{"id":8630,"date":"2025-10-13T10:50:10","date_gmt":"2025-10-13T08:50:10","guid":{"rendered":"https:\/\/infosilo.info\/dekom\/?p=8630"},"modified":"2025-10-13T10:50:11","modified_gmt":"2025-10-13T08:50:11","slug":"schleswig-holstein-als-vorreiter-fuer-digitale-souveraenitaet","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/infosilo.info\/dekom\/schleswig-holstein-als-vorreiter-fuer-digitale-souveraenitaet\/","title":{"rendered":"Schleswig-Holstein als Vorreiter f\u00fcr digitale Souver\u00e4nit\u00e4t"},"content":{"rendered":"\n<p>Schleswig-Holstein hat als erstes deutsches Bundesland seine gesamte Landesverwaltung auf Open-Source-E-Mail-Systeme umgestellt \u2013 ein Schritt, der bundesweit Beachtung findet. Rund 40.000 Postf\u00e4cher wurden in einem halben Jahr von Microsoft Exchange und Outlook auf Open-Xchange und Thunderbird migriert. Das Projekt markiert einen zentralen Meilenstein der Open Innovation und Open Source Strategie Schleswig-Holstein, mit der das Land digitale Abh\u00e4ngigkeiten von gro\u00dfen Tech-Konzernen beenden und seine digitale Souver\u00e4nit\u00e4t sichern will.<\/p>\n\n\n\n<p>Parallel ersetzt die Landes-IT Microsoft Office durch LibreOffice, nutzt Nextcloud als Plattform f\u00fcr die Zusammenarbeit, OpenTalk f\u00fcr Videokonferenzen und testet den Einsatz von Linux als Betriebssystem. Auch die Telefonie soll k\u00fcnftig auf offene L\u00f6sungen umgestellt werden.<\/p>\n\n\n\n<p>Im Interview mit dem Deutschen Kommunalinformationsdienst (DEKOM) erl\u00e4utert Digitalminister Dirk Schr\u00f6dter (CDU), wie weit Schleswig-Holstein auf dem Weg zur digitalen Unabh\u00e4ngigkeit ist, welche Lehren sich aus der Gro\u00dfumstellung ziehen lassen \u2013 und warum Open Source auch f\u00fcr Kommunen, etwa bei der W\u00e4rmeplanung, eine echte Zukunftsperspektive bietet.<\/p>\n\n\n\n<p><strong><em>DEKOM: Wo stehen Sie aktuell mit der Einf\u00fchrung der neuen E-Mail- und Office-Programme?<\/em><\/strong><\/p>\n\n\n\n<p><strong>Schr\u00f6dter:<\/strong> Wir haben in unserer Landesverwaltung am 2. Oktober den Umstieg des Mailsystems von Microsoft Exchange und Outlook auf die Open-Source-L\u00f6sungen Open-Xchange und Thunderbird vollst\u00e4ndig vollzogen \u2013 damit endet ein sechsmonatiger Umstellungsprozess mit mehr als 40.000 Postf\u00e4chern mit insgesamt deutlich mehr als 100 Millionen E-Mails und Kalendereintr\u00e4gen. Wir sind dadurch in Schleswig-Holstein dem Ziel eines digital souver\u00e4nen IT-Arbeitsplatzes ein gro\u00dfes St\u00fcck n\u00e4hergekommen. Wir wollen unabh\u00e4ngig werden von gro\u00dfen Tech-Konzernen und die digitale Souver\u00e4nit\u00e4t sicherstellen. Jetzt k\u00f6nnen wir auch bei der E-Mail-Kommunikation sagen: Mission erf\u00fcllt. Bereits im vergangenen Jahr hatten wir damit begonnen, LibreOffice als neue Standard-B\u00fcrosoftware auszurollen und Microsoft Office zu ersetzen. Mit der aktuellen Umstellung des Mailsystems wird jetzt auch schrittweise MS Office von den Landesrechnern deinstalliert.<\/p>\n\n\n\n<p>\u00dcbrigens: Unsere Open Innovation und Open Source Strategie Schleswig-Holstein umfasst weitere Bereiche der Landes-IT: Die Software Nextcloud ersetzt Schritt f\u00fcr Schritt Microsoft SharePoint als zentrale Plattform f\u00fcr Zusammenarbeit und wird bereits in zahlreichen Verwaltungen aktiv genutzt. Bei den Videokonferenzen setzt das Land auf die L\u00f6sung OpenTalk. Auch wird der Einsatz des Betriebssystems Linux als Alternative zu Windows erprobt. Schlie\u00dflich sollen auch die Telefonsysteme umgestellt und mit einer Open-Source-L\u00f6sung betrieben werden. All das sind wichtige Bausteine auf dem Weg in die digitale Souver\u00e4nit\u00e4t Schleswig-Holsteins \u2013 mit mehr Transparenz und Sicherheit f\u00fcr unsere Verwaltung sowie Innovationskraft f\u00fcr den Digitalstandort. Schleswig-Holstein ist schon jetzt digital unabh\u00e4ngiger, moderner und zukunftsfester geworden.<\/p>\n\n\n\n<p><strong><em>DEKOM: Wie stellt das Land sicher, dass die eingesetzte Open-Source-Software zuverl\u00e4ssig funktioniert und Sicherheitsl\u00fccken schnell geschlossen werden? Welche Unterst\u00fctzung erhalten Verwaltungen und ihre Mitarbeiter, damit die Umstellung im Alltag reibungslos gelingt?<\/em><\/strong><\/p>\n\n\n\n<p><strong>Schr\u00f6dter:<\/strong> Der konsequente schrittweise Umstellungsprozess der Landes-IT wurde \u00fcber mehrere Jahre hinweg gemeinsam mit den Herstellern vorbereitet und in der \u201eOpen Innovation und Open Source Strategie Schleswig-Holstein\u201c beschrieben. Die Software wird sowohl auf den Arbeitspl\u00e4tzen als auch serverseitig im Rechenzentrum bei unserem IT-Dienstleister regelm\u00e4\u00dfig auf Sicherheitsl\u00fccken gepr\u00fcft und aktualisiert. Im Gegensatz zu den \u00fcblichen propriet\u00e4ren L\u00f6sungen k\u00f6nnen durch die Einsehbarkeit des Quellcodes Sicherheitsl\u00fccken schneller entdeckt und geschlossen werden. Zudem k\u00f6nnen unerw\u00fcnschte Datenabfl\u00fcsse verhindert werden.<\/p>\n\n\n\n<p>Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter k\u00f6nnen dar\u00fcber hinaus auf eine Vielzahl von Tutorials, Anleitungen, E-Learning-Angeboten und auch klassischen Schulungen zur\u00fcckgreifen. W\u00e4hrend der Migration werden sie vor Ort unterst\u00fctzt. Allein f\u00fcr Open-Xchange wurden 18 Lernvideos zur Verf\u00fcgung gestellt. Die vergangenen Wochen und Monate haben zugleich gezeigt: Eine solche Umstellung ist keine Kleinigkeit. Wir sind echte Pioniere. Wir k\u00f6nnen nicht auf die Erfahrung anderer zur\u00fcckgreifen \u2013 weltweit gibt es kaum ein vergleichbares Projekt dieser Gr\u00f6\u00dfenordnung. Der gro\u00dfe Dank gilt allen rund 30.000 Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern. Ohne ihre Unterst\u00fctzung w\u00e4re diese Umstellung nicht m\u00f6glich. K\u00fcnftig k\u00f6nnen wir mit unseren Erfahrungswerten \u2013 von der Datenanalyse bis zum Monitoring im Rechenzentrum \u2013 anderen helfen und sie unterst\u00fctzen, wenn sie sich auf den Weg machen, den wir gerade als erste beschreiten.<\/p>\n\n\n\n<p><strong><em>DEKOM: Schleswig-Holstein setzt stark auf offene Software und offene Daten. Wie stellen Sie sicher, dass unterschiedliche Programme und Fachverfahren k\u00fcnftig gut zusammenarbeiten und Kommunen nicht in neue Abh\u00e4ngigkeiten geraten?<\/em><\/strong><\/p>\n\n\n\n<p><strong>Schr\u00f6dter:<\/strong> Schleswig-Holstein ist ja mit dieser Umstellung nicht allein. Wir bemerken im IT-Markt einen zunehmenden Wandel hin zu Open-Source-L\u00f6sungen. Gerade durch den Einsatz von Open Source l\u00f6st sich die \u00f6ffentliche Verwaltung aus monopolhaften Abh\u00e4ngigkeiten und kann selbstbestimmt ihre Werkzeuge fortentwickeln. Offene Standards verhindern Abh\u00e4ngigkeiten. Anforderung an L\u00f6sungsanbieter, wie Fachverfahrenshersteller, wird zuk\u00fcnftig sein, ihre L\u00f6sungen mit offenen Schnittstellen und offenen Standards auszustatten. Viele Anbieter sind heute schon darauf eingerichtet.<\/p>\n\n\n\n<p><strong><em>DEKOM: Wie stellen Sie sicher, dass die neue Software sowohl den Datenschutz- und Sicherheitsanforderungen gen\u00fcgt als auch langfristig wirtschaftlich ist? Gibt es eine Gesamtrechnung, die zeigt, ob sich die Umstellung f\u00fcr das Land am Ende rechnet?<\/em><\/strong><\/p>\n\n\n\n<p><strong>Schr\u00f6dter:<\/strong> Das Vorurteil, Open Source sei unsicher, ist falsch: Professionelle Anbieter sorgen f\u00fcr verl\u00e4ssliche Weiterentwicklung, Communities entdecken Schwachstellen schneller. So st\u00e4rken wir unsere IT-Sicherheit. Die Kernfrage ist zudem: Kann der Staat jederzeit die Hoheit \u00fcber seine IT und Daten wahren? Bei US-Anbietern ist das nicht gew\u00e4hrleistet. US-Firmen unterliegen dem Patriot Act \u2013 sie k\u00f6nnen gezwungen werden, Daten herauszugeben, egal wo diese gespeichert sind. Die sogenannten Hyperscaler behalten sich au\u00dferdem vor, Metadaten zu analysieren oder in die USA zu transferieren. Darum setzen wir auf Open Source, betrieben vom IT-Dienstleister Dataport. F\u00fcr jedes Produkt gibt es eigene Sicherheitskonzepte. Die Transparenz im Quellcode erh\u00f6ht die Sicherheit.<\/p>\n\n\n\n<p>Was wir tun, ist wirtschaftlich im Sinne davon, dass wir \u00fcber einen gewissen Zeitraum weniger Mittel einsetzen. Im Moment geht es nat\u00fcrlich darum zu investieren. Wir m\u00fcssen die Software an die spezifischen Bed\u00fcrfnisse unserer Verwaltung anpassen. Und das zahlt sich dann nach einer gewissen Zeit aus, weil wir nicht st\u00e4ndig neue Lizenzen kaufen m\u00fcssen. Aber darum geht es am Ende nicht. Wir m\u00fcssen die digitale Souver\u00e4nit\u00e4t f\u00fcr Schleswig-Holstein, f\u00fcr Deutschland, f\u00fcr ganz Europa sichern. Wir sollten uns nicht immer fragen, was digitale Souver\u00e4nit\u00e4t kosten darf.<\/p>\n\n\n\n<p><strong><em>DEKOM: Viele Kommunen stehen vor der Aufgabe, eine W\u00e4rmeplanung zu erstellen. Unterst\u00fctzt das Land offene digitale L\u00f6sungen, mit denen St\u00e4dte und Gemeinden diese Planung selbst steuern und transparent umsetzen k\u00f6nnen?<\/em><\/strong><\/p>\n\n\n\n<p><strong>Schr\u00f6dter:<\/strong> Wir pr\u00fcfen aktuell gemeinsam mit dem vom Land initiierten DigitalHub.SH, welche Open-Source-Ans\u00e4tze f\u00fcr eine kommunale W\u00e4rmeplanung grunds\u00e4tzlich geeignet w\u00e4ren.<\/p>\n\n\n\n<p>Hintergrund:<\/p>\n\n\n\n<p>Im Juli 2025 besuchte Digitalminister Dirk Schr\u00f6dter den EBERO FAB Campus in Norderstedt, um sich \u00fcber praxisnahe Anwendungen offener Standards in der kommunalen Infrastruktur zu informieren. Im Mittelpunkt stand die von EBERO FAB und Partnern entwickelte Urban Data Platform (UDP), die es St\u00e4dten und Stadtwerken erm\u00f6glicht, Daten aus unterschiedlichen Quellen sicher, interoperabel und kommunal gesteuert zu nutzen. Das Beispiel verdeutlicht, wie sich die Open-Source-Strategie des Landes in konkreten Projekten vor Ort widerspiegelt \u2013 und wie technische Offenheit, Datensouver\u00e4nit\u00e4t und kommunale Innovationskraft zusammenwirken k\u00f6nnen. (DEKOM, 13.10.2025) <a href=\"https:\/\/ebero-fab.com\/aktuelles\/digitalminister-schroedter-besucht-ebero-fab-offene-standards-staerken-kommunale-datenhoheit\">Mehr Infos hier\u2026<\/a><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Schleswig-Holstein hat als erstes deutsches Bundesland seine gesamte Landesverwaltung auf Open-Source-E-Mail-Systeme umgestellt \u2013 ein Schritt, der bundesweit Beachtung findet. 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