Jeder Kubikmeter zählt – Wassernetze zwischen Hitzesommer und neuer TrinkwV

Der Sommer setzt die Trinkwasserversorgung vielerorts unter Druck. In mehreren Regionen haben Versorger ihre Kunden bereits zum Wassersparen aufgerufen, weil an heißen Tagen zu viel Wasser gleichzeitig angefordert wird und die Netze an ihre Leistungsgrenze kommen. Der Verband kommunaler Unternehmen bestätigt punktuell erhöhte Belastungen, wenn viele Menschen zeitgleich viel Wasser verbrauchen; es gehe weniger um grundsätzliche Knappheit als um Situationen, in denen die Systeme kurzfristig an Kapazitätsgrenzen stoßen. Umso schwerer wiegt in solchen Phasen jeder Kubikmeter, der durch Leckagen im Netz verloren geht. Zugleich stellt die novellierte Trinkwasserverordnung neue Anforderungen an den Netzbetrieb. Vor diesem Hintergrund stellt sich für Stadtwerke und Zweckverbände die Frage, wie sich gewachsene Verteilnetze mit vertretbarem Aufwand digital ertüchtigen lassen. Die Partner EBERO FAB und 3S Antriebe beschreiben das intelligente Wasserverteilnetz, oft „Smart Water Grid“ genannt, anhand von vier eng miteinander verzahnten Komponenten. Am Anfang steht ein flächendeckendes Online-Monitoring, das Druck und Durchfluss, ergänzend auch Trübung und Temperatur regelmäßig erhebt und um Verbrauchsdaten der Kunden ergänzt. Diese Daten kalibrieren permanent das hydraulische Modell des Netzes und machen es zum digitalen Zwilling, in dem sich jedes Ereignis und jede Maßnahme simulieren lässt. Auf dieser Grundlage berechnen Algorithmen Empfehlungen für einen optimierten Betrieb. Umgesetzt werden die ermittelten Fahrweisen durch ferngesteuerte Armaturen im Netz. Alle vier Komponenten sind nach Angaben der Partner verfügbar und lassen sich nachrüsten. Für den digitalen Zwilling genügten Importe aus dem vorhandenen hydraulischen Modell oder den GIS-Daten in die Plattform des Partners Qatium. Zur Kalibrierung würden, sofern nicht vorhanden, an geeigneten Stellen einige Druck- und Durchflussmessungen eingebunden. Liegen zusätzlich Verbrauchsdaten vor, etwa als CSV-Dateien oder über Smart Meter, steht die digitale Replika des Netzes allen Mitarbeitenden zur Verfügung, die im Netz arbeiten. Absperrungen und ihre Auswirkungen lassen sich vorab testen, ebenso eine mögliche Druckabsenkung unter Berücksichtigung der Löschwasserversorgung und von Bedarfsschwankungen. Das System alarmiert bei unerwarteten Ereignissen wie einem Druckabfall nach Rohrbruch und unterstützt Spülmaßnahmen zur Wasserqualität. Deutlich wird der Nutzen bei den Wasserverlusten. Mit mindestens einer Durchflussmessung lasse sich jede Nacht der Nullverbrauch dokumentieren; da der Verbrauch bekannt sei, ergäben sich die Verluste als Differenz. Werden Verluste festgestellt, ermöglichen ferngesteuerte Armaturen ein Step-Testing, mit dem sich eine Leckage einer Sub-Zone zuordnen lässt. Künftig soll ein Algorithmus auf Basis von Druckmessungen die wahrscheinlichste Position einer Leckage bestimmen, sodass die Detailortung und Reparatur am nächsten Morgen gezielt erfolgen können. Leckagen ließen sich so deutlich früher und mit geringerem Aufwand beheben. Ein wesentlicher Kostenfaktor entfällt bei der Nachrüstung der Armaturen. Die batteriebetriebenen Stellantriebe von 3S benötigen weder Kabelinfrastruktur noch Schachtbauwerke und lassen sich auf Bestandsarmaturen ohne Versorgungsunterbrechung installieren – auch schwer erreichbare Armaturen können so ohne Eingriffe in die Infrastruktur automatisiert werden. Im Einsatz ist die Technik unter anderem in Gelsenkirchen, Bottrop und Berlin. Wer die Wasserversorgung in Eigenregie oder über Stadtwerke betreibt und bereits über ein hydraulisches Modell oder gepflegte GIS-Daten verfügt, kann mit überschaubarem Aufwand beginnen und das System Schritt für Schritt um Messungen, Algorithmen und Automatisierung erweitern. Neben geringeren Wasserverlusten stehen dabei Resilienz, der Schutz der kritischen Versorgungsinfrastruktur sowie Energie- und CO2-Einsparungen im Ergebnis. (DEKOM, 17.08.2026) Ganzer Artikel hier…

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