Klostermansfeld: Wenn der Speicher direkt am Engpass sitzt

In Klostermansfeld in Sachsen‑Anhalt entsteht ein Batteriespeicher, der die Maßstäbe bisheriger Projekte sprengt: 1 Gigawatt Leistung, 5,7 Gigawattstunden Kapazität, direkt neben dem Umspannwerk Zirkelschacht. Hinter dem Projekt mit dem Namen „van Gogh“ steht die Berliner Zelos Energy Developments GmbH, die gemeinsam mit BW ESS Standortentwicklung, Technik und Betrieb aufgesetzt hat. Die Gemeinde mit rund 3.000 Einwohnern spricht von der größten Investition ihrer Geschichte – wichtiger als der Superlativ ist jedoch die Frage, warum der Standort systemisch so heikel gewählt ist. Batteriespeicher sind keine Ersatzkraftwerke, sondern zeitliche Brücken im Netz: Sie nehmen Überschussstrom aus Wind- und Solaranlagen auf und geben ihn in Stunden hoher Nachfrage wieder ab. Die Kombination aus einem Gigawatt Leistung und 5,7 Gigawattstunden Kapazität bedeutet rechnerisch, dass der Speicher etwa sechs Stunden lang mit voller Leistung einspeisen könnte – genau in den Zeitfenstern, in denen heute häufig Wind- und PV‑Erzeugung abgeregelt werden. Entscheidend ist, wo das passiert: am Netzknoten, an dem Einspeisungen zusammenlaufen und Engpässe sichtbar werden.​

Das Umspannwerk Zirkelschacht ist ein solcher Punkt. 50Hertz hat die Anlage bereits 2021 für rund 30 Millionen Euro ausgebaut und Kapazität für ein Gigawatt Einspeisung aus erneuerbaren Energien geschaffen – exakt die Leistung, die der Speicher künftig abdecken soll. Parallel verläuft hier die Trasse des SuedOstLink, der ab Ende des Jahrzehnts Windstrom aus Sachsen‑Anhalt nach Bayern transportieren soll. Ein Speicher an dieser Stelle kann Erzeugungsspitzen puffern, bevor sie die Leitung überlasten, und in Zeiten hoher Nachfrage zusätzliche Leistung bereitstellen, ohne neue fossile Kraftwerke zu bauen. Die Einspeisung direkt auf der Höchstspannungsebene unterscheidet „van Gogh“ von vielen Projekten, die in der Mittelspannung hängen bleiben.

Bemerkenswert ist der Genehmigungsweg. Das Projekt wurde auf einer rund 15 Hektar großen Industriebrache genehmigt – ohne eigenen Bebauungsplan, aber mit enger Abstimmung zwischen Gemeinde, Projektentwickler und Genehmigungsbehörde. Auf der Fläche sollen künftig mehr als 1.100 Batteriecontainer stehen; der Bescheid verknüpft dies mit Ausgleichsmaßnahmen für Arten- und Landschaftsschutz. Für die Branche ist das ein Signal, dass sich Großspeicher auf vorbelasteten Flächen realisieren lassen, wenn Standortwahl und Verfahren früh sauber abgestimmt werden.​

Für Klostermansfeld selbst geht es um mehr als Technik. Die Gemeinde erwartet zusätzliche Gewerbesteuereinnahmen, Aufträge für lokale Unternehmen in der Bauphase und ein klareres Profil als Energie- und Infrastrukturstandort. Im Gespräch sind konkrete Projekte, die mit Unterstützung des Entwicklers angeschoben werden sollen – von einem lange verschobenen Spielplatz bis zu energetischen Sanierungen an kommunalen Gebäuden. Begleitet wird das durch Informations-veranstaltungen, Sprechstunden und Debatten im Gemeinderat; Bürgermeister Frank Ochsner ist dabei nicht nur Verwaltungschef, sondern auch Feuerwehrkommandant und direkter Ansprechpartner vieler Bürgerinnen und Bürger. Systemisch steht Klostermansfeld für eine Entwicklung, die sich im ganzen Land abzeichnet. Die Übertragungsnetzbetreiber melden Netzanschlussanfragen für Batteriespeicher im dreistelligen Gigawattbereich, deutlich über dem Bedarf eines erneuerbaren Stromsystems 2035. Der Engpass liegt nicht bei Technologie oder Kapital, sondern im Netzanschluss – insbesondere an den Punkten, an denen das System heute am stärksten unter Druck steht. Projekte wie „van Gogh“ zeigen, wie ein Speicher aussehen kann, der genau dort ansetzt: am Netzknoten, direkt neben der „Stromautobahn“, auf vorbelasteter Fläche. Sie beantworten nicht jede Frage zur Zukunft der Speicher, geben aber eine Richtung vor, wo Flexibilität im Netz den größten Unterschied macht. (DEKOM, 17.03.2026/Zelos, 16.12.2025) Mehr Infos hier…

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