Informationsdienst Mittelstand im Rhein-Erft-Kreis

Ausgabe 04_17 vom 07.07.2017

Liebe Leserinnen und Leser,

im Jahre 1902 wurde unter Wilhelm II. die Schaumweinsteuer eingeführt – zur Finanzierung der kaiserlichen Kriegsflotte – in diesem Jahr „feiert“ sie ihr 115 jähriges Bestehen.

Am 1. Juli 1991 wurde der Solidaritätszuschlag eigentlich zur zeitlich begrenzten Finanzierung der Kosten für die Einheit eingeführt – bis Ende 2016 haben wir Bürger dafür insgesamt 287.000.000.000,- Euro – in Worten zweihundertsiebenundachtzig Milliarden Euro (!!!) gezahlt. Den neuen Ländern kam schon damals nur ein Teil dieser Einnahmen zugute. So wurden aus diesem Topf die USA und ihre Alliierten im ersten Golfkrieg unterstützt, weitere Gelder daraus flossen z. B. als Aufbauhilfe in ehemalige Ostblockstaaten.

Ein Blick auf die Konjunkturdaten verrät zudem, dass sich die wirtschaftlichen Verhältnisse in Ost und West inzwischen weitgehend angeglichen haben. Schätzungen zufolge werden die Einnahmen aus dem Soli die Zuweisungen des Bundes an die neuen Länder im Jahr 2017 zum sechsten Mal in Folge deutlich übersteigen. Allein; den Solidaritätszuschlag gibt es immer noch.

Zunächst hieß es bis zum Auslaufen des Solidarpakts II – also bis Ende 2019. Inzwischen ließ Bundeskanzlerin Merkel allerdings allen anderslautenden Versprechungen zum Trotz durchblicken, dass ein Ende der Fahnenstange noch keinesfalls in Sicht ist. Sie halte eine „schrittweise Absenkung“ der Ergänzungsabgabe bis zum Jahr 2030 für „denkbar“, so die Kanzlerin.

In meinen Augen wäre das ein ungeheuerlicher und für uns alle sehr kostspieliger Vertrauensbruch! Insbesondere vor dem Hintergrund aktueller Rekord – Steuereinnahmen von rund 825 Milliarden Euro, ist das keine Frage der Gegenfinanzierung – sondern eine Frage der politischen Glaubwürdigkeit.

Der Solidaritätszuschlag muss endlich weg. Er entbehrt mittlerweile jeglicher Grundlage und darf keine zweite Schaumweinsteuer werden, die in hundert Jahren noch unsere Urenkel und Ur-Urenkel entrichten müssen!

Mich interessiert vor allem Ihre Meinung dazu:

Halten Sie eine weitere Erhebung des Solidaritätszuschlags über das Jahr 2019 hinaus für gerechtfertigt?

Ich freue mich auf Ihre Sicht der Dinge und Ihre Anregungen! Schreiben, mailen oder faxen Sie mir, ich werde Ihre Zuschriften und Vorschläge sammeln und  an exponierte Stelle weiterleiten.

Selbstverständlich habe ich die derzeitigen Bundestagsabgeordneten des Rhein-Erft-Kreises Dr. Georg Kippels, MdB und  Detlef Seif, MdB (beide CDU) – sowie deren Herausforderer für die bevorstehende Bundestagswahl, Ute Meiers und Dierk Timm (beide SPD) ebenfalls aufgefordert, zu diesem Thema öffentlich Stellung zu beziehen und den Wählerinnen und Wählern mitzuteilen, wie sie sich in dieser Frage positionieren bzw. sich bei einer Wahl in den Bundestag positionieren werden.

Geantwortet hat bislang allerdings nur der SPD Kandidat Dierk Timm. Er will sich für die Abschaffung des Solis einsetzen – ab 2020 zunächst für die unteren und mittleren Einkommensklassen. Für die Besserverdienenden soll der Solidaritätszuschlag nach seinem Dafürhalten danach stufenweise ebenfalls auslaufen.

Ich bin sehr gespannt, ob die anderen von mir um Stellungnahme gebetenen Kandidaten auch noch antworten werden und halte Sie diesbezüglich natürlich auf dem Laufenden.

 

Herzliche Grüße

Ihr

Klaus Lennartz

Netcologne unterstützt Schulen im Rhein-Erft-Kreis!

Kostenfreier Anschluss an das pädagogische Netz für nahezu alle Schulen im Kreis möglich!

Weiterführende Brühler Schulen erhalten Glasfaseranschlüsse! Der Kölner Telekommunikationsanbieter Netcologne engagiert sich auch für Schulen im Rhein-Erft-Kreis.  Das geht aus der Antwort von Netcologne-Geschäftsführer Timo von Lepel auf ein Schreiben des Hürther SPD Politiker Klaus Lennartz hervor. Lennartz: „Vor dem Hintergrund, dass Netcologne seit nunmehr 20 Jahren die Kölner Schulen in vorbildlicher Weise mit Internetzugängen und WLAN Anbindungen unterstützt, hatte ich mich an den Geschäftsführer des Unternehmens, Herrn Timo von Lepel, gewandt und ihn um Auskunft gebeten ob und ggf. in welchem Umfang auch Schulen hier im Rhein-Erft-Kreis von den Unterstützungsangeboten Netcolognes  profitieren.“ Demnach unterstützt das Unternehmen bereits die sieben Förderschulen des Rhein-Erft-Kreises sowie die städtischen Schulen in Brühl. Dort werden nach Angaben Netcolognes derzeit die weiterführenden Schulen an das Glasfasernetz angebunden, über sich das besonders hohe Datenübertragungsraten realisieren lassen.  Zudem sollen die WLAN Netze in den Brühler Schulen sukzessive ausgebaut werden, so Lennartz. Lennartz: „Herr von Lepel wies in seinem Antwortschreiben zudem daraufhin, dass Netcologne den Kommunen in seinem Ausbaugebiet kostenfrei Anschlüsse für das pädagogische Netz in den Schulen anbietet. Davon könnten nahezu alle Schulen im Rhein-Erft-Kreis profitieren.  Auf Grundlage der sehr positiven Antwort von Netcologne an Klaus Lennartz hat die SPD-Fraktion in Erftstadt bereits einen Antrag gestellt, wonach sich Bürgermeister Volker Erner schnellstmöglich Kontakt zu dem Unternehmen aufnehmen und sich nach konkreten Unterstützungsmöglichkeiten für die Erftstädter Schulen durch Netcologne erkundigen soll. (KL, 27.06.2017) Ganzer Artikel hier…

Kann Sonntagsöffnung lokale Geschäfte vor der Online-Konkurrenz retten?

In vielen Kommunen des Rhein-Erft-Kreises wird zurzeit kontrovers über verkaufsoffene Sonntage und Sonntagsöffnungszeiten der Geschäfte diskutiert.  Erftstadt. Kerpen und Pulheim sahen sich in diesem Zusammenhang zuletzt sogar Klagen der Dienstleistungsgewerkschaft VERDI ausgesetzt, die  dort geplante verkaufsoffene Sonntage per Gerichtsbeschluss verbieten lassen wollte. Doch was hat es tatsächlich auf sich mit den Sonntagsöffnungen?  Lohnt sich der Streit? Und können verkaufsoffene Sonntage den stationären Händelern wirklich dabei helfen, die Abwanderung der Kunden zum Onlineversand einzudämmen? Viele Fachleute bezweifeln das. Eine aktuelle Studie des Kölner Instituts für Handelsforschung könnte zur Versachlichung der Debatte beitragen.  Insbesondere große Händler und deren Lobby streiten für die Erlaubnis, beispielsweise Verbraucher- und Technikmärkte auch sonntags zu öffnen. So haben etwa erst kürzlich die Initiatoren der Aktion „Selbstbestimmter Sonntag“ vor allem mit dem Kampf des stationären Einzelhandels in den Innenstädten gegen den boomenden Onlinehandel argumentiert. Gegenwind erhalten sie nicht nur von der Gewerkschaft Verdi und den Kirchen. Auch einige Wirtschaftswissenschaftler warnen vor der Freigabe der Sonntagsöffnung: Diese würde keineswegs die erhofften Effekte bringen. Vielmehr würden insbesondere kleine Händler große Probleme bekommen. Kai Hudetz, Geschäftsführer des Kölner Handelsforschungs- und Beratungsinstituts IFH, sieht vorwiegend große Handelsunternehmen als Profiteure von Sonntagsöffnungen. Für kleine Händler hingegen würde sich die ohnehin schwierige Situation noch verschärfen. Nicht ohne Grund sei der Anstoß zu einer neuerlichen Debatte über eine Freigabe der Sonntagsöffnung von den großen Kauf- und Warenhäusern gekommen, so Hudetz. Auch wenn es zu einer Freigabe käme, würden sich nach Einschätzung des IFH längst nicht alle Einzelhändler an einer solchen Initiative beteiligen. Für viele Läden vor allem in den Vororten sei eine Sonntagsöffnung schlicht nicht wirtschaftlich. Das Ergebnis seien dann uneinheitliche Öffnungszeiten – und das bringe wiederum die Kunden in Orientierungs-schwierigkeiten. Zudem werde der gesamtwirtschaftliche Effekt einer Öffnung am Sonntag überschätzt. „Die Frage ist: Kommt der an Online verloren gegangenen Umsatz zurück? Ich fürchte, in vielen Fällen ist das nicht der Fall“, so Hudetz. Hingegen betonte Stefan Genth, Hauptgeschäftsführer des Handelsverbands Deutschland (HDE), dass – trotz durchaus bestehender Regelungen zu Sonntagsöffnungen bei bestimmten Gelegenheiten – Klagen der Gewerkschaft Verdi solche Aktionen „de facto“ derzeit unmöglich machten. „Das schadet unseren Unternehmen, den Mitarbeitern und den Innenstädten, die mit rückläufigen Besucherfrequenzen kämpfen“, sagte Genth. Der HDE setzt sich dafür ein, die heutzutage je nach Bundesland unterschiedliche Gesetzeslage zur Sonntagsöffnung auch in der Praxis umzusetzen.  (Heise, 17.06.2017) Ganzer Artikel hier…

Kohlekraftwerke sind nicht zwangsläufig ein Hindernis für den Ausbau Erneuerbarer Energien

Alte Meiler lassen sich mit überschaubarem Aufwand flexibilisieren und ermöglichen Ländern mit hohem Anteil von Kohlestrom einen sanften Übergang zu einem klimafreundlichen Energiesystem. Stromsysteme, die bisher vor allem auf Kohlekraftwerken basieren, bieten viel mehr Platz für den Ausbau Erneuerbarer Energien als vielfach behauptet wird. Denn Kohlekraftwerke können ihre Stromproduktion weitaus flexibler an die schwankende Leistung von Wind- und Solarkraftwerke anpassen als bislang vielfach angenommen wird. Dazu sind auch bei alten Kohlenkraftwerken nur geringe Umrüstungen erforderlich. Damit tut sich für Länder, die aus historischen Gründen vor allem auf Kohle setzen, ein Weg auf, ihre Stromerzeugung zu geringen Kosten klimafreundlicher zu machen und dabei die Versorgungssicherheit mit Strom zu wahren.  Zu diesen Ergebnissen kommt eine Studie für Agora Energiewende, die jetzt vorgestellt wurde. Als Beispiele für erfolgreiche Umrüstungen von Kohlekraftwerken nennt die Studie Deutschland und Dänemark. In beiden Ländern werden ursprünglich sehr unflexible Kohlekraftwerke inzwischen beinahe so flexibel betrieben wie Gaskraftwerke. So können sie ihre Leistung in Viertelstundenintervallen auf- und abregeln und dadurch auf die Signale des Strommarktes reagieren. Im Regelenergiemarkt wird die Leistung teilweise sogar in Fünf-Minuten-Schritten reguliert. Als Beispiele für Stromsysteme, in denen sich eine Umrüstung von Kohlekraftwerken für mehr Flexibilität anbietet, führt die Studie Südafrika und Polen auf. Beide Länder produzieren bisher den Großteil ihres Stroms aus Kohle, mehr als die Hälfte der entsprechenden Kraftwerke ist mindestens 30 Jahre alt. „Sowohl in Südafrika als auch in Polen gibt es hervorragende Standorte für Erneuerbare Energien und in beiden Ländern steht eine Modernisierung des Kraftwerksparkes an. Unsere Studie zeigt, dass unter solchen Bedingungen der Ausbau von Windenergie und Photovoltaik eine günstige Möglichkeit zur Modernisierung des Stromsystems ist – sowohl unter Klimaschutzaspekten als auch Kostengesichtspunkten“, sagt Dimitri Pescia, Experte für Flexibilität und Strommärkte bei Agora Energiewende. Die Studie wurde im Auftrag von Agora Energiewende von den Beratungsunternehmen Prognos und Fichtner erarbeitet. Prognos hat hierbei die Effekte von Erneuerbaren Energien auf das konventionelle Stromsystem und auf CO2-Emissionen untersucht, sowie die Fallstudien zu Polen und Südafrika erstellt. Von Fichtner stammen die technischen Ausarbeitungen zur Flexibilisierung von Kohlekraftwerken. Die Studie steht zum kostenfreien Download unter www.agora-energiewende.de zur Verfügung. Sie ist ausschließlich in englischer Sprache erhältlich.  (Agora-Energiewende, 06.06.2017) Ganzer Artikel hier…

Hendricks: Energiewende naturverträglich möglich

Im Juli trifft Bundesumweltministerin Dr. Barbara Hendricks im Rahmen der von meiner Frau Elke und mir regelmäßig durchgeführten Salongespräche in unserem Privathaus mit wichtigen Entscheidern, Unternehmern und Politikern aus unserer Region zusammen. Sie wird Stellung zu aktuellen Fragen der Bundespolitik beziehen und die Grundzüge künftiger sozialdemokratischer Politik – insbesondere in ihrem Verantwortungsbereich Umwelt und Wohnungsbau –  erläutern.  Besonders interessant dürfte für unsere von der Energiewirtschaft geprägte Region dabei ihr gerade vorgestellter Fünf-Punkte –Plan für eine naturverträgliche erneuerbare Energieversorgung in Deutschland sein.  Eine komplett erneuerbare Energieversorgung in Deutschland ist bis 2050 im Einklang mit der Natur möglich. Wie das Bundesamt für Naturschutz (BfN) und das Bundesumweltministerium (BMUB) melden, müssen dazu fünf Leitlinien beachtet werden. Diese stellte Bundesumweltministerin Barbara Hendricks (SPD) kürzlich in Berlin vor.  Zentrale Elemente sind ambitionierte Energieeffizienzmaßnahmen und ein stärkerer Ausbau gebäudenaher Anlagen wie Solarmodule auf Dächern und Fassaden oder Wärmepumpen. „Effizienz ist die Grundlage“, strich die Bundesumweltministerin heraus. Nur so könnten Kosten gedämpft und der Umbau der Energieversorgung erleichtert werden. Außerdem sei der Energieertrag auf dem Dach viermal höher als auf dem Feld, so die Ministerin. Weitere Elemente eines naturverträglichen Ausbaus erneuerbarer Energien sind ein schonender und standortoptimierter Ausbau der Windenergie an Land und auf See, die Gewinnung von Biomasse aus Rest- und Abfallstoffen sowie eine naturverträgliche Nutzung der Wasserkraft, betonte Hendricks. Bereits heute würden diese Leitlinien zunehmend berücksichtigt, sie müssten jedoch politisch noch stärker verankert werden.  So seien etwa Windkraft- und Photovoltaikanlagen gut für die saubere Stromgewinnung, sie verbrauchten aber bislang unverbaute Flächen und beeinträchtigten Lebensräume von Flora und Fauna. Als standortoptimierte Beispiele nannte die Ministerin besonders leise Windräder in der Nordsee zum Schutz der Schweinswale oder sich selbständig abschaltende Windräder bei Vogelzug. Da Biomasse aus Land- und Forstwirtschaft zunehmend als Rohstoff für andere Wirtschaftszweige benötigt werde, plädierte Hendricks dafür, Biomasse erst am Ende der Verwertbarkeit, nämlich als Rest- und Abfallstoff, bei der Energieerzeugung einzusetzen. Und auch die Wasserkraft müsse zukünftig klimasicher sein, sonst könnten sich Wasserkraftwerke angesichts knapperer Niederschläge als teure Fehlinvestition erweisen. Die fünf Leitlinien sind das Ergebnis der BfN-Forschungsarbeiten zum Thema Naturschutz und Erneuerbare Energien. BfN-Präsidentin Beate Jessel sagte: „Eine naturverträgliche Energieversorgung 2050 ist möglich, erfordert allerdings große Kraft-anstrengungen. Mit den Weichenstellungen für 2050 muss daher schon heute begonnen werden.“ Die Ergebnisse wurden Ende Juni auf einer Tagung im Bundesumweltministerium in Berlin zur Naturverträglichen Energiewende 2050 präsentiert. Hier stellten auch Wissenschaftler vom Institut für Umweltplanung der Universität Hannover ihre Studienergebnisse vor, die sie im Auftrag des Bundesumweltministeriums (BMUB) und des BfN erarbeitet hatten. Sie zeigen, unter welchen Bedingungen eine naturverträgliche Energieversorgung bis 2050 möglich ist. Dazu leiten sie aus vom Jahr 2050 rückblickenden Szenarien Handlungsoptionen zur Vollendung der Energiewende ab. (BMUB, 23.06.2017) Ganzer Artikel hier…

Bundesarbeitsministerin Nahles will innovative Weiterbildung fördern

Die fortschreitende und nahezu alle Lebensbereiche erfassende Digitalisierung führt zu tiefgreifenden Veränderungen der Arbeitswelt. Ganze Berufsbilder werden verschwinden – neue dazu kommen. Die Schul- und Berufsausbildung muss an diese Herausforderungen angepasst werden. Mit der Lucas Nülle GmbH beheimaten wir hier bei uns im Rhein-Erft-Kreis einen Weltmarktführer bei der Entwicklung innovativer Lehrmittel, die sowohl den Anforderungen der neuen Arbeitswelt, als auch unseren geänderten Lebensgewohnheiten Rechnung tragen. Für seine neue E-Learning – Plattform Vocanto wurde das Unternehmen bereits im Frühjahr mit dem e-Learning Award ausgezeichnet. Bei dieser Plattform handelt es sich um eine Art digitales Fachbuch, das den Auszubildenden via App das Lernen zu jeder Zeit und an jedem Ort ermöglicht. Die Digitalisierung der Arbeit stellt aber auch hohe Anforderungen an jeden Einzelnen und erfordert regelmäßige Weiterbildung – nicht punktuell sondern ein Leben lang. Deshalb hat das

Bundesministerium für Arbeit und Soziales jetzt den Startschuss für die Einrichtung von betrieblichen Lern- und Experimentierräumen für Arbeitsinnovationen gegeben. Das Ministerium möchte damit Unternehmen und Verwaltungen zur Erprobung neuer Arbeitsweisen ermutigen und sie bei der Umsetzung unterstützen. Betriebliche Lern- und Experimentierräume sind ein Element einer „lernenden Arbeitspolitik“ und einer umfassenden Forschungs-, Innovations- und Transferstrategie. Die Digitalisierung bietet vor allem Chancen. Wenn wir gute Arbeit erhalten und schaffen wollen, dann kommt es vor allem auf die Betriebe selbst an. Viele Unternehmen erproben bereits neue Formen der Arbeitsgestaltung. Deshalb möchte ich betriebliche Lern- und Experimentierräume fördern, damit Unternehmensleitung und Beschäftigte gemeinsam ausprobieren können, wie die Arbeit der Zukunft in ihrem Betrieb konkret aussehen kann. Denn gute Arbeit lässt sich durch Gesetze alleine nicht bewerkstelligen. Es geht auch um eine zukunftsfähige Unternehmenskultur in den Betrieben. Das gilt gerade für kleine und mittlere Unternehmen. Das Bundesarbeitsministerium hat mit dem Grünbuch Arbeiten 4.0 einen breiten Dialog mit Wirtschaft, Wissenschaft und Gewerkschaften über die digitale Zukunft der Arbeitswelt initiiert und mit dem Weißbuch Arbeiten 4.0 erste Antworten skizziert. Der nächste Schritt ist die Einrichtung von Lern- und Experimentierräumen, um neue Arbeitsweisen in der betrieblichen Praxis zu erproben. Digitale Technologien erleichtern in vielen Bereichen die Arbeit. Sie ermöglichen mehr Flexibilität und können helfen den Kolleginnen und Kollegen mehr Teilhabe und Mitsprache zu ermöglichen. Gleichzeitig beschleunigen digitale Technologien die Arbeitsprozesse und ermöglichen eine permanente Erreichbarkeit, die zur Belastung werden kann. Auch der Qualifizierungsbedarf steigt, weil die digitale Zukunft der Arbeit neue Kenntnisse und Fertigkeiten erfordert. Die Experimentierräume sind der Ort, an dem Arbeitgeber- und Arbeitnehmervertreter gemeinsam kreative Ideen entwickeln und ausprobieren, mit denen sich die Chancen der Digitalisierung nutzen und die Herausforderungen bewältigen lassen. Alexander Gunkel, Mitglied der Hauptgeschäftsführung der Bundesvereinigung der Deutschen Arbeitgeberverbände (BDA): Die Digitalisierung durchdringt die gesamte Arbeitswelt. Sie bietet große Chancen für unsere Unternehmen und ganz neue Möglichkeiten, Arbeit zu gestalten. Gleichzeitig stellt die Digitalisierung neue Anforderungen an Unternehmen und Beschäftigte: Um diesen Anforderungen gerecht werden zu können, brauchen wir neben gezielter Qualifizierung ausreichende Freiräume für flexible Lösungen. Die Lern- und Experimentierräume können uns helfen, neue Wege zu finden, wie wir betriebliche Notwendigkeiten und die Interessen der Beschäftigten bestmöglich miteinander kombinieren können. Auch die Gewerkschaften unterstützen den Ansatz der betrieblichen Experimentierräume. DGB-Vorstandsmitglied Annelie Buntenbach: Ob Arbeitszeitgestaltung, psychische Belastungen oder Qualifizierung – die Digitalisierung verändert die Arbeitswelt und wir müssen Lösungen im Interesse der Beschäftigten finden. Die Arbeitsforschung wird hierzu ihren Beitrag leisten, aber wir brauchen auch Schnellboote, die uns kurzfristig helfen und das sind die Experimentierräume. Im Zentrum steht die Praxis- und Transferplattform www.experimentierraeume.de, auf der Unternehmen und Verwaltungen ihre Lern- und Experimentierräume präsentieren und sich mit anderen Unternehmen austauschen können. Auf der Plattform nehmen zudem Expertinnen und Experten aus Wissenschaft, Wirtschaft und Gewerkschaften Stellung zu unterschiedlichen Aspekten der Digitalisierung. Außerdem können ab August 2017 Beratungs- und Förderangebote von zwei Programmen des Europäischen Sozialfonds (ESF) und von der Initiative Neue Qualität der Arbeit beantragt werden.  (BMAS, 14.06.2017) Ganzer Artikel hier…

 

 

Am häufigsten bieten Zeitarbeitsfirmen Geflüchteten Einstiegschancen

Zeitarbeit ist hierzulande nach wie vor umstritten. Vor allem Ausländern kann Zeitarbeit laut einer neuen Studie allerdings zu einer regulären Beschäftigung verhelfen. Dieser „Sprungbretteffekt“ der Zeitarbeit sei bei Leiharbeitnehmern türkischer Herkunft am stärksten, teilte das Institut für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (IAB) in Nürnberg mit. Jede vierte Zeitarbeitsfirma hat im vierten Quartal 2016 schon Erfahrungen mit den Geflüchteten gesammelt, die seit 2014 nach Deutschland gekommen sind. Nach den Zeitarbeitsfirmen folgen die Bereiche „Gastgewerbe“ sowie „Erziehung und Unterricht“ mit jeweils knapp 16 Prozent und der Bereich „Metalle und Metallerzeugung“ mit gut 13 Prozent. Das geht aus einer am Dienstag veröffentlichten Studie des Instituts für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (IAB) hervor. Insgesamt hatten im vierten Quartal 2016 bereits zehn Prozent der deutschen Betriebe – rund 211.000 – Erfahrungen mit den Geflüchteten gesammelt, die seit 2014 in Deutschland eingetroffen sind. Im zweiten Quartal 2016 lag der Anteil der Betriebe, die mit Bewerbungen, Vorstellungsgesprächen oder Einstellungen von Geflüchteten Erfahrungen gesammelt hatten, noch bei sechs Prozent. Rund 13 Prozent der Betriebe aus der Zeitarbeitsbranche hatten im vierten Quartal 2016 schon einen der seit 2014 nach Deutschland gekommenen Geflüchteten eingestellt. Der Durchschnittswert für die Gesamtwirtschaft lag zu diesem Zeitpunkt bei etwa 3,5 Prozent. 16 Prozent der Betriebe planten zum Befragungszeitpunkt im vierten Quartal 2016 die Einstellung von Geflüchteten, acht Prozent eine Ausbildung. „Die besten Chancen auf eine Ausbildung oder eine Beschäftigung haben Geflüchtete in Betrieben, in denen bereits ein hoher Anteil von Personen mit ausländischer Nationalität beschäftigt ist“, schreiben die IAB-Forscherinnen und -Forscher Nicole Gürtzgen, Alexander Kubis und Martina Rebien. Schon vorhandene betriebliche Erfahrungen mit Beschäftigten, die einen Migrationshintergrund haben, reduzieren die Hürden für eine betriebliche Neueinstellung ähnlicher Bewerber. „Aus betrieblicher Sicht sind unzureichende Deutschkenntnisse derzeit der Hauptgrund für Einstellungshemmnisse von Geflüchteten“, stellen Gürtzgen, Kubis und Rebien fest. Zudem würden viele Betriebe die beruflichen Qualifikationen der geflüchteten Menschen als noch nicht ausreichend einschätzen. Die Länder Syrien, Afghanistan und Irak bildeten den Schwerpunkt in Bezug auf die Gruppe der Herkunftsländerstruktur der Geflüchteten, mit denen Betriebe bereits Erfahrungen gemacht hatten. „Angesichts des langfristig sinkenden Arbeitskräftepotenzials in Deutschland könnten Geflüchtete künftig einen Beitrag zur Deckung des Fachkräftebedarfs leisten. Die hierfür notwendigen Sprach- und Qualifikations-maßnahmen erfordern jedoch erhebliche Anstrengungen des Staates, der Betriebe und der Geflüchteten“, so Gürtzgen, Kubis und Rebien. Die IAB-Studie beruht auf repräsentativen Angaben von mehr als 11.500 Betrieben, die im vierten Quartal 2016 befragt wurden. Sie ist hier abrufbar… (IAB, 20.06.2017) Ganzer Artikel hier…