{"id":8863,"date":"2026-02-23T14:37:46","date_gmt":"2026-02-23T12:37:46","guid":{"rendered":"https:\/\/infosilo.info\/dekom\/?p=8863"},"modified":"2026-02-23T14:37:47","modified_gmt":"2026-02-23T12:37:47","slug":"foerdermittel-kommunen-fordern-schlanke-antraege-und-weniger-buerokratie","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/infosilo.info\/dekom\/foerdermittel-kommunen-fordern-schlanke-antraege-und-weniger-buerokratie\/","title":{"rendered":"F\u00f6rdermittel: Kommunen fordern schlanke Antr\u00e4ge und weniger B\u00fcrokratie"},"content":{"rendered":"\n<p>Eine aktuelle Studie des ifo Instituts auf Basis des KfW-Kommunalpanels 2025 gibt erstmals systematisch Auskunft dar\u00fcber, was kommunale Finanzverantwortliche von F\u00f6rderprogrammen erwarten \u2013 und wo der Schuh dr\u00fcckt. Die Ergebnisse d\u00fcrften f\u00fcr K\u00e4mmereien und Gemeinder\u00e4te gleicherma\u00dfen von Interesse sein: Sie liefern Argumente f\u00fcr k\u00fcnftige Gespr\u00e4che mit F\u00f6rdermittelgebern auf Landes- und Bundesebene. Kommunen tragen fast die H\u00e4lfte aller \u00f6ffentlichen Bauinvestitionen in Deutschland. Der kommunale Investitionsr\u00fcckstand liegt laut KfW-Kommunalpanel bei rund 215,8 Milliarden Euro. Gleichzeitig greifen 88 Prozent aller Kommunen auf F\u00f6rderprogramme zur\u00fcck und finanzieren dar\u00fcber rund ein F\u00fcnftel ihrer Investitionen. F\u00f6rdermittel sind damit l\u00e4ngst kein Randph\u00e4nomen mehr, sondern ein struktureller Bestandteil kommunaler Haushalte. Das Grundproblem: Mit den F\u00f6rdermitteln kommt B\u00fcrokratie. Antragspflichten, Dokumentationsanforderungen, Ausschlussklauseln und Abrechnungsauflagen binden kommunales Personal, das ohnehin knapp ist \u2013 besonders in kleinen Verwaltungen. Forscher der Universit\u00e4t Leipzig, der KfW Research und des Deutschen Instituts f\u00fcr Urbanistik (Difu) haben 509 offene Freitextantworten aus dem KfW-Kommunalpanel 2025 ausgewertet. Die K\u00e4mmereien wurden gefragt, was aus ihrer Sicht ein \u201epraktikables&#8220; F\u00f6rderprogramm ausmacht. Das methodische Besondere: keine vorgegebenen Antwortkategorien \u2013 die Priorit\u00e4ten mussten die Befragten selbst formulieren. 63 Prozent der Antworten blieben eher allgemein, 37 Prozent enthielten konkrete Verbesserungsvorschl\u00e4ge. 18 Prozent der R\u00fcckmeldungen fielen emotional aufgeladen aus \u2013 Formulierungen wie \u201ekeine Kr\u00fcmelkackerei&#8220; oder \u201ekein Firlefanz&#8220; spiegeln handfesten Frust wider. Die Auswertung ergibt zehn Kriterien, die sich entlang des gesamten F\u00f6rderprozesses verteilen. Bei der Antragstellung steht der Wunsch nach schlanken Verfahren ganz oben: Fast jede zweite R\u00fcckmeldung \u2013 48 Prozent \u2013 fordert, dass Antr\u00e4ge ohne umfangreiche Konzepte, externe Gutachter oder aufw\u00e4ndige Planungsunterlagen gestellt werden k\u00f6nnen. Die Kernverwaltung soll den Antrag eigenst\u00e4ndig bearbeiten k\u00f6nnen; grobe Kostensch\u00e4tzungen sollen gen\u00fcgen, proportional zur F\u00f6rdersumme. Knapp ein Drittel der Antworten verlangt transparente und verst\u00e4ndliche F\u00f6rderrichtlinien, die auch Mitarbeitende ohne spezialisiertes F\u00f6rderwissen verstehen \u2013 ohne \u201everwinkelte Ausnahmeregelungen&#8220;, die durch blo\u00dfe Formulierungsfehler zum Ausschluss f\u00fchren. Weitere zentrale Forderungen sind ausreichende Vorlaufzeit f\u00fcr die Antragstellung, z\u00fcgige Bewilligungsentscheidungen und schneller Mittelzufluss sowie Flexibilit\u00e4t bei der Mittelverwendung und bei Fristverl\u00e4ngerungen, wenn Kostenentwicklungen unvorhergesehen eintreten. 15 Prozent der Antworten betonen die Notwendigkeit fester, fachlich kompetenter Ansprechpartner statt anonymer Hotlines. Hinzu kommen Forderungen nach ausreichend hohen F\u00f6rderquoten \u2013 manche Kommunen nennen 50 bis 80 Prozent als Untergrenze \u2013, nach realistischen Bewilligungswahrscheinlichkeiten statt Windhundverfahren sowie nach einer st\u00e4rkeren Ausrichtung der Programme am tats\u00e4chlichen lokalen Bedarf. Besonders deutlich f\u00e4llt mit 33 Prozent der R\u00fcckmeldungen der Ruf nach vereinfachten Nachweispflichten bei der Abrechnung aus: Statt umfangreicher Belegpflichten und nachgelagerter externer Pr\u00fcfungen soll das kommunale Rechnungspr\u00fcfungsamt anerkannt und dessen Testat als ausreichend akzeptiert werden. Die Studie erscheint zu einem politisch g\u00fcnstigen Zeitpunkt. Im Zuge des geplanten Bundesinfrastruktursonderverm\u00f6gens wird aktuell \u00fcber die Mittelverteilung zwischen Bund, L\u00e4ndern und Kommunen diskutiert. Mehrere Bundesl\u00e4nder \u2013 darunter Sachsen und Schleswig-Holstein \u2013 \u00fcberarbeiten ihre F\u00f6rderprogrammstrukturen. Die Botschaft der K\u00e4mmereien ist dabei eindeutig: Es geht nicht nur um punktuelle Anpassungen einzelner Programme, sondern um einen grunds\u00e4tzlichen Perspektivwechsel. Kommunen w\u00fcnschen sich mehr Vertrauen in ihre Entscheidungskompetenz \u2013 etwa durch pauschalisierte F\u00f6rdermittel statt kleinschrittiger Einzelkostenpr\u00fcfung \u2013 sowie eine konsequente Digitalisierung der Verfahren. K\u00e4mmereien und Verwaltungsleitungen k\u00f6nnen die Studie nutzen, um gegen\u00fcber Landesministerien und F\u00f6rdermittelgebern konkrete Vereinfachungen einzufordern. Die zehn Kriterien bieten eine systematische Argumentationsgrundlage, dokumentiert durch eine repr\u00e4sentative Befragung von mehr als 500 Kommunen. Kommunale Spitzenverb\u00e4nde greifen \u00e4hnliche Forderungen bereits seit Jahren auf \u2013 die ifo-Studie liefert nun die empirische Untermauerung. (DEKOM, 23.02.2026) <a href=\"https:\/\/www.ifo.de\/DocDL\/sd-2026-02-blesse-etal-foerderprogramme-kaemmerer-.pdf\">ifo-Studie hier\u2026<\/a><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Eine aktuelle Studie des ifo Instituts auf Basis des KfW-Kommunalpanels 2025 gibt erstmals systematisch Auskunft dar\u00fcber, was kommunale Finanzverantwortliche von F\u00f6rderprogrammen erwarten \u2013 und wo der Schuh dr\u00fcckt. Die Ergebnisse d\u00fcrften f\u00fcr K\u00e4mmereien und Gemeinder\u00e4te gleicherma\u00dfen von Interesse sein: Sie liefern Argumente f\u00fcr k\u00fcnftige Gespr\u00e4che mit F\u00f6rdermittelgebern auf Landes- und Bundesebene. 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