{"id":9354,"date":"2026-05-27T11:09:19","date_gmt":"2026-05-27T09:09:19","guid":{"rendered":"https:\/\/infosilo.info\/dekom\/?p=9354"},"modified":"2026-05-27T11:35:19","modified_gmt":"2026-05-27T09:35:19","slug":"nachgefragt-landrat-schnaudigel-und-blk-geschaeftsfuehrer-watteroth-fordern-nach-projektstopp-der-deutschen-glasfaser-grundlegenden-kurswechsel-in-der-bundesfoerderung","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/infosilo.info\/dekom\/nachgefragt-landrat-schnaudigel-und-blk-geschaeftsfuehrer-watteroth-fordern-nach-projektstopp-der-deutschen-glasfaser-grundlegenden-kurswechsel-in-der-bundesfoerderung\/","title":{"rendered":"Landrat und K\u00e4mmerer fordern grundlegenden Kurswechsel in der Bundesf\u00f6rderung"},"content":{"rendered":"\n<p>Landrat Dr. Christoph Schnaudigel und BLK-Gesch\u00e4ftsf\u00fchrer Ragnar Watteroth \u00fcber den Projektstopp der Deutschen Glasfaser, die Antwort aus Berlin und die n\u00e4chsten Schritte im Landkreis Karlsruhe<\/p>\n\n\n\n<p><strong>DEKOM: Herr Dr. Schnaudigel, wie ordnen Sie den R\u00fcckzug der Deutschen Glasfaser f\u00fcr den Landkreis Karlsruhe ein?<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p><strong>Schnaudigel: <\/strong>Das ist ein massiver R\u00fcckschlag. Wir haben gemeinsam mit den Kommunen vier Jahre auf Basis der Zusagen der Deutschen Glasfaser geplant, kommuniziert und Erwartungen geweckt. Wenn ein solcher Partner dann zentrale Projekte bis mindestens 2028 aussetzt, ist das nicht nur eine Verschiebung von Zeitpl\u00e4nen, sondern ein fundamentaler Vertrauensverlust. Der Fall macht deutlich, welche Risiken entstehen, wenn zentrale Infrastrukturvorhaben an freiwillige Investitionsentscheidungen einzelner Unternehmen gekn\u00fcpft werden.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>DEKOM: Sie sprechen von einem Scheitern der bisherigen Strategie. Was meinen Sie damit konkret?<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p><strong>Schnaudigel:<\/strong> Der Bund setzt beim Glasfaserausbau politisch darauf, dass der Markt den L\u00f6wenanteil \u00fcbernimmt und die \u00f6ffentliche Hand nur dort einspringt, wo gar nichts passiert. Die Situation im Landkreis Karlsruhe zeigt, dass dieser Ansatz an seine Grenzen kommt. Wir haben unsere F\u00f6rderstrategie konsequent an dieser Logik ausgerichtet \u2014 viele Kommunen galten aufgrund hoher eigenwirtschaftlicher Potenzialannahmen als nicht f\u00f6rderf\u00e4hig. Zieht sich dann ein privater Anbieter zur\u00fcck, stehen diese Kommunen ohne verl\u00e4ssliche F\u00f6rderzug\u00e4nge da. Diese Logik muss korrigiert werden.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>DEKOM: Herr Watteroth, Sie verantworten als Kreisk\u00e4mmerer und BLK-Gesch\u00e4ftsf\u00fchrer die finanzielle und operative Seite. Wie stellt sich die Lage dar?<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p><strong>Ragnar Watteroth: <\/strong>Wir haben in den vergangenen Jahren erhebliche Mittel in den gef\u00f6rderten Ausbau investiert, die BLK-Infrastruktur aufgebaut und Open-Access-Strukturen geschaffen. Die eigenwirtschaftlichen Projekte der Deutschen Glasfaser sollten auf diesem Fundament aufbauen. Nun entsteht eine L\u00fccke, die weder haushaltswirtschaftlich noch organisatorisch einfach zu schlie\u00dfen ist. Die St\u00e4dte und Gemeinden k\u00f6nnen dies nicht aus eigener Tasche bezahlen, solange die F\u00f6rderkulissen so gestaltet sind, dass viele unserer Kommunen formal als marktversorgt gelten und damit nicht f\u00f6rderf\u00e4hig sind.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>DEKOM: Welche Rolle kann die BLK in dieser Situation \u00fcbernehmen?<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p><strong>Ragnar Watteroth:<\/strong> Unsere Aufgabe ist es, den \u00dcberblick zu behalten und gemeinsam mit den Kommunen realistische Szenarien zu entwickeln. Dazu geh\u00f6ren neue Markterkundungen, die Ansprache alternativer Partner und die Pr\u00fcfung, wo bestehende F\u00f6rderbescheide erweitert werden k\u00f6nnen. Ein ungeordneter Flickenteppich aus Einzelentscheidungen w\u00e4re das falsche Ergebnis. Gebraucht wird ein abgestimmter Plan, der die bestehenden BLK-Strukturen nutzt und neue Projekte so aufsetzt, dass sie langfristig wirtschaftlich und technisch tragf\u00e4hig sind.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>DEKOM: Was erwarten Sie von Bund und Land?<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p><strong>Schnaudigel:<\/strong> Die F\u00f6rderlogik muss an die Realit\u00e4t angepasst werden. Wenn ein eigenwirtschaftlich geplanter Ausbau nachweislich nicht stattfindet, brauchen Kommunen zeitnah Zugang zu F\u00f6rderprogrammen. An Potenzialannahmen festzuhalten, die l\u00e4ngst widerlegt sind, ist keine belastbare Grundlage. Wir haben das dem Bundesdigitalministerium schriftlich dargelegt. Die Antwort ist gekommen \u2014 sie ist mehr als ern\u00fcchternd. Das Ministerium h\u00e4lt an der bisherigen Linie fest: eigenwirtschaftlicher Ausbau als Hauptinstrument, Glasfaserausbauziel 2031 unver\u00e4ndert. Das halte ich f\u00fcr ein faktisches Eingest\u00e4ndnis, dass dieses Ziel nicht erreicht werden will. Wir haben niemanden mehr, der den Ausbau in den betroffenen Gebieten \u00fcbernimmt. Wenn sich die Privatwirtschaft dauerhaft aus dem eigenwirtschaftlichen Ausbau zur\u00fcckzieht, ist das 2031er-Ziel unrealistisch \u2014 Punkt. Die Mittel aus dem Sonderverm\u00f6gen w\u00e4ren f\u00fcr genau solche Situationen gedacht. Der Briefwechsel ist \u00f6ffentlich; wir haben ihn den Kreistagsmitgliedern zugeleitet.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Watteroth: <\/strong>Aus Sicht der kommunalen Finanzen geht es vor allem um Planungssicherheit. Wenn zus\u00e4tzliche Ausbauvorhaben \u00fcbernommen werden, braucht es F\u00f6rderbescheide, die komplette Gemeindegebiete oder zumindest funktionale Einheiten abdecken. Jeder Projektzuschnitt, der wieder nur Teilfl\u00e4chen umfasst, schafft neue Br\u00fcche und neue L\u00fccken. Hier sind Bund und Land gefordert, flexibler zu agieren.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>DEKOM: Gibt es trotz der aktuellen Situation Ansatzpunkte f\u00fcr kurzfristige Fortschritte?<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p><strong>Watteroth: <\/strong>Ja, in einigen Kommunen bieten laufende Projekte und bestehende Strukturen einen Ansatzpunkt \u2014 etwa durch Partnerwechsel oder die Integration in BLK-Netze. Langfristig wird der Glasfaserausbau st\u00e4rker als kommunale Aufgabe zu verstehen sein, die durch private Partner erg\u00e4nzt wird \u2014 nicht umgekehrt. (DEKOM, 26.05.2026) <a href=\"https:\/\/www.breitbandkabel-karlsruhe.de\/\">Mehr Infos hier\u2026<\/a><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Landrat Dr. Christoph Schnaudigel und BLK-Gesch\u00e4ftsf\u00fchrer Ragnar Watteroth \u00fcber den Projektstopp der Deutschen Glasfaser, die Antwort aus Berlin und die n\u00e4chsten Schritte im Landkreis Karlsruhe DEKOM: Herr Dr. Schnaudigel, wie ordnen Sie den R\u00fcckzug der Deutschen Glasfaser f\u00fcr den Landkreis Karlsruhe ein? Schnaudigel: Das ist ein massiver R\u00fcckschlag. 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