster zwischen Oktober und Mai. Das Lehrgeld hat Norderney bezahlt. Andere Kommunen müssen das nicht noch einmal tun. Drei Dinge haben auf Norderney funktioniert: ein Stadtwerke-Chef, der das Projekt zur Chefsache gemacht hat und dabeigeblieben ist. Die Bereitschaft, Lehrgeld zu zahlen – und daraus zu lernen. Und das richtige Händchen bei der Wahl der richtigen Fachleute. Klingt einfach. Ist es nicht. (DEKOM, 23.02.2026) Mehr Infos hier…

Stadtnetze Münster setzen auf strukturierte Serviceprozesse

Steigende Anfragevolumina, komplexere Verfahren und wachsende Erwartungen an Transparenz bringen viele kommunale Organisationen an ihre Belastungsgrenzen. In zahlreichen Verwaltungen und Infrastrukturbetrieben laufen zentrale Prozesse nach wie vor über E-Mail-Postfächer, mit entsprechend begrenzter Nachvollziehbarkeit, unklaren Zuständigkeiten und erheblichem Abstimmungsaufwand. Wie sich diese gewachsene Struktur in der Praxis auswirkt und organisatorisch neu ordnen lässt, zeigt das Beispiel der Stadtnetze Münster. Gemeinsam mit dem auf IT-Service-Management spezialisierten Unternehmen performio setzt der kommunale Netzbetreiber im Umfeld des Glasfaserausbaus auf strukturierte Ticket- und Workflowprozesse, um eingehende Anfragen zentral zu erfassen, Zuständigkeiten eindeutig zuzuordnen und Bearbeitungsstände transparent nachvollziehbar zu machen. Mit zunehmender Ausbaugeschwindigkeit steigt in Münster die Zahl der eingehenden Anfragen deutlich. Bürgeranliegen, Abstimmungen mit Tiefbauunternehmen, interne Rückfragen sowie technische Detailklärungen laufen nicht mehr über individuelle oder funktionsbezogene E-Mail-Postfächer, sondern werden systematisch erfasst und gesteuert. Transparente Zuständigkeiten und eine nachvollziehbare Dokumentation ersetzen informelle Weiterleitungen und parallele Kommunikationsstränge. Wo zuvor Zuständigkeiten manuell geklärt und Bearbeitungsstände telefonisch oder per Weiterleitung ermittelt werden mussten, sorgt heute ein zentrales Ticketsystem für Übersicht. Vertretungsregelungen lassen sich strukturiert abbilden, Bearbeitungsfristen nachvollziehen. Gleichzeitig entsteht eine belastbare Datengrundlage, um Anfragearten, Bearbeitungszeiten und Belastungsspitzen systematisch auszuwerten. Zum Einsatz kommt ein modernes SaaS Service-Management-System. Ziel ist es, Serviceprozesse verbindlich zu strukturieren und wiederkehrende Vorgänge identifizierbar zu machen. Automatisierungen unterstützen die Priorisierung und Weiterleitung von Anfragen, Auswertungen ermöglichen eine fundiertere interne Steuerung. Neben funktionalen Kriterien spielt für die Stadtnetze Münster auch die Frage der digitalen Souveränität eine Rolle. Beratung, Implementierung und laufender Support erfolgen durch einen in Deutschland ansässigen Partner. Kommunale Anforderungen an Datenschutz und IT-Governance werden dabei berücksichtigt. performio verweist in diesem Zusammenhang auf sein IT-Service-Management-Modell mit klarer Prozessstruktur und regional verankerter Betreuung. Rund 110 Mitarbeitende arbeiten inzwischen mit dem Ticketsystem bei den Stadtnetzen. Anfragen aus dem Glasfaserbereich sowie aus angrenzenden Aufgabenfeldern werden strukturiert erfasst, priorisiert und dokumentiert bearbeitet. Die zuvor dominierende E-Mail-Kommunikation verliert damit ihre Funktion als zentrales Steuerungsinstrument. Aus Sicht der Verantwortlichen liegt der zentrale Mehrwert in der gewonnenen Transparenz und daraus resultierende Optimierung von Prozessen. Bearbeitungsstände sind einsehbar, Zuständigkeiten eindeutig hinterlegt, Vertretungen systemisch geregelt. Die Auswertung der Vorgänge liefert zudem eine Grundlage für organisatorische Anpassungen und strategische Entscheidungen. Schnellere Bearbeitung, weniger Fehler und höhere Zufriedenheit der Beteiligten sind das Ergebnis. Herausforderungen ergeben sich vor allem im organisatorischen Umfeld. Fragen der IT-Sicherheit, interne Abstimmungsprozesse sowie die Integration in bestehende Systemlandschaften erfordern eine enge Koordination. Gleichwohl zeigt das Beispiel, dass sich auch gewachsene E-Mail-Strukturen schrittweise in verbindliche Workflows überführen lassen. Das Beispiel der Stadtnetze Münster verdeutlicht, dass die Leistungsfähigkeit kommunaler Infrastrukturbetriebe nicht allein vom technischen Ausbau abhängt. Ebenso entscheidend ist die Struktur der internen Prozesse. Wo E-Mail-Postfächer als zentrale Steuerungsinstrumente dienen, geraten Transparenz und Steuerbarkeit schnell an Grenzen. Strukturierte Service-Management-Lösungen können hier eine tragfähige organisatorische Grundlage schaffen und die digitale Souveränität kommunaler Unternehmen stärken. (DEKOM, 23.02.2026) Mehr Infos zu performio hier… Mehr Infos zu Stadtnetze Münster hier…

Hochlauf der Ladeinfrastruktur zwischen regulatorischem Druck und strategischer Neuausrichtung

Der Ausbau der Ladeinfrastruktur hat hierzulande zum Jahresbeginn 2026 eine neue Dynamik erreicht, die den Fokus weg von der reinen Anzahl der Ladepunkte hin zur tatsächlich verfügbaren Ladeleistung verschiebt. Mit rund 194.000 öffentlich zugänglichen Ladepunkten verzeichnete die Bundesnetzagentur zum Stichtag 1. Januar einen Zuwachs von etwa 17 Prozent im Vergleich zum Vorjahr. Entscheidend ist jedoch der massive Rollout von HPC-Anlagen (High Power Charging), durch den die kumulierte Ladeleistung auf über 8 Gigawatt kletterte. Während die quantitative Abdeckung die europäischen Mindestvorgaben bereits übertrifft, rücken die Qualität der Standorte und die Zuverlässigkeit der Systeme zunehmend in das Zentrum der regulatorischen Strategie. Vor diesem Hintergrund steht insbesondere der kommunale Sektor vor einer Zäsur. Die gesetzlichen Anforderungen an die Entflechtung von Netz und Betrieb sowie der steigende Kostendruck bei historisch gewachsenen Kleinststrukturen zwingen Stadtwerke dazu, ihre Rolle als „Charge Point Operator“ (CPO) grundlegend zu hinterfragen. Über die veränderten Anforderungen an kommunale Partner und die notwendigen Weichenstellungen für ein flächendeckend stabiles Ladenetz sprach DEKOM mit Stefan Kutz, der bei Wirelane den Stadtwerkebereich verantwortet.

DEKOM:  Herr Kutz, das Energiewirtschaftsgesetz fordert in § 7c eine klare Trennung zwischen Netzbetrieb und dem Betrieb von Ladeinfrastruktur. Wo liegen aus Ihrer Erfahrung die größten Fallstricke für Stadtwerke, die diesen Prozess bisher aufgeschoben haben, und welche Fristen sind jetzt kritisch?

Stefan Kutz: „Der größte Fallstrick für Stadtwerke ist die unterschätzte Komplexität der gesellschaftsrechtlichen Entflechtung. Viele Unternehmen haben den Prozess aufgeschoben, da Ausnahmeregelungen für kleinere Stadtwerke Sicherheit suggerierten. Doch die regulatorische Daumenschraube zieht an: Wer die Trennung von Netzbetrieb und Ladesäulenbetrieb (CPO) nicht rechtzeitig vollzieht, riskiert nicht nur empfindliche Bußgelder der Bundesnetzagentur.

Ein kritischer Punkt wird dabei oft übersehen: Eine überhastete Ausgliederung kann den steuerlichen Querverbund gefährden, wenn sie nicht präzise mit dem kommunalen Haushalt abgestimmt ist. Die absolute Deadline ist das Ende der Übergangszeit zum 31. Dezember 2026 – bis zu diesem Datum müssen die Strukturen stehen, um rechtssicher agieren zu können.

Über die rein rechtliche Pflicht hinaus ist jetzt jedoch auch der ideale Zeitpunkt, um das gesamte CPO-Betriebsmodell strategisch zu hinterfragen. Effizienz steht der Kleinteiligkeit des Geschäfts gegenüber. Stadtwerke sollten kritisch prüfen, ob es tatsächlich wirtschaftlich sinnvoll ist, nur vereinzelte Ladepunkte in der Region zu betreiben, anstatt sich konsequent auf ihre Kerngebote und Kompetenzen zu konzentrieren.

Die Zusammenarbeit mit professionellen, bundesweit agierenden Anbietern stellt hier oft die perfekte Lösung dar. Durch die Auslagerung der Infrastruktur wird ein professioneller Betrieb für die Zukunft sichergestellt. Letztlich profitieren die Bürgerinnen und Bürger von einer zuverlässigen, hochverfügbaren Ladeinfrastruktur.“

DEKOM:  Wirelane bietet sowohl die vollständige Übernahme als auch die reine Betriebsführung an. Nach welchen Kriterien sollten kommunale Entscheider wählen, insbesondere wenn noch Zweckbindungsfristen aus öffentlichen Förderprogrammen bestehen?

Stefan Kutz: „Zunächst muss man feststellen: Viele Stadtwerke haben den Aufbau der Ladeinfrastruktur ursprünglich aus einer besonderen Motivation heraus betrieben. Oft wurden dabei entweder die Ertragserwartungen zu optimistisch angesetzt oder die enorme operative Kleinteiligkeit des Geschäfts schlicht unterschätzt. Diese strategische Erkenntnis steht der eigentlichen Wahl des Modells meist schon vorgelagert. In der konkreten Umsetzung sollte die Entscheidung dann primär am Status der Zweckbindungsfrist festgemacht werden. Bestehen noch laufende Förderverpflichtungen, ist der reine Betriebsführungsübertrag oft der sicherste Weg, da das Stadtwerk Eigentümer (Asset-Halter) bleibt und keine Rückzahlungen riskieren muss. Ist die Zweckbindung abgelaufen, empfehlen wir die vollständige Übernahme. Damit befreit sich das Stadtwerk komplett vom technischen und wirtschaftlichen Risiko sowie vom operativen Aufwand. Wir übernehmen die Infrastruktur in unsere Bilanz und garantieren den langfristigen Weiterbetrieb auf höchstem Niveau.“

DEKOM:  Ein häufiger Kritikpunkt bei der Abgabe des Betriebs an externe Dritte ist der Verlust des lokalen Einflusses. Wie stellen Sie sicher, dass der Ladestrom weiterhin vom örtlichen Versorger bezogen wird und das Stadtwerk für die Bürger sichtbar bleibt?

Stefan Kutz: „Wir verstehen das Stadtwerk als den vertrauenswürdigen Akteur vor Ort. Daher setzen wir auf zwei Säulen: Erstens bieten wir ein partnerschaftlich abgestimmtes White-Labeling an, wenn es gewünscht wird. Die Ladesäule bleibt im gewohnten Corporate Design des Stadtwerks für den Bürger sichtbar. Lediglich ein dezentes ‚powered by‘-Labeling stellt sicher, dass die e-mobilen Nutzer in Supportfragen sofort die richtige Telefonnummer finden. Zweitens stellen wir über entsprechende Energielieferverträge sicher, dass der Ladestrom physisch vom örtlichen Versorger bezogen wird. So bleibt die regionale Wertschöpfung erhalten, und das Stadtwerk profitiert weiterhin vom Stromabsatz, ohne sich um die kleinteilige Abrechnung kümmern zu müssen.“

DEKOM:  Der Betrieb von Ladesäulen gilt als kleinteilig und wartungsintensiv. Welche technischen Standards, etwa bei der Uptime oder dem 24/7-Support, müssen heute garantiert werden, um die Akzeptanz der Elektromobilität in der Fläche nicht zu gefährden?

Stefan Kutz: „Ja, absolut richtig, ins Schwarze getroffen. Der Betrieb ist in der Tat extrem kleinteilig und wartungsintensiv – das ist ein Punkt, den viele Stadtwerke zu Beginn unterschätzt haben. Heute, im Jahr 2026, verzeiht der Markt keine Ausfälle mehr. Wir garantieren daher Standards, die für einen lokalen Versorger im Eigenbetrieb kaum wirtschaftlich darstellbar sind.

Eine Uptime von mindestens 98 bis 99 % ist heute die ‚License to operate‘. Ein automatisierter Support, der Störungen in Echtzeit erkennt und per Remote-Zugriff behebt, ist essenziell. Und wer heute noch Hardware ohne Kreditkartenterminal betreibt, riskiert die Akzeptanz der Bürger. Wir sorgen dafür, dass die Technik nicht zum Hindernis für die Elektromobilität wird, sondern zum unsichtbaren, funktionierenden Rückgrat.“

DEKOM:  Viele kommunale Netze sind historisch gewachsen und bestehen aus unterschiedlicher Hardware. Wie bewerten Sie Altanlagen im Hinblick auf eine Übernahme und ab welcher Portfoliogröße wird ein Outsourcing für einen Regionalversorger betriebswirtschaftlich zwingend?

Stefan Kutz: „Hier kommen wir zum Kern des Problems: Viele Netze sind historisch gewachsen, was zu einem heterogenen Hardware-Mix führt. Das macht die Wartung teuer und kompliziert. Wir bewerten die Altanlagen ganz individuell nach ihrer Eichrechtskonformität und zukunftsfähigen Bezahlmöglichkeiten.

Oft ist es wirtschaftlich sinnvoller, den CPO-Betrieb grundlegend zu hinterfragen, statt an unwirtschaftlichen Kleinststrukturen festzuhalten. Wir sehen die betriebswirtschaftlich zwingende Schwelle für ein Outsourcing bei ca. 50-60 Ladepunkten, natürlich komplett abhängig von der Performance des Ladesäulen-Portfolios. Darunter fressen die Fixkosten für Fachpersonal und IT-Security die Margen komplett auf. Ein professioneller Partner löst dieses Problem, indem er die Infrastruktur auslagert und so den professionellen Betrieb zum Wohle der Bürger sicherstellt.“

DEKOM:  Wirelane fokussiert sich stark auf das Laden am Zielort. Welche Rolle spielen Städte und Gemeinden in den nächsten drei Jahren bei der Standortentwicklung, und wie können sie ohne eigenes finanzielles Risiko den Ausbau beschleunigen?

Stefan Kutz: „Städte und Gemeinden spielen in den nächsten Jahren die Rolle des Enablers. Der Fokus verschiebt sich massiv zum Laden am Zielort – also genau dort, wo Menschen parken, arbeiten und einkaufen. Kommunen können den Ausbau dabei massiv beschleunigen, ohne selbst ins finanzielle Risiko zu gehen. Zum Beispiel durch Konzessionsmodelle. Dabei stellt die Gemeinde lediglich die Flächen bereit. Ein professioneller Anbieter wie Wirelane übernimmt das gesamte Investitions- und Betriebsrisiko.

Und um dem Bürokratieabbau auch ein wenig durch Expertise zu helfen, unterstützen wir Städte aktiv mit unserer ‚how to Sondernutzung‘-Guideline. Das ist eine Punkt-für-Punkt-Anleitung, die wir Kommunen zur Verfügung stellen, um administrative Hürden effizient zu meistern. Dazu bieten wir noch eine fundierte Beratung für die Standortsuche an, um sicherzustellen, dass die Infrastruktur dort entsteht, wo sie auch wirklich gebraucht wird. Somit können sich kommunale Entscheider ganz auf die strategische Stadtentwicklung konzentrieren und bieten die perfekte Lösung, um Klimaziele vor Ort perfekt umzusetzen.“ (DEKOM, 23.02.2026) Mehr Infos hier…

Vielen Dank!

Über Wirelane

Angetrieben von der Mission „We empower people to move towards a clean future” gestaltet Wirelane seit 2016 nachhaltige Mobilität und entwickelt innovative Komplettlösungen für die Errichtung, den Betrieb und die Vermarktung von Ladeinfrastruktur. Als zukunftsorientierter Full Service Provider im Bereich Ladeinfrastruktur steht das Unternehmen mit Sitz in München für eine neue Generation intelligenter Ladelösungen und treibt damit die Elektrisierung der Mobilität aktiv voran. Durch das perfekte Zusammenspiel von modernsten, eichrechtskonformen Ladesäulen, innovativer Betriebssoftware sowie vollumfänglichen Installations- und Betriebsdienstleistungen bietet die Wirelane GmbH ihren Kund:innen ein zukunftssicheres Gesamtpaket für öffentliches und halb-öffentliches, transaktionsbasiertes Laden. Auch Kommunen setzen beim Aufbau von öffentlicher Ladeinfrastruktur auf Wirelane. Mit Wirelane werden Ladesysteme für wachsende Elektromobilität in Kommunen entwickelt, installiert und betrieben. Gemeinsam mit tausenden Bürger: innen in Deutschland, beantragt, installiert und betreibt das Team Standorte für Ladesäulen dort, wo sie benötigt werden. Mehr Informationen: www.wirelane.com

Smarte Laternen im Regelbetrieb — Fuldas Weg zur Smart City

Am 26. Februar trifft sich in Mönchengladbach zum fünften Mal die Smart-City-Branche zum Summit Niederrhein. In der NEW Box im Nordpark diskutieren Entscheider aus Verwaltung und Wirtschaft aktuelle Fragen der städtischen Digitalisierung — von KI in der Verwaltung bis zu datenbasierter Stadtplanung. Während viele Städte – sowohl in der Region, als auch deutschlandweit – Smart-City-Anwendungen noch planen oder erproben, haben andere den Schritt in den Dauerbetrieb vollzogen. Das osthessische Fulda gehört dazu. Die Stadt hat ihr umfassendes Smart-City-Projekt aus der Pilotphase in den Regelbetrieb überführt. Im Rahmen des hessischen Landesprogramms zur Förderung von Energieeffizienz und erneuerbaren Energien wurden 688 Straßenleuchten auf LED-Systeme umgerüstet und an das iLCS-Lichtmanagementsystem angebunden, das die Helligkeit auf den Hauptverkehrsachsen volladaptiv und in Echtzeit steuert. Die Einspareffekte gegenüber konventioneller Lampentechnik liegen bei 79 Prozent, gegenüber dauerhaft voll betriebenen LED-Anlagen bei 58 Prozent, gegenüber fix gedimmten LED-Systemen bei 34 Prozent. Generalunternehmer war Yunex Traffic, die Rhön-Energie Fulda verantwortete den Leuchtentausch. EBERO FAB übernahm die Integration der Steuerungstechnik und Sensorik — die technische Basis, auf der das Gesamtsystem arbeitet. Denn die Leuchten sind in Fulda weit mehr als Lichtquellen. An den 688 Standorten sind Sensoren für eine Reihe städtischer Aufgaben montiert. Verkehrssensoren erfassen Verkehrsströme in Echtzeit; die Daten werden über die städtische Urban Data Platform ausgewertet und steuern die Lichtsignalanlagen — einschließlich Weitergabe an die Lichtsignalanlagenzentrale Hessen von Hessen Mobil. Parkraumsensoren überwachen die Auslastung von Stellflächen in Echtzeit und sollen Parksuchverkehr und CO₂-Ausstoß reduzieren. Temperatur- und Luftfeuchtigkeitssensoren liefern Daten zu Hitzeinseln im Stadtgebiet. Bodenfeuchtesensoren wurden im Grünflächenmanagement eingesetzt, um Bewässerungsplanung mit Wetterdaten zu verknüpfen. Füllstandsensoren in Altpapier- und Altglascontainern ermöglichen bedarfsgerechtere Leerungsintervalle und zeigen Bürgern freie Kapazitäten an. Übertragen wird alles per LoRaWAN; das Rückgrat bildet eine Datenplattform nach DIN SPEC 91357, die der Stadt die volle Datenkontrolle sichert. Das Fuldaer Modell zeigt: Wer Straßenbeleuchtung erneuert und die Infrastruktur dabei konsequent für Sensorik mitdenkt, schafft an bestehenden Standorten eine Plattform für zahlreiche städtische Anwendungen — ohne zusätzliche Masten oder Leitungswege. Dass das im Regelbetrieb funktioniert, hat Fulda bereits belegt. (DEKOM, 23.02.2026) Ganzer Artikel hier…

cogniport auf der KommDIGITALE 2026 – Weiterbildung, Digitalisierung und Wissensmanagement

Ende März wird Bielefeld zur Anlaufstelle der kommunalen Digitalszene. Am 25. und 26. März 2026 öffnet die KommDIGITALE in der Stadthalle Bielefeld ihre Türen – als Kongressmesse für die Digitalisierung der kommunalen Verwaltung und inzwischen eine der wichtigsten Fachveranstaltungen ihrer Art in Deutschland. Auf über 3.000 Quadratmetern Ausstellungsfläche präsentieren mehr als 100 Aussteller ihre Lösungen. Das Veranstaltungskonzept wurde für 2026 bewusst kompakter gestaltet: Zwei Tage, klarer Fokus auf die praktische Umsetzung. Neu sind drei interaktive „Digitale Werkbänke“ mitten im Messegeschehen, an denen Lösungen direkt erlebbar gemacht werden sollen. Ergänzt wird das Programm durch sechs Kongressräume mit Workshops, Diskussionen und dem DIGITAL-Award 2026, mit dem exzellente kommunale Digitalisierungsprojekte ausgezeichnet werden. Das Kongressprogramm spiegelt wider, womit Verwaltungen derzeit tatsächlich ringen: KI-Plattformen, Prozessautomatisierung, Informationssicherheit, digitale Souveränität und Change Management sind die bestimmenden Themen. Hinter all diesen Digitalisierungsvorhaben steckt jedoch eine Herausforderung, die strukturell tiefer liegt: Wissen muss aufgebaut, gesichert und weitergegeben werden. Erfahrene Mitarbeitende gehen in Rente, Stellen bleiben unbesetzt, neue Anforderungen wachsen schneller als Einarbeitungskapazitäten. Digitale Qualifizierung und systematisches Wissensmanagement sind damit keine Randthemen der Verwaltungsmodernisierung – sondern ihre Voraussetzung. Genau hier setzt die cogniport GmbH aus Aachen mit ihren Lösungen an. Das Unternehmen ist seit 1998 auf die Qualifizierung und Wissenssicherung in Kommunalverwaltungen spezialisiert und gehört damit zu den wenigen Ausstellern auf der KommDIGITALE, die dieses Thema nicht als Begleitleistung verstehen – sondern als Kernkompetenz.  Das Unternehmen ist nicht nur mit einem Stand vertreten, sondern bringt sich auch aktiv ins Kongressprogramm ein: Unter dem Titel „Bildung digital gestalten: für eine moderne Verwaltung“ hält cogniport an beiden Messetagen einen Vortrag auf der KDN-Bühne – am 25. März von 10:30 bis 10:55 Uhr und am 26. März von 11:00 bis 11:25 Uhr. Im Mittelpunkt des Messeauftritts steht das Gesamtportfolio des Unternehmens: modulare Weiterbildungsangebote für Kommunen, maßgeschneiderte Schulungskonzepte, eLearning-Programme sowie Lösungen für Schulungsmanagement und Personalentwicklung. Kern ist die digitale Bildungsplattform von cogniport, die Lernen und Wissensmanagement in einer integrierten Lösung zusammenführt. Verwaltungen erhalten damit ein Werkzeug, das Qualifizierung, Onboarding, Pflichtschulungen und Wissenstransfer zentral organisiert – standortunabhängig und ohne Bindung an Dienstzeiten. Für Kommunen, die gleichzeitig Fachkräftemangel, demografischen Wandel und wachsende gesetzliche Anforderungen bewältigen müssen, kann ein solches System erhebliche operative Entlastung bringen. (DEKOM, 23.02.2026) Mehr Infos hier…

Fördermittel: Kommunen fordern schlanke Anträge und weniger Bürokratie

Eine aktuelle Studie des ifo Instituts auf Basis des KfW-Kommunalpanels 2025 gibt erstmals systematisch Auskunft darüber, was kommunale Finanzverantwortliche von Förderprogrammen erwarten – und wo der Schuh drückt. Die Ergebnisse dürften für Kämmereien und Gemeinderäte gleichermaßen von Interesse sein: Sie liefern Argumente für künftige Gespräche mit Fördermittelgebern auf Landes- und Bundesebene. Kommunen tragen fast die Hälfte aller öffentlichen Bauinvestitionen in Deutschland. Der kommunale Investitionsrückstand liegt laut KfW-Kommunalpanel bei rund 215,8 Milliarden Euro. Gleichzeitig greifen 88 Prozent aller Kommunen auf Förderprogramme zurück und finanzieren darüber rund ein Fünftel ihrer Investitionen. Fördermittel sind damit längst kein Randphänomen mehr, sondern ein struktureller Bestandteil kommunaler Haushalte. Das Grundproblem: Mit den Fördermitteln kommt Bürokratie. Antragspflichten, Dokumentationsanforderungen, Ausschlussklauseln und Abrechnungsauflagen binden kommunales Personal, das ohnehin knapp ist – besonders in kleinen Verwaltungen. Forscher der Universität Leipzig, der KfW Research und des Deutschen Instituts für Urbanistik (Difu) haben 509 offene Freitextantworten aus dem KfW-Kommunalpanel 2025 ausgewertet. Die Kämmereien wurden gefragt, was aus ihrer Sicht ein „praktikables“ Förderprogramm ausmacht. Das methodische Besondere: keine vorgegebenen Antwortkategorien – die Prioritäten mussten die Befragten selbst formulieren. 63 Prozent der Antworten blieben eher allgemein, 37 Prozent enthielten konkrete Verbesserungsvorschläge. 18 Prozent der Rückmeldungen fielen emotional aufgeladen aus – Formulierungen wie „keine Krümelkackerei“ oder „kein Firlefanz“ spiegeln handfesten Frust wider. Die Auswertung ergibt zehn Kriterien, die sich entlang des gesamten Förderprozesses verteilen. Bei der Antragstellung steht der Wunsch nach schlanken Verfahren ganz oben: Fast jede zweite Rückmeldung – 48 Prozent – fordert, dass Anträge ohne umfangreiche Konzepte, externe Gutachter oder aufwändige Planungsunterlagen gestellt werden können. Die Kernverwaltung soll den Antrag eigenständig bearbeiten können; grobe Kostenschätzungen sollen genügen, proportional zur Fördersumme. Knapp ein Drittel der Antworten verlangt transparente und verständliche Förderrichtlinien, die auch Mitarbeitende ohne spezialisiertes Förderwissen verstehen – ohne „verwinkelte Ausnahmeregelungen“, die durch bloße Formulierungsfehler zum Ausschluss führen. Weitere zentrale Forderungen sind ausreichende Vorlaufzeit für die Antragstellung, zügige Bewilligungsentscheidungen und schneller Mittelzufluss sowie Flexibilität bei der Mittelverwendung und bei Fristverlängerungen, wenn Kostenentwicklungen unvorhergesehen eintreten. 15 Prozent der Antworten betonen die Notwendigkeit fester, fachlich kompetenter Ansprechpartner statt anonymer Hotlines. Hinzu kommen Forderungen nach ausreichend hohen Förderquoten – manche Kommunen nennen 50 bis 80 Prozent als Untergrenze –, nach realistischen Bewilligungswahrscheinlichkeiten statt Windhundverfahren sowie nach einer stärkeren Ausrichtung der Programme am tatsächlichen lokalen Bedarf. Besonders deutlich fällt mit 33 Prozent der Rückmeldungen der Ruf nach vereinfachten Nachweispflichten bei der Abrechnung aus: Statt umfangreicher Belegpflichten und nachgelagerter externer Prüfungen soll das kommunale Rechnungsprüfungsamt anerkannt und dessen Testat als ausreichend akzeptiert werden. Die Studie erscheint zu einem politisch günstigen Zeitpunkt. Im Zuge des geplanten Bundesinfrastruktursondervermögens wird aktuell über die Mittelverteilung zwischen Bund, Ländern und Kommunen diskutiert. Mehrere Bundesländer – darunter Sachsen und Schleswig-Holstein – überarbeiten ihre Förderprogrammstrukturen. Die Botschaft der Kämmereien ist dabei eindeutig: Es geht nicht nur um punktuelle Anpassungen einzelner Programme, sondern um einen grundsätzlichen Perspektivwechsel. Kommunen wünschen sich mehr Vertrauen in ihre Entscheidungskompetenz – etwa durch pauschalisierte Fördermittel statt kleinschrittiger Einzelkostenprüfung – sowie eine konsequente Digitalisierung der Verfahren. Kämmereien und Verwaltungsleitungen können die Studie nutzen, um gegenüber Landesministerien und Fördermittelgebern konkrete Vereinfachungen einzufordern. Die zehn Kriterien bieten eine systematische Argumentationsgrundlage, dokumentiert durch eine repräsentative Befragung von mehr als 500 Kommunen. Kommunale Spitzenverbände greifen ähnliche Forderungen bereits seit Jahren auf – die ifo-Studie liefert nun die empirische Untermauerung. (DEKOM, 23.02.2026) ifo-Studie hier…

Bevölkerung ist für hybride Angriffe kaum gewappnet

Ob IT-Störung bei der Bahn durch Cyberangriffe oder Stromausfall nach der Sabotage von Leitungen: Die große Mehrheit der Deutschen rechnet mit ernstzunehmenden Krisen infolge digitaler Attacken, Sabotageaktionen und Desinformationskampagnen. Auf der anderen Seite bereitet sich kaum jemand auf die Folgen solcher hybrider Angriffe vor. Nur 2 Prozent der Bevölkerung halten ihren Haushalt für sehr gut auf hybride Angriffe und ihre Folgen vorbereitet, weitere 13 Prozent für eher gut. Rund ein Viertel (27 Prozent) sieht sich eher schlecht vorbereitet und mehr als die Hälfte (55 Prozent) ist nach eigenen Angaben überhaupt nicht vorbereitet. Dabei planen immerhin 26 Prozent, Vorkehrungen zu treffen, 29 Prozent wollen dies aber auch künftig nicht tun.  Zugleich halten es 82 Prozent für wahrscheinlich, dass es in Deutschland zu einer ernsthaften Krise infolge hybrider Angriffe kommt. Rund zwei Drittel (64 Prozent) sehen aufgrund der Spannungen zwischen Russland und der NATO eine zunehmende Gefahr, knapp die Hälfte (49 Prozent) erwartet in den kommenden fünf Jahren sogar eine militärische Konfrontation zwischen Russland und der NATO. Das sind Ergebnisse einer repräsentativen Befragung von 1.263 Personen ab 16 Jahren in Deutschland im Auftrag des Digitalverbands Bitkom. „Deutschland wird jetzt schon täglich angegriffen: im Cyberraum, mit Sabotageaktionen und mit Desinformationskampagnen. Deutschland muss seine Resilienz stärken, und dazu gehört insbesondere die Vorbereitung der Bevölkerung auf Angriffe jeglicher Art und ihre Folgen“, sagt Bitkom-Präsident Dr. Ralf Wintergerst. Aktuell sagen 64 Prozent der Menschen in Deutschland, dass sie über Bedrohungen durch hybride Angriffe nicht informiert sind, 65 Prozent finden, die Bevölkerung müsse sich insgesamt besser gegen hybride Angriffe und deren Folgen schützen. Große Angst haben die Menschen vor allem davor, dass Angriffe die Energieversorgung beschädigen oder lahmlegen (77 Prozent), 69 Prozent sorgen sich vor Ausfällen bei Banken und Versicherungen. Dahinter folgen Krankenhäuser und Ärzte (60 Prozent), die Wasserversorgung (58 Prozent) und die Lebensmittelversorgung (54 Prozent). Etwas weniger als die Hälfte (47 Prozent) hat Angst vor Ausfällen bei Telekommunikation und IT, 41 Prozent bei der öffentlichen Verwaltung und 35 Prozent bei Transport und Verkehr. Schlusslichter sind die Abfallentsorgung (27 Prozent) sowie Medien und Kultur (22 Prozent). „Deutschland muss nicht nur seine kritische Infrastruktur noch besser schützen. Jeder und jede Einzelne, aber auch die Verwaltungen und die Unternehmen müssen Vorkehrungen treffen. Im Krisenfall sind die ersten Stunden besonders wichtig“, so Wintergerst. Die meisten haben sich in ihrem Haushalt zumindest ein wenig vorbereitet. So nutzen 59 Prozent Sicherheitssoftware wie zum Beispiel eine Firewall gegen Cyberangriffe, 36 Prozent haben digitale Kopien wichtiger Dokumente angelegt und 26 Prozent analoge Kopien auf Papier von wichtigen digitalen Dateien erstellt. 31 Prozent verfügen über alternative Energiequellen wie Powerbanks oder Batterien. Aber auch ganz klassische Vorbereitungen haben viele Menschen getroffen: 41 Prozent verfügen über Taschenlampen oder Kerzen, ebenso viele haben Notvorräte an Wasser und Lebensmitteln angelegt, 36 Prozent haben eine Bargeldreserve und 29 Prozent einen Notvorrat an Medikamenten. 16 Prozent verfügen über alternative Kommunikationsmittel wie ein batteriebetriebenes Radio oder Funkgeräte. Aber ein Fünftel (19 Prozent) hat gar keine Vorkehrungen getroffen. „Unentschlossenheit macht Deutschland nicht resilient. Andere Länder wie etwa Finnland zeigen uns, wie es besser geht: mit überzeugenden, verständlichen Informationen für Bevölkerung und Unternehmen. Ebenso wichtig ist eine pro-aktive Grundhaltung in der Gesellschaft, die Gefahren aufmerksam wahrnimmt und in Handeln übersetzt“, sagt Wintergerst.

(BITKOM, 23.02.2026) Ganzer Artikel hier…

Der EuG weist Klagen der Pharma- und Kosmetikindustrie als unzulässig ab

Der Bundesverband der Energie- und Wasserwirtschaft (BDEW) und der Verband kommunaler Unternehmen (VKU) begrüßen die Entscheidung des Gerichts der Europäischen Union (EuG), die Klagen der pharmazeutischen und kosmetischen Industrie gegen zentrale Elemente der novellierten Kommunalabwasserrichtlinie (KARL) als unzulässig abzuweisen. Insgesamt 16 Verfahren, die in drei Hauptverfahren zusammengefasst wurden – unter Beteiligung von Branchenverbänden und Unternehmen aus der Pharma- und Kosmetikindustrie – zielten darauf ab, die in der Kommunalabwasserrichtlinie festgelegte Herstellerverantwortung aufzuheben. Die Gerichtsentscheidung entspricht der Rechtsauffassung von BDEW und VKU, wonach die Klagen vor dem europäischen Gericht keinen Bestand haben konnten. Vor diesem Hintergrund hatten die beiden Verbände den Streitbeitritt vor dem Europäischen Gericht gegen die Klagen der Pharma- und Kosmetikindustrie beantragt.  Die Entscheidung des Gerichts bestätigt die Bedeutung der Novelle der Kommunalabwasserrichtlinie als umweltökonomischen Meilenstein für den Gewässer- und Gesundheitsschutz in Europa. Jetzt kommt es darauf an, die Vorgaben zügig und ohne nationale Sonderwege in deutsches Recht umzusetzen. Ein zentraler Fortschritt bleibt die Erweiterte Herstellerverantwortung: Sie setzt das Verursacherprinzip konsequent um und beteiligt Hersteller erstmals systematisch an den Kosten der vierten Reinigungsstufe. Was wir jetzt brauchen, ist ein Umschalten von einer Verweigerungshaltung durch Klageverfahren hin zu konstruktiver Mitarbeit. Die Richtlinie ist beschlossen – jetzt ist die Zeit für Dialog und gemeinsame Verantwortung. BDEW und VKU fordern die pharmazeutische und kosmetische Industrie auf, sich aktiv und konstruktiv an der Umsetzung zu beteiligen und Verantwortung für die von ihnen verursachten Spurenstoffe zu übernehmen. (VKU, 19.02.2026) Ganzer Artikel hier…

Wohnen wird teurer

Sowohl die Mieten als auch die Kaufpreise für Wohnimmobilien in Deutschland sind im Jahr 2025 gestiegen. In der Höhe des Aufschlags unterscheiden sich die größten deutschen Städte allerdings teils erheblich. Wer in Deutschland wohnen oder Eigentum besitzen wollte, musste im vergangenen Jahr tiefer in die Tasche greifen. Das zeigt der IW-Wohnindex, der seit 2024 viermal im Jahr anhand der Auswertung von mehreren Millionen Inseraten für Wohnungen und Häuser die Entwicklung auf dem Immobilienmarkt nachzeichnet. Demnach fielen die Mieten und die Kaufpreise für Eigentumswohnungen 2025 jeweils rund 4 Prozent höher aus als Ende 2024, die Kaufpreise für Ein- und Zweifamilienhäuser stiegen um fast 3 Prozent. Verglichen mit dem Höchstwert von Anfang 2022 waren die Kaufpreise für Eigentumswohnungen zuletzt um knapp 7 Prozent niedriger, jene für Ein- und Zweifamilienhäuser um rund 9 Prozent. Für Mieten gilt dieser Befund jedoch nicht, ihr Aufwärtstrend setzt sich ungebrochen fort. Im vierten Quartal 2025 lagen sie im Durchschnitt bereits um fast ein Fünftel über dem Niveau von Anfang 2022, im Vergleich zum dritten Quartal 2025 erhöhten sie sich um rund 1 Prozent. Am stärksten stiegen sie im vergangenen Jahr mit 4,8 Prozent im Umland der sieben größten deutschen Städte. In Köln legten die Mieten 2025 gegenüber dem vierten Quartal 2024 um 7,6 Prozent zu, in Berlin nur um 0,7 Prozent. Ein ähnliches Bild zeigt sich bei den Kaufpreisen, deren Zuwachs nur in München (0,7 Prozent) und Stuttgart (1,1 Prozent) geringer war als in Berlin (1,8 Prozent). Am anderen Ende des Rankings stand vor Köln mit einem Plus von 4,9 Prozent nur Dortmund, wo Immobilienkäufer zuletzt 5,5 Prozent mehr bezahlen mussten. Im Vergleich zum Vorjahr stiegen 2025 die Mieten und die Kaufpreise für Eigentumswohnungen jeweils um rund 4 Prozent, die Kaufpreise für Ein- und Zweifamilienhäuser um fast 3 Prozent. Um ein differenziertes Bild über die Entwicklung in den verschiedenen Regionen der Bundesrepublik zu bekommen, teilten die IW-Forscher im aktuellen Wohnindex die Städte zudem anhand ihrer wirtschaftlichen Bedeutung, Einwohnerzahl, infrastrukturellen Ausstattung und der Rolle im Immobilienmarkt in vier verschiedene Gruppen ein. Sowohl im Miet- als auch im Kaufsegment sind demnach die Preise am stärksten in Städten gestiegen, die nicht zu den sieben größten des Landes gehören, aber trotzdem eine starke regionale Bedeutung haben – zum Beispiel Leipzig oder Hannover –, sowie in mittelgroßen Städten mit begrenzter wirtschaftlicher Bedeutung, aber attraktiven Lebensbedingungen – etwa Freiburg oder Kiel. Erklären könnte diesen Trend das Zusammenspiel zwischen Angebot und Nachfrage. So können möglicherweise immer mehr Menschen, die in eine Stadt ziehen wollen, die hohen Preise in den sieben deutschen Metropolen nicht stemmen und weichen in die nächstgrößten Städte aus. Dieser gestiegenen Nachfrage kommt das Angebot aufgrund begrenzter Flächenverfügbarkeiten und langen Bauzeiträumen nicht hinterher, sodass die Preise steigen. Um dem entgegenzuwirken, braucht es mehr Wohnungen – helfen können dabei schnellere Planungs- und Genehmigungsprozesse, vereinfachte Bauvorschriften sowie das Etablieren von seriellem Bauen, das deutlich kostengünstiger ist als herkömmliche Bauvorhaben. Eine dämpfende Wirkung auf die Baulandpreise – und damit auf die Kosten von Neubauten – hätte zudem die verstärkte Ausweisung von Flächen für den Wohnungsbau. (IWD, 23.02.2026) Ganzer Artikel hier…