Mehr Genehmigungen, weniger Baustellen: Wohnungsbau bleibt hinter dem Bedarf zurück

Die Genehmigungszahlen im Wohnungsbau steigen seit Monaten. Gleichzeitig verschlechtert sich die Stimmung in der Branche weiter, und die Zahl der tatsächlich fertiggestellten Wohnungen bleibt weit hinter dem Bedarf zurück. Zwischen dem, was auf dem Papier genehmigt ist, und dem, was auf den Baustellen passiert, klafft eine wachsende Lücke.

Nach Angaben des Statistischen Bundesamts wurden im August 2026 bundesweit 20.600 Wohnungen genehmigt, 6,8 Prozent mehr als im Vorjahresmonat. Im Zeitraum Januar bis August summierte sich die Zahl auf 169.400 Wohnungen, ein Plus von 12,1 Prozent gegenüber dem Vorjahr. Bei Mehrfamilienhäusern, die für die Wohnraumversorgung in verdichteten Gebieten besonders relevant sind, lag der Zuwachs mit 90.600 genehmigten Wohnungen sogar bei 14,5 Prozent.

Der Spitzenverband der Wohnungswirtschaft GdW ordnet diese Zahlen deutlich zurückhaltender ein. GdW-Präsident Axel Gedaschko warnt davor, steigende Genehmigungszahlen mit einer Erholung des Wohnungsbaus zu verwechseln. Tatsächlich fertiggestellt werden in diesem Jahr voraussichtlich rund 200.000 Wohnungen. Der jährliche Bedarf liegt nach Einschätzung des GdW bei 320.000 Wohnungen, davon 100.000 Sozialwohnungen. Allein gegenüber dem Jahresbedarf fehlen damit rund 120.000 Wohnungen.

Dass genehmigte Projekte auf dem Papier bleiben, hat nach Gedaschkos Einschätzung vor allem wirtschaftliche Ursachen. Solange sich der Neubau nicht rechne, blieben auch genehmigte Wohnungen ungebaut. Insbesondere die sozial orientierte Wohnungswirtschaft könne die gestiegenen Bau- und Finanzierungskosten nicht auf die Mieten umlegen. Sie brauche Rahmenbedingungen, die bezahlbare Mieten überhaupt erst ermöglichten.

Die ifo-Zahlen vom September unterstreichen das. Das Geschäftsklima im Wohnungsbau fiel von minus 22,5 auf minus 25,1 Punkte. 41,3 Prozent der befragten Unternehmen melden Auftragsmangel. Der Anteil der Unternehmen mit stornierten Aufträgen stieg von 13,4 auf 14,1 Prozent. Die Aussicht auf höhere Finanzierungskosten belastet die Branche zusätzlich.

Der GdW sieht drei Hebel, um die Lücke zwischen Genehmigung und Fertigstellung zu schließen. Erstens die rechtssichere Einführung des sogenannten Gebäudetyps E, eines vereinfachten Gebäudebasisstandards, der unnötige und kostentreibende Anforderungen abbauen soll. Der seit langem angekündigte gesetzliche Rahmen dafür fehle weiterhin. Zweitens eine langfristig verlässliche Neubauförderung. Die jüngste Aufstockung der EH55-Plus-Förderung bis Jahresende sei ein wichtiger Schritt gewesen, dürfe aber nicht in eine erneute Förderlücke münden. Für 2027 geplante Kürzungen bei der Neubauförderung müssten angesichts des Bedarfs überdacht werden. Drittens die Öffnung der Sonderabschreibung für den Mietwohnungsneubau nach Paragraph 7b des Einkommensteuergesetzes auch für den Effizienzhaus-55-Standard.

Für kommunale Wohnungsunternehmen und Baugesellschaften verschärft die Situation den ohnehin bestehenden Zielkonflikt zwischen energetischen Anforderungen, begrenzten Fördermitteln und dem politischen Auftrag, bezahlbaren Wohnraum zu schaffen. Ob die politischen Ankündigungen der Bundesregierung in der Wohnungsbaupolitik — Mitte Oktober warb sie beim Invest in Germany Summit gezielt um Investoren auch für den Wohnungsbau — in den nächsten Monaten die notwendige Substanz bekommen, ist offen. (DEKOM, 19.10.2026/GdW, 16.10.2026) PM GdW hier…

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