{"id":8665,"date":"2025-11-10T13:20:49","date_gmt":"2025-11-10T11:20:49","guid":{"rendered":"https:\/\/infosilo.info\/dekom\/?p=8665"},"modified":"2025-11-10T13:20:50","modified_gmt":"2025-11-10T11:20:50","slug":"algorithmen-im-wahlkampf-verzerrte-sichtbarkeit-gefaehrdet-politische-ausgewogenheit","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/infosilo.info\/dekom\/algorithmen-im-wahlkampf-verzerrte-sichtbarkeit-gefaehrdet-politische-ausgewogenheit\/","title":{"rendered":"Algorithmen im Wahlkampf: Verzerrte Sichtbarkeit gef\u00e4hrdet politische Ausgewogenheit"},"content":{"rendered":"\n<p>Empfehlungsalgorithmen sozialer Netzwerke beeinflussen zunehmend, welche politischen Botschaften junge Menschen im Wahlkampf erreichen. Eine aktuelle Studie der Universit\u00e4t Potsdam in Kooperation mit der Bertelsmann Stiftung zeigt: Parteien der politischen Mitte sind in den Feeds junger Nutzerinnen und Nutzer deutlich seltener sichtbar als Parteien an den R\u00e4ndern. Selbst wenn CDU\/CSU oder SPD h\u00e4ufiger posten, erscheinen ihre Beitr\u00e4ge deutlich seltener in den Social-Media-Feeds. Im Rahmen der Untersuchung \u201eDigitalisiert, politisiert, polarisiert?\u201c wurden \u00fcber 2,6 Millionen Videos auf TikTok, Instagram, YouTube und X im Zeitraum vom 1. Januar bis 23. Februar 2025 analysiert. Die SPD stellte mit 24,1 Prozent den gr\u00f6\u00dften Anteil der hochgeladenen Videos, wurde aber nur zu 14,1 Prozent in den Feeds junger Nutzerinnen und Nutzer angezeigt. \u00c4hnlich die CDU\/CSU: 17,1 Prozent der Beitr\u00e4ge, aber nur 4,9 Prozent Sichtbarkeit. Parteien an den politischen R\u00e4ndern hingegen profitierten deutlich. Die AfD erreichte mit 21,5 Prozent der Videos einen Feed-Anteil von 37,4 Prozent \u2013 nahezu eine Verdopplung. Die Linke konnte ihre Sichtbarkeit sogar verdreifachen, von 9,7 Prozent der Beitr\u00e4ge auf 27,6 Prozent der angezeigten Inhalte. Besonders auff\u00e4llig: Politische Videos mit Bezug zur AfD wurden den Nutzerprofilen am schnellsten vorgeschlagen. Innerhalb von durchschnittlich zw\u00f6lf Minuten erschien auf neu angelegten TikTok-Accounts erstmals ein Video mit dem Hashtag #afd. Ein Beitrag mit #spd wurde dagegen erst nach rund 70 Minuten angezeigt. \u00dcber alle Plattformen hinweg entfielen etwa die H\u00e4lfte der parteibezogenen Inhalte auf AfD-Videos. Die Studienautorinnen Amber Jensen und Kira Schr\u00f6del von der Bertelsmann Stiftung betonen, dass sich die Ursachen f\u00fcr die ungleiche Sichtbarkeit nicht eindeutig erkl\u00e4ren lassen. Interaktionsmetriken wie Likes, Kommentare oder Views spielten zwar eine Rolle, reichten aber nicht aus, um die deutlichen Unterschiede zu begr\u00fcnden. Entscheidend sei die Intransparenz der Plattform-Algorithmen. Diese bestimmten, was jungen Menschen \u00fcberhaupt begegnet \u2013 und damit, welche Themen politische Aufmerksamkeit erhalten. F\u00fcr Kommunen und kommunalpolitische Akteure hat die Untersuchung eine besondere Relevanz. Junge W\u00e4hlerinnen und W\u00e4hler informieren sich zunehmend in sozialen Medien \u00fcber Politik \u2013 nicht mehr \u00fcber klassische Presse oder \u00f6ffentliche Veranstaltungen. Wenn aber digitale Feeds Parteien und Positionen der Mitte seltener anzeigen, droht ein verzerrtes Bild politischer Vielfalt. Das kann nicht nur bundespolitische Wahlk\u00e4mpfe beeinflussen, sondern auch kommunale Diskurse und Beteiligungsprozesse. Kommunale \u00d6ffentlichkeitsarbeit und politische Bildung stehen damit vor einer neuen Herausforderung. Digitale Kan\u00e4le m\u00fcssen st\u00e4rker genutzt werden, um junge Zielgruppen zu erreichen. Gleichzeitig braucht es mehr Bewusstsein f\u00fcr algorithmische Mechanismen: Kommunen k\u00f6nnen \u00fcber Schulen, Jugendparlamente oder Volkshochschulen zur St\u00e4rkung digitaler Medienkompetenz beitragen. Auch Wahl\u00e4mter und kommunale Wahlleitungen k\u00f6nnten bei k\u00fcnftigen Wahlen st\u00e4rker auf digitale Informationsstrategien setzen. Die Studie formuliert drei zentrale Empfehlungen: Kurzfristig sollten bislang unterrepr\u00e4sentierte Akteure \u2013 darunter Parteien der Mitte und kommunale Institutionen \u2013 ihre Pr\u00e4senz auf Plattformen wie TikTok ausbauen und dort auf respektvolle, dialogorientierte Kommunikation setzen. Mittelfristig gilt es, digitale Bildung und Feed-Selbstbestimmung zu st\u00e4rken, damit junge Menschen algorithmische Prozesse besser verstehen. Langfristig braucht es verbindliche Transparenzpflichten f\u00fcr Plattformen, um demokratische Ausgewogenheit im digitalen Raum zu sichern. Soziale Medien sind f\u00fcr viele junge Menschen die wichtigste Informationsquelle zur Politik \u2013 doch ihre Inhalte entstehen nicht zuf\u00e4llig. Wenn Algorithmen radikalere Positionen bevorzugen und moderate Stimmen seltener sichtbar machen, kann das die politische Kultur nachhaltig ver\u00e4ndern. F\u00fcr Kommunen hei\u00dft das: Digitale Demokratiearbeit wird zur Daueraufgabe \u2013 als Teil politischer Bildung, als Instrument der \u00d6ffentlichkeitsarbeit und als Beitrag zur St\u00e4rkung der demokratischen Mitte. (Bertelsmann-Stiftung, 03.11.2025) <a href=\"https:\/\/www.bertelsmann-stiftung.de\/de\/unsere-projekte\/engagement-junger-menschen-fuer-demokratie\/projektnachrichten\/algorithmen-im-wahlkampf\">Ganzer Artikel hier\u2026<\/a><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Empfehlungsalgorithmen sozialer Netzwerke beeinflussen zunehmend, welche politischen Botschaften junge Menschen im Wahlkampf erreichen. 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