Brückenmonitoring: Sensorik aus dem Automobilbereich sichert die Infrastruktur
Der Einsturz der Dresdner Carolabrücke hat den massiven Sanierungsstau bei der deutschen Verkehrsinfrastruktur drastisch verdeutlicht. Bundesweit gelten Tausende Brücken als baufällig, wobei der Finanzbedarf für notwendige Instandsetzungen auf bis zu 100 Milliarden Euro geschätzt wird. Ein flächendeckendes, dauerhaftes Monitoring scheiterte bisher oft an den hohen Kosten für spezialisierte Messtechnik. Die aktuelle Norm DIN 1076 sieht zwar regelmäßige Prüfungen vor, schreibt jedoch kein kontinuierliches Bauwerksmonitoring vor, da eine solide Datengrundlage für viele Kommunen bislang wirtschaftlich kaum darstellbar war. Forscher des Fraunhofer-Instituts für Integrierte Schaltungen (IIS) setzen hier auf eine effiziente Lösung, indem sie robuste Radarsensorik aus der Automobilindustrie für die Bauwerksüberwachung adaptieren. Da diese Sensoren in hohen Stückzahlen für autonomes Fahren produziert werden, liegen ihre Kosten um den Faktor 10 bis 100 unter denen herkömmlicher Spezial-Sensorik. Die Technik ermöglicht es, statische Verschiebungen im Submillimeterbereich sowie Vibrationen an Brücken oder Schienen präzise zu erfassen. Ergänzend können sogenannte MEMS-Sensoren genutzt werden, um etwa Brüche in den Spanndrähten von Spannbetonbrücken akustisch zu detektieren und Schäden so sichtbar zu machen, bevor sie zum Sicherheitsrisiko werden. Für Kommunen als Baulastträger ist dieser technologische Ansatz von hoher strategischer Bedeutung, da sie unmittelbar für die Verkehrssicherheit ihrer Bauwerke verantwortlich sind. Die Verfügbarkeit bezahlbarer Sensorik erlaubt es Städten und Gemeinden, die Infrastruktur nicht nur bei konkretem Verdacht, sondern flächendeckend zu überwachen. Ein solches Monitoring liefert die notwendige Datengrundlage, um Sanierungen gezielter zu planen und die tatsächliche Restlebensdauer von Brücken verlässlich einzuschätzen. Damit lassen sich unvorhergesehene Totalsperrungen und die damit verbundenen Belastungen für den lokalen Verkehr und die Wirtschaft vermeiden. Kommunale Entscheider sollten diese technologische Entwicklung nutzen, um ihr Infrastrukturmanagement auf eine faktenbasierte Basis zu stellen. In der Praxis empfiehlt es sich, Messkampagnen in enger Abstimmung zwischen Bauingenieuren und Sensorexperten zu initiieren, um passgenaue Daten für das jeweilige Bauwerk zu erheben. Insbesondere die Erfassung historischer Belastungsdaten hilft dabei, schleichende Schäden frühzeitig zu analysieren. Mit dem Start des Projekts RICARES im Januar 2026 wird die Technik zudem gezielt für Eisenbahnbrücken weiterentwickelt, wobei die Ergebnisse direkt auf Straßenbrücken übertragbar sind. Durch die frühzeitige Integration solcher kostengünstigen Systeme können langfristig Instandsetzungskosten gesenkt und die Sicherheit der Verkehrswege dauerhaft garantiert werden. (Fraunhofer, 05.01.2026) Ganzer Artikel hier…
