US-Verteidigungsminister Pete Hegseth hat den Abzug von 5.000 Soldaten aus Deutschland angeordnet. Der Abzug solle binnen sechs bis zwölf Monaten abgeschlossen sein. Offiziell begründet das Pentagon den Schritt mit einer Prüfung der Truppenpräsenz in Europa, der Bedingungen vor Ort und der Anforderungen der Einsatzgebiete insgesamt. Für die betroffenen Standorte stellt sich damit unmittelbar die Frage nach den wirtschaftlichen Folgen. Eine im Mai 2026 veröffentlichte Studie des ZEW Mannheim und der Universität Köln liefert dazu erstmals belastbare empirische Antworten. Die Ökonomen Johannes Kochems und Jakob Schmidhäuser haben den massiven Truppenabzug nach dem Ende des Kalten Krieges ausgewertet, als innerhalb von fünf Jahren rund 200.000 US-Soldaten Deutschland verließen. Pro abgezogenem Soldaten gehen demnach in einem Umkreis von 15 Kilometern rund um den betroffenen Standort 0,53 Vollzeitstellen verloren. Auf die angekündigten 5.000 Soldaten hochgerechnet wären das knapp 2.650 Arbeitsplätze in den jeweiligen Regionen. Mehr als 60 Prozent dieser Verluste entstehen dabei nicht durch direkte Entlassungen von deutschen Zivilbeschäftigten auf den Militärbasen, sondern als Folgewirkung im lokalen Wirtschaftskreislauf. US-Truppen sind erhebliche Konsumenten von Gütern und Dienstleistungen; Betriebe, die auf Verträge mit dem Militär oder auf die Kaufkraft der Soldaten angewiesen sind, verlieren ihre Nachfragebasis. Diese indirekten Beschäftigungseffekte machen den deutlich größeren Anteil des wirtschaftlichen Schadens aus. Für die öffentlichen Haushalte sind die Folgen ebenso unmittelbar spürbar. Die Einnahmen gehen in betroffenen Städten und Gemeinden im Schnitt um rund neun Prozent zurück, getrieben vor allem durch einen schrumpfenden Gewerbesteuerertrag und sinkende Einkommensteueranteile. Historisch reagierten die Rathäuser mit parallelen Ausgabenkürzungen und einer Erhöhung der Hebesätze, wobei insbesondere die Grundsteuer B als das stabilere Instrument genutzt wurde. Die Gewerbesteuer-Hebesätze stiegen ebenfalls, jedoch moderater, um ohnehin belastete Unternehmen nicht zusätzlich zu treffen. Besonders schwer und besonders dauerhaft betroffen sind ländlich geprägte Standortregionen und solche mit bereits angespannter Haushaltslage. Die negativen Effekte auf Beschäftigung und öffentliche Finanzen waren der Studie zufolge auch noch Jahrzehnte nach den Schließungen messbar. Wie groß die wirtschaftliche Bedeutung einer US-Militärbasis sein kann, macht Ramstein-Bürgermeister Ralf Hechler konkret. Die Wirtschaftskraft der US-Militärpräsenz in seiner Gemeinde beziffert er auf mehr als zwei Milliarden US-Dollar pro Fiskaljahr, einschließlich Löhnen, Mieten und Aufträgen für lokale Firmen. Deutschland ist nach Japan der zweitgrößte US-Militärstandort außerhalb der USA. Die Hauptquartiere des Europa- und Afrikakommandos liegen in Stuttgart, die Zentrale des US-Heeres in Europa in Wiesbaden, der größte US-Truppenübungsplatz außerhalb der USA nahe Grafenwöhr in Bayern. Welche dieser Standorte vom Teilabzug konkret betroffen sein werden, hat das Pentagon bislang nicht mitgeteilt. Für die lokale Wirtschaftspolitik empfehlen die Studienautoren, die wirtschaftliche Abhängigkeit von der Truppenpräsenz schon heute zu analysieren und Alternativszenarien zu entwickeln. Der Abzug der 1990er Jahre hat gezeigt, dass die Folgen ohne strategische Vorbereitung besonders lang anhalten. Als Positivbeispiel verweisen Kochems und Schmidhäuser auf den Flughafen Hahn in Rheinland-Pfalz, wo aus einer früheren US-Militärbasis ein regionaler Verkehrsflughafen wurde, der dauerhaft Beschäftigung schuf. Zum kommunalen Finanzausgleich nehmen die Autoren ebenfalls Stellung. Die Präsenz ausländischer Truppen sei wirtschaftlich ein Vorteil für die Gastregion und dürfe im Ausgleichssystem nicht als fiskalische Belastung behandelt werden. Hessen habe diesen Fehler bereits korrigiert und zähle US-Truppen nicht mehr zur Bedarfsmesszahl. Andere Länder sollten diesem Beispiel folgen und zugleich automatische fiskalische Stabilisatoren für den Fall von Abzügen vorsehen, statt Standorte durch gleichzeitig sinkende Steuereinnahmen und wegfallende Zuweisungen doppelt zu belasten. (DEKOM, 27.05.2026) Studie hier…