Die Übertragungsnetzbetreiber wollen mit dem Reifegradverfahren den überhitzten Markt für Netzanschlüsse sortieren und das Windhundprinzip beenden. Der Branchenverband bne hat dazu seine Mitgliedsunternehmen gezielt befragt und ihre Rückmeldungen gebündelt an Bundesnetzagentur und ÜNB übermittelt. Herausgekommen ist kein Generalangriff, sondern ein Praxischeck: Wo das Verfahren Ordnung schafft – und wo es Projekte unnötig verteuert und riskanter macht.
Im Zentrum der Kritik stehen weniger die Ziele als die Mittel. Eine pauschale Antragsgebühr von 50.000 Euro pro Netzanschlussanfrage und eine zusätzliche Kaution von 1.500 Euro je Megawatt sind für sich genommen verkraftbar, werden aber zu einem Problem, weil sie längst fällig werden, bevor klar ist, ob ein Projekt überhaupt einen Anschluss erhält und wann dieser Anschluss kommt. Projektentwickler müssen Gutachten beauftragen, Flächen sichern, technische Konzepte ausarbeiten und Kapital binden, während sie über Zyklen, Zuschaltzeitpunkte und verfügbare Kapazitäten nur grobe Indikationen erhalten. Das verschiebt Risiko und Vorleistung deutlich auf die Seite der Netznutzer.
Hinzu kommt, dass die Verfahrenstakte lang sind und der Informationsgehalt begrenzt bleibt. Bewerbungsfenster nur einmal im Jahr, Bewertungszyklen von rund zwölf Monaten, kaum Möglichkeiten, im laufenden Verfahren nachzureichen, wenn Projekte Flächensicherung oder Genehmigungsstand verbessern – all das erschwert es, Reifegrad und Bankfähigkeit zusammenzubringen. Wer eine Absage erhält, soll sich neu bewerben, ohne verlässlich zu wissen, ob im nächsten Zyklus an dem betreffenden Knotenpunkt tatsächlich wieder Kapazitäten frei werden. Für Banken, die Entscheidungen an konkrete Anschlusszusagen und belastbare Zeitpläne knüpfen, ist das ein schwaches Fundament.
Der bne verweist deshalb auf Erfahrungen in anderen Ländern. In Großbritannien etwa sind die Mindestanforderungen an Projekte schlanker, Gebühren fallen erst mit tatsächlicher Anschlusszusage an, Vorinvestitionen in Technik werden nicht verlangt, solange Netzzugang und Business Case nicht gesichert sind. Auch dort sortiert das Verfahren spekulative Anträge aus – nur mit deutlich geringeren Vorleistungen. Die Botschaft: Reifegrad und Investorenfreundlichkeit schließen sich nicht aus, sie sind eine Frage der Ausgestaltung.
Für Kommunen ist diese Debatte mehr als ein technischer Streit unter Fachleuten. Sie entscheiden in den nächsten Monaten, mit welchen Partnern sie Flächen in Umspannwerksnähe entwickeln und wer sie durch dieses neue Verfahren begleitet. Je höher die Eintrittskosten und je länger die Unsicherheit, desto wichtiger werden Entwickler, die Verfahrenserfahrung, eigene Vorleistungskraft und Zugang zu Finanzierern mitbringen – und nicht versuchen, Bürokratie- und Finanzierungsrisiken auf die Gemeinde abzuwälzen. Das Reifegradverfahren schafft Ordnung im Netzanschlussmarkt. Ob es auch die richtigen Projekte nach vorne bringt, hängt davon ab, wie tragfähig es am Ende für diejenigen wird, die Speicher tatsächlich bauen und betreiben sollen. (DEKOM, 17.03.2026/bne, 05.03.2026) Ganze PM hier…