{"id":8228,"date":"2025-02-17T13:55:36","date_gmt":"2025-02-17T11:55:36","guid":{"rendered":"http:\/\/infosilo.info\/dekom\/?p=8228"},"modified":"2025-02-17T13:55:38","modified_gmt":"2025-02-17T11:55:38","slug":"mehrheit-der-deutschen-hat-angst-vor-cyberangriffen-und-einem-cyberkrieg","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/infosilo.info\/dekom\/mehrheit-der-deutschen-hat-angst-vor-cyberangriffen-und-einem-cyberkrieg\/","title":{"rendered":"Mehrheit der Deutschen hat Angst vor Cyberangriffen \u2013 und einem Cyberkrieg"},"content":{"rendered":"\n<p>In Deutschland greift die Angst vor Cyberangriffen und sogar einem Cyberkrieg um sich. Zugleich gelten Beh\u00f6rden und Verwaltung als schlecht vorbereitet auf diese Bedrohungen. 70 Prozent der Menschen in Deutschland sch\u00e4tzen die Gefahr durch Cybercrime insgesamt als hoch ein und ebenso viele halten Deutschland f\u00fcr schlecht vorbereitet. 61 Prozent haben Angst vor einem Cyberkrieg und f\u00fcr rund zwei Drittel (64 Prozent) ist Deutschland daf\u00fcr nicht gut gewappnet. Das sind Ergebnisse einer Studie im Auftrag des Digitalverbands Bitkom, f\u00fcr die 1.115 Personen ab 16 Jahren in Deutschland telefonisch befragt wurden. Zugleich sind von 30 Cybersicherheitsvorhaben in der Nationalen Sicherheitsstrategie bislang gerade einmal 2 umgesetzt worden, wie aus einer Bitkom-Analyse hervorgeht, die heute ebenfalls anl\u00e4sslich der Munich Cyber Security Conference (MCSC) vorgestellt wurde. Die MCSC findet am 13. und 14. Februar im Vorfeld der M\u00fcnchener Sicherheitskonferenz statt. \u201eDeutschland wird t\u00e4glich digital angegriffen wird. Die Grenzen zwischen Cybercrime und hybrider Kriegsf\u00fchrung, zwischen privaten und staatlichen Akteuren sind inzwischen flie\u00dfend\u201c, sagt Bitkom-Pr\u00e4sident Dr. Ralf Wintergerst. \u201eDie Bedrohungslage wird sich versch\u00e4rfen, wir m\u00fcssen deshalb unsere nationale Sicherheit sowohl klassisch als auch im digitalen Raum st\u00e4rken \u2013 in Beh\u00f6rden und der Verwaltung, aber auch in kritischer Infrastruktur und in den Unternehmen.\u201c W\u00e4hrend die Bedrohung f\u00fcr sich selbst und die eigene Familie nur von 37 Prozent der Menschen in Deutschland als sehr hoch (11 Prozent) oder eher hoch (26 Prozent) eingesch\u00e4tzt wird, gilt die Bedrohungslage f\u00fcr Deutschland allgemein 70 Prozent als sehr hoch (33 Prozent) oder eher hoch (37 Prozent). Gefahren f\u00fcr die Cybersicherheit gehen dabei vor allem von ausl\u00e4ndischen Geheimdiensten (78 Prozent) sowie der Organisierten Kriminalit\u00e4t (67 Prozent) aus, gefolgt von politischen oder religi\u00f6sen Extremisten (59 Prozent) sowie einzeln handelnden Kriminellen (41 Prozent) und Einzelpersonen ohne kriminelle oder politische Absichten (32 Prozent) \u2013 so die Meinung der Deutschen.\u00a0 Aus Sicht der Bev\u00f6lkerung kommt die gr\u00f6\u00dfte Cyberbedrohung aus Russland (98 Prozent) sowie China (84 Prozent). Dahinter folgt mit deutlichem Abstand Nordkorea (44 Prozent). Ein Drittel (32 Prozent) sieht die USA als gro\u00dfe Bedrohung f\u00fcr die Cybersicherheit in Deutschland an \u2013 noch vor dem Iran (29 Prozent), Belarus (17 Prozent) sowie osteurop\u00e4ischen Staaten au\u00dferhalb der EU (14 Prozent). \u201eDie USA waren und sind f\u00fcr Deutschland und Europa ein wichtiger Partner. Die Einsch\u00e4tzung der Menschen zeigt aber, dass die Grenzen zwischen Freund und Feind nicht mehr so klar sind, wie noch vor 10 oder 20 Jahren\u201c, sagt Wintergerst. \u201eWichtig ist, dass wir das Ziel echter digitaler Souver\u00e4nit\u00e4t in Deutschland und Europa mit Nachdruck und Erfolg verfolgen.\u201c Im Angesicht der wachsenden Bedrohungen gilt Deutschland als schlecht vorbereitet auf Cyberangriffe. Nur 23 Prozent meinen, dass die \u00f6ffentliche Verwaltung und Institutionen wie Polizei oder Bundeswehr sehr gut oder eher gut vorbereitet sind. Umgekehrt sehen sie 29 Prozent als eher nicht gut und 41 Prozent sogar als gar nicht gut vorbereitet. Zugleich geht es nach Ansicht der Bev\u00f6lkerung um mehr als nur die Anf\u00e4lligkeit f\u00fcr Datendiebstahl oder Erpressung mit Ransomware. 71 Prozent sagen, dass Kriege in Zukunft \u00fcberwiegend auch mit digitalen Mitteln gef\u00fchrt werden. 63 Prozent denken, dass Cyberangriffe auf kritische Infrastrukturen f\u00fcr Deutschland eine gr\u00f6\u00dfere Bedrohung darstellen als konventionelle milit\u00e4rische Angriffe. Zwei Drittel (66 Prozent) sind entsprechend der Meinung, dass Cyberangriffe genauso behandelt werden m\u00fcssten wie milit\u00e4rische Angriffe. Wintergerst: \u201eWer im Cyberraum angreifbar ist, wird sich auch in der physischen Welt nicht erfolgreich verteidigen k\u00f6nnen. Landesverteidigung bedeutet heute nicht mehr nur Investitionen in Panzer und Flugabwehr, sondern den gezielten Einsatz digitaler Technologien und digitalen Know-hows.\u201c Ein aktuelles Beispiel f\u00fcr beunruhigende Angriffe auf kritische digitale Infrastrukturen sind mehrere Anschl\u00e4ge auf Untersee-Kabel, die zentral f\u00fcr die Internetversorgung sind. Fast zwei Drittel (63 Prozent) der Deutschen macht es Angst, dass der internationale Datenverkehr so leicht zu sabotieren ist. 80 Prozent sind daher daf\u00fcr, mehr Kabel zu verlegen, um unabh\u00e4ngiger von einzelnen Unterbrechungen zu werden. Spezielle Einheiten zur schnellstm\u00f6glichen Behebung der Sch\u00e4den (77 Prozent) und zur Ermittlung der T\u00e4ter (68 Prozent) werden ebenfalls von einer deutlichen Mehrheit gefordert. 7 von 10 (69 Prozent) sagen, Anschl\u00e4ge auf Untersee-Kabel sollten wie milit\u00e4rische Angriffe bewertet werden. Und 6 von 10 (60 Prozent) pl\u00e4dieren f\u00fcr einen besseren Schutz der Kabel, etwa durch eine l\u00fcckenlose Satelliten\u00fcberwachung. \u201eDie vermutliche Sabotage von Untersee-Kabeln zeigt auch die physische Bedrohung unserer kritischen Infrastruktur durch nicht staatliche und nicht milit\u00e4rische Akteure\u201c, so Wintergerst.63 Prozent der Deutschen erwarten, dass sich private Akteure durch Cyberangriffe verst\u00e4rkt in Krisen einmischen werden. Und ebenfalls 63 Prozent bef\u00fcrchten, dass uns auch befreundete Staaten mit digitalen Mitteln Schaden zuf\u00fcgen werden, um die eigene Wirtschaft zu st\u00e4rken. Weit verbreitet ist die Angst vor einem Cyberkrieg. 61 Prozent haben aktuell Angst vor einem solchen Szenario. J\u00fcngere (59 Prozent bei den 16- bis 29-J\u00e4hrigen sowie den 30- bis 49-J\u00e4hrigen) sind dabei etwas weniger besorgt als die \u00c4lteren (69 Prozent bei den ab-75-J\u00e4hrigen), Frauen haben mit 65 Prozent etwas mehr Sorge als M\u00e4nner (58 Prozent). Vor allem jenen Staaten, die als Cyberbedrohung gelten, werden gute technische F\u00e4higkeiten f\u00fcr eine solche Auseinandersetzung zugesprochen. Ganz oben stehen Russland (76 Prozent), die USA (75 Prozent) und China (74 Prozent). Nordkorea ist f\u00fcr 52 Prozent gut ger\u00fcstet, der Iran f\u00fcr 46 Prozent. Deutschland nennen 61 Prozent, Israel 52 Prozent, Frankreich 46 Prozent, am Ende liegen Gro\u00dfbritannien (42 Prozent) und die Ukraine (41 Prozent). \u201eEuropa muss eigene F\u00e4higkeiten f\u00fcr den Fall eines Cyberkriegs aufbauen\u201c, so Wintergerst. Denn obwohl Deutschland nach Meinung einer deutlichen Mehrheit \u00fcber die technischen F\u00e4higkeiten f\u00fcr einen Cyberkrieg verf\u00fcgt, gilt die Bundesrepublik im Cyberraum aktuell in der Praxis nur als bedingt abwehrbereit. Zwei Drittel (64 Prozent) halten Deutschland f\u00fcr sehr schlecht (26 Prozent) oder eher schlecht (38 Prozent) vorbereitet, nur 24 Prozent f\u00fcr gut und gerade einmal 4 Prozent f\u00fcr sehr gut. Gefragt nach n\u00f6tigen Ma\u00dfnahmen fordern 75 Prozent die Gr\u00fcndung eines digitalen Katastrophenschutzes, 73 Prozent Investitionen in die Cybersicherheit kritischer Infrastrukturen und 71 Prozent die Schaffung eigener F\u00e4higkeiten f\u00fcr Cyberangriffe. Dahinter folgen Cyber-B\u00fcndnisse mit anderen Staaten wie eine Cyber-Nato (68 Prozent), Investitionen in Cyber-Abwehreinheiten (64 Prozent), Notfallschulungen f\u00fcr die Bev\u00f6lkerung (56 Prozent) sowie Wirtschaftssanktionen zur Abschreckung (43 Prozent). Nur 2 Prozent meinen, Deutschland solle sich nicht zus\u00e4tzlich auf einen Cyberkrieg vorbereiten.\u00a0 Allerdings stockt die Umsetzung von Cybersicherheitsvorhaben, die sich die Bundesregierung in der Nationalen Sicherheitsstrategie vorgenommen hat. Dort sind 30 Einzelma\u00dfnahmen angek\u00fcndigt. Nach einer Bitkom-Auswertung sind allerdings gerade einmal 2 dieser 30 Ma\u00dfnahmen abgeschlossen, 19 sind in der Umsetzung und 9 wurden nicht einmal begonnen. Wintergerst: \u201eAmbitionierte Strategien und Agenden n\u00fctzen nichts, wenn es beim beschriebenen Papier bleibt. Die n\u00e4chste Bundesregierung muss die n\u00f6tigen Ma\u00dfnahmen ohne weitere Verz\u00f6gerung umsetzen.\u201c Umgesetzt sind Pr\u00fcfm\u00f6glichkeiten f\u00fcr systemkritische Komponenten in Kommunikationsnetzen, auch die Cyberagentur hat wie geplant ihre Arbeit aufgenommen und vergibt gezielt Forschungsauftr\u00e4ge. Zumindest in Umsetzung sind Ma\u00dfnahmen zur Digitalisierung und Einf\u00fchrung digitaler Technologien, allerdings wurden die Mittel zuletzt gek\u00fcrzt. Der geplante Ausbau des Bundesamts f\u00fcr Sicherheit in der Informationstechnik (BSI) zu einer Zentralstelle der Cybersicherheit fand keine parlamentarische Mehrheit und wurde auf die n\u00e4chste Legislatur verschoben. Auch die angek\u00fcndigte verst\u00e4rkte Zusammenarbeit mit der Wirtschaft ist nicht in Fahrt gekommen und leidet an Unterfinanzierung. V\u00f6llig verfehlt wurden die Ziele, Investitionen f\u00fcr die Cybersicherheit kritischer Infrastruktur zu erh\u00f6hen oder belastbare Abstimmungs- und Entscheidungsprozesse f\u00fcr den Cyber-Krisenfall zu etablieren. Auch die versprochene neue Cybersicherheitsstrategie wurde nicht vorgelegt. \u201eDie Erh\u00f6hung der Cybersicherheit muss eine zentrale Aufgabe der Sicherheits- und Verteidigungspolitik der k\u00fcnftigen Bundesregierung sein. Wir brauchen nicht nur ambitionierte Ziele, wir brauchen vor allem Fortschritt in der Umsetzung\u201c, sagt Wintergerst. (BITKOM, 13.02.2025) <a href=\"https:\/\/www.bitkom.org\/Presse\/Presseinformation\/Mehrheit-Angst-Cyberangriffen-Cyberkrieg\">Ganzer Artikel hier\u2026<\/a><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>In Deutschland greift die Angst vor Cyberangriffen und sogar einem Cyberkrieg um sich. 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