Kommunale Wärmeplanung: Vom Konzept zur Umsetzung

Seit dem 1. Januar 2024 verpflichtet das Wärmeplanungsgesetz alle deutschen Kommunen, strategische Konzepte für eine treibhausgasneutrale Wärmeversorgung zu entwickeln. Städte mit mehr als 100.000 Einwohnern müssen bis Mitte 2026 liefern, alle übrigen bis Mitte 2028. Für Gemeinden unter 10.000 Einwohnern sieht das Gesetz vereinfachte Verfahren vor; mehrere Kommunen können die Planung im sogenannten Konvoi gemeinsam angehen. Der gesetzliche Rahmen ist damit gesetzt – die Frage ist, was Kommunen daraus machen.

Der Umsetzungsstand ist durchwachsen. Viele Kommunen haben die Wärmeplanung beauftragt oder begonnen, abgeschlossen ist sie bislang nur in wenigen Fällen. Personalknappheit, lückenhafte Datenlagen und fehlende Erfahrung mit komplexen Energieinfrastrukturen bremsen den Prozess – auch dort, wo vereinfachte Verfahren eigentlich entlasten sollten. Hinzu kommt eine Haltung, die in vielen Kommunen zu beobachten ist: das Abwarten. Auf klarere Förderbedingungen, auf politische Klärungen, auf den richtigen Moment. In der Konsequenz laufen Umsetzungsprozesse nicht an – obwohl die Zeit, die für Vorbereitung, Ausschreibung und Realisierung gebraucht wird, längst läuft. Gerade für kleinere Gemeinden bieten Konvoi-Ansätze die Möglichkeit, Planungskapazitäten zu bündeln und Prozesse effizienter zu gestalten. In Kombination mit stärker standardisierten und automatisierten Verfahren lassen sich so Zeit- und Ressourcenvorteile erzielen.

Die tatsächliche Arbeit beginnt aber erst dann. Wärmepläne beschreiben Zielpfade: Ausbau von Wärmenetzen, Einsatz erneuerbarer Energien, Transformation bestehender Infrastruktur. Was sie häufig nicht liefern, sind konkrete Projekte, priorisierte Maßnahmen und entscheidungsreife Grundlagen für Investitionen. Der Abstand zwischen strategischem Zielbild und nächstem umsetzbarem Schritt ist oft erheblich – und wird regelmäßig unterschätzt. Für kleinere Kommunen verschärft sich das: Vereinfachte Verfahren helfen, die Planungspflicht formal zu erfüllen, sichern aber nicht, dass das Ergebnis die Tiefe erreicht, die für die spätere Umsetzung gebraucht wird.

Dr. David Fischer, Mitgründer und Geschäftsführer von Greenventory, rät kleineren Kommunen ausdrücklich, nicht auf bessere Bedingungen zu warten: „Die Haltung im Markt ist derzeit oft abwartend. Gerade kleineren Kommunen raten wir jedoch, die Gunst der Stunde zu nutzen, sich frühzeitig Unterstützung zu sichern und die nächsten Schritte vorzubereiten.“ Das Freiburger Unternehmen ist 2019 als Spin-off aus dem Fraunhofer ISE und dem KIT hervorgegangen und arbeitet heute mit mehr als 300 Kommunen und Versorgern zusammen. Insgesamt wurden inzwischen mehr als 500 Projekte gemeinsam mit Kommunen, Energieversorgern und Netzbetreibern umgesetzt. Der zentrale Engpass liegt bei den Daten. In vielen Kommunen ist schlicht unklar, welche Gebäude-, Verbrauchs- und Infrastrukturdaten tatsächlich vorhanden und belastbar sind. Greenventory hat dafür einen digitalen Energie-Zwilling entwickelt, der Daten aus über 120 Quellen gebäudescharf zusammenführt – darunter Verbrauchsdaten für Wärme, elektronische Kehrbücher der Schornsteinfeger sowie GIS-Daten.

Anders als statische Gutachten entsteht damit eine dynamische, fortschreibbare Entscheidungsgrundlage, auf der Kommunen auch nach Abschluss der Planung Szenarien – etwa bei veränderten Förderbedingungen oder Preisentwicklungen – eigenständig weiterentwickeln können.

Erst auf dieser Basis lassen sich Szenarien entwickeln, die für konkrete Infrastrukturentscheidungen taugen. Hinzu kommt die Schnittstelle zwischen Kommunen und Stadtwerken: Kommunen definieren strategische Zielbilder, Stadtwerke müssen daraus Infrastrukturentscheidungen ableiten. Ziel integrierter Ansätze ist es, diese Lücke zwischen strategischer Planung in der Kommune und technischer Netzplanung bei Stadtwerken und Netzbetreibern zu schließen, um Abstimmungsprobleme zu reduzieren und Fehlplanungen bei Infrastrukturinvestitionen zu vermeiden. Fehlt die Abstimmung von Beginn an, entstehen Konzepte, die formal den gesetzlichen Anforderungen genügen – für die Umsetzung aber kaum verwertbar sind.

Die kommunale Wärmeplanung ist nicht das Ende eines Prozesses, sondern sein Beginn. Was danach folgt – Konkretisierung, Priorisierung, Abstimmung mit Versorgern und Investoren – entscheidet darüber, ob sie tatsächlich Wirkung entfaltet. Kommunen, die diese Phase jetzt aktiv angehen, verschaffen sich einen handfesten Vorteil: Sie sind vorbereitet, wenn die Umsetzung ansteht – und nicht erst dann, wenn die Fristen drängen. (DEKOM, 23.03.2026) Mehr Infos hier…

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