{"id":8431,"date":"2025-06-10T12:18:27","date_gmt":"2025-06-10T10:18:27","guid":{"rendered":"http:\/\/infosilo.info\/dekom\/?p=8431"},"modified":"2025-06-10T13:18:27","modified_gmt":"2025-06-10T11:18:27","slug":"technologieoffen-in-die-vierte-reinigungsstufe-kommunen-starten-verantwortung-wird-neu-verteilt","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/infosilo.info\/dekom\/technologieoffen-in-die-vierte-reinigungsstufe-kommunen-starten-verantwortung-wird-neu-verteilt\/","title":{"rendered":"Technologieoffen in die vierte Reinigungsstufe"},"content":{"rendered":"\n<p>W\u00e4hrend auf europ\u00e4ischer und nationaler Ebene noch um die Details der Finanzierung gerungen wird, schaffen Kommunen und Entwickler l\u00e4ngst Fakten: Mit praxisnahen Pilotprojekten und innovativer Technik treiben sie den Ausbau der vierten Reinigungsstufe technologieoffen voran \u2013 oft aus eigener Initiative.<\/p>\n\n\n\n<p>Die neue EU-Kommunalabwasserrichtlinie (KARL), sieht eine verpflichtende Entfernung von Spurenstoffen wie Arzneimittelr\u00fcckst\u00e4nden, Pestiziden oder Industriechemikalien aus den Abw\u00e4ssern vor. Gro\u00dfkl\u00e4ranlagen mit mehr als 150.000 Einwohnerwerten m\u00fcssen bis sp\u00e4testens 2045 nachr\u00fcsten; f\u00fcr kleinere Anlagen gelten gestaffelte \u00dcbergangsfristen \u2013 je nach Standort und Risiko.<\/p>\n\n\n\n<p>Erstmals gilt dabei das Verursacherprinzip: Hersteller bestimmter Produkte \u2013 vor allem aus der Pharma- und Chemiebranche \u2013 sollen sich an den Kosten beteiligen. W\u00e4hrend Umweltverb\u00e4nde und kommunale Spitzenorganisationen diesen Schritt begr\u00fc\u00dfen, regt sich in Industrie- und \u00c4rztekreisen Widerstand \u2013 aus Sorge vor Mehrkosten, B\u00fcrokratie und Versorgungsengp\u00e4ssen. Wie genau die Herstellerbeteiligung ausgestaltet wird, ist derzeit noch unklar.<\/p>\n\n\n\n<p>Unabh\u00e4ngig davon entstehen vor Ort bereits tragf\u00e4hige L\u00f6sungen. Neben klassischen Aktivkohlefiltern kommen neue Verfahren wie keramische Siliziumcarbid-Membranen zum Einsatz \u2013 etwa beim Unternehmen BOLLBRANIC, das auf kompakte, wartungsarme Technik setzt. In Mainz wiederum entsteht die erste vierte Reinigungsstufe in Rheinland-Pfalz \u2013 auf Basis eines kombinierten Verfahrens aus Ozonung und granulierter Aktivkohle, entwickelt mit der TU Kaiserslautern.<\/p>\n\n\n\n<p>Mehr dazu erkl\u00e4rt Jeanette Wetterling, Vorstandsvorsitzende des Wirtschaftsbetriebs Mainz, im Gespr\u00e4ch mit dem Deutschen Kommunalinformationsdienst.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Jeanette Wetterling:<\/strong> Wir besch\u00e4ftigen uns seit 2018 intensiv mit der Frage, was Kl\u00e4ranlagen heute leisten m\u00fcssen \u2013 nicht nur im Bereich der klassischen N\u00e4hrstoffe wie Phosphor, Stickstoff oder Kohlenstoff, sondern vor allem bei Spurenstoffen wie Arzneimittelr\u00fcckst\u00e4nden, R\u00f6ntgenkontrastmitteln, Pestiziden oder Korrosionsschutzmitteln. Die Elimination dieser Stoffe gelingt herk\u00f6mmlichen Anlagen nur unzureichend. Uns war es wichtig, hier faktenbasiert vorzugehen. Deshalb haben wir \u00fcber 200 Spurenstoffe am Zu- und Ablauf unserer Anlage analysieren lassen \u2013 mit dem Ergebnis, dass immer noch gro\u00dfe Mengen in den Rhein gelangen.<\/p>\n\n\n\n<p><strong><em>DEKOM: K\u00f6nnen Sie das konkretisieren?<\/em><\/strong><\/p>\n\n\n\n<p><strong>Jeanette Wetterling:<\/strong> Ein konkretes Beispiel ist das Schmerzmittel Diclofenac, das in vielen Sportsalben enthalten ist. Unsere Untersuchungen zeigen: Jeden Tag gelangen Wirkstoffe in die Kl\u00e4ranlage, die der Menge von rund 270 handels\u00fcblichen Tuben entsprechen. Trotz der bisherigen Reinigungsstufen verlassen noch immer Wirkstoffe in H\u00f6he von etwa 100 Tuben die Anlage und gelangen in den Rhein. Das war f\u00fcr uns der Punkt zu sagen: Wir wollen nicht nur reden \u2013 wir wollen handeln. Als gr\u00f6\u00dfte kommunale Kl\u00e4ranlage in Rheinland-Pfalz tragen wir Verantwortung f\u00fcr den Gew\u00e4sserschutz.<\/p>\n\n\n\n<p><strong><em>DEKOM: Welche Technik setzen Sie f\u00fcr die vierte Reinigungsstufe ein?<\/em><\/strong><\/p>\n\n\n\n<p><strong>Jeanette Wetterling:<\/strong> Wir haben uns bewusst f\u00fcr eine Kombination aus Ozonung und granulierter Aktivkohle entschieden. Diese beiden Verfahren erg\u00e4nzen sich optimal: Einige Stoffe lassen sich besser durch Ozon, andere durch Aktivkohle eliminieren. Gemeinsam erreichen wir das breiteste Eliminationsspektrum, das technisch derzeit m\u00f6glich ist. Die Entscheidung fiel nach einer Machbarkeitsstudie, die wir mit der TU Kaiserslautern durchgef\u00fchrt haben. Wir haben zudem eine Pilotanlage mit echtem Mainzer Abwasser betrieben \u2013 das war uns wichtig, um realistische Aussagen treffen zu k\u00f6nnen.<\/p>\n\n\n\n<p><strong><em>DEKOM: Wie ist der Stand der Umsetzung?<\/em><\/strong><\/p>\n\n\n\n<p><strong>Jeanette Wetterling:<\/strong><a> <\/a>Wir sind aktuell im Bau. Anfang 2027 soll die vierte Reinigungsstufe in Betrieb gehen. Die Anlage ist die erste ihrer Art in Rheinland-Pfalz. Das Projekt wird durch Bundes- und Landesmittel mit insgesamt 16 Millionen Euro gef\u00f6rdert \u2013 bei einer Kostensch\u00e4tzung von rund 30 Millionen. Das zeigt: Wer fr\u00fchzeitig plant und innovativ vorgeht, hat gute Chancen auf Unterst\u00fctzung.<\/p>\n\n\n\n<p><strong><em>DEKOM: Und wie gehen Sie mit dem zus\u00e4tzlichen Energiebedarf um?<\/em><\/strong><\/p>\n\n\n\n<p><strong>Jeanette Wetterling:<\/strong> Wir betrachten unsere Projekte immer ganzheitlich \u2013 also auch im Zusammenspiel mit Energie und Klima. Unsere Kl\u00e4ranlage ist heute schon bilanziell energieneutral. Damit das so bleibt, bauen wir unter anderem unsere Photovoltaikleistung um 1,1 Megawattpeak aus und errichten einen Batteriespeicher mit 3,6 Megawattstunden Kapazit\u00e4t \u2013 gef\u00f6rdert \u00fcber das rheinland-pf\u00e4lzische KIPKI-Programm.<\/p>\n\n\n\n<p><strong><em>DEKOM: Was macht den Standort Mainz dar\u00fcber hinaus besonders?<\/em><\/strong><\/p>\n\n\n\n<p><strong>Jeanette Wetterling:<\/strong> Wir nutzen alle Potenziale, die eine moderne Kl\u00e4ranlage bietet. Seit einigen Jahren betreiben wir gemeinsam mit anderen Kommunen die erste Monokl\u00e4rschlammverbrennungsanlage in Rheinland-Pfalz. Die dort erzeugte W\u00e4rme speisen wir in das Mainzer Fernw\u00e4rmenetz ein. Der Strom aus der Turbine flie\u00dft direkt in unsere Kl\u00e4ranlage. So denken wir Abwasser, Energie und Klimaschutz gemeinsam.<\/p>\n\n\n\n<p><strong><em>DEKOM: Erleben Sie viel Interesse aus der Branche?<\/em><\/strong><\/p>\n\n\n\n<p><strong>Wetterling: <\/strong>Ja, wir stehen im Austausch mit vielen Kolleginnen und Kollegen \u2013 auch \u00fcberregional. Wer sich f\u00fcr unsere Erfahrungen interessiert, ist herzlich willkommen. Wir glauben an interkommunale Zusammenarbeit. Wissenstransfer ist wichtig, um gemeinsam weiterzukommen. (DEKOM, 10.06.2025) <a href=\"https:\/\/www.mainz.de\/microsite\/wb\/entwaesserung\/rs-pt-foerderbescheid.php\">Mehr Infos hier\u2026<\/a><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>W\u00e4hrend auf europ\u00e4ischer und nationaler Ebene noch um die Details der Finanzierung gerungen wird, schaffen Kommunen und Entwickler l\u00e4ngst Fakten: Mit praxisnahen Pilotprojekten und innovativer Technik treiben sie den Ausbau der vierten Reinigungsstufe technologieoffen voran \u2013 oft aus eigener Initiative. Die neue EU-Kommunalabwasserrichtlinie (KARL), sieht eine verpflichtende Entfernung von Spurenstoffen wie Arzneimittelr\u00fcckst\u00e4nden, Pestiziden oder Industriechemikalien [&hellip;]<\/p>\n","protected":false},"author":4,"featured_media":0,"comment_status":"closed","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[1],"tags":[],"class_list":["post-8431","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-allgemein"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/infosilo.info\/dekom\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/8431","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/infosilo.info\/dekom\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/infosilo.info\/dekom\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/infosilo.info\/dekom\/wp-json\/wp\/v2\/users\/4"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/infosilo.info\/dekom\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=8431"}],"version-history":[{"count":2,"href":"https:\/\/infosilo.info\/dekom\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/8431\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":8439,"href":"https:\/\/infosilo.info\/dekom\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/8431\/revisions\/8439"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/infosilo.info\/dekom\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=8431"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/infosilo.info\/dekom\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=8431"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/infosilo.info\/dekom\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=8431"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}