{"id":9337,"date":"2026-05-11T12:43:05","date_gmt":"2026-05-11T10:43:05","guid":{"rendered":"https:\/\/infosilo.info\/dekom\/?p=9337"},"modified":"2026-05-11T13:02:44","modified_gmt":"2026-05-11T11:02:44","slug":"venios-experte-miochael-schoepf-netzdienliche-speicher-als-standortchance","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/infosilo.info\/dekom\/venios-experte-miochael-schoepf-netzdienliche-speicher-als-standortchance\/","title":{"rendered":"Venios-Experte Michael Sch\u00f6pf: Netzdienliche Speicher als Standortchance \u00a0"},"content":{"rendered":"\n<p>Zum 1. April 2026 haben die vier \u00dcbertragungsnetzbetreiber das Reifegradverfahren f\u00fcr Netzanschl\u00fcsse von Gro\u00dfbatteriespeichern und Gro\u00dfverbrauchern eingef\u00fchrt. Damit wird die Fl\u00e4chensicherung zum Wettbewerbskriterium. Die Zahl der Netzanschlussbegehren \u00fcbersteigt die verf\u00fcgbaren Kapazit\u00e4ten bundesweit um ein Vielfaches. Die Zahl der Netzanschlussbegehren \u00fcbersteigt die verf\u00fcgbaren Kapazit\u00e4ten bundesweit um ein Vielfaches. Netzexperte Dr. Michael Sch\u00f6pf, Business Development Manager bei der VENIOS GmbH, erkl\u00e4rt im DEKOM-Interview, warum Kommunen, die bei der Fl\u00e4chenausweisung z\u00f6gern, Netzbetreiber und Investoren in kostspielige Ausweichl\u00f6sungen zwingen \u2014 und sich dabei selbst schaden.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Herr Sch\u00f6pf, mit dem Wechsel auf das Reifegradmodell steigt der Druck auf die Fl\u00e4chensicherung massiv. Aus Sicht der Netzanalytik: Warum ist es f\u00fcr eine Kommune technisch so riskant, bei der Ausweisung von Fl\u00e4chen in unmittelbarer N\u00e4he zu 380-kV-Umspannwerken zu z\u00f6gern, wenn zeitgleich die Zahl der Anschlussbegehren die Kapazit\u00e4ten um ein Vielfaches \u00fcbersteigt?<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p><strong>Michael Sch\u00f6pf:<\/strong> Aus netzanalytischer Sicht ist es nat\u00fcrlich nur verst\u00e4ndlich, dass die Fl\u00e4chen in der N\u00e4he der Umspannwerke begehrt sind. Die 380-kV- bzw. 380\/110-kV-Umspannwerke kann man sich in etwa so vorstellen wie gro\u00dfe Verkehrsknotenpunkte, etwa Autobahnkreuze. F\u00fcr die Logistik ist ein autobahnnaher Standort ein zeitlicher Vorteil. Im Netz ist der Standort noch viel entscheidender. Je weiter der geplante Anschlusspunkt von einem Umspannwerk entfernt ist, desto problematischer wird der Netzanschluss, da Netzengp\u00e4sse viel wahrscheinlicher und die auftretenden Spannungsabweichungen gr\u00f6\u00dfer werden. Das f\u00fchrt dann zu hohen Baukostenzusch\u00fcssen f\u00fcr das Verlegen neuer bzw. das Erweitern bestehender Leitungen oder zu einer direkten Ablehnung des Netzanschlusses. Daher hat sich in den letzten Jahren ein regelrechter Run auf die umspannwerksnahen Fl\u00e4chen entwickelt. Wenn Kommunen hier also z\u00f6gern, werden Projekte entweder woanders vergeben, oder die Kosten der Projekte steigen aufgrund der Nutzung von netztechnisch weniger attraktiven Fl\u00e4chen. Dabei muss dann aber gleichzeitig das Netz verst\u00e4rkt und umfangreiche Bauma\u00dfnahmen eingeplant werden \u2014 eine Lose-Lose-Situation.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Fl\u00e4chen im 200-Meter-Radius um \u00dcNB-Umspannwerke gelten als baurechtlich privilegiert. Wie stark korreliert diese geografische N\u00e4he mit der tats\u00e4chlichen Netzvertr\u00e4glichkeit, und warum ist die schnelle Bereitstellung solcher Areale durch die Kommunen ein entscheidender Beitrag, um \u201evor die Welle&#8220; m\u00f6glicher Netzengp\u00e4sse zu kommen?<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p><strong>Michael Sch\u00f6pf:<\/strong> Wir sind in unserem Gesch\u00e4ft zwar haupts\u00e4chlich in der Welt der Verteilnetzbetreiber unterwegs \u2014 das Grundprinzip ist aber auf allen Netzebenen das Gleiche. Und in direkter N\u00e4he zum Umspannwerk gibt es eben rein physikalisch keine Engp\u00e4sse durch \u00fcberlastete Leitungen oder zu gro\u00dfe Spannungsabweichungen. Einzig das Umspannwerk selbst k\u00f6nnte dann noch den Engpass darstellen \u2014 aber dies lie\u00dfe sich durch entsprechende Netzanschlussvereinbarungen meist in den Griff bekommen. Daher sollten die Kommunen, wenn irgendm\u00f6glich, die umspannwerksnahen Fl\u00e4chen nutzen und f\u00fcr Projekte mit entsprechendem Anschlussbedarf vorhalten. So lassen sich die Anfragen auch f\u00fcr den Netzbetreiber gezielt kanalisieren und ein Wildwuchs verhindern.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>W\u00e4hrend die H\u00f6chstspannung oft im Fokus steht, r\u00fcckt die 110-kV-Ebene f\u00fcr regionale Speicherprojekte nach. Welche Rolle spielt die Sichtbarkeit der Lastfl\u00fcsse in diesen regionalen Netzknoten, um Batteriespeicher dort als systemdienliche Instrumente statt als zus\u00e4tzliche Last zu positionieren?<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p><strong>Michael Sch\u00f6pf:<\/strong> Die Sichtbarkeit der Lastfl\u00fcsse ist \u00fcberhaupt schon mal die Voraussetzung, dass system- und wichtiger noch netzdienliches Verhalten \u00fcberhaupt definiert werden kann. Nur wenn bekannt ist, wann und wo Spitzen im Netz auftreten, k\u00f6nnen die Fahrweisen der Batterien darauf ausgerichtet werden und die Spitzen dadurch gegl\u00e4ttet werden. Das eigentliche Problem ist aber, dass die Batteriebetreiber keine Anreize haben, sich im Betrieb nach den Bedarfen des Netzes auszurichten. Der Spotmarkt liefert die Preissignale, an denen sich alle Batteriebetreiber ausrichten. Netzbetreiber haben allenfalls die M\u00f6glichkeit, bei neuen Kunden \u00fcber flexible Netzanschlussvertr\u00e4ge einzugreifen, und sollten diese M\u00f6glichkeit \u2014 Flexible Connection Agreements, kurz FCAs \u2014 auch in Zukunft h\u00e4ufiger nutzen.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Es gibt Kommunen mit Gewerbefl\u00e4chen, in denen durch Produktionsumstellungen oder Effizienzsteigerungen pl\u00f6tzlich Netzanschlusskapazit\u00e4ten von 10 MW oder mehr frei werden. Wie kann intelligentes Monitoring helfen, diese \u201eversteckten&#8220; Kapazit\u00e4ten f\u00fcr den Bau von Batteriespeichern nutzbar zu machen, ohne den laufenden Industriebetrieb zu gef\u00e4hrden?<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p><strong>Michael Sch\u00f6pf:<\/strong> Bestehende Anschlusskapazit\u00e4ten sind ein sensibles Thema und werden auch von den Netzbetreibern nur sehr vorsichtig angefasst. Erfahrungsgem\u00e4\u00df gibt niemand gerne seine in der Vergangenheit zugesicherten und bezahlten Kapazit\u00e4ten auf. Dabei muss man den Anschluss aber auch nicht zur\u00fcckbauen. Netzbetreiber sehen \u00fcber die registrierende Leistungsmessung ja entsprechende Verbrauchsspitzen; die Netzentgelte haben bei Gewerbekunden meist auch eine Leistungspreiskomponente. Daher will auch kein Gewerbebetrieb unn\u00f6tige Leistungsspitzen verursachen. Netzbetreiber m\u00fcssten in solchen F\u00e4llen einfach einen neuen Netzanschlussvertrag mit reduzierter Kapazit\u00e4t zu g\u00fcnstigeren Konditionen anbieten. Allerdings fehlt den Netzbetreibern der Einblick, was hinter dem Z\u00e4hler passiert, und sie wissen daher zum Beispiel auch nicht, ob eine etwaige Leistungsreduzierung von tempor\u00e4rer oder dauerhafter Natur ist. Es m\u00fcssen daher beide Seiten in den Dialog treten. Ein intelligentes Monitoring hilft, diesen Dialog anzusto\u00dfen.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Sie betonen oft, dass Intelligenz vor dem \u201eVergraben von Kupfer&#8220; kommen sollte. Inwieweit k\u00f6nnen gro\u00dfskalige Batteriespeicher \u2014 finanziert durch private Investoren auf kommunalem Grund \u2014 als physisches Pendant zu Ihrer Software fungieren, um den teuren Netzausbau nach \u00a7 14a EnWG f\u00fcr die Kommunen und deren B\u00fcrger hinauszuz\u00f6gern oder gar zu vermeiden?<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p><strong>Michael Sch\u00f6pf:<\/strong> Ich sehe hier kein Entweder-Oder. Letztlich bedarf es sowohl Energiespeicher als auch intelligenter Softwarel\u00f6sungen und des Netzausbaus. Netzausbau kommt allerdings dem Bedarf aktuell gar nicht hinterher, daher m\u00fcssen die anderen beiden Bausteine eine noch st\u00e4rkere Rolle einnehmen. Bei Batteriespeichern muss man auch noch mal unterscheiden: Gro\u00dfskalige Batterieparks von privaten Investoren im MW-Bereich werden auch zuk\u00fcnftig rein spotmarktorientiert betrieben. Der lokale Nutzen beschr\u00e4nkt sich dadurch rein auf die Gewerbesteuereinnahmen. Um auch das lokale Netz zu entlasten, m\u00fcssen Betreiber mit einem netzdienlichen Interesse f\u00fcr den Betrieb von Batterieparks zum Zuge kommen. Entweder der Netzbetreiber selbst, oder ein privater Investor mit entsprechenden Auflagen. Nur so l\u00e4sst sich Netzausbau durch Batteriespeicher vermeiden.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Kommunen locken hohe Pachteinnahmen und Gewerbesteuern von bis zu 1,5 Millionen Euro pro Standort. Wenn diese Speicher nun aktiv am Stromhandel und der Regelenergie teilnehmen: Welchen technologischen Nachweis m\u00fcssen Projektierer heute erbringen, damit die Kommune sicher sein kann, dass der Speicher langfristig zur Netzstabilit\u00e4t beitr\u00e4gt und somit ein dauerhafter Cashflow-Garant bleibt?<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p><strong>Michael Sch\u00f6pf: <\/strong>Hier gilt zun\u00e4chst das zuvor Gesagte: Spotmarktorientierter Batteriebetrieb und Netzdienlichkeit sind zwei komplett unterschiedliche Dinge. Eine langfristige Sicherheit, dass der Spotmarkt gen\u00fcgend Ertr\u00e4ge f\u00fcr den Batteriebetrieb abgibt, kann \u00fcbrigens niemand geben. Durch mehr und mehr Speicher am Spotmarkt nivellieren sich die entsprechenden Preisspitzen, was die Erl\u00f6spotenziale reduziert. Daher sollten die Business Cases der Projektierer unter die unter die Lupe genommen werden: Welche Marktszenarien werden angenommen? Von wieviel Erneuerbaren-Energien-Ausbau und weiteren Speicherm\u00f6glichkeiten wird ausgegangen? Keiner kann valide die Marktpreise in zehn Jahren prognostizieren, aber zumindest sollten Projektierer die relevanten Zusammenh\u00e4nge und Szenarien kennen. Aus der technischen Sicht geht es darum, die Speicher m\u00f6glichst schnell und reibungslos ans Netz zu bringen. Daf\u00fcr sind dann die entsprechenden elektrotechnischen Kenntnisse zu den Netzanschlussbedingungen, den m\u00f6glichen Netzr\u00fcckwirkungen sowie in der Installation der Anlagen entscheidend. (DEKOM\/Venios, 11.05.2026) <a href=\"https:\/\/venios.de\/#warum\">Mehr Infos hier\u2026<\/a><\/p>\n\n\n\n<p><strong><u>Zur Person:<\/u><\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Dr. Michael Sch\u00f6pf ist Business Development Manager bei der <a href=\"https:\/\/venios.de\/#totop\">Venios GmbH<\/a>. Das Unternehmen entwickelt mit <a href=\"https:\/\/venios.de\/#wen\">Venios.NET<\/a> eine Plattform f\u00fcr das echtzeitf\u00e4hige Management von Verteilnetzen.<\/p>\n\n\n\n<p><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Zum 1. April 2026 haben die vier \u00dcbertragungsnetzbetreiber das Reifegradverfahren f\u00fcr Netzanschl\u00fcsse von Gro\u00dfbatteriespeichern und Gro\u00dfverbrauchern eingef\u00fchrt. Damit wird die Fl\u00e4chensicherung zum Wettbewerbskriterium. Die Zahl der Netzanschlussbegehren \u00fcbersteigt die verf\u00fcgbaren Kapazit\u00e4ten bundesweit um ein Vielfaches. 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