Physischer Schutz kritischer Infrastruktur hinkt dem digitalen hinterher

Seit März 2026 gilt das KRITIS-Dachgesetz. Erstmals definiert der Bund sektorübergreifende Mindeststandards für den physischen Schutz kritischer Anlagen — von Energieversorgung über Trinkwasser bis zu Telekommunikation. Wie groß der Handlungsbedarf ist, legt eine aktuelle Befragung von Telefónica Market Intelligence & Research offen. Nur 20 Prozent der Befragten halten die kritische Infrastruktur in Deutschland für ausreichend geschützt. 67 Prozent fordern, dass Bund, Länder und Verwaltungen mehr investieren.

Carsten Schweneker, Vorstandsvorsitzender der EBERO AG, hatte schon im Dezember 2025 im DEKOM darauf hingewiesen, dass der Schutz kritischer Infrastruktur nicht bei der Cybersicherheit enden dürfe. Wer Versorgungsleitungen, Armaturen und Verteilnetze vernachlässige, untergrabe auch die darauf aufsetzende Digitalisierung. An diesem Befund hat sich wenig geändert — im Gegenteil: Das KRITIS-Dachgesetz verpflichtet Betreiber seit Juli 2026 zur Registrierung beim BBK und verlangt dokumentierte Risikoanalysen auch für die physische Seite der Infrastruktur.

Die Telefónica-Studie legt dabei einen Widerspruch offen: 76 Prozent der Befragten rechnen bei einem Ausfall von Mobilfunk und Internet mit gravierenden Versorgungsproblemen — doch nur 30 Prozent zählen Kommunikationsnetze zu den besonders schützenswerten Infrastrukturen. An der Spitze stehen Energieversorgung mit 70 Prozent sowie Wasserversorgung und Gesundheitswesen mit jeweils 60 Prozent. Die Befragten unterschätzen, wie sehr gerade diese Sektoren inzwischen von funktionierenden Kommunikationsnetzen abhängen. Versorger steuern ihre Netze digital, Wasserwerke überwachen Pumpen per Mobilfunk, Rettungsdienste nutzen Videozuschaltungen in der Notfallversorgung.

Wie eng physische und digitale Infrastruktur ineinandergreifen, zeigt ein Beispiel aus Hessen. Dort haben Telefónica Deutschland und der kommunale IT-Dienstleister ekom21 ein softwaregesteuertes Weitverkehrsnetz aufgebaut, über das inzwischen rund 500 Verwaltungsstandorte angebunden sind. Fällt die physische Netzinfrastruktur aus, läuft auch dieses System ins Leere.

39 Prozent der Befragten sehen in der weiteren Digitalisierung von Behördenleistungen eine Chance, nur 19 Prozent ein Risiko. Die Skeptiker fürchten vor allem Hackerangriffe und Datendiebstahl. Beides verweist auf dieselbe Grundfrage: Wie belastbar ist die Infrastruktur, auf der diese Dienste laufen?

Der Schutz kritischer Infrastruktur war eines der Leitthemen der Smart Country Convention, die Mitte Oktober in Berlin stattfand. EBERO FAB war auf einem Gemeinschaftsstand vertreten. (DEKOM, 19.10.2026) Mehr Infos hier…

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