{"id":8332,"date":"2025-04-28T11:29:33","date_gmt":"2025-04-28T09:29:33","guid":{"rendered":"http:\/\/infosilo.info\/dekom\/?p=8332"},"modified":"2025-04-28T11:29:35","modified_gmt":"2025-04-28T09:29:35","slug":"iw-geplante-co2-infrastruktur-zustimmung-durch-aufklaerung","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/infosilo.info\/dekom\/iw-geplante-co2-infrastruktur-zustimmung-durch-aufklaerung\/","title":{"rendered":"IW: Geplante CO2-Infrastruktur &#8211; Zustimmung durch Aufkl\u00e4rung"},"content":{"rendered":"\n<p>F\u00fcr eine erfolgreiche Transformation muss die Erm\u00f6glichung des Abscheidens von CO2 weit oben auf der Agenda der Bundesregierung stehen. Aufgrund geringer Kenntnisse zu dieser Technologie zeigen Akzeptanzbefragungen bisher noch kein klares Bild. Dort muss die Politik ansetzen. Eine wichtige Technologieoption der Transformation hin zur Klimaneutralit\u00e4t ist das sogenannte CCUS (Carbon Capture, Utilisation and Storage). Dabei geht es um die M\u00f6glichkeit, entstehende CO2-Emissionen abzuscheiden und anschlie\u00dfend in Produkten zu binden oder unterirdisch zu speichern. Seit Langem ist bekannt, dass ein klimafreundlicher Betrieb bei manchen Prozessen ohne diese Technologie nicht m\u00f6glich ist. Zudem k\u00f6nnte die Technologie in anderen Bereichen angewendet werden, um Emissionen effizient zu vermeiden. Im Koalitionsvertrag von Union und SPD ist daher von einem angepeilten Gesetzespaket die Rede, das diese Technologie \u201eumgehend [\u2026] erm\u00f6glicht. Vor der Bundestagswahl scheiterte die \u00c4nderung des Kohlenstoffdioxid-Speicherungsgesetzes (KSpG) an fehlenden Mehrheiten. Eine \u00c4nderung ist n\u00f6tig, um die kommerzielle Nutzung der CCUS-Technologien und die unterirdische Speicherung von CO2 in Deutschland zu erlauben. Weitere H\u00fcrden bestehen zudem im Aufbau einer entsprechenden Pipeline-Infrastruktur. Daher ist es wichtig, das Thema CCUS auf der industriepolitischen Agenda der neuen Bundesregierung zu verankert. Strittige Fragen bei dem Thema CCUS drehen sich bereits seit dem letzten Jahrzehnt darum, f\u00fcr welche Sektoren, Branchen und Prozesse die Technologie genutzt werden soll und darf. Einigkeit besteht dar\u00fcber, dass zuk\u00fcnftig unvermeidbare Emissionen abgefangen werden sollen. Beispielsweise erfolgen bei der Zementherstellung etwa zwei Drittel der Emissionen prozessbedingt. Das CO2 tritt bei der Verarbeitung des Kalksteins aus und nicht durch das Nutzen von fossilen Energietr\u00e4gern. Auch in anderen Branchen wie der Kalk- und Chemieindustrie finden sich \u00e4hnlich schwer vermeidbare Emissionen. Zudem k\u00f6nnen durch das Abfangen von Emissionen bei Prozessen mit biogenen Energietr\u00e4gern auch Negativemissionen erzeugt werden. Daher setzen auch g\u00e4ngige Transformationsszenarien zur Erreichung der Klimaziele auf die Anwendung der CCUS-Technologien in den kommenden Jahren. Beispielsweise bemisst eine Studie aus dem Jahr 2023 die 2045 potenziell abzufangende Menge an CO2 in der Industrie auf 17,6 Millionen Tonnen pro Jahr (SCI4climate.NRW, 2023). Das entspricht gut 11 Prozent der industriellen Emissionen im Jahr 2024. \u00c4hnlich zu Ausbauvorhaben in anderen Bereichen der Transformation, wie bei der Windenergie oder dem Stromnetzausbau, stellt sich beim Aufbau einer CO2-Infrastruktur die Frage nach der gesellschaftlichen Akzeptanz. Empirische Untersuchungen zeigen, dass die Zustimmung vom Anwendungsbereich der Technologie abh\u00e4ngt und f\u00fcr industrielle Emissionen tendenziell h\u00f6her ausf\u00e4llt als beispielsweise bei der Anwendung an Kohlekraftwerken. Aktuelle Befragungsergebnisse aus dem Projekt SCI4climate.NRW (siehe Datengrundlage) deuten auf hohe sogenannte sozio-politische Akzeptanz der Technologie hin. Gemeint ist damit eine geringe generelle Ablehnung der Abscheidung von CO2 an Industriestandorten oder des Aufbaus entsprechender Leitungen. Nur 18,7 Prozent respektive 18,5 Prozent der Befragten lehnen dies ab. Dagegen bef\u00fcrworten 42,6 Prozent beziehungsweise 46,3 Prozent die Technologie. Ein relativ hoher Anteil von 38,7 Prozent respektive 37,3 Prozent ist bisher unentschlossen (\u201eteils\/teils; \u201ewei\u00df nicht\u201c). In einem Bundesland wie Nordrhein-Westfahlen, wo besonders viele Industriestandorte mit potenzieller CCUS-Anwendung verortet sind \u2013 wo klimaneutrale Industriearbeitspl\u00e4tze also von der Technologie abh\u00e4ngen k\u00f6nnten \u2013, f\u00e4llt die Zustimmung sogar noch etwas gr\u00f6\u00dfer aus. Deutschlandweit gilt allerdings auch: Mit zunehmender N\u00e4he des eigenen Wohnortes zu einer CO2-Pipeline oder einem CCUS-Industriestandort sinkt die Akzeptanz deutlich. Dieses Ph\u00e4nomen ist auch bei anderen Technologien zu beobachten und wird als NIMBY (\u201eNot In My Backyard) bezeichnet. Den Umbau eines hypothetischen Werkes zur Abspaltung von CO2 vor der eigenen Haust\u00fcre bef\u00fcrworten gerade einmal 5,4 Prozent. Auch die Gruppe, die eine unterirdische CO2-Pipeline im Umkreis von weniger als 500 Metern als akzeptabel erachtet betr\u00e4gt nur 17,8 Prozent (Diermeier\/Mertens, 2025). Damit f\u00e4llt die Zustimmung gegen\u00fcber CO2-Leitungen in der N\u00e4he des Wohnumfelds deutlich h\u00f6her aus als im Falle von Industriestandorten, die CCUS-Technologien nutzen. Die h\u00f6here Abneigung gegen\u00fcber Fabriken mit CO2-Abscheidung ergibt sich dabei aus der Kombination aus der perspektivischen N\u00e4he zum Industriestandort sowie der CCUS-Anwendung. Grunds\u00e4tzlich f\u00e4llt die Zustimmung zu CCUS im Vergleich zu anderen Energiewende- und Transformationsinfrastrukturen wie Windkraftanlagen oder Wasserstoffleitungen etwas geringer aus. Die sozialpolitische Akzeptanz ist allerdings h\u00f6her als bei oberirdischen Stromtrassen, die gerade einmal von 30 Prozent der Befragten bef\u00fcrwortet werden. Jedoch ist der Anteil der Unentschlossenen bei den CCUS-Technologien am h\u00f6chsten. Das mag auch daran liegen, dass bisher wenige konkrete Pl\u00e4ne f\u00fcr eine CO2-Infrastruktur bekannt sind und sich viele Menschen nicht pers\u00f6nlich betroffen f\u00fchlen. Gerade einmal jeder zehnte Befragte wei\u00df um geplante CO2-Leitungen im eigenen Wohnumfeld. Passend zur gro\u00dfen Unentschlossenheit geben keine zehn Prozent der Befragten an, \u00fcber ausreichende Informationen zu CCUS zu verf\u00fcgen. Dabei k\u00f6nnten entsprechende Angebote den B\u00fcrgern helfen, sich eine Meinung zu bilden, und die Akzeptanz in der Bev\u00f6lkerung zu st\u00e4rken. Diese Erkenntnisse decken sich auch mit weiteren Ergebnissen der Akzeptanzforschung: Im Rahmen des Projekts Protanz.NRW gaben nur 691 von 1845 der Befragten an, etwas \u00fcber die M\u00f6glichkeiten von CCUS-Technologien in der Industrie zu wissen. Innerhalb dieser 691 Befragten lehnten nur 12,4 Prozent CCUS grunds\u00e4tzlich ab. Die Ablehnung von Speicherst\u00e4tten in der eigenen Region fiel dabei etwas h\u00f6her aus als bei Pipelines. Letztere wurden nur von 33,5 Prozent als zumindest etwas risikobehaftet gesehen. Zurecht priorisiert der Koalitionsvertrag von Union und SPD eine zeitnahe Erm\u00f6glichung von CCUS in Deutschland. Das ist wichtig, denn es braucht zuverl\u00e4ssige Leitplanken f\u00fcr Investitionen in die Klimaneutralit\u00e4t. Wichtig ist dabei nicht nur die betroffenen Unternehmen, sondern auch die Bev\u00f6lkerung mitzunehmen. Die Untersuchungen zeigen nur in Teilen der Bev\u00f6lkerung Skepsis gegen\u00fcber CCUS-Technologien. Signifikant ist jedoch der Anteil der Unentschlossenen auch mit Blick auf Risiken und Vorteile der Technologie. Gerade in betroffenen Regionen gilt es daher auf Menschen zuzugehen und Informationsangebote zu machen. Zudem sollte die Bedeutung f\u00fcr die Klimaneutralit\u00e4t und den Wirtschaftsstandort hervorgehoben werden. Denn f\u00fcr das Gelingen der Dekarbonisierung braucht es auch die M\u00f6glichkeit von CCUS. (IW K\u00f6ln, 28.04.2025) <a href=\"https:\/\/www.iwkoeln.de\/studien\/andreas-fischer-matthias-diermeier-zustimmung-durch-aufklaerung.html\">Ganzer Artikel hier\u2026<\/a><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>F\u00fcr eine erfolgreiche Transformation muss die Erm\u00f6glichung des Abscheidens von CO2 weit oben auf der Agenda der Bundesregierung stehen. Aufgrund geringer Kenntnisse zu dieser Technologie zeigen Akzeptanzbefragungen bisher noch kein klares Bild. Dort muss die Politik ansetzen. Eine wichtige Technologieoption der Transformation hin zur Klimaneutralit\u00e4t ist das sogenannte CCUS (Carbon Capture, Utilisation and Storage). 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