Vom Glasfaseranschluss zur intelligenten Verwaltung: Staatssekretär Jarzombek über die KI-Roadmap des Bundes

Im ersten Teil unseres Gesprächs, Anfang Dezmeber, erläuterte der Parlamentarische Staatssekretär im Bundesministerium für Digitales und Staatsmodernisierung, Thomas Jarzombek, wie die Kampagne „Das beste Internet“ die Akzeptanz für Glasfaser vor Ort erhöhen soll. Im zweiten Teil blicken wir auf die nächste Stufe: Wie Künstliche Intelligenz (KI) die Prozesse in den Rathäusern verändern wird und welche Rahmenbedingungen das BMDS hierfür schafft.

Sie haben auf der VITAKO-Tagung betont, dass KI in der öffentlichen Verwaltung sowohl Effizienz- als auch Transparenzgewinne ermöglicht. Wo sehen Sie aktuell die größten Einsatzchancen – und wo die größten Hemmnisse?

Jarzombek: Große Chancen liegen dort, wo die Verwaltung bereits über strukturierte, digitale Daten verfügt und repetitive, regelbasierte Prozesse ablaufen – etwa im Bürgerservice, bei der Antragsprüfung und in der Datenanalyse. Dort kann KI sofort Effizienz steigern und Transparenz erhöhen, weil Entscheidungen nachvollziehbarer dokumentiert werden können. Agentische KI wird es zukünftig aber auch in weniger strukturierten Umgebungen und komplexeren Prozessen ermöglichen, schneller und besser Verwaltungsleistungen für Unternehmen und Bürgerinnen und Bürger anzubieten. Die größten Hemmnisse betreffen vor allem rechtliche, technische und kulturelle Aspekte: Hohe Datenschutzanforderungen, veraltete IT‑Infrastrukturen und fehlende Fachkompetenz. Durch einen schrittweisen, transparenten Ansatz lassen sich diese Barrieren jedoch gezielt abbauen. Ein ausgewogener Mix aus technischer Innovation, rechtlicher Sicherheit und gesellschaftlicher Akzeptanz ist der Schlüssel, damit KI die öffentliche Verwaltung nachhaltig und zum Wohle aller stärken kann.

Gerade kleinere Kommunen sind bei der Einführung von KI-Systemen noch zurückhaltend. Welche Unterstützung bietet das BMDS – etwa Leitfäden, Kompetenzzentren oder Förderprogramme – um KI rechtssicher und bürgernah einzusetzen?

Jarzombek: Ein wesentlicher Fokus des BMDS ist es, dass Bürgerinnen und Bürger spüren, dass sich etwas verändert. Viele Verwaltungsleistungen liegen in der Hand der Länder und Kommunen, weshalb wir hier eng zusammenarbeiten. Seit September laufen bereits Kooperationen und Pilotprojekte zur Verwaltungsdigitalisierung mit verschiedenen Ländern und Kommunen, um Standards und Einheitlichkeit zu schaffen und so u.a. bestehende Anwendungen auch nachgenutzt werden können. Seit diesem Jahr ist es außerdem technisch möglich, dass auch Länder und Kommunen ihre KI-Systeme auf dem Marktplatz der KI-Möglichkeiten (MaKI) erfassen können. Auch damit stärkt das BMDS die Transparenz und Nachnutzbarkeit. Es besteht außerdem eine enge Zusammenarbeit mit der FITKO und dem IT-Planungsrat.

Potentiale zu KI kommen nur bei Bürgerinnen und Bürgern an, wenn alle Kommunen KI-gestützte Systeme können Verwaltungsentscheidungen beschleunigen, werfen aber Fragen nach Nachvollziehbarkeit und Datenschutz auf. Wie stellt Ihr Haus sicher, dass Vertrauen und Transparenz gewahrt bleiben?

Jarzombek: Der AI-Act der Europäischen Union (EU) stellt einen zentralen Rahmen dar, der die Klassifizierung von KI-Systemen basierend auf ihrem Risikopotenzial regelt. Besonders relevant für den öffentlichen Sektor ist die Verpflichtung, vor dem Einsatz risikoreicher KI-Systeme eine grundrechtliche Folgenabschätzung durchzuführen. Diese Maßnahme soll sicherstellen, dass der Einsatz solcher Systeme die Grundrechte der Bürger nicht beeinträchtigt. In diesem Kontext arbeiten wir derzeit daran, eine umfassende Compliance-Struktur für den AI-Act zu etablieren. Ein zentrales Element dieser Struktur ist die Einführung einer eigenen KI-Governance. Diese Governance definiert Standards und Leitplanken, die gewährleisten, dass KI-Systeme sicher und ethisch vertretbar eingesetzt werden. Dazu gehören unter anderem transparente Entscheidungsprozesse, regelmäßige Überprüfungen und die Einbindung von Ethikgremien. Auf Bundesebene haben wir zudem Leitlinien für den Einsatz Künstlicher Intelligenz in der Bundesverwaltung als klare Orientierung für den chancenorientierten und verantwortungsvollen Einsatz von KI in der öffentlichen Verwaltung. Sie umfassen Empfehlungen zur Risikobewertung, zur Sicherstellung der Transparenz und zur Einhaltung ethischer Standards. Diese können bereits jetzt auch von Ländern und Kommunen genutzt werden.

Wird es künftig eine Bundesstrategie „KI in der Verwaltung“ geben, die kommunale Belange explizit adressiert und eine Brücke zu Landesinitiativen schlägt?

Jarzombek: Entscheidend ist, dass wir Synergien und Potentiale des KI-Einsatzes flächendeckend nutzen können. Dabei steht nicht zwingend eine Strategie im Fokus, sondern dass wir gemeinsam mit Bund, Ländern und Kommunen den Chancen nutzen. Mit dem Deutschland-Stack werden wir dabei eine sichere, interoperable, europäisch anschlussfähige und souveräne Technologie Plattform zur Digitalisierung der gesamten Verwaltung bereitstellen, bei welcher natürlich auch KI im Fokus ist. Und wir haben in der Modernisierungsagenda mit konkreten Maßnahmen festgelegt, dass wir die Aufgabenerledigung der Verwaltung durch den Einsatz von KI erleichtern werden.

Woran möchten Sie den Erfolg Ihrer Initiativen bei Glasfaserkommunikation und KI-Anwendungen messen – eher an der technischen Umsetzung oder am praktischen Nutzen für Bürgerinnen und Bürger?

Jarzombek: Wir messen den Erfolg unserer KI-Initiativen natürlich vor allem am praktischen Nutzen für die Bürgerinnen und Bürger. Erfolgsfaktoren sind letztlich beide. Bei der Glasfaserkampagne geht es erst einmal darum, möglichst viele Bürgerinnen und Bürger mit der Botschaft und unseren Informationen zu erreichen. Dies ist bislang sehr gut gelungen. Nach einem Monat Laufzeit hat diese Kampagne 30 Millionen Impressionen zu verzeichnen – auf den unterschiedlichsten Kanälen. Die Kampagnen-Webseite hat bislang knapp 13.000 Besucherinnen und Besucher verzeichnet. Des Weiteren möchten wir mit unserer Kampagne dazu beitragen, Bürgerinnen und Bürger von einem Glasfaseranschluss zu überzeugen. Doch auch wenn die Buchungsrate vor dem Start und nach dem Ende der Kampagne verglichen wird, könnte aufgrund der vielen Faktoren, die auf eine solche Entscheidung einwirken, nicht eindeutig festgestellt werden, welcher Anteil des Zuwachses konkret auf die Kampagne zurückzuführen ist. (DEKOM, 12.01.2026) Mehr Infos zur BMDV-Kampagne hier…

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