Breitband ins Straßenbankett, ohne die Substanz zu verbrauchen

Mit 231,2 Milliarden Euro hat der wahrgenommene Investitionsrückstand der Städte und Gemeinden im KfW-Kommunalpanel 2026 einen neuen Rekordwert erreicht. Auf die Straßen- und Verkehrsinfrastruktur entfallen davon rund 54 Milliarden Euro, und nahezu jede dritte Verwaltung sieht sich außerstande, den laufenden Unterhalt ihrer Straßen noch angemessen zu leisten. Parallel dazu beschleunigt sich der geförderte Glasfaserausbau. Über die Gigabit-Richtlinie 2.0 stellt der Bund in diesem Jahr weitere 1,8 Milliarden Euro für unterversorgte Lagen bereit, und seit Anhebung der Aufgreifschwelle rücken auch Adressen mit bestehendem DSL-Anschluss in die Förderkulisse. Beide Entwicklungen beanspruchen denselben Untergrund, und genau dort geraten sie in Konflikt. Jeder offen ausgehobene Leitungsgraben entlang einer Außerortsstraße schwächt die Substanz, deren Erhalt vielerorts ohnehin nicht mehr finanzierbar ist. Aufgebrochene Fahrbahnränder, Setzungen an der Nahtstelle und verkürzte Nutzungsdauern verlagern die Kosten des Ausbaus auf den Straßenhaushalt der Folgejahre. Wer den Breitbandausbau vorantreibt und zugleich für die Straße verantwortlich zeichnet, finanziert auf diese Weise nicht selten den eigenen Sanierungsstau mit.

An dieser Stelle setzt die schonende Verlegung im Straßenbankett an. Anders als beim Trenching, das einen Schlitz in die Asphaltdecke fräst und damit den Oberbau selbst durchtrennt, bleibt die Fahrbahn hier vollständig unangetastet. Gefräst wird in das unbefestigte Bankett, rund zehn Zentimeter neben der Asphaltkante und außerhalb des tragenden Straßenkörpers. In einem Arbeitsgang entsteht ein 18 bis 25 Zentimeter breiter Graben, in den bis zu fünf Rohrverbände eingebracht werden, bevor er sofort mit dem aufbereiteten Aushub verschlossen und mehrlagig verdichtet wird. Eine mitlaufende Schleppschalung stützt den Graben über den gesamten Vorgang, sodass er nicht einstürzt und der angrenzende Straßenkörper stabil bleibt. Durch seitliches Ausfahren der Fräseinheit werden zudem die Randbelastungen der Fahrbahn minimiert.

Die Technologie des österreichischen Anbieters LAYJET ist seit Juli 2023 in der deutschen DIN 18220 als Verfahren für die Glasfaserverlegung im Bankett verankert und damit Stand der Technik. Begleitende Untersuchungen der TU Wien kommen zu dem Schluss, dass die Tragfähigkeit des Oberbaus erhalten bleibe und die Nutzungsdauer der Straße nicht beeinträchtigt werde. Nach einer von der TU Graz begleiteten Studie liege der Ausstoß an klimaschädlichem CO2 bei einem Siebzehntel der offenen Bauweise.

Für dicht bebaute Ortslagen und die Feinerschließung bis ins Haus bleibt der klassische Tiefbau maßgeblich. Ihre Stärke spielt die Bankettfräse auf den langen Verbindungs- und Anlaufstrecken zwischen den Orten aus, also dort, wo der geförderte Ausbau in den grauen und weißen Flecken die meisten Kilometer und den größten Substanzverzehr verursacht. Mit einer Tagesleistung von bis zu drei Kilometern verkürzt sich die Bauzeit erheblich, Sperrungen und Lärmbelastung fallen geringer aus, und die Verlege- und Wiederherstellungskosten sinken gegenüber der offenen Bauweise deutlich. Netzbetreiber wie Westnetz und Netze BW sowie Breitbandverantwortliche im Landkreis Soest setzen das Verfahren in geförderten Außerortsprojekten bereits ein.

Damit verschiebt sich eine Stellschraube, die in Markterkundung und Vergabe oft zu wenig Beachtung findet. Die Gigabitstrategie des Bundes nennt den häufigeren Einsatz alternativer Verlegemethoden ausdrücklich als Hebel für einen schnelleren und günstigeren Ausbau. Wo Ausschreibungen die Verlegung im Bankett zulassen oder gezielt vorsehen, lässt sich die spätere Belastung des Straßenhaushalts von vornherein begrenzen. Eine belastbare Wirtschaftlichkeitsbetrachtung sollte deshalb nicht allein die Baukosten je Meter, sondern auch die Wiederherstellung und die verbleibende Nutzungsdauer der Trasse erfassen. Wer beide Aufgaben zusammendenkt, gewinnt beim Anschluss der unterversorgten Lagen Tempo, ohne die teuerste Infrastruktur im Bestand vorzeitig zu verbrauchen. (DEKOM, 06.07.2026) Mehr Infos hier…

Über LAYJET

Das österreichische Unternehmen LAYJET wurde 2017 gegründet, nachdem Rainer Dunst die Patente für die gemeinsam mit der TU Wien, der TU Graz und der DW-Tech Maschinenbau GmbH entwickelte Verlegetechnologie erworben hatte. Mit der LAYJET Micro-Rohr Verlegegesellschaft und der 2023 gegründeten LAYJET Tiefbau GmbH beschäftigt das Unternehmen heute rund 80 Mitarbeiter. Seit 2020 ist LAYJET mit der LAYJET Deutschland GmbH auch mit einem eigenen Standort in Herrenberg, Baden-Württemberg, vertreten. Die hauseigene Planungsabteilung erstellt auf Basis der Kundenvorgaben die Trassenführung, bevor geschulte LAYJET-Tiefbau-Trupps die Verlegung übernehmen und ein kalibriertes, druckgeprüftes Leitungsnetz übergeben. Zu den Kunden zählen unter anderem Telekommunikationsunternehmen wie die Deutsche Telekom, Deutsche Glasfaser und Unsere Grüne Glasfaser (UGG), Netzbetreiber sowie zahlreiche Landkreise und Kommunen.

Druckausgabe

Abonnieren oder Kündigen