{"id":8804,"date":"2026-01-26T12:48:18","date_gmt":"2026-01-26T10:48:18","guid":{"rendered":"https:\/\/infosilo.info\/dekom\/?p=8804"},"modified":"2026-01-26T12:48:19","modified_gmt":"2026-01-26T10:48:19","slug":"gier-frisst-hirn-rainer-staar-ueber-die-achillesferse-des-deutschen-glasfaserausbaus","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/infosilo.info\/dekom\/gier-frisst-hirn-rainer-staar-ueber-die-achillesferse-des-deutschen-glasfaserausbaus\/","title":{"rendered":"\u201eGier frisst Hirn\u201c: Rainer Staar \u00fcber die Achillesferse des deutschen Glasfaserausbaus"},"content":{"rendered":"\n<p>Der fl\u00e4chendeckende Glasfaserausbau in Deutschland steht unter enormem Zeitdruck. Bis 2030 soll die Infrastruktur stehen, doch w\u00e4hrend die statistische Verf\u00fcgbarkeit w\u00e4chst, k\u00e4mpft die Branche mit Qualit\u00e4tsm\u00e4ngeln und einer notwendigen Marktbereinigung. Rainer Staar, Gr\u00fcnder und Gesch\u00e4ftsf\u00fchrer der <a href=\"https:\/\/fiberprojects.de\/\">fiberprojects GmbH<\/a>, ist ausgewiesener Branchenkenner mit langj\u00e4hriger Erfahrung in Infrastrukturprojekten. Im Gespr\u00e4ch mit DEKOM analysiert er die aktuelle Lage zwischen \u201eGoldgr\u00e4berstimmung\u201c und dem notwendigen Fokus auf nachhaltige Qualit\u00e4t.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>DEKOM:<\/strong> <strong>Wie beurteilen Sie als fundierter Branchenkenner die aktuelle Entwicklung beim Glasfaserausbau in Deutschland?<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p><strong>Rainer Staar:<\/strong> Bis 2030 soll fl\u00e4chendeckend \u00fcber die gesamte Republik eine Glasfaser-Infrastruktur bestehen. Aktuell haben wir fast 50 Prozent der Haushalte erschlossen, wobei man genau hinschauen muss: Das bedeutet oft nur, dass die Glasfaser im Gehsteigbereich verf\u00fcgbar ist. Viele Haushalte nutzen den Anschluss noch nicht, da bestehende Kupfernetze oft als ausreichend wahrgenommen werden; hier ist noch viel Aufkl\u00e4rungsarbeit n\u00f6tig, um Glasfaser wirklich interessant zu machen. W\u00e4hrend Einfamilienh\u00e4user weniger Herausforderungen bieten, liegen die H\u00fcrden im st\u00e4dtischen Bereich bei Mehrfamilienh\u00e4usern, insbesondere wenn Wohnungsbau- oder Eigent\u00fcmergesellschaften involviert sind. Hier kommt es oft zu massiven Verz\u00f6gerungen bei der Erschlie\u00dfung. Positiv bewerte ich, dass wir politisch einen Digitalminister haben, der aus der Wirtschaft kommt. Bei den \u00fcber 300 Anbietern hat zudem ein Konsolidierungsprozess begonnen. Viele kleine Anbieter werden in den n\u00e4chsten Jahren verschwinden und mit gr\u00f6\u00dferen Einheiten zusammengehen.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>DEKOM:<\/strong> <strong>Wie l\u00e4sst sich angesichts des hohen Ausbaudrucks sicherstellen, dass die Ausf\u00fchrungsqualit\u00e4t nicht leidet und \u00f6ffentliche Investitionen nachhaltig abgesichert werden?<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p><strong>Rainer Staar:<\/strong> Qualit\u00e4t ist die Achillesferse im Glasfaser-Infrastrukturausbau. Die Phase der \u201eGoldgr\u00e4berstimmung\u201c, in der auf Teufel komm raus gebaut wurde, geht hoffentlich langsam zu Ende. Zu Beginn wurde oft nur auf das Tempo geachtet und Trassen gebaut, die f\u00fcr Tiefbauunternehmen besonders lukrativ waren, um schnell Rechnungen stellen zu k\u00f6nnen. Ein Satz, den ich \u00fcberall wiederhole: Gier frisst Hirn. Unternehmen wurden mit Vorauszahlungen gek\u00f6dert, die dann dazu genutzt wurden, um L\u00f6cher in anderen Projekten zu stopfen. Dabei wurde oft an der Qualit\u00e4t gespart, da der Fokus rein auf dem Cashflow lag. Zudem fehlte es an qualifizierten Fachkr\u00e4ften; man hat teilweise Menschen von der Stra\u00dfe geholt, die noch nie etwas vom Tiefbau geh\u00f6rt hatten. Das f\u00fchrt zwangsl\u00e4ufig dazu, dass technische Standards missachtet werden, was die Kommunen sp\u00e4ter teuer zu stehen kommt.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>DEKOM: In kommunalen Ausschreibungen erh\u00e4lt meist das preislich g\u00fcnstigste Angebot den Zuschlag \u2013 welche spezifischen Instrumente der Qualit\u00e4tssicherung sind unerl\u00e4sslich?<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p><strong>Rainer Staar:<\/strong> Das A und O ist das Leistungsverzeichnis. Formulierungen wie \u201eAusf\u00fchrung nach dem Stand der Technik\u201c sind viel zu weich. Wir haben in Deutschland gute Regelwerke wie DIN-Vorschriften oder die VOB, die jedoch gerade in der Anfangszeit selten konsequent angewendet wurden. W\u00e4hrend Elektrofachunternehmen oft eine ganz andere Berufsehre haben, fehlt dies manchen Quereinsteigern, etwa aus dem Garten- und Landschaftsbau, denen die fachspezifische Erfahrung im Trassenbau fehlt. Obwohl der Gesetzgeber das wirtschaftlichste Angebot fordert, w\u00e4hlen Kommunen oft schlicht das g\u00fcnstigste, ohne die tats\u00e4chliche Eignung tiefgehend zu pr\u00fcfen. Hier kann das \u201eSchweizer Modell\u201c helfen, bei dem der g\u00fcnstigste und der teuerste Anbieter vorab ausscheiden, um Dumping-Angebote zu verhindern. Ein reiner Fokus auf den Meterpreis f\u00fchrt bei hohem Termindruck zwangsl\u00e4ufig zum Qualit\u00e4tsabfall.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>DEKOM: Wenn Infrastrukturprojekte aufgrund technischer Defizite ins Stocken geraten \u2013 wie kann Qualit\u00e4tssicherung dazu beitragen, festgefahrene Vorhaben fachgerecht zu korrigieren?<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p><strong>Rainer Staar:<\/strong> Indem man konsequent ist, insbesondere bei den Abnahmen. Ich empfehle eine abschnittsweise Abnahme: Ein Abschnitt wird fertiggestellt, gepr\u00fcft, abgenommen und erst dann geht es weiter. Statt nur Malus-Regelungen und Strafen f\u00fcr verpasste Meilensteine vorzusehen, sollte man \u00fcber Bonus-Systeme f\u00fcr niedrige M\u00e4ngelquoten und Termintreue nachdenken. Zudem m\u00fcssen Partner im Vorfeld intensiv gepr\u00fcft werden, etwa durch Bonit\u00e4tsausk\u00fcnfte und pers\u00f6nliche Gespr\u00e4che. Ich schaue mir Unternehmen vorab pers\u00f6nlich auf Baustellen an: Wie treten sie auf, wie arbeiten sie, ist eine verst\u00e4ndliche Kommunikation auf Deutsch m\u00f6glich?<\/p>\n\n\n\n<p><strong>DEKOM: Wie l\u00e4sst sich durch strikte Einhaltung von Qualit\u00e4tsstandards an den Schnittstellen zwischen Bauherren, \u00c4mtern und Tiefbaufirmen die notwendige Akzeptanz und Planungssicherheit schaffen?<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p><strong>Rainer Staar:<\/strong> Wir brauchen mutige Entscheider, die sich etwas zutrauen und nicht nur stur nach Prozessen richten. Es muss die M\u00f6glichkeit geben, auch mal links oder rechts auszuschwenken, um das Projektziel effizient zu erreichen. Eine glaubhafte Kommunikation mit den Beh\u00f6rden von Anfang an ist entscheidend. Genehmigungsverfahren beschleunigen sich deutlich, wenn Beh\u00f6rden nicht jeden Antrag zur Genehmigung neu verstehen m\u00fcssen. Wenn man Standards bei Lagepl\u00e4nen, Symbolik und Ma\u00dfst\u00e4ben einh\u00e4lt und diese nicht st\u00e4ndig ver\u00e4ndert, arbeiten die \u00c4mter schneller. Sonderl\u00f6sungen sollten die absolute Ausnahme bleiben und unbedingt vor der Einreichung mit der Beh\u00f6rde abgestimmt werden, um Reibungs- und Zeitverluste zu minimieren.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>DEKOM: Welche Kriterien m\u00fcssen bei der finalen Abnahme zwingend erf\u00fcllt sein?<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p><strong>Rainer Staar:<\/strong> Am Ende geht es um den langfristigen Werterhalt. Eine Glasfaserinfrastruktur muss 20, 30 oder 40 Jahre halten. Daher m\u00fcssen von vornherein Kapazit\u00e4tsreserven eingeplant werden, damit man nicht in wenigen Jahren wieder aufgraben muss. Viele Kommunen haben zwar toll ausgebildete Tiefbauingenieure, aber das spezifische Wissen zur Glasfaser-Infrastruktur ist oft noch im Aufbau begriffen. F\u00fcr die finale Abnahme sind drei Punkte zentral: Erstens der intensive Check der eingesetzten Partnerunternehmen. Zweitens eine st\u00e4ndige Qualit\u00e4tskontrolle durch Bau\u00fcberwachung w\u00e4hrend des gesamten Prozesses. Drittens die Dokumentation. Heute kann man mittels dreidimensionaler Aufnahmen genau dokumentieren, ob Tiefen, Breiten und die ausgeschriebenen Komponenten tats\u00e4chlich verbaut wurden. Das ist ein Quantensprung f\u00fcr die Qualit\u00e4tssicherung, denn es hilft alles nichts, wenn man am Ende nicht wei\u00df, f\u00fcr was man eigentlich bezahlt hat. (DEKOM, 26.01.2026) <a href=\"https:\/\/fiberprojects.de\/\">Mehr Infos hier\u2026<\/a><\/p>\n\n\n\n<p><strong><u>Zur Person<\/u><\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Zur Person Rainer Staar ist Gr\u00fcnder und Gesch\u00e4ftsf\u00fchrer der fiberprojects GmbH. Als ausgewiesener Branchenkenner verf\u00fcgt er \u00fcber langj\u00e4hrige Erfahrung in Leitungspositionen bei deutschlandweiten Infrastrukturvorhaben. Sein fachlicher Schwerpunkt liegt in der strategischen Projektsteuerung sowie der qualit\u00e4ts- und regelkonformen Umsetzung komplexer Ausbauprojekte an der Schnittstelle zwischen Planung, Kommunen und Tiefbau.<\/p>\n\n\n\n<p><strong><u>\u00dcber fiberprojects<\/u><\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Die <a href=\"https:\/\/fiberprojects.de\/\">fiberprojects GmbH<\/a> mit Sitz im oberbayerischen Obing (Landkreis Traunstein) ist ein bundesweit t\u00e4tiger Spezialist f\u00fcr Infrastrukturprojekte in den Bereichen Glasfaserausbau, Energie- und Solaranlagen. Das Unternehmen begleitet seit 2019 \u00f6ffentliche Auftraggeber, Energieversorger, Netzbetreiber und Tiefbauunternehmen durch alle Projektphasen \u2013 von der Netzplanung und dem Genehmigungsmanagement bis hin zur baubegleitenden Qualit\u00e4tssicherung und modernen digitalen Dokumentation (As-Built). Ziel ist die rechtssichere und nachhaltige Realisierung von Infrastrukturzielen unter strikter Einhaltung technischer Standards.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Der fl\u00e4chendeckende Glasfaserausbau in Deutschland steht unter enormem Zeitdruck. Bis 2030 soll die Infrastruktur stehen, doch w\u00e4hrend die statistische Verf\u00fcgbarkeit w\u00e4chst, k\u00e4mpft die Branche mit Qualit\u00e4tsm\u00e4ngeln und einer notwendigen Marktbereinigung. Rainer Staar, Gr\u00fcnder und Gesch\u00e4ftsf\u00fchrer der fiberprojects GmbH, ist ausgewiesener Branchenkenner mit langj\u00e4hriger Erfahrung in Infrastrukturprojekten. 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