{"id":7836,"date":"2024-07-08T12:45:47","date_gmt":"2024-07-08T10:45:47","guid":{"rendered":"http:\/\/infosilo.info\/dekom\/?p=7836"},"modified":"2024-07-08T12:45:49","modified_gmt":"2024-07-08T10:45:49","slug":"4-klaerstufe-in-speyer-pilotbetrieb-schafft-grundlagen-fuer-spaetere-investitionsentscheidung","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/infosilo.info\/dekom\/4-klaerstufe-in-speyer-pilotbetrieb-schafft-grundlagen-fuer-spaetere-investitionsentscheidung\/","title":{"rendered":"4. Kl\u00e4rstufe in Speyer: Pilotbetrieb schafft Grundlagen f\u00fcr sp\u00e4tere Investitionsentscheidung"},"content":{"rendered":"\n<p>Seit Anfang des Jahres l\u00e4uft auf der kommunalen Kl\u00e4ranlage der rheinlandpf\u00e4lzischen Stadt Speyer ein Pilotprojekt zur Erprobung einer vierten Reinigungsstufe. Bei dem Projekt testen die Entsorgungsbetriebe der Stadt Speyer gemeinsam mit der Firma Zahnen Technik GmbH ein innovatives Verfahren zur Entfernung anthropogener Spurenstoffe aus dem Abwasser. Worum es dabei genau geht und warum eine vierte Reinigungsstufe \u00fcberhaupt notwendig ist, erkl\u00e4rt Werksleiter J\u00fcrgen W\u00f6lle von den Entsorgungsbetrieben Speyer im DEKOM Interview:\u00a0<\/p>\n\n\n\n<p><strong><em>Herr W\u00f6lle, die EU-Kommunalabwasserrichtlinie sieht die sukzessive Einf\u00fchrung einen vierten Reinigungsstufe auf Kl\u00e4ranlagen vor. Warum braucht es die vierte Stufe eigentlich?<\/em><\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>In den letzten Jahren sind die Anforderungen an die Abwasserreinigung kontinuierlich gestiegen. Bis in die zweite H\u00e4lfte desvergangenen Jahrhunderts hatte man vor allem den Kohlenstoffabbau im Blick \u2013 in den 80er und 90er Jahren sind die Elemination von N\u00e4hrstoffen, Stickstoff und Phosphor dazugekommen. Jetzt gehen wir sozusagen \u2013 nicht zuletzt dank sensiblerer Analyseverfahren \u2013 den n\u00e4chsten logischen Schritt und r\u00fccken den Spurenstoffen zu Leibe. Untersuchungen von Ab- und Trinkw\u00e4ssern f\u00f6rdern erhebliche Mengen anthropogener Spurenstoffe zu Tage, die eben nicht vollst\u00e4ndig von kommunalen Kl\u00e4ranlagen abgebaut werden k\u00f6nnen und so in den Wasserkreislauf und letztlich in die Nahrungskette gelangen. Hier reden wir dann von Medikamentenr\u00fcckst\u00e4nden und Alltagschemikalien.<\/p>\n\n\n\n<p><strong><em>In Speyer ist das Thema vierte Kl\u00e4rstufe schont seit 2017 auf der Agenda. Vor einem halben Jahr wurde das Pilotprojekt auf den Weg gebracht. Warum hat das so lange gedauert?<\/em><\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Das ist sicher auch ein wenig der Situation in Rheinland-Pfalz geschuldet. Andere Bundesl\u00e4nder sind da schon weiter. Beispielsweise NRW und Baden-W\u00fcrttemberg bauen schon lange Anlagen mit einer vierten Reinigungsstufe. RLP hat in letzten Jahren eine ganz Reihe von Forschungsprojekten gef\u00f6rdert, um eine m\u00f6glichst effiziente Mittelverwendung beim ggfs. fl\u00e4chendeckenden Ausbau der vierten Reinigungsstufe sicherzustellen.<\/p>\n\n\n\n<p>Wir m\u00fcssen uns da nat\u00fcrlich absichern und im Vorfeld einige Fragen beantworten. Etwa nach der Geb\u00fchrenwirksamkeit \u2013 bzw. nach der Geb\u00fchrenf\u00e4higkeit \u2013 welche Kosten k\u00f6nnen wir \u00fcber Abwassergeb\u00fchren auf die B\u00fcrgerinnen und B\u00fcrger umlegen?<\/p>\n\n\n\n<p>Nachdem klar war, dass die vierte Reinigungsstufe geb\u00fchrenf\u00e4hig ist, haben wir uns beim Land um eine F\u00f6rderung zur Durchf\u00fchrung einer Machbarkeitsstudie bem\u00fcht und diese auch erhalten. Die Studie wird aktuell fertiggestellt und dann unseren Gremien pr\u00e4sentiert.<\/p>\n\n\n\n<p>Vor dem Hintergrund der neuen EU-Kommunalabwasserrichtlinie und deren Umsetzung in nationales Recht werden dann auch noch ein paar Gespr\u00e4che mit unserer Genehmigungsbeh\u00f6rde notwendig sein.<\/p>\n\n\n\n<p><strong><em>Warum eine Pilotanlage?<\/em><\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Im Rahmen des vom Ministerium f\u00fcr Klimaschutz, Umwelt, Energie und Mobilit\u00e4t Rheinland-Pfalz gef\u00f6rderten Pilotprojekts geben wir einem rheinland-pf\u00e4lzischen Technologieunternehmen auch die M\u00f6glichkeit, seine Verfahrenstechnik bei uns zu demonstrieren. In unserem Fall handelt es sich um eine sogenannte Aktivkohleadsorptionsstufe \u2013 das ist erstmal unspektakul\u00e4r. Was diese Anlage von anderen unterscheidet, ist der nachgeschaltete Filter. Der basiert auf kleinen Kunststoffb\u00e4llchen, die im Filterbetrieb zusammengedr\u00fcckt werden und dadurch ihre Wirkung entfalten. Das ist ein sehr kompaktes Verfahren und deshalb gerade auch f\u00fcr kleine oder mittlere Anlagen sehr interessant, weil es als Containerl\u00f6sung m\u00f6glich und das Verfahren leicht skalierbar ist.<\/p>\n\n\n\n<p>Die Ergebnisse des Pilotbetriebs werden wir bei unseren weiteren Planungen ber\u00fccksichtigen.<\/p>\n\n\n\n<p>F\u00fcr uns ist die effiziente Verwendung von Geb\u00fchrengeldern sehr wichtig. Daher versuchen wir eine m\u00f6glichst gute Grundlage f\u00fcr unsere Investitionsentscheidungen zu schaffen.<\/p>\n\n\n\n<p><strong><em>Es gibt eine ganze Reihe unterschiedlicher Filtrationsverfahren. Wie wissen Sie, welches f\u00fcr Ihre Anlage in Speyer passt?<\/em><\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Zun\u00e4chst muss man die Zusammensetzung des Cocktails aus Medikamentenr\u00fcckst\u00e4nden und Chemikalien, der uns entgegenflie\u00dft, kennen. Da es jedoch unm\u00f6glich ist das Abwasser auf alle Spurenstoffe zu untersuchen orientiert man sich an sogenannten Spurenstofflisten, die von den Kompetenzzentren der Bundesl\u00e4nder erarbeitet wurden. Auf Grundlage dieses Screenings k\u00f6nnen dann Fachplaner Vorschl\u00e4ge f\u00fcr die wahrscheinlich beste Verfahrenstechnik erarbeiten. &nbsp;Kern einer vierten Reinigungsstufe bildet \u00fcblicherweise eine Aktivkohle-Adsorptionsstufe. Die eliminiert relativ unspezifisch Spurenstoffe aus dem Abwasser. Ggfs. kann z.B. zur Verbesserung der Eliminationsleistung oder bei speziellen Spurenstoffen eine Oxidationsstufe vorgeschaltet werden.<\/p>\n\n\n\n<p><strong><em>Der Bau einer vierten Kl\u00e4rstufe ist vergleichsweise teuer und bedarf erheblicher Investitionen. Wie k\u00f6nnen Kommunen das stemmen?<\/em><\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Zum einen gibt es in RLP und einigen anderen Bundesl\u00e4ndern bereits beachtliche F\u00f6rderkulissen. Der andere Hebel sind nat\u00fcrlich die Geb\u00fchren \u2013 auch da wird man \u00fcber Anpassungen nachdenken m\u00fcssen \u2013 wenn der Zubau einer vierten Reinigungsstufe realisiert werden soll.<\/p>\n\n\n\n<p><strong><em>Die aktuelle Fassung der EU-Kommunalabwasserrichtlinie hebt aufs Verursacherprinzip ab\u2026&nbsp;&nbsp;<\/em><\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Grunds\u00e4tzlich klingt so etwas erstmal immer gut. Wie sich das dann tats\u00e4chlich in der Praxis darstellt, steht allerdings auf einem anderen Blatt. Wie werden die Kosten an welche Verursacher aufgeteilt? Wo werden die Gelder verwaltet? Wie k\u00f6nnen durch wen Anspr\u00fcche geltend gemacht werden? Wenn man das alles etwas genauer betrachtet, ahnt man schon, welch b\u00fcrokratisches Unget\u00fcm da aus dem Boden gestampft werden k\u00f6nnte. Wie effektiv und hilfreich das dann tats\u00e4chlich ist, wird sich zeigen. Ich bin gespannt. <strong>Vielen Dank! <\/strong>(DEKOM, 08.07.2024) <a href=\"https:\/\/www.stadtwerke-speyer.de\/de\/Entsorgung\/Abwasser\/Klaeranlage\/\">Ganzer Artikel hier\u2026<\/a><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Seit Anfang des Jahres l\u00e4uft auf der kommunalen Kl\u00e4ranlage der rheinlandpf\u00e4lzischen Stadt Speyer ein Pilotprojekt zur Erprobung einer vierten Reinigungsstufe. Bei dem Projekt testen die Entsorgungsbetriebe der Stadt Speyer gemeinsam mit der Firma Zahnen Technik GmbH ein innovatives Verfahren zur Entfernung anthropogener Spurenstoffe aus dem Abwasser. 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