Bamberg – unsichtbare Ladepunkte für die Altstadt

An der Schranne, mitten im Bamberger Welterbe, sitzen seit einigen Wochen zwei Ladepunkte ebenerdig im Boden. Die Stadtwerke Bamberg haben dort zwei Ladebordsteine des Herstellers Rheinmetall in die Bordsteinkante eingelassen, jeder mit bis zu 22 Kilowatt Wechselstrom. Kein Mast, kein Kabel quer über den Gehweg. Wo enge Gassen und Denkmalschutz eine normale Ladesäule ausschließen, lässt sich ein Bordstein trotzdem verbauen. Der Alltag bestätigt den Ansatz. Nach Angaben des Stadtwerks liefen die beiden Punkte seit rund acht Wochen störungsfrei und hätten in dieser Zeit fast 6.000 Kilowattstunden abgegeben, beide Plätze seien oft belegt. Robust ist die Technik ebenfalls. Die Elektronik sitzt gekapselt im Boden, ein Wasserstandssensor unterbricht den Ladevorgang, bevor Nässe gefährlich wird, und bei Frost wie bei Hitze reguliert der Bordstein seine Temperatur selbst. Ein einjähriger Feldversuch in Köln, den Rheinmetall gemeinsam mit der RheinEnergie-Tochter TankE gefahren hat, kam auf mehr als 2.800 Ladevorgänge bei einer Verfügbarkeit über 99 Prozent; die Nutzer lobten vor allem die einfache Bedienung und die unauffällige Einbindung ins Stadtbild. Ein zweiter Vorteil zeigt sich erst im Betrieb. Fällt ein Ladepunkt aus, muss niemand die halbe Straße aufreißen. Das komplette Elektromodul lässt sich in wenigen Minuten aus dem Bordstein ziehen und gegen ein Austauschmodul tauschen, eine Schnellkupplung stellt die Verbindung zum Netz sofort wieder her. Die Ausfallzeit je Ladepunkt bleibt entsprechend kurz, und wer beim Tiefbau vorausschauend Dummy-Bordsteine mitverlegt, rüstet weitere Standorte später ohne großen Aufwand nach. Der Komfort hat seinen Preis. Ein Ladebordstein kostet ein Stadtwerk annähernd das Doppelte einer klassischen Standsäule, wobei nicht der Bordstein den Unterschied macht, sondern der zusätzliche Tiefbau und die separate Zähleranschlusssäule daneben. Wer diese Mehrkosten trägt, erschließt dafür Lagen, die mit gewöhnlicher Ladetechnik gar nicht zu bespielen sind, und genau darin liegt der Reiz für historische Innenstädte. Ob sich die Investition binnen der angestrebten fünf bis sechs Jahre trägt, entscheidet am Ende die Auslastung, und die hängt an der Lage. Ein Ladepunkt am Supermarktparkplatz oder an einem gut besuchten Platz ist schnell ausgelastet, einer am Stadtrand selten. Und die Ladeart muss zur Parkdauer passen. In Wohnvierteln oder Tiefgaragen, wo Autos ohnehin länger stehen, reicht Wechselstrom, am Einkaufszentrum mit kurzen Stopps lohnt Gleichstrom. Bamberg steht mit dem Versuch nicht allein. Zur Jahresmitte zählte die Bundesnetzagentur bundesweit knapp 204.000 öffentlich zugängliche Ladepunkte, ein Plus von 17 Prozent binnen eines Jahres, und der Zubau trifft immer häufiger auf verdichtete Innenstädte, in denen für weiteres Stadtmobiliar kaum Raum bleibt. Wer den Schritt in die eigene Altstadt wagt, sollte dabei nicht allein auf die Hardware schauen. Weil der Modultausch so einfach ausfällt, lassen sich Einbau und spätere Wartung aus einer Hand denken, und ein Störfall bleibt ein überschaubarer Handgriff statt eines Bauprojekts. Genau hier entscheidet sich, ob aus einem gelungenen Pilotversuch dauerhaft verlässliche Ladepunkte werden. Was in Bamberg an der Schranne begonnen hat, dürfte deshalb Schule machen. Die Technik funktioniert im Welterbe wie bei Wind und Wetter, und sie öffnet Standorte, die lange als unerreichbar galten. Der Rest ist eine Frage der Lage und der richtigen Partner beim Einbau und danach. (DEKOM, 17.08.2026) Mehr Infos hier…

Druckausgabe

Abonnieren oder Kündigen