Zur Jahresmitte zieht die Bundesnetzagentur eine positive Bilanz für den Ausbau der Ladeinfrastruktur. Zum 1. Mai 2026 zählte die Behörde bundesweit knapp 204.000 öffentlich zugängliche Ladepunkte, ein Plus von 17 Prozent gegenüber dem Vorjahr. Besonders stark wuchs dabei mit einem Plus von 31 Prozent die Zahl der Schnellladepunkte. Der Zubau trifft zunehmend auf verdichtete Innenstadtbereiche, wo schon das vorhandene Stadtmobiliar wenig Spielraum lässt. Klassische Ladesäulen beanspruchen dort Gehwegfläche, verdecken Sichtachsen und werden durch das Ladekabel zwischen Fahrzeug und Säule zur Stolperfalle. In historischen Altstädten verschärft sich das Problem zusätzlich, weil enge Straßenprofile und denkmalschutzrechtliche Vorgaben für freistehende Ladetechnik oft wenig Raum lassen. In solchen Bereichen erweist sich der von Rheinmetall entwickelte Ladebordstein inzwischen vielerorts als platzsparende Alternative zur freistehenden Säule. Der Infrastrukturhändler EBERO FAB vertreibt das System seit rund einem Jahr bundesweit. Er wird bündig in den Bordsteinverlauf eingebaut und ermöglicht den Zugang unmittelbar am Fahrzeug, wodurch die Distanz zwischen Fahrzeug, Ladekabel und einer freistehenden Säule entfällt. Geladen wird einhändig und kontaktlos über den Stecker, gestartet wird der Vorgang per App, QR-Code oder RFID-Karte. Die Ladeleistung beträgt bis zu 22 Kilowatt. Über eine austauschbare Modullösung lässt sich das Elektronikmodul im Servicefall innerhalb weniger Minuten ersetzen, ohne dass der Bordstein selbst aufgebrochen werden muss. Das System ist durch Pkw und Lkw überfahrbar. Erprobt wurde die Lösung ein Jahr lang im öffentlichen Raum in Köln, betrieben von der RheinEnergie-Tochter TankE gemeinsam mit Rheinmetall. An vier Ladepunkten kamen in dieser Zeit mehr als 2.800 Ladevorgänge zusammen, die technische Verfügbarkeit lag über 99 Prozent. Eine Nutzerbefragung mit rund 100 Teilnehmenden ergab eine Bewertung von 4,38 von 5 Punkten, besonders positiv bewertet wurden die einfache Bedienung, die Barrierefreiheit und die unauffällige Integration ins Stadtbild. Die Stadt Köln verweist darauf, dass sich das System bis auf den Anschlusskasten in der bereits vorhandenen Infrastruktur des Straßenraums einsetzen lasse, was Gehwegbreiten, Sichtachsen und Denkmalschutzbelangen entgegenkomme. Ähnlich positiv äußerten sich die Stadtwerke Düsseldorf auf DEKOM-Nachfrage zu ihren Erfahrungen. Die Ladebordsteine nähmen kaum Platz weg und verfügten über eine sehr hohe Funktionsqualität, insbesondere gegenüber Kälte und Feuchtigkeit seien sie äußerst robust. Nutzerinnen und Nutzer müssten lediglich den eigenen Stecker anfassen und nicht den Bordstein selbst, da sich die Abdeckplatte mit dem Ladestecker öffnen lasse. Die Stadtwerke Düsseldorf betrieben nach eigenen Angaben seit mehr als einem halben Jahr Ladebordsteine und hätten dabei bislang so gut wie keine Störungen verzeichnet. Die Investitionskosten für zwei Einheiten lägen etwas über denen einer gängigen Normalladesäule mit ebenfalls zwei Ladepunkten, im laufenden Betrieb böten sie aufgrund ihrer Qualität jedoch deutliche Kostenvorteile, insbesondere wegen der geringeren Störanfälligkeit. Für 2026 planen die Stadtwerke Düsseldorf nach eigenen Angaben zwischen 50 und 100 neue Ladebordsteine. Zugleich solle das Schnellladeportfolio von derzeit rund 60 auf über 70 Ladepunkte erweitert werden. Bereits 2025 sei mit 140 Normalladepunkten in einer Tiefgarage der bislang größte AC-Ladepark der Stadt in Betrieb gegangen, 2026 solle dies mit mehr als 220 Ladepunkten in einer weiteren Tiefgarage nochmals übertroffen werden. Auch die Deutsche Bundesbank setzt inzwischen auf das System. Für die eigene Elektroflotte beschaffte sie sechs Ladebordsteine bei EBERO FAB, installiert am Bundesbank-Standort Hamburg durch die Firma Spie. Künftig soll es weitere Varianten des Ladebordsteins geben. Unter anderem eine Ausführung in Gusseisen und eine flächenbündige Version für Logistikstandorte mit Flottenfahrzeugen. (DEKOM, 06.07.2026) Mehr Infos hier…