{"id":8102,"date":"2024-12-09T12:14:38","date_gmt":"2024-12-09T10:14:38","guid":{"rendered":"http:\/\/infosilo.info\/dekom\/?p=8102"},"modified":"2024-12-09T12:14:39","modified_gmt":"2024-12-09T10:14:39","slug":"experten-betonen-chancen-von-open-source-in-der-oeffentlichen-verwaltung","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/infosilo.info\/dekom\/experten-betonen-chancen-von-open-source-in-der-oeffentlichen-verwaltung\/","title":{"rendered":"Experten betonen Chancen von Open Source in der \u00f6ffentlichen Verwaltung"},"content":{"rendered":"\n<p>Das Engagement der Bundesregierung im Bereich Open Source ist hinter den Erwartungen zur\u00fcckgeblieben. Zu dieser Einsch\u00e4tzung kam die Mehrheit der Sachverst\u00e4ndigen in einer Expertenanh\u00f6rung des Digitalausschusses. Mit neun Expertinnen und Experten diskutierte der Ausschuss dar\u00fcber, wie freie Software in der \u00f6ffentlichen Verwaltung besser gef\u00f6rdert und genutzt werden kann und welche Vor- und Nachteile der Einsatz im staatlichen Kontext hat. Diese betonten \u00fcberwiegend die Vorteile von Open-Source-L\u00f6sungen f\u00fcr Wirtschaft und Gesellschaft und verwiesen auf notwendige \u00c4nderungen, etwa im Vergaberecht und die Notwendigkeit eines Kulturwandels. Jutta Horstmann vom Zentrum f\u00fcr Digitale Souver\u00e4nit\u00e4t der \u00d6ffentlichen Verwaltung (eingeladen auf Beschluss des Ausschusses) betonte die vielf\u00e4ltigen Vorteile von Open-Source-L\u00f6sungen. Verglichen mit der Wirtschaft hinke die Verwaltung beim Einsatz von Open Source deutlich hinterher: Es gebe kritische Abh\u00e4ngigkeiten und einen \u201emassiven Kontrollverlust\u201c, was die digitale Souver\u00e4nit\u00e4t des Staates und seine Handlungsf\u00e4higkeit gef\u00e4hrde, so Horstmann. Hier k\u00f6nne Open Source helfen, Abh\u00e4ngigkeiten zu l\u00f6sen, sagte die Expertin auch mit Blick auf deutlich gestiegene Kosten f\u00fcr den Bund, etwa f\u00fcr Softwarelizenzen. Der n\u00e4chste Bundestag m\u00fcsse verbindliche gesetzliche Rahmenbedingungen f\u00fcr den Einsatz in der beh\u00f6rdeninternen IT schaffen und durchsetzen, die Verankerung im Onlinezugangsgesetz reiche nicht aus. Prof. Dr. rer. oec. Helmut Krcmar, Krcmar Lab an der Technischen Universit\u00e4t M\u00fcnchen (eingeladen auf Vorschlag der Vorsitzenden), betonte, dass Open Source mehr sei als ein technisches Konzept. Es stehe f\u00fcr einen Ansatz der Transparenz, Zusammenarbeit und Innovation. Open Source diene als Grundlage f\u00fcr die Entwicklung und Implementierung von Deep-Tech-Innovationen, da es Flexibilit\u00e4t und Interoperabilit\u00e4t f\u00f6rdere. Aus seiner Sicht k\u00f6nne die \u00f6ffentliche Hand ein Treiber f\u00fcr die Verbreitung von Open Source sein, sagte Krcmar. Auch Prof. Dr. Stefan Decker vom Fraunhofer-Institut f\u00fcr Angewandte Informationstechnik (eingeladen auf Vorschlag der Fraktion der CDU\/CSU) wies darauf hin, dass Open Source kein Glaubenssatz, sondern ein pragmatisches Werkzeug sei. Er betonte dessen Rolle als Innovationstreiber: \u201eOhne Open Source und offene Standards h\u00e4tte es kein World Wide Web gegeben\u201c, sagte Decker. Das heutige \u00c4quivalent seien Datenr\u00e4ume, die standardisiert und miteinander kompatibel sein m\u00fcssten; an dieser Infrastruktur gelte es zu arbeiten. F\u00fcr den erfolgreichen Einsatz im staatlichen Kontext sei eine offene, innovationsfreundliche Verwaltungskultur und beh\u00f6rden\u00fcbergreifende Zusammenarbeit notwendig. Kritischere T\u00f6ne schlug Dr. Oliver Gr\u00fcn vom Bundesverband IT-Mittelstand (auf Vorschlag der Unionsfraktion eingeladen) an. Er sagte, der Anteil der deutschen Wirtschaft an der globalen digitalen Wertsch\u00f6pfung schwinde, die Abh\u00e4ngigkeit von marktbeherrschenden Tech-Riesen nehme zu. Gr\u00fcn verwies darauf, dass die meisten Anbieter in Deutschland propriet\u00e4re Hersteller (\u201eClosed Source\u201c) seien. Dies betreffe nach Erhebungen seines Verbands etwa 85 Prozent der Anbieter. Es brauche daher beide Ans\u00e4tze, Open Source und propriet\u00e4re Modelle, um das Ziel der digitalen Souver\u00e4nit\u00e4t zu erreichen. Gr\u00fcn schlug vor, im Vergaberecht eine \u201eEuroparechtstreue\u201c einzuf\u00fchren.<\/p>\n\n\n\n<p>Die Open Source Strategieberaterin und ehemalige Direktorin der Apache Software Foundation, Isabel Drost-Fromm, (auf Vorschlag der SPD-Fraktion eingeladen) sagte, die transparente und kollaborative Arbeitsweise bei Open Source erm\u00f6gliche es, Br\u00fccken zwischen Unternehmen, Kulturen und Nationen zu bauen. Im Sinne von \u201eGaining by Sharing\u201c w\u00fcrden Kr\u00e4fte geb\u00fcndelt, von der Expertise aller profitiert und Innovationen deutlich beschleunigt. Eine weitere St\u00e4rke von Open Source liege in der Verf\u00fcgbarkeit des Quellcodes, sagte Drost-Fromm: Durch Governance-Regeln und Moderation k\u00f6nnten sch\u00e4dliche Einflussnahme verhindert und unangemessen Beitr\u00e4ge minimiert werden. Sie empfahl, den Wandel schrittweise und nutzerzentriert anzugehen und eine Fehlerkultur zu etablieren. Auch Adriana Groh von der Sovereign Tech Agency (ebenfalls auf Vorschlag der SPD-Fraktion eingeladen) betonte, dass Open-Source-Software ebenso wie physische Infrastruktur, etwa Stra\u00dfen und Br\u00fccken, unverzichtbar sei. Es brauche nachhaltige, regelm\u00e4\u00dfige Investitionen des \u00f6ffentlichen Sektors in das Open-Source-\u00d6kosystem, sagte Groh und wies darauf hin, dass es kritische Open-Source-Projekte gebe, die von wenigen, oft ehrenamtlichen Personen betreut w\u00fcrden, was Risiken berge. Peter H. Ganten von der Open Source Business Alliance (auf Vorschlag der FDP-Fraktion eingeladen) sagte, der strategische Einsatz von Open Source Software sei zentral f\u00fcr die St\u00e4rkung der digitalen Souver\u00e4nit\u00e4t von Wirtschaft und Verwaltung. Um den Aufbau von Open-Source-Alternativen in der Verwaltung voranzutreiben, brauche es einen gesetzlichen Vorrang f\u00fcr Open-Source-Software bei der \u00f6ffentlichen Beschaffung, etwa im Zuge einer Reform des Vergaberechts. Auch ben\u00f6tige es in Fragen von Einsatz und Beschaffung eine B\u00fcndelung der Kompetenzen in der Verwaltung. Wenn man ber\u00fccksichtige, wohin die wesentlichen Mittel f\u00fcr die Digitalisierung in der Legislaturperiode geflossen seien, sei nicht wirklich viel in Sachen Open Source erreicht worden. Die Finanzierung des ZenDis sei \u201enicht befriedigend\u201c, so Ganten. Auch Bianca Kastl vom Innovationsverbund \u00f6ffentliche Gesundheit (auf Vorschlag von B\u00fcndnis 90\/Die Gr\u00fcnen eingeladen) betonte, dass Open Source in der Verwaltung funktionieren k\u00f6nne, dazu brauche es vor allem Mut. Entgegen der Ank\u00fcndigung im Koalitionsvertrag und gemessen an der Zahl der als Open Source beauftragten und \u00f6ffentlich gemachten Software sei Open Source in dieser Legislaturperiode jedoch keine durchg\u00e4ngige Regel geworden, sagte Kastl. Die Corona-Pandemie sei ein starker Treiber f\u00fcr die Digitalisierung in den Verwaltungen gewesen, aber der Pragmatismus dieser Zeit sei wieder verloren gegangen. Dieser werde wieder ben\u00f6tigt, betonte sie. Als w\u00fcnschenswert bezeichnete sie die Aufnahme der Entwicklung und des Betriebs von Open-Source-Software in die Gemeinn\u00fctzigkeit. Kastl brachte zudem eine Stiftung f\u00fcr Open-Source-Software ins Gespr\u00e4ch. Auch Alexander Sander von der Free Software Foundation Europe (eingeladen auf Vorschlag der Gruppe Die Linke) sagte, dass ein Umsteuern dringend n\u00f6tig sei, um die Abh\u00e4ngigkeit von einzelnen propriet\u00e4ren Anbietern nicht weiter zu zementieren. Europ\u00e4ische Unternehmen, die auf freie Software setzten, k\u00f6nnten mehr Eigenst\u00e4ndigkeit erm\u00f6glichen, k\u00e4men aber mangels strategischer Beschaffung nicht ausreichend zum Zuge, erl\u00e4uterte er. Die Stiftung setze sich daher daf\u00fcr ein, dass mit Steuergeldern bezahlter Code der \u00d6ffentlichkeit als freie Software zur Verf\u00fcgung stehe \u2013 auch um eine Nachnutzung zu erm\u00f6glichen. So k\u00f6nne auch dem Ehrenamt, beispielsweise der Freiwilligen Feuerwehr, der Weg in die digitale Souver\u00e4nit\u00e4t geebnet werden.&nbsp;(Deutscher Bundestag, 04.12.2024) <a href=\"https:\/\/www.bundestag.de\/dokumente\/textarchiv\/2024\/kw49-pa-digitales-open-source-1029830\">Ganzer Artikel hier\u2026<\/a><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Das Engagement der Bundesregierung im Bereich Open Source ist hinter den Erwartungen zur\u00fcckgeblieben. Zu dieser Einsch\u00e4tzung kam die Mehrheit der Sachverst\u00e4ndigen in einer Expertenanh\u00f6rung des Digitalausschusses. 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