{"id":7983,"date":"2024-10-07T12:42:30","date_gmt":"2024-10-07T10:42:30","guid":{"rendered":"http:\/\/infosilo.info\/dekom\/?p=7983"},"modified":"2024-10-07T12:42:32","modified_gmt":"2024-10-07T10:42:32","slug":"julia-kahle-hausmann-ausbau-der-vierten-reinigungsstufe-in-nrw-braucht-mehr-tempo","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/infosilo.info\/dekom\/julia-kahle-hausmann-ausbau-der-vierten-reinigungsstufe-in-nrw-braucht-mehr-tempo\/","title":{"rendered":"Julia Kahle-Hausmann: Ausbau der vierten Reinigungsstufe in NRW braucht mehr Tempo"},"content":{"rendered":"\n<p>Mit der neuen EU-Kommunalabwasserrichtlinie\u00a0m\u00fcssen Kl\u00e4ranlagen bis 2045 teilweise mit einer Viertbehandlung zur Reduzierung von Spurenstoffen ausgestattet werden. Durch die in der EU-Richtlinie enthaltenen Anforderungen zur Reduzierung von Spurenstoffen werden in Deutschland bis 2045 etwas \u00fcber 150 Anlagen mit einer Ausbaugr\u00f6\u00dfe von mehr als 150.000 Einwohnerwerten (EW) zum Ausbau einer sogenannten vierten Reinigungsstufe verpflichtet. Weitere Anlagen m\u00fcssen ert\u00fcchtigt werden, wenn sie zwischen 10.000 und 150.000 EW liegen und innerhalb noch zu definierender Risikogebiete einleiten. Im DEKOM \u2013 Interview erkl\u00e4rt die nordrheinwestf\u00e4lische Landtagsabgeordnete und Sprecherin der SPD-Fraktion in der Enquete-Kommission Wasser, Julia Kahle-Hausmann, wie es derzeit grunds\u00e4tzlich um die Wasserqualit\u00e4t in NRW bestellt ist und wie der Zubau einer vierten Reinigungsstufe in NRW vorankommt.<\/p>\n\n\n\n<p><strong><em>DEKOM:<\/em><\/strong><em> Frau Kahle-Hausmann, die wichtigste Frage zu erst. Wie gut ist unser Trinkwasser in NRW?&nbsp;&nbsp;<\/em><\/p>\n\n\n\n<p><strong>Julia Kahle-Hausmann<\/strong>: Die Trinkwasserqualit\u00e4t in Nordrhein-Westfalen ist hoch. Und das ist bei unserem wichtigsten Lebensmittel auch richtig. Ziel muss es immer sein, den h\u00f6chstm\u00f6glichen Standard zu erreichen. Das gilt auch bei der Reduktion von Mikroschadstoffen. Hier m\u00fcssen wir den Standard der Reinigung hochhalten und weiter verbessern. Wichtiger ist es aber noch zu verhindern, dass diese Stoffe in unser Wasser gelangen. Dabei ist noch Luft nach oben, beispielsweise mit alternativen Prozesstechniken in Betrieben oder End-of-Pipe-L\u00f6sungen. Auch auf Genehmigungen zur Einleitung von chemischen Verbindungen aus Pharmazie und Industrie m\u00fcssen wir viel st\u00e4rker schauen. Was gar nicht erst eingeleitet wird, macht weniger \u00c4rger, als Stoffe, die m\u00fchsam \u2013 und viel zu oft auf Kosten der Allgemeinheit \u2013 wieder rausgefiltert werden.<\/p>\n\n\n\n<p><strong><em>DEKOM:<\/em><\/strong><em> Wie eingangs erw\u00e4hnt, sieht die EU-Kommunalabwasserrichtlinie sukzessive den Zubau der vierten Reinigungsstufe auf kommunalen Kl\u00e4ranlagen vor. Wie ist da der aktuelle Stand in NRW?&nbsp;&nbsp;<\/em><\/p>\n\n\n\n<p><strong>Julia Kahle-Hausmann<\/strong>: Auch in NRW l\u00e4uft die Einf\u00fchrung einer vierten Reinigungsstufe an. Allerdings zeigen die Zahlen, dass das Land mehr Tempo braucht, um den selbst gesetzten Ma\u00dfnahmenplan f\u00fcr die Wasserrahmenrichtlinie bis 2027 zu erf\u00fcllen. F\u00fcr 101 Kl\u00e4ranlagen ist die vierte Reinigungsstufe vorgesehen. Umgesetzt oder in konkreter Planung ist sie jedoch nicht mal bei der H\u00e4lfte der Werke. Notwendig ist mehr Nachdruck, um die eigenen Ziele zu erreichen.<\/p>\n\n\n\n<p><strong><em>DEKOM:<\/em><\/strong><em> Gibt es bereits entsprechende F\u00f6rderprogramme oder sind welche geplant?<\/em><\/p>\n\n\n\n<p><strong>Julia Kahle-Hausmann<\/strong>: In der F\u00f6rderung gibt es vor allem eine gro\u00dfe L\u00fccke \u2013 die Finanzen der Kommunen. Viele St\u00e4dte und Gemeinden k\u00f6nnen angesichts knapper Kassen den immer noch hohen Eigenanteil bei der Ert\u00fcchtigung der Kl\u00e4rwerke kaum zahlen. Abermals zeigt sich, dass wir eine grundst\u00e4ndige L\u00f6sung der Altschuldenproblematik ben\u00f6tigen. Sonst sto\u00dfen wir nicht nur bei den Kl\u00e4rwerken, sondern bei vielen Infrastrukturprojekten im Bereich Wasser immer wieder an die gleichen monet\u00e4ren Grenzen.<\/p>\n\n\n\n<p><strong><em>DEKOM:<\/em><\/strong><em> Das Land Rheinland-Pfalz f\u00f6rdert im Rahmen der Pilotprojekte f\u00fcr die 4. Reinigungsstufe bevorzugt Verfahren und Technologien die in Rheinland-Pfalz entwickelt werden. Hier in NRW wird die Halbtechnische Versuchskl\u00e4ranlage Neuss gerade geschlossen. Viele Ingenieurb\u00fcros und auch Startups beklagen das, weil dadurch die ohnehin schwierige Erprobung der Alltagstauglichkeit neuer Technologien zus\u00e4tzlich erschwert wird.&nbsp; Warum wird die einzige Versuchskl\u00e4ranlage in NRW gerade jetzt geschlossen?<\/em><\/p>\n\n\n\n<p><strong>Julia Kahle-Hausmann<\/strong>: Die Schlie\u00dfung der Versuchskl\u00e4ranlage in Neuss ist bedauerlich, da dies die Erprobung neuer Technologien erschwert. Es ist unklar, warum diese Schlie\u00dfung zum jetzigen Zeitpunkt erfolgt. Jedoch geht in jedem Fall das falsche Signal davon aus. Denn gerade mit Blick auf die Klimakrise brauchen wir Forschung, um unser gesellschaftliches Leben wasservertr\u00e4glich zu gestalten.<\/p>\n\n\n\n<p><strong><em>DEKOM:<\/em><\/strong><em> Wissen Sie, ob auch in NRW &#8211; analog zu Rheinlandpfalz \u2013 Verfahren, die hierzulande entwickelt wurden, bevorzugt werden sollen\/k\u00f6nnen?<\/em><\/p>\n\n\n\n<p><strong>Julia Kahle-Hausmann<\/strong>: Nat\u00fcrlich geh\u00f6rt heimische Forschung und Technik gef\u00f6rdert, die Wissenschaftslandschaft in NRW ist Weltklasse. Doch wichtige Forschungsprojekte finden international und weit \u00fcber Landesgrenzen hinaus statt. Daher sollte der Anspruch f\u00fcr NRW sein, vor allem die technisch besten L\u00f6sungen zur Anwendung zu bringen. Die Landesregierung ist hier gefragt, die Rahmenbedingungen zu schaffen, dass Best-practice-Anwendungen m\u00f6glichst aus NRW stammen.<\/p>\n\n\n\n<p><strong><em>DEKOM:<\/em><\/strong><em> Wie kommen Innovationen von Hochschulen oder Startups in NRW an die Kl\u00e4ranlagen?<\/em><\/p>\n\n\n\n<p><strong>Julia Kahle-Hausmann<\/strong>: Hier ist auch das Land NRW in koordinierender Rolle gefragt. Zur entstehenden Wasserstrategie der Landesregierung muss es auch geh\u00f6ren, den Austausch zwischen Wissenschaft und Praxis weiter zu verbessern. Akteure auf allen Ebenen haben enorme Motivation, Innovationen nach vorne zu bringen. Politik kann und muss hierf\u00fcr eine gemeinsame Plattform schaffen und eine schnelle Umsetzung in die Praxis erm\u00f6glichen.<\/p>\n\n\n\n<p><strong><em>DEKOM:<\/em><\/strong><em> Eine vierte Reinigungsstufe kostet vergleichsweise viel Geld. Die EU-Kommunalabwasserrichtlinie hebt bei der Finanzierung in der aktuellen Version auf das Verursacherprinzip ab. Halten Sie das f\u00fcr praktikabel?<\/em><\/p>\n\n\n\n<p><strong>Julia Kahle-Hausmann<\/strong>: Es gibt verschiedene Modelle, den Ausbau zu finanzieren. Die EU hat sich auf den 80\/20-Grundsatz fokussiert, um das Verursacherprinzip zu st\u00e4rken. Das ist der richtige Weg. Denn es muss immer gelten:&nbsp; Wer Wasser verschmutzt, zahlt daf\u00fcr auch. Wenn wenige die Gewinne erwirtschaften, aber viele die Kosten tragen, ist das n\u00e4mlich nicht gerecht. Der Umbau der Wirtschaft hin zu mehr Umweltvertr\u00e4glichkeit ist dabei eine Generationenaufgabe, bei der die Wirtschaft selbst sich nicht rarmachen darf. Genauso wichtig bleibt dabei das Vorsorgeprinzip. Hierbei wollen wir Verschmutzungen im Vorhinein verhindern, um Folgekosten zu reduzieren.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Vielen Dank. <\/strong>(DEKOM, 07.10.2024)<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Mit der neuen EU-Kommunalabwasserrichtlinie\u00a0m\u00fcssen Kl\u00e4ranlagen bis 2045 teilweise mit einer Viertbehandlung zur Reduzierung von Spurenstoffen ausgestattet werden. Durch die in der EU-Richtlinie enthaltenen Anforderungen zur Reduzierung von Spurenstoffen werden in Deutschland bis 2045 etwas \u00fcber 150 Anlagen mit einer Ausbaugr\u00f6\u00dfe von mehr als 150.000 Einwohnerwerten (EW) zum Ausbau einer sogenannten vierten Reinigungsstufe verpflichtet. 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