Straßenbau: Branche schrumpft – Sanierungsstau wächst

Der Straßenbau in Deutschland durchläuft eine schwierige Phase. Nach Zahlen des ifo Instituts ist der preisbereinigte Branchenumsatz seit 2020 spürbar zurückgegangen, im Zeitraum 2020 bis 2023 allein um 17 Prozent. 2025 fiel der Markt sogar unter das Niveau der vergangenen 15 Jahre zurück. Gleichzeitig kletterten die Baupreise für Straßenbauleistungen in den vergangenen fünf Jahren um 46 Prozent, zuletzt befeuert durch den seit Ende Februar 2026 laufenden Irankrieg mit steigenden Ölpreisen und neuen Lieferschwierigkeiten. Nach ifo-Umfragewerten dürfte der Preisanstieg im laufenden Jahr die Fünf-Prozent-Schwelle überschreiten. Bund, Länder und Gemeinden gaben 2025 zusammen über 18 Milliarden Euro für den Aufgabenbereich Straßen aus, wobei Gemeinden rund 40 Prozent der öffentlichen Straßenbaumaßnahmen finanzieren. Der amtliche Auftragseingang für die Bauart Straßenbau schrumpfte bereits seit 2019 in erheblichem Maße und sackte 2025 nochmals ab. Auffällig ist dabei, dass der Auftragsbestand der Branche trotz eingetrübter Geschäftslage weiterhin sehr hoch bleibt, was nach ifo-Einschätzung auf verzögerte Großprojekte und wegen der Preissprünge 2022 und 2023 verschobene Vorhaben hindeutet. Hintergrund der aktuellen Lage ist eine mehrjährige Verschiebung der Investitionsprioritäten. Der Bund hatte seinen Fokus zunehmend auf den Schienenverkehr gerichtet, während die Haushaltsdefizite der Gemeinden zurückkehrten und Material- sowie Energiepreise das Bauen verteuerten. Das Sondervermögen für Infrastruktur und Klimaneutralität hätte an dieser Stelle Spielraum schaffen können, laut ifo-Studie erhält der Straßenbau jedoch bislang nicht die Priorität, die etwa dem Schienenverkehr oder den Wasserwegen zugutekommt. Stattdessen wurden Mittel zwischen Kern- und Extrahaushalt verschoben, sodass unter dem Strich nur ein moderater nominaler Aufwuchs verbleibt, der von Preis- und Projektkostensteigerungen weitgehend aufgezehrt wird. Das ifo Institut verweist zudem auf ein addiertes Haushaltsdefizit der Gemeinden von fast 57 Milliarden Euro allein für die Jahre 2024 und 2025, gepaart mit steigendem Konkurrenzdruck durch andere Ausgabenposten wie Soziales oder Zinszahlungen im Bundeshaushalt. Im Markt selbst dominieren große Unternehmen, mehr als die Hälfte des baugewerblichen Umsatzes entfällt auf Betriebe mit mindestens 100 Beschäftigten. Kleinere und mittlere Firmen mit weniger als 20 Beschäftigten sind dagegen vor allem bei Ausbesserungen, Beschilderungen und Fußwegarbeiten aktiv. Zuletzt klagten 37 Prozent der vom ifo Institut befragten Straßenbaufirmen über fehlende Aufträge, deutlich mehr als im entsprechenden Vorjahreszeitraum. Materialengpässe spielen als Behinderungsgrund dagegen eine untergeordnete Rolle, der entsprechende Umfragewert gab im Mai von 10 auf 6 Prozent nach. Vor diesem Hintergrund geht das ifo Institut bis 2027 von weiter sinkenden Straßenbauinvestitionen aus. Auf Klagen mehrerer Länder, wonach baureife Neubauvorhaben wegen unzureichender Haushaltsansätze nicht begonnen werden könnten, reagierte die Bundesregierung Ende 2025 mit kurzfristiger Mittelaufstockung und Umsetzungsgarantie. Der Verkehrsminister beklagt jedoch weiterhin eine ausgeprägte Unterfinanzierung, die auch den direkten Zugriff der Autobahn GmbH auf Mauteinnahmen und die geplante eigene Kreditaufnahme nicht auflösen dürfte. (DEKOM/Ifo, 06.07.2026) Mehr Infos hier…

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