Photovoltaik-Recycling auf kommunalen Liegenschaften

Die ersten großen Photovoltaik-Jahrgänge aus der frühen EEG-Phase erreichen das Ende ihrer Betriebsdauer. Ein erheblicher Teil dieser Anlagen steht auf Schuldächern, Klärwerken und Bauhöfen, also auf kommunalen Liegenschaften, für deren Rückbau und Verwertung die öffentliche Hand verantwortlich ist. Laut einer Prognose der International Renewable Energy Agency (IRENA) kommen allein in Deutschland bis 2030 rund 400.000 Tonnen Solarmodule jährlich neu in den Abfallstrom. Der Markt beantwortet die Frage, was mit diesen Modulen passiert, bislang überwiegend mit Schreddern.

Das Dresdner Technologieunternehmen FLAXRES hat ein patentiertes Verfahren entwickelt, das die Materialien per Lichtpuls sortenrein trennt, ohne Chemikalien und ohne den Energieaufwand thermischer Verfahren.

Bis 2030 kommen laut der IRENA-Studie rund 400.000 Tonnen Solarmodule jährlich neu in den Abfallstrom. Nico Bernstein, Geschäftsführer der FLAXRES GmbH und des Tochterunternehmens FLAXRES Operations Europe GmbH, beobachtet allerdings, dass die tatsächlichen Ausfallraten höher liegen als die Lebensdauermodelle unterstellen. Gerade bei Modulen, die vor 10 bis 15 Jahren installiert worden seien, zeigten sich zunehmend Qualitätsprobleme, sagt Bernstein. Rückseitenfolien rissen, Gutachter schlössen eine Wiederverwendung der Module aus. FLAXRES habe zuletzt einen Solarpark mit rund 6.000 Modulen übernommen, der nach 14 Jahren vollständig als Schrott eingestuft worden sei.

Ein Problem, das in der kommunalen Praxis bislang wenig Aufmerksamkeit findet, sind verpachtete Flächen. Bernstein kennt Fälle, in denen ein Betreiber einen Solarpark auf kommunalem Grund errichtet hat, die Firma nicht mehr existiert und die Pacht ausläuft. Die Module bleiben beim Grundstückseigentümer liegen, also bei der Kommune. Solche Fälle zögen zunächst rechtliche Klärung nach sich, räumt Bernstein ein. Am Ende stehe aber die praktische Frage, wohin mit den Modulen.

Beim herkömmlichen Schreddern wird das Modul zerkleinert und das Material sortiert. Das FLAXRES-Verfahren setzt stattdessen einen Lichtblitz ein, dessen Intensität dem 50.000- bis 80.000-fachen des normalen Sonnenlichts entspricht. Der Blitz erzeugt an der Oberfläche des Siliziumwafers einen extremen Temperaturgradienten, der den Kunststoff an der Grenzschicht vergast und den Wafer vom Verbund trennt. Anders als bei der Pyrolyse, bei der das gesamte Modul erhitzt und der Kunststoff vollständig vergast werde, bleibe der Großteil des Moduls von der thermischen Belastung weitgehend unberührt, erläutert Bernstein. Die Emissionen seien dadurch minimal, der Energieaufwand liege bei unter einer Kilowattstunde pro Modul. In einem Massentest hat FLAXRES bereits im Jahr 2022 7,5 Tonnen Solarmodule verarbeitet und dabei über 200 Kilogramm Silizium, 4 Kilogramm Silber und 4,9 Tonnen Glas in hoher Reinheit zurückgewonnen.

Den wirtschaftlichen Hebel sieht Bernstein weniger im Recyclingprozess selbst als in der Weiterverwendung der gewonnenen Materialien. Laut einer Erhebung des Fraunhofer-Instituts liege der Materialwert bei einer herkömmlichen Verwertung bei rund 10 Euro pro Modul. Das sortenreine Verfahren erziele höhere Werte, die genaue Höhe hänge allerdings von den jeweiligen Abnehmermärkten ab. Bernstein sieht das Potenzial nicht in einem einzelnen Wertstoff, sondern in der möglichst hochwertigen Rückgewinnung aller im Modul enthaltenen Materialien. Glas stellt zwar den größten Massenanteil dar, zugleich gewinnen aber auch Silizium, Silber, Aluminium und weitere Fraktionen an Bedeutung. Je sortenreiner die Materialien zurückgewonnen werden können, desto höher ist ihr Potenzial für die weitere Verwendung in industriellen Wertschöpfungsketten. Beim Schreddern entstehe dagegen häufig Glaswolle, ein Downcycling, bei dem das Glas für hochwertige Anwendungen verloren gehe.

Für kommunale Betriebe, die Rückbau und Verwertung ausschreiben, ist eine klare Rollenverteilung entscheidend. FLAXRES entwickelt die patentierte Verfahrenstechnologie, während die FLAXRES Operations Europe GmbH als zertifizierter Entsorgungsfachbetrieb auch die Annahme und Behandlung von Photovoltaikmodulen übernehmen kann. Dadurch können sowohl Sammlung und Logistik als auch die hochwertige Verwertung aus einer Hand oder gemeinsam mit regionalen Entsorgungspartnern organisiert werden. Wer bei Ausschreibungen besonderen Wert auf eine hochwertige stoffliche Verwertung legt, sollte bei der Auswahl auf die eingesetzte Technologie und die Verwertungswege der Materialien achten.

Die Sammlung und Logistik übernimmt die FLAXRES Operations Europe dabei teilweise selbst und arbeitet darüber hinaus mit bestehenden Entsorgungs- und Logistikpartnern zusammen. „Die Intelligenz ist die Sammlung“, fasst Bernstein zusammen. Verschiedene Entsorgungsunternehmen seien bereits mit Anfragen an FLAXRES herangetreten, um bestehende Logistikstrukturen mit der Verfahrenstechnologie zu verbinden. Für die kommunale Ebene bedeutet das, dass die vorhandenen Sammel- und Entsorgungsstrukturen nicht ersetzt, sondern um eine technologisch höherwertige Verwertungsoption ergänzt werden. (DEKOM, 26.10.2026) Mehr Infos hier…

Über FLAXRES

Die FLAXRES GmbH mit Sitz in Dresden ist ein Technologieunternehmen für die sortenreine Trennung von Verbundwerkstoffen, spezialisiert auf das Recycling von Photovoltaikmodulen. Das patentierte Lichtpulsverfahren arbeitet ohne Chemikalien und mit einem Bruchteil des Energieaufwands thermischer Verfahren. Gemeinsam mit der FLAXRES Operations Europe GmbH deckt das Unternehmen sowohl die Weiterentwicklung der Technologie als auch die operative Behandlung von Photovoltaikmodulen ab.

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