{"id":8350,"date":"2025-04-28T11:41:03","date_gmt":"2025-04-28T09:41:03","guid":{"rendered":"http:\/\/infosilo.info\/dekom\/?p=8350"},"modified":"2025-04-28T11:42:51","modified_gmt":"2025-04-28T09:42:51","slug":"wir-muessen-zuerst-das-trinkwasser-schuetzen","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/infosilo.info\/dekom\/wir-muessen-zuerst-das-trinkwasser-schuetzen\/","title":{"rendered":"Wir m\u00fcssen zuerst das Trinkwasser sch\u00fctzen"},"content":{"rendered":"\n<p>Mit dem neuen Sonderverm\u00f6gen f\u00fcr Infrastruktur will die Bundesregierung einen Impuls setzen, um den Investitionsstau bei der \u00f6ffentlichen Hand aufzul\u00f6sen. Die Modernisierung von Verkehrswegen, Energie- und Wassernetzen sowie der digitale Ausbau stehen ganz oben auf der Agenda. Der Bedarf ist enorm \u2013 und die Erwartungen entsprechend hoch.<\/p>\n\n\n\n<p>Kaum jemand kennt die Entwicklungen im Bereich kommunaler Infrastrukturinvestitionen so gut wie Carsten Schweneker, CEO der EBERO AG. Die EBERO AG ist die Muttergesellschaft der europaweit t\u00e4tigen EBERO-Gruppe, zu der mit EBERO FAB einer der f\u00fchrenden Infrastrukturausstatter f\u00fcr die \u00f6ffentliche Hand in Deutschland geh\u00f6rt.<\/p>\n\n\n\n<p>Schweneker ist eng mit dem operativen Gesch\u00e4ft verbunden: Seit Jahrzehnten liefert seine Unternehmensgruppe die technische Ausstattung f\u00fcr leitungsgebundene Systeme \u2013 darunter Strom, Wasser, Abwasser und digitale Infrastruktur. Wenn Kommunen, Stadtwerke oder Netzbetreiber gro\u00dffl\u00e4chig investieren, wirkt sich das h\u00e4ufig auch direkt bei EBERO FAB aus.<\/p>\n\n\n\n<p>Im Gespr\u00e4ch mit dem Deutschen Kommunalinformationsdienst (DEKOM) erkl\u00e4rt Schweneker, wo bereits erste Signale sichtbar sind, welche strukturellen H\u00fcrden bestehen \u2013 und welche Priorit\u00e4ten Kommunen jetzt setzen sollten.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>DEKOM:<\/strong> <strong><em>Herr Schweneker, mit dem Sonderverm\u00f6gen f\u00fcr Infrastruktur soll die Modernisierung unseres Landes vorangebracht werden. Der St\u00e4dte- und Gemeindebund erwartet einen regelrechten Investitionsboom und wittert schon Aufbruchstimmung in den Kommunen. Schl\u00e4gt sich das so bereits auch im Tagesgesch\u00e4ft von EBERO FAB nieder&#8230;?<\/em><\/strong><\/p>\n\n\n\n<p><strong>Schweneker:<\/strong> Also vorweg: Das Sonderverm\u00f6gen begr\u00fc\u00dfe ich ausdr\u00fccklich. Aber letztlich wird damit nur nachgeholt, was eigentlich seit Jahrzehnten vers\u00e4umt wurde. Was die Aufbruchstimmung betrifft: In unserem Tagesgesch\u00e4ft ist das im Moment noch nicht wirklich sp\u00fcrbar. Die Gelder m\u00fcssen ja erstmal verteilt werden \u2013 und da sind viele Stellen, die sagen: Wir brauchen den Gro\u00dfteil. Angefangen bei der Deutschen Bahn, dann kommen Stra\u00dfen, Br\u00fccken \u2013 und irgendwann vielleicht auch mal die leitungsgebundene Infrastruktur. Ich denke, das wird noch Wochen oder Monate dauern, bis es \u00fcberhaupt einen Verteilungsschl\u00fcssel gibt. Und dann muss das, was zur Verf\u00fcgung steht, ja auch erstmal geplant werden. Dann folgen Ausschreibungen \u2013 und wenn schlie\u00dflich etwas umgesetzt wird, <strong>dann<\/strong> merken wir das im Tagesgesch\u00e4ft. Ich rechne da eher mit einem Zeithorizont im n\u00e4chsten oder sogar erst im \u00fcbern\u00e4chsten Jahr.<\/p>\n\n\n\n<p>Was man aber sagen kann: Es ist durchaus sp\u00fcrbar, dass zum Beispiel beim Trinkwasser mehr investiert wird \u2013 weil das Thema st\u00e4rker im Bewusstsein angekommen ist. Da gibt es erste Projekte, obwohl das Sonderverm\u00f6gen noch gar nicht konkret wirkt.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>DEKOM:<\/strong> <strong><em>Sie beklagen seit l\u00e4ngerem einen eklatanten Investitionsstau bei der \u00f6ffentlichen Hand \u2013 von maroden Trinkwasserleitungen \u00fcber veraltete und entsprechend energiehungrige Stra\u00dfenbeleuchtungen bis hin zum nach wie vor eher schleppenden Breitbandausbau. Wo f\u00e4ngt man an? Wie sollten B\u00fcrgermeister und Kommunalverantwortliche aus Ihrer Sicht priorisieren?<\/em><\/strong><\/p>\n\n\n\n<p><strong>Schweneker:<\/strong> Wenn ich mir Gedanken \u00fcber Priorisierung mache, dann w\u00fcrde ich als erstes immer sagen: Wir m\u00fcssen das Lebensmittel Nummer eins \u2013 das Trinkwasser \u2013 sch\u00fctzen. Hier muss investiert werden. Die durchgehende \u00dcberwachung der unterirdischen Infrastruktur kann mittels moderner Monitoringsysteme ohne weiteres gew\u00e4hrleistet werden. Leider ist das so heute noch nicht der Fall. Sobald das Wasser aus dem Wasserwerk ins Leitungssystem eingespeist wird, wird es kontrolliert. Aber danach passiert nichts mehr \u2013 bis es beim Verbraucher ankommt. Dazwischen ist keine weitere Kontrollinstanz. Das kann nicht sein \u2013 hier besteht dringender Handlungsbedarf.<\/p>\n\n\n\n<p>Hinzu kommt: Wir werden eine Wasserknappheit erleben \u2013 das ist ja gerade wieder Thema in den Medien. Der Klimawandel hat direkten Einfluss auf das Trinkwasser. Im Bodensee z. B. sinkt der Pegel stetig. Gleichzeitig wird das Wasser w\u00e4rmer. Dadurch k\u00f6nnen sich Bakterien st\u00e4rker vermehren.&nbsp; Wir m\u00fcssen also auch intensiv dar\u00fcber nachdenken, wie das vorhandene Wasser sinnvoll verteilt wird. Neben der Qualit\u00e4t geht es also auch um die Verf\u00fcgbarkeit.&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p>Das ist f\u00fcr mich der wichtigste Punkt, auf den ein B\u00fcrgermeister achten sollte. Und an zweiter Stelle steht dann der Breitbandausbau \u2013 um so viel wie m\u00f6glich zu digitalisieren. Das ben\u00f6tigen wir ja auch, um das Trinkwassernetz zu \u00fcberwachen. Und wenn wir \u00fcber die Energiewende sprechen, dann m\u00fcssen die erzeugten Energiemengen \u2013 aus Sonne, Wind oder anderen Quellen \u2013 auch dahin gebracht werden, wo sie gebraucht werden. Das geht nur mit digitaler Steuerung. Dazu brauchen wir Umweltdaten, um auch vorausschauend handeln zu k\u00f6nnen.<\/p>\n\n\n\n<p>Deshalb mein Vorschlag: Erst Trinkwasser sichern und monitoren. Dann digitalisieren \u2013 angefangen bei der Wasserversorgung bis hin zu den Energiesystemen. Das w\u00e4re f\u00fcr mich die logische Priorisierung.<\/p>\n\n\n\n<p><em>DEKOM: Wenn alle Kommunen gro\u00dfen Nachholbedarf haben und jetzt mit ihren Infrastrukturprojekten loslegen wollen, gibt es angesichts des Fachkr\u00e4ftemangels \u00fcberhaupt ausreichend Kapazit\u00e4ten? Drohen gar m\u00f6gliche Materialengp\u00e4sse? Aus dem Stadtwerke- und EVU-Umfeld war zuletzt zu h\u00f6ren, dass im Jahr 2026 etwa Trafostationen knapp werden k\u00f6nnten \u2013 sehen Sie an dieser Stelle oder bei anderen Gewerken auch Verf\u00fcgbarkeitsprobleme?<\/em><\/p>\n\n\n\n<p><strong>Schweneker:<\/strong> Also den Fachkr\u00e4ftemangel sehen wir auf jeden Fall \u2013 da m\u00fcssen wir uns anstrengen, dass wir die besten Leute f\u00fcr diese Aufgaben bekommen. Vielleicht ergibt sich aber auch eine Chance: In einigen anderen Wirtschaftsbereichen sehen wir ja gerade einen konjunkturellen Abschwung. Da k\u00f6nnte man vielleicht Personal f\u00fcr unsere Themen gewinnen.<\/p>\n\n\n\n<p>Was die Materialien betrifft: Allgemeine Engp\u00e4sse sehe ich derzeit nicht. Aber bei allem, was zur &#8222;All Electric&#8220;-Welt geh\u00f6rt, wird es eng: Dazu z\u00e4hlen definitiv Trafostationen, Kabel und Verbindungssysteme. Da wird es aus meiner Sicht schon im n\u00e4chsten Jahr sp\u00fcrbare Engp\u00e4sse geben.<\/p>\n\n\n\n<p>Was man dazu sagen muss: Aktuell kaufen vor allem deutsche Elektrizit\u00e4tsunternehmen bei deutschen Herstellern. Da m\u00fcssten wir dringend europ\u00e4isch und langfristig sogar weltweit denken. Das betrifft auch die Zulassungen \u2013 Produkte, die in anderen L\u00e4ndern funktionieren, sollten auch in Deutschland einsetzbar sein. Sonst bekommen wir hier massive Engp\u00e4sse \u2013 und das wird zur echten Bremse und zu einem immensen Kostenfaktor.<\/p>\n\n\n\n<p><em>DEKOM: Langwierige Genehmigungsverfahren, detaillierte Berichtspflichten f\u00fcr Unternehmen und Zust\u00e4ndigkeiten verschiedenster Beh\u00f6rden ziehen Infrastrukturprojekte und \u00f6ffentliche Bauvorhaben immer h\u00e4ufiger in die L\u00e4nge und verteuern sie immens. Wie lie\u00dfe sich aus Ihrer Sicht verhindern, dass die Infrastrukturmilliarden in den Sedimentschichten der B\u00fcrokratie versickern?<\/em><\/p>\n\n\n\n<p><strong>Schweneker:<\/strong> Das ist tats\u00e4chlich ein riesiges Problem. Wir brauchen vereinfachte Genehmigungsverfahren \u2013 und vor allem weniger Einspruchsm\u00f6glichkeiten. Wenn etwas f\u00fcr die Allgemeinheit sinnvoll oder notwendig ist, dann m\u00fcssen Individualinteressen eben auch mal zur\u00fcckstehen.<\/p>\n\n\n\n<p>Was viele nicht wissen: Dort, wo neue Wasserleitungen oder Kabeltrassen verlegt werden, liegen ja oft schon bestehende Leitungen. Es liegt ja kein weiteres sch\u00fctzenswertes Interesse vor, nur weil statt einem Kabel jetzt zwei da liegen. In solchen F\u00e4llen muss es einfach schneller gehen. Das zeigt ja auch das Beispiel der LNG-Terminals \u2013 die wurden quasi \u00fcber Nacht genehmigt und gebaut. Wir k\u00f6nnen das also \u2013 wir m\u00fcssen nur die b\u00fcrokratischen H\u00fcrden abbauen.<\/p>\n\n\n\n<p><em><strong>DEKOM: Unternehmen monierten zuletzt h\u00e4ufig fehlende Planungssicherheit \u2013 z.\u202fB. beim Hochlauf der Ladeinfrastruktur f\u00fcr E-Mobilit\u00e4t oder in Bezug auf die W\u00e4rmewende\/W\u00e4rmeplanung. K\u00f6nnen Sie bei EBERO FAB zuletzt auch eine Verunsicherung oder Zur\u00fcckhaltung Ihrer Kunden in diesen Bereichen feststellen \u2013 und welche Forderungen oder vorsichtig formuliert: W\u00fcnsche haben Sie in diesem Zusammenhang an die Politik?<\/strong><\/em><\/p>\n\n\n\n<p><strong>Schweneker:<\/strong> Ja, absolut. Ich kann Ihnen dazu ein konkretes Beispiel geben: Wir hatten vor einigen Jahren gute Erfahrungen beim Nahw\u00e4rmeausbau \u2013 etwa in Schleswig-Holstein, wo gro\u00dfe Biogasanlagen entstanden sind. Als es dann hie\u00df, der W\u00e4rmeausbau solle gef\u00f6rdert werden, haben wir investiert: Lager eingerichtet, Fahrzeuge angeschafft, um solche Systeme ausliefern zu k\u00f6nnen. Zwei Jahre lang lief das auch gut.&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p>Dann kam aber der Stopp und die kommunale W\u00e4rmeplanung wurde vorgeschrieben, die Kommunen bekamen je nach Gr\u00f6\u00dfe zwei bzw. vier Jahre Zeit, zun\u00e4chst einmal Konzepte zu entwickeln. Seitdem haben wir in diesem Segment keinen Meter Rohr und keine einzige Anlage mehr verkauft. Der Markt ist komplett zum Stillstand gekommen. Ich bin sicher: Der kommt wieder \u2013 aber mit zwei bzw. vier Jahren Verz\u00f6gerung.<\/p>\n\n\n\n<p>Was ich mir von der Politik w\u00fcnsche? Entscheidungen, die zu Ende gedacht und abgestimmt sind. Und die dann auch mal durchgehalten werden \u2013 mindestens \u00fcber die vier Jahre einer Legislaturperiode. Noch besser w\u00e4ren acht. Aber dieses st\u00e4ndige Infragestellen, das Umwerfen von Entscheidungen \u2013 das hilft niemandem. Unsere Kunden sind verunsichert, und dann wird einfach nicht mehr investiert. So kann die Energiewende nicht gelingen. <\/p>\n\n\n\n<p><strong><em>Vielen Dank!<\/em><\/strong> (DEKOM, 28.04.2025) <a href=\"https:\/\/ebero-fab.com\/\">Mehr Infos hier\u2026<\/a><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Mit dem neuen Sonderverm\u00f6gen f\u00fcr Infrastruktur will die Bundesregierung einen Impuls setzen, um den Investitionsstau bei der \u00f6ffentlichen Hand aufzul\u00f6sen. Die Modernisierung von Verkehrswegen, Energie- und Wassernetzen sowie der digitale Ausbau stehen ganz oben auf der Agenda. Der Bedarf ist enorm \u2013 und die Erwartungen entsprechend hoch. 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