{"id":9350,"date":"2026-05-27T11:08:01","date_gmt":"2026-05-27T09:08:01","guid":{"rendered":"https:\/\/infosilo.info\/dekom\/?p=9350"},"modified":"2026-05-27T11:08:01","modified_gmt":"2026-05-27T09:08:01","slug":"studie-us-truppenabzug-trifft-standortregionen-wirtschaftlich-hart","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/infosilo.info\/dekom\/studie-us-truppenabzug-trifft-standortregionen-wirtschaftlich-hart\/","title":{"rendered":"Studie: US-Truppenabzug trifft Standortregionen wirtschaftlich hart"},"content":{"rendered":"\n<p>US-Verteidigungsminister Pete Hegseth hat den Abzug von 5.000 Soldaten aus Deutschland angeordnet. Der Abzug solle binnen sechs bis zw\u00f6lf Monaten abgeschlossen sein. Offiziell begr\u00fcndet das Pentagon den Schritt mit einer Pr\u00fcfung der Truppenpr\u00e4senz in Europa, der Bedingungen vor Ort und der Anforderungen der Einsatzgebiete insgesamt. F\u00fcr die betroffenen Standorte stellt sich damit unmittelbar die Frage nach den wirtschaftlichen Folgen. Eine im Mai 2026 ver\u00f6ffentlichte Studie des ZEW Mannheim und der Universit\u00e4t K\u00f6ln liefert dazu erstmals belastbare empirische Antworten. Die \u00d6konomen Johannes Kochems und Jakob Schmidh\u00e4user haben den massiven Truppenabzug nach dem Ende des Kalten Krieges ausgewertet, als innerhalb von f\u00fcnf Jahren rund 200.000 US-Soldaten Deutschland verlie\u00dfen. Pro abgezogenem Soldaten gehen demnach in einem Umkreis von 15 Kilometern rund um den betroffenen Standort 0,53 Vollzeitstellen verloren. Auf die angek\u00fcndigten 5.000 Soldaten hochgerechnet w\u00e4ren das knapp 2.650 Arbeitspl\u00e4tze in den jeweiligen Regionen. Mehr als 60 Prozent dieser Verluste entstehen dabei nicht durch direkte Entlassungen von deutschen Zivilbesch\u00e4ftigten auf den Milit\u00e4rbasen, sondern als Folgewirkung im lokalen Wirtschaftskreislauf. US-Truppen sind erhebliche Konsumenten von G\u00fctern und Dienstleistungen; Betriebe, die auf Vertr\u00e4ge mit dem Milit\u00e4r oder auf die Kaufkraft der Soldaten angewiesen sind, verlieren ihre Nachfragebasis. Diese indirekten Besch\u00e4ftigungseffekte machen den deutlich gr\u00f6\u00dferen Anteil des wirtschaftlichen Schadens aus. F\u00fcr die \u00f6ffentlichen Haushalte sind die Folgen ebenso unmittelbar sp\u00fcrbar. Die Einnahmen gehen in betroffenen St\u00e4dten und Gemeinden im Schnitt um rund neun Prozent zur\u00fcck, getrieben vor allem durch einen schrumpfenden Gewerbesteuerertrag und sinkende Einkommensteueranteile. Historisch reagierten die Rath\u00e4user mit parallelen Ausgabenk\u00fcrzungen und einer Erh\u00f6hung der Hebes\u00e4tze, wobei insbesondere die Grundsteuer B als das stabilere Instrument genutzt wurde. Die Gewerbesteuer-Hebes\u00e4tze stiegen ebenfalls, jedoch moderater, um ohnehin belastete Unternehmen nicht zus\u00e4tzlich zu treffen. Besonders schwer und besonders dauerhaft betroffen sind l\u00e4ndlich gepr\u00e4gte Standortregionen und solche mit bereits angespannter Haushaltslage. Die negativen Effekte auf Besch\u00e4ftigung und \u00f6ffentliche Finanzen waren der Studie zufolge auch noch Jahrzehnte nach den Schlie\u00dfungen messbar. Wie gro\u00df die wirtschaftliche Bedeutung einer US-Milit\u00e4rbasis sein kann, macht Ramstein-B\u00fcrgermeister Ralf Hechler konkret. Die Wirtschaftskraft der US-Milit\u00e4rpr\u00e4senz in seiner Gemeinde beziffert er auf mehr als zwei Milliarden US-Dollar pro Fiskaljahr, einschlie\u00dflich L\u00f6hnen, Mieten und Auftr\u00e4gen f\u00fcr lokale Firmen. Deutschland ist nach Japan der zweitgr\u00f6\u00dfte US-Milit\u00e4rstandort au\u00dferhalb der USA. Die Hauptquartiere des Europa- und Afrikakommandos liegen in Stuttgart, die Zentrale des US-Heeres in Europa in Wiesbaden, der gr\u00f6\u00dfte US-Truppen\u00fcbungsplatz au\u00dferhalb der USA nahe Grafenw\u00f6hr in Bayern. Welche dieser Standorte vom Teilabzug konkret betroffen sein werden, hat das Pentagon bislang nicht mitgeteilt. F\u00fcr die lokale Wirtschaftspolitik empfehlen die Studienautoren, die wirtschaftliche Abh\u00e4ngigkeit von der Truppenpr\u00e4senz schon heute zu analysieren und Alternativszenarien zu entwickeln. Der Abzug der 1990er Jahre hat gezeigt, dass die Folgen ohne strategische Vorbereitung besonders lang anhalten. Als Positivbeispiel verweisen Kochems und Schmidh\u00e4user auf den Flughafen Hahn in Rheinland-Pfalz, wo aus einer fr\u00fcheren US-Milit\u00e4rbasis ein regionaler Verkehrsflughafen wurde, der dauerhaft Besch\u00e4ftigung schuf. Zum kommunalen Finanzausgleich nehmen die Autoren ebenfalls Stellung. Die Pr\u00e4senz ausl\u00e4ndischer Truppen sei wirtschaftlich ein Vorteil f\u00fcr die Gastregion und d\u00fcrfe im Ausgleichssystem nicht als fiskalische Belastung behandelt werden. Hessen habe diesen Fehler bereits korrigiert und z\u00e4hle US-Truppen nicht mehr zur Bedarfsmesszahl. Andere L\u00e4nder sollten diesem Beispiel folgen und zugleich automatische fiskalische Stabilisatoren f\u00fcr den Fall von Abz\u00fcgen vorsehen, statt Standorte durch gleichzeitig sinkende Steuereinnahmen und wegfallende Zuweisungen doppelt zu belasten. (DEKOM, 27.05.2026) <a href=\"https:\/\/www.zew.de\/fileadmin\/FTP\/dp\/dp26023.pdf\">Studie hier\u2026<\/a><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>US-Verteidigungsminister Pete Hegseth hat den Abzug von 5.000 Soldaten aus Deutschland angeordnet. Der Abzug solle binnen sechs bis zw\u00f6lf Monaten abgeschlossen sein. Offiziell begr\u00fcndet das Pentagon den Schritt mit einer Pr\u00fcfung der Truppenpr\u00e4senz in Europa, der Bedingungen vor Ort und der Anforderungen der Einsatzgebiete insgesamt. F\u00fcr die betroffenen Standorte stellt sich damit unmittelbar die Frage [&hellip;]<\/p>\n","protected":false},"author":4,"featured_media":0,"comment_status":"closed","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[1],"tags":[],"class_list":["post-9350","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-allgemein"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/infosilo.info\/dekom\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/9350","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/infosilo.info\/dekom\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/infosilo.info\/dekom\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/infosilo.info\/dekom\/wp-json\/wp\/v2\/users\/4"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/infosilo.info\/dekom\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=9350"}],"version-history":[{"count":1,"href":"https:\/\/infosilo.info\/dekom\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/9350\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":9351,"href":"https:\/\/infosilo.info\/dekom\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/9350\/revisions\/9351"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/infosilo.info\/dekom\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=9350"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/infosilo.info\/dekom\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=9350"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/infosilo.info\/dekom\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=9350"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}