Klaus Lennartz zu den antijüdischen Protesten am Brandenburger Tor

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Sehr verstörend und alarmierend  wirken die Szenen auf mich, die sich dieser Tage in der Hauptstadt vor dem Brandenburger Tor abspielen. Brennende israelische Fahnen und Davidsterne, antisemitische und antijüdische Parolen – skandiert von hassgetriebenen Palästinensern und ihren Sympathisanten.   Ich persönlich habe niemals geglaubt, dass es je wieder möglich sein würde, auf deutschem Boden Juden und den Staat Israel in derart beschämender Weise zu beleidigen – und schlimmer noch- ausgestattet mit Fahnen der Terrororganisation Hamas, lautstark den Tod des Staates Israel zu propagieren. Und das nicht irgendwo, sondern auf dem Pariser Platz vor dem Brandenburger Tor – quasi  in der guten Stube unserer Republik – in Sichtweite zum Holocaust-Mahnmal.    Es ist eine Schande, nicht nur weil wir Deutschen dem Staat Israel und dem jüdischen Volk in ganz besonderer Weise verbunden sind, sondern weil Deutschland seit vielen Jahrzehnten ein offenes, tolerantes und friedfertiges Land ist. Wir sind keine Hassgesellschaft.  Hass, Unterdrückung und Kriegstreiberei  gehören hier nicht her.   In unserem demokratischen Rechtsstaat hat zweifellos jeder das Recht zu demonstrieren, gegen politische Entscheidungen oder Regierungen zu protestieren und seinen Unmut öffentlich kundzutun.  Diese Grundrechte gehören zum Wesen einer freien Gesellschaft und einer lebendigen Demokratie. Freiheit ist aber immer die Freiheit der Andersdenkenden und endet dort, wo die Freiheit des Anderen beginnt.     Wer aber unter dem Mantel  der  Freiheit Andersgläubige verunglimpft und Hass gegen andere Religionen, Staaten und Menschen  schürt, hat in unserer Gesellschaft nichts zu suchen. Das gilt für Christen, ebenso, wie für Juden und Muslime. Wenn das an einem für unsere Geschichte so zentralen Ort, wie dem Brandenburger Tor  geschieht – zumal in der für uns Christen so bedeutenden und friedvollen Adventszeit – dann ist das nicht nur ein Angriff auf das Judentum und den Staat Israel, sondern vor allem auch ein Angriff auf unsere liberale Gesellschaft und unsere abendländisch-christliche Kultur.   Wir haben in Deutschland vor gerade mal 80 Jahren bitter erfahren müssen, wohin ungezügelter Hass auf Andersgläubige und Andersdenkende führen kann.  Diese schlimmen Erfahrungen sollten uns Lehre genug sein, jeder Tendenz zu einer Wiederholung ohne Toleranz und mit aller Härte zu begegnen und – darauf kommt es letztlich an – im Keim zu ersticken.   Das Recht auf freie Religionsausübung ist elementarer Bestandteil unserer Leitkultur. Wer sich dem verschließt, verschließt sich unserer Gesellschaft und muss wissen, dass unser Land kein Platz für ihn ist.    Zum zweiten Mal in Folge drängen sich hasserfüllte und intolerante religiöse Eiferer mit ihrem schändlichen Tun in den medialen Mittelpunkt der Adventszeit. Unsere Weihnachtmärkte gleichen Festungen – statt Weihnachtliedern schallen Hassparolen durchs Brandenburger Tor.  Das dürfen wir nicht länger hinnehmen.   Wie auch das jüdische Chanukka-Fest, das die radikalen Antisemiten in diesen Tagen als Bühne für ihre Hasstiraden missbrauchen, ist auch Weihnachten ein Fest der Hoffnung. Mein Glaube hilft mir, die Hoffnung auf mehr Toleranz und Verständnis der Menschen und Religionen untereinander und damit auf eine friedlichere Welt nicht aufzugeben.  In diesem Sinne wünsche ich Ihnen und Ihrer Familie frohe und vor allem friedvolle Weihnachtstage, einen besinnlichen Jahresausklang und ein erfolgreiches und gesundes Jahr 2018. (Klaus Lennartz, 15.12.2017) Ganzer Artikel hier…