{"id":9246,"date":"2026-03-23T16:06:54","date_gmt":"2026-03-23T14:06:54","guid":{"rendered":"https:\/\/infosilo.info\/dekom\/?p=9246"},"modified":"2026-03-23T16:06:54","modified_gmt":"2026-03-23T14:06:54","slug":"diw-oekonomen-fordern-radikale-wende-in-der-wohnungspolitik","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/infosilo.info\/dekom\/diw-oekonomen-fordern-radikale-wende-in-der-wohnungspolitik\/","title":{"rendered":"DIW-\u00d6konomen fordern radikale Wende in der Wohnungspolitik"},"content":{"rendered":"\n<p>Die anhaltende Krise auf dem deutschen Wohnungsmarkt erfordert nach Einsch\u00e4tzung des Deutschen Instituts f\u00fcr Wirtschaftsforschung (DIW Berlin) einen grundlegenden Kurswechsel, der \u00fcber die reine Ausweitung des Neubaus hinausgeht. Wie DIW-Pr\u00e4sident Marcel Fratzscher in einer aktuellen Analyse darlegt, ist der Mangel an bezahlbarem Wohnraum in Ballungszentren auch das Resultat einer ineffizienten Verteilung des Bestands. W\u00e4hrend die durchschnittliche Wohnfl\u00e4che pro Person seit den 1950er-Jahren auf rund 49 Quadratmeter gestiegen ist, behindern starre Mietstrukturen die Mobilit\u00e4t. Vor allem \u00e4ltere Mieter verbleiben aufgrund alter Vertr\u00e4ge in zu gro\u00dfen Wohnungen, da ein Umzug in kleinere Einheiten aufgrund der hohen Neuvermietungspreise oft mit finanziellen Nachteilen verbunden w\u00e4re. Gegenw\u00e4rtig diskutierte Vorschl\u00e4ge, den Mieterschutz bei Bestandsvertr\u00e4gen zu lockern, um eine Angleichung der Mieten zu erreichen, lehnt das DIW jedoch ab. Eine solche Ma\u00dfnahme w\u00fcrde in Regionen mit Wohnungsknappheit lediglich die Bestandsmieten erh\u00f6hen, ohne die Preise bei Neuvermietungen zu senken. Stattdessen schl\u00e4gt Fratzscher eine Absenkung des Mietspiegels auf das Niveau eines historischen Stichtages vor, etwa den 1. Januar 2014. Ausgehend von diesem Basiswert sollten Mieten k\u00fcnftig nur noch analog zum nominalen Wirtschaftswachstum steigen d\u00fcrfen. Eine solche Deckelung w\u00fcrde die spekulative Attraktivit\u00e4t von Immobilien reduzieren und Eigent\u00fcmer lediglich am allgemeinen gesellschaftlichen Wohlstandsgewinn beteiligen, statt \u00fcberproportionale Renditen zu erm\u00f6glichen. Erg\u00e4nzend zu dieser Mietpreiskorrektur wird eine st\u00e4rkere Besteuerung von Wertsteigerungen bei Immobilien sowie eine Erh\u00f6hung der Grundsteuer gefordert, die f\u00fcr einen \u00dcbergangszeitraum von zehn Jahren nicht auf die Mieter umgelegt werden darf. Diese Kombination aus regulatorischen Eingriffen und steuerlichen Instrumenten zielt darauf ab, den Marktwert von Mietimmobilien zu senken und Anreize f\u00fcr Verk\u00e4ufe zu setzen. Dies soll insbesondere jungen Familien den Erwerb von Wohneigentum wieder erm\u00f6glichen, der derzeit ohne Erbschaften in Ballungsr\u00e4umen kaum realisierbar ist. Das DIW bringt hierf\u00fcr zudem ein Mietkaufmodell ins Gespr\u00e4ch, das den Eigentumserwerb auch ohne vorhandenes Eigenkapital unterst\u00fctzen soll. Trotz der notwendigen Eingriffe in das Mietrecht bleibt die Ausweitung des Angebots eine zentrale S\u00e4ule der Wohnungspolitik. Die geringe Angebotselastizit\u00e4t im Wohnungsbau wird auf \u00fcberm\u00e4\u00dfige Regulierung, zu hohe Baustandards und langsame Genehmigungsverfahren zur\u00fcckgef\u00fchrt. Um eine wirksame Entlastung des Marktes zu erreichen, m\u00fcssen diese administrativen H\u00fcrden abgebaut und der soziale Wohnungsbau massiv gest\u00e4rkt werden. Nur durch ein Zusammenspiel aus fairem Mietrecht, beschleunigtem Neubau und innovativen Eigentumsmodellen l\u00e4sst sich die soziale Schieflage auf dem Wohnungsmarkt langfristig korrigieren. (DEKOM\/DIW, 23.03.2026) <a href=\"https:\/\/www.diw.de\/de\/diw_01.c.1003520.de\/nachrichten\/wir_brauchen_eine_radikale_wende_in_der_wohnungspolitik.html\">Ganze PM hier\u2026<\/a><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Die anhaltende Krise auf dem deutschen Wohnungsmarkt erfordert nach Einsch\u00e4tzung des Deutschen Instituts f\u00fcr Wirtschaftsforschung (DIW Berlin) einen grundlegenden Kurswechsel, der \u00fcber die reine Ausweitung des Neubaus hinausgeht. Wie DIW-Pr\u00e4sident Marcel Fratzscher in einer aktuellen Analyse darlegt, ist der Mangel an bezahlbarem Wohnraum in Ballungszentren auch das Resultat einer ineffizienten Verteilung des Bestands. 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