Glasfaserausbau: Zuverlässige Bestandsnetze und Baumängel bremsen den Kundenwechsel

Die deutschen Telekommunikationsnetze arbeiten spürbar zuverlässiger. Die Störungsanfälligkeit stationärer Internetanschlüsse sank von 32 Prozent im Jahr 2024 auf aktuell 27 Prozent. Bei mobilen Verbindungen halbierte sich die Problemquote im selben Zeitraum von 31 Prozent auf 13 Prozent. Das belegen die Ergebnisse der Marktforschung „Broadband Consumer Trends 2026“ des Beratungsunternehmens Deloitte. Die technische Stabilität hat aber einen Haken. Sie erzeugt den Studienautoren zufolge eine enorme Trägheit im Markt. Etwa 62 Prozent der Nutzer wollen ihr funktionierendes Internet nicht durch ein technisches Upgrade riskieren. Die Kundenzufriedenheit mit älteren DSL- und DOCSIS-Anschlüssen kletterte im laufenden Jahr auf 81 Prozent. Sehr schnelle Anschlüsse ab 250 Megabit pro Sekunde erreichen folgerichtig lediglich eine Marktdurchdringung von 32 Prozent. Bemerkenswert ist das Desinteresse an der eigenen Infrastruktur, da 22 Prozent der Haushalte ihre vertraglich vereinbarte Bandbreite überhaupt nicht kennen. Rainer Staar kennt diese Lethargie aus der Baupraxis. Der Geschäftsführer der fiberprojects GmbH erlebt, dass Haushalte ihre bestehenden Kupfernetze schlicht als ausreichend empfinden. Hier rächen sich laut dem Infrastrukturexperten die Versäumnisse der Vergangenheit. In der einstigen Goldgräberstimmung der Branche stand schnelles Bauen im Vordergrund, während die Kundenaufklärung auf der Strecke blieb. Staar kritisiert Bauunternehmen, die den Tiefbau vorrangig für rasche Rechnungsstellungen nutzten und deren Profitfokus die nötige Qualität verdrängte. Die Folgen dieser Entwicklung lassen sich an der tatsächlichen Glasfasernutzung ablesen. Zwar stehen 64 Prozent der Bevölkerung der Technologie grundsätzlich aufgeschlossen gegenüber, doch die reale Nutzung verharrt bei 21 Prozent. Weitere 17 Prozent warten nach einer Vertragsunterschrift weiterhin auf den physischen Anschluss, wie aus der Erhebung hervorgeht. Dabei liefert die Technik nach der Aktivierung die versprochene Leistung. In 80 Prozent der Fälle werden die Erwartungen der Kunden voll erfüllt oder sogar übertroffen. Lediglich fünf Prozent der Anwender äußern sich im Betrieb enttäuscht. Die eigentlichen Hürden verortet Staar nicht im Produkt selbst, sondern in der handwerklichen Umsetzung auf den letzten Metern. Besonders bei städtischen Mehrfamilienhäusern verursachen Abstimmungen mit Eigentümergesellschaften massive Verzögerungen bei der Erschließung. Neben dem klassischen Festnetz rücken alternative Zugangswege in das Bewusstsein der Verbraucher. Rund 39 Prozent der Befragten interessieren sich für satellitenbasiertes Internet. Ein Drittel der Konsumenten würde einen monatlichen Aufpreis von fünf Euro akzeptieren, um das eigene Smartphone bei fehlender Netzabdeckung direkt mit Satelliten zu verbinden. Die Nutzung von Mobilfunk als vollwertigem Internetzugang zu Hause stößt bei 44 Prozent auf grundsätzliche Bereitschaft. Zunehmend diskutiert der Markt zudem die geopolitische Herkunft der Netztechnik.  Etwa 48 Prozent der Nutzer sehen die deutsche Infrastruktur in einer moderaten oder starken Abhängigkeit von ausländischen Akteuren. Die Bereitschaft, technologische Souveränität finanziell zu stützen, fällt laut der Marktforschung allerdings gering aus. Lediglich 30 Prozent würden einen Aufschlag von zehn Euro für rein europäische Netzwerktechnologien zahlen. Auch die generelle Bindung an Telekommunikationsanbieter erodiert. Das ist insbesondere bei jungen Nutzern messbar, denen die Marke ihres Smartphones weit wichtiger ist als der eigentliche Netzbetreiber. Um Kunden überhaupt noch zu binden, erwarten branchenweit 39 Prozent der Verbraucher konkrete Treueprogramme. Um den stockenden Netzausbau qualitativ abzusichern, verlangt Staar harte Vorgaben für die ausführenden Betriebe. Kommunen müssen Ausschreibungen über präzise Leistungsverzeichnisse auf Basis etablierter DIN-Vorschriften steuern. Das von ihm empfohlene Schweizer Modell kann beim Vergabeverfahren Dumping-Angebote systematisch abwehren, indem das günstigste und das teuerste Gebot vor der eigentlichen Bewertung ausscheiden. In der Bauphase fordert der Experte eine strikte abschnittsweise Abnahme der Trassen. Die finale Kontrolle der Bauarbeiten muss sich zudem auf eine dreidimensionale Dokumentation stützen, welche die exakte Verlegetiefe und die verbauten Komponenten zweifelsfrei nachweist. Eine streng kontrollierte Glasfaserinfrastruktur erreicht am Ende eine gesicherte Lebensdauer von mehreren Jahrzehnten. (DEKOM/Deloitte, 22.06.2026) Ganzer Artikel hier…

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