Ein Jahr nach der Gründung des ersten Bundesdigitalministeriums unter Karsten Wildberger ist die Bilanz der Branche gemischt. Der VATM, der Verband der Anbieter von Telekommunikations- und Mehrwertdiensten, attestiert dem Minister Ernsthaftigkeit — aber keine Entwarnung. „Deutschland digitalisiert sich nicht mit Siebenmeilenstiefeln, aber der erste Bundesdigitalminister legt den Finger in die offenen Wunden“, sagte VATM-Präsidentin Valentina Daiber Anfang Mai. Dass sich das Ministerium an Umsetzung, Projektsteuerung und messbaren Kennzahlen orientiere, sei erfreulich — und ungewohnt. Entscheidend werde aber sein, ob daraus belastbare Investitionsrahmen entstehen. Die Problemlage ist bekannt. Bürokratieabbau und Verwaltungsmodernisierung bleiben nach VATM-Einschätzung große offene Baustellen, die sich nicht per Ministererklärung bewegen lassen. Das überragende öffentliche Interesse — eines der ersten konkreten Ergebnisse des neuen Ministeriums — sei in Berlin schnell beschlossen worden, vor Ort aber noch nicht angekommen. Bund, Länder und Kommunen müssten gemeinsam liefern, insbesondere bei Genehmigungen und der praktischen Umsetzung. Zum zentralen Prüfstein werde die anstehende TKG-Novelle, die über das Wettbewerbsniveau im deutschen Glasfasermarkt entscheidet. Der VATM fordert dabei eine starke asymmetrische Regulierung gegenüber dem marktmächtigen Unternehmen sowie einen funktionierenden Open Access als Grundvoraussetzung für privaten Investitionswillen. In diesem Umfeld findet die ANGA COM 2026 statt — erstmals mit einem eigenen Thementag (21. Mai 2026) für Stadtwerke und Kommunen. Stadtwerke stehen im Bereich digitale Infrastruktur vor grundlegenden Positionierungsentscheidungen: zwischen den wachsenden Herausforderungen beim Glasfaserausbau, neuen regulatorischen Weichenstellungen und der Frage, ob Geschäftsmodelle rund um Rechenzentren und digitale Souveränität auch für kommunale Versorger tragfähig sind. Das Fachprogramm greift diese Themen konzentriert auf. Geplant sind ein Stadtwerkegipfel mit den Geschäftsführern von Glasfaser Ruhr, KomMITT-Ratingen und wilhelm.tel sowie dem CTO von M-net und dem kaufmännischen Geschäftsführer von NetCologne, dazu Vorträge zur Gigabitförderung des Bundes, eine Diskussion zur Vorvermarktung und Homes-Connected-Strategie sowie Round Tables zu Open-Access-Modellen und Rechenzentrumsinvestitionen. Das Bundesdigitalministerium, RheinEnergie und envia TEL sind ebenfalls vertreten. (DEKOM, 11.05.2026) Mehr Infos zur ANGA COM hier…