{"id":9292,"date":"2026-04-27T11:31:07","date_gmt":"2026-04-27T09:31:07","guid":{"rendered":"https:\/\/infosilo.info\/dekom\/?p=9292"},"modified":"2026-04-27T11:31:07","modified_gmt":"2026-04-27T09:31:07","slug":"landkreis-wittmund-glasfasernetz-fuer-die-ostfriesischen-inseln","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/infosilo.info\/dekom\/landkreis-wittmund-glasfasernetz-fuer-die-ostfriesischen-inseln\/","title":{"rendered":"Landkreis Wittmund: Glasfasernetz f\u00fcr die ostfriesischen Inseln"},"content":{"rendered":"\n<p>Spiekeroog ist die letzte der sieben bewohnten ostfriesischen Inseln ohne kabelgebundene Glasfaseranbindung an das Festland. Das soll sich bis sp\u00e4testens April 2028 \u00e4ndern: Ein rund neun Kilometer langes Seekabel soll durch den Nationalpark Nieders\u00e4chsisches Wattenmeer zur Insel gef\u00fchrt werden \u2013 eines der technisch und genehmigungsrechtlich anspruchsvollsten Ausbauprojekte in Niedersachsen. Die Gesamtkosten belaufen sich auf rund 9,55 Millionen Euro. Der Bund f\u00f6rdert das Vorhaben im Rahmen der Gigabitf\u00f6rderung 2.0 mit 4,75 Millionen Euro, das Land Niedersachsen steuert aufgrund der besonderen Herausforderungen der Seekabelverlegung eine erh\u00f6hte F\u00f6rderquote bei und tr\u00e4gt 3,05 Millionen Euro. Der kommunale Eigenanteil von rund 1,7 Millionen Euro wird zu gleichen Teilen von Landkreis Wittmund und der Gemeinde Spiekeroog getragen. Wie es gelang, dieses Projekt trotz schwieriger Rahmenbedingungen auf den Weg zu bringen \u2013 und was andere Kommunen daraus lernen k\u00f6nnen \u2013 erl\u00e4utert Landrat Holger Heymann (SPD) im Gespr\u00e4ch mit DEKOM.<\/p>\n\n\n\n<p><strong><em>Herr Heymann, bundesweit ist viel vom stockenden Glasfaserausbau die Rede \u2013 auf den ostfriesischen Inseln ist Norderney bereits angeschlossen, Spiekeroog folgt jetzt. Wie erkl\u00e4ren Sie diesen Unterschied aus Sicht des Landkreises Wittmund?<\/em><\/strong><\/p>\n\n\n\n<p><strong>Holger Heymann: <\/strong>Der Vergleich hinkt zun\u00e4chst einmal: Etwa 25 Millionen potenziellen Geb\u00e4udeadressen in Deutschland stehen rund 10.000 Geb\u00e4udeadressen auf den ostfriesischen Inseln gegen\u00fcber. Grunds\u00e4tzlich ist au\u00dferdem zwischen dem gef\u00f6rderten Ausbau \u2013 wie hier bei Spiekeroog \u2013 und dem privatwirtschaftlichen Ausbau der verschiedenen Akteure zu unterscheiden. Das F\u00f6rderprojekt f\u00fcr Spiekeroog ist nur m\u00f6glich, weil alle kommunalen Entscheidungstr\u00e4ger und F\u00f6rdermittelgeber, darunter das Land Niedersachsen mit zus\u00e4tzlichen Mitteln, an einem Strang ziehen. Das ist politisch unumstritten. Die Dynamik beim privatwirtschaftlichen Ausbau in unserer Region wurde in der Vergangenheit als volatil, also sehr schwankend und in der Intensit\u00e4t wechselhaft wahrgenommen. Aktuell ist aber wieder ein gr\u00f6\u00dferes Interesse der Telekommunikationsanbieter am eigenwirtschaftlichen Ausbau im Landkreis Wittmund wahrzunehmen. Die Herausforderungen bleiben gro\u00df: Unw\u00e4gbarkeiten am Kapitalmarkt sowie steigende Tiefbau-, Personal- und Materialkosten stehen einer schleppenden Nachfrage gegen\u00fcber. Aus unserer Sicht von der K\u00fcste ist es ein wichtiges Thema, bundesweit die Akzeptanz in der Gesellschaft f\u00fcr den Umstieg auf Glasfaser zu schaffen oder noch zu steigern.<\/p>\n\n\n\n<p><strong><em>Welche strategische Rolle spielt der Glasfaserausbau auf den Inseln f\u00fcr das Ziel gleichwertiger Lebensverh\u00e4ltnisse \u2013 gerade mit Blick auf kleine Gemeinden, die nur per Schiff erreichbar sind?<\/em><\/strong><\/p>\n\n\n\n<p><strong>Holger Heymann: <\/strong>In einer immer digitaler werdenden Welt ist eine leistungsf\u00e4hige Glasfaseranbindung elementar \u2013 egal ob auf dem Land, in der Stadt oder auf einer Insel. Sie r\u00fcckt mehr und mehr zum Grundbed\u00fcrfnis auf, vergleichbar mit Wasser- und Stromversorgung. F\u00fcr uns ist dabei wichtig: Der Ausbau steigert das Attraktivit\u00e4tsmerkmal einer Insel hinsichtlich der Lebens- und Arbeitsbedingungen \u2013 nicht nur f\u00fcr G\u00e4ste, sondern auch f\u00fcr Einheimische und Saisonarbeitskr\u00e4fte gleicherma\u00dfen. Er ist das R\u00fcckgrat f\u00fcr die digitale Teilhabe.<\/p>\n\n\n\n<p><strong><em>Tourismus ist auf den ostfriesischen Inseln ein zentraler Wirtschaftsfaktor. Inwiefern ist eine gigabitf\u00e4hige Infrastruktur heute Standortfrage \u2013 f\u00fcr die G\u00e4ste, die Betriebe und die Lebensqualit\u00e4t der Insulanerinnen und Insulaner?<\/em><\/strong><\/p>\n\n\n\n<p><strong>Holger Heymann: <\/strong>Das Anspruchsdenken im Tourismus w\u00e4chst \u2013 das beobachten wir auch im Kreishaus. Dazu z\u00e4hlen hochleistungsf\u00e4hige Glasfasernetze f\u00fcr ein digitales Urlaubserlebnis. Eine gigabitf\u00e4hige Infrastruktur ist dar\u00fcber hinaus wichtig, um sich im Wettbewerb der Tourismusdestinationen national und international zu bew\u00e4hren. Unsere Betriebe profitieren, indem sie zus\u00e4tzliche Optionen zur Optimierung ihrer Gesch\u00e4ftsprozesse erhalten und gegebenenfalls Cloud- oder KI-Anwendungen in ihre Prozesse integrieren k\u00f6nnen. F\u00fcr die Insulanerinnen und Insulaner kann die gigabitf\u00e4hige Erschlie\u00dfung neue M\u00f6glichkeiten in den Bereichen Gesundheitsversorgung, Bildung, Unterhaltung, Homeoffice und allgemeine Kommunikation mit dem Festland mit sich bringen \u2013 und damit den Lebensmittelpunkt Spiekeroog auch in der Nebensaison nachhaltig st\u00e4rken.<\/p>\n\n\n\n<p><strong><em>Spiekeroog gilt als eines der technisch anspruchsvollsten Ausbauprojekte in Niedersachsen. Was hat den Ausschlag gegeben, es trotzdem jetzt anzupacken \u2013 und was bedeutet das finanziell und organisatorisch f\u00fcr den Landkreis?<\/em><\/strong><\/p>\n\n\n\n<p><strong>Holger Heymann: <\/strong>Die Infrastruktur zur Insel ist bisher durch die bestehende Richtfunkanbindung limitiert, und die Bestandsinfrastruktur ist in die Jahre gekommen, so dass eine dauerhafte Leistungsf\u00e4higkeit nicht gew\u00e4hrleistet werden kann. Organisatorisch wird im Rahmen eines europaweiten Ausschreibungsverfahrens ein Telekommunikationsunternehmen gesucht, das f\u00fcr Planung, Errichtung und Betrieb des Gigabitnetzes zust\u00e4ndig sein wird. Weder Landkreis noch Gemeinde werden Eigent\u00fcmer der zu bauenden Infrastruktur. Landkreis und Gemeinde Spiekeroog werden das bezuschlagte Unternehmen bestm\u00f6glich unterst\u00fctzen, um optimale Rahmenbedingungen f\u00fcr das Projekt zu schaffen. Nach aktuellem Stand gehen wir von einem kommunalen Eigenanteil von etwa 1,7 Millionen Euro aus, den sich Landkreis und Gemeinde teilen w\u00fcrden. Genaues ergibt sich erst nach Ende des Vergabeverfahrens.<\/p>\n\n\n\n<p><strong><em>Wenn Sie den Blick \u00fcber Spiekeroog hinaus weiten: Welche Lehren ziehen Sie aus den Inselprojekten f\u00fcr den weiteren Glasfaserausbau im Landkreis \u2013 und was k\u00f6nnen andere K\u00fcsten- und Inselkommunen von Ihrem Ansatz lernen?<\/em><\/strong><\/p>\n\n\n\n<p><strong>Holger Heymann: <\/strong>Grunds\u00e4tzlich sind sehr viel Beharrlichkeit und Ausdauer erforderlich, um den besonderen Herausforderungen solcher Projekte gerecht zu werden. Wir arbeiten bestimmt schon ein Jahrzehnt daran. In Zeiten knapper \u00f6ffentlicher Kassen bedarf es zudem einer breiten politischen Geschlossenheit auf kommunaler Ebene, um solche Projekte \u00fcberhaupt noch realisieren zu k\u00f6nnen. Es reicht nicht aus, nur von gleichwertigen Lebensverh\u00e4ltnissen zu reden \u2013 wir m\u00fcssen Taten folgen lassen, um uns zuk\u00fcnftig nicht selbst abzuschaffen. Das hei\u00dft: Die notwendigen finanziellen Mittel m\u00fcssen \u00fcber viele Jahre zuverl\u00e4ssig in den kommunalen Haushalten verankert werden, aufgrund bindender Vereinbarungen, die die Gegenfinanzierung beim gef\u00f6rderten Ausbau absichern. Das f\u00e4llt vielen Kommunen auch bei uns nicht leicht \u2013 wird aber als alternativlos anerkannt. (DEKOM, 27.04.2026) <a href=\"https:\/\/www.landkreis-wittmund.de\/Service-Aktuelles\/Aktuelles\/Pressemitteilungen\/Wirtschaftsminister-Grant-Hendrik-Tonne-%C3%BCbergibt-F%C3%B6rderbescheid-%C3%BCber-3-05-Millionen-Euro-f%C3%BCr-den-Glasfaserausbau-auf-Spiekeroog.php?object=tx,3105.5.1&amp;ModID=7&amp;FID=3105.57701.1&amp;NavID=3105.11&amp;La=1&amp;kat=3105.3\">Mehr Infos hier\u2026<\/a><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Spiekeroog ist die letzte der sieben bewohnten ostfriesischen Inseln ohne kabelgebundene Glasfaseranbindung an das Festland. Das soll sich bis sp\u00e4testens April 2028 \u00e4ndern: Ein rund neun Kilometer langes Seekabel soll durch den Nationalpark Nieders\u00e4chsisches Wattenmeer zur Insel gef\u00fchrt werden \u2013 eines der technisch und genehmigungsrechtlich anspruchsvollsten Ausbauprojekte in Niedersachsen. 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