{"id":9415,"date":"2026-06-22T12:09:41","date_gmt":"2026-06-22T10:09:41","guid":{"rendered":"https:\/\/infosilo.info\/dekom\/?p=9415"},"modified":"2026-06-22T12:09:41","modified_gmt":"2026-06-22T10:09:41","slug":"weniger-netzausbau-durch-besseres-netzmanagement","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/infosilo.info\/dekom\/weniger-netzausbau-durch-besseres-netzmanagement\/","title":{"rendered":"Weniger Netzausbau durch besseres Netzmanagement"},"content":{"rendered":"\n<p>Die \u00dcbertragungsnetzbetreiber stellen in ihrem aktuellen <a href=\"https:\/\/data.bundesnetzagentur.de\/Bundesnetzagentur\/SharedDocs\/Downloads\/DE\/Sachgebiete\/Energie\/Unternehmen_Institutionen\/NEP\/Strom\/2025-2037\/NEP_2037_2045_V2025_2_Entwurf_1.pdf\">Entwurf zum Netzentwicklungsplan<\/a> erstmals die Kosten f\u00fcr Engpassmanagement den Investitionskosten f\u00fcr Netzausbau systematisch gegen\u00fcber und ermitteln daraus die kosteng\u00fcnstigste Kombination. Damit vollzieht sich ein Paradigmenwechsel. Das Zielnetz wird kleiner als im vorherigen Netzentwicklungsplan, und nach Abschluss der Zielnetzentwicklung bleibt dauerhaft mehr Engpassmanagement n\u00f6tig als bisher geplant. Die Bundesnetzagentur h\u00e4lt von 159 vorgeschlagenen Ausbauma\u00dfnahmen aktuell 118 f\u00fcr best\u00e4tigungsf\u00e4hig und hat den Entwurf bis zum 24. August zur Konsultation gestellt. Diese Abw\u00e4gung zwischen Netzausbau und Engpassmanagement stammt aus der H\u00f6chstspannungs-ebene. Dort sind nach Einsch\u00e4tzung von Adnan Chaudhry, Leiter Digitales Netz bei Siemens Energy, derzeit weniger als zehn Prozent der Freileitungen im deutschen \u00dcbertragungsnetz mit Sensoren ausgestattet und digital gesteuert. Selbst auf der am besten ausgestatteten Netzebene fehlt damit f\u00fcr den gr\u00f6\u00dften Teil der Leitungen die Datenbasis, um die Auslastung in Echtzeit zu erfassen. Dr. Jonas Danzeisen, Gesch\u00e4ftsf\u00fchrer der <a href=\"https:\/\/venios.de\/\">Venios GmbH<\/a>, sagt, dieselbe Abw\u00e4gung stelle sich auf der Verteilnetzebene noch dringlicher. Das Stromnetz sei keine Einbahnstra\u00dfe mehr, der Wandel der Erzeugungsstruktur verlange Netze, die dieser Belastung gewachsen sind. Auf der Mittel- und Niederspannungsebene speisen heute fl\u00e4chendeckend dezentrale Erzeuger wie Onshore-Windkraftanlagen, Photovoltaikdachanlagen und Biomassekraftwerke ein. Gleichzeitig erzeugen Elektroautos, W\u00e4rmepumpen und elektrifizierte Industrieprozesse zus\u00e4tzliche Last. Anstelle kontinuierlicher Messwerte liefern Ortsnetzstationen, Trafostationen und Hausanschl\u00fcsse in der Mittel- und Niederspannung in der Regel noch keine Daten an die Verteilnetzbetreiber. Ohne diese Echtzeitinformationen k\u00f6nnen Anschlussbegehren oft nur anhand konservativer Annahmen und nicht auf Basis der tats\u00e4chlichen Netzauslastung bewertet werden. Die <a href=\"https:\/\/venios.de\/#wen\">Plattform Venios.NET<\/a> wird nach Unternehmensangaben von mehr als 90 Verteilnetzbetreibern in Deutschland eingesetzt. Sie verbindet Bestandsdaten aus dem Geoinformationssystem mit Live-Messwerten, Wetterdaten und Lastprognosen zu einem digitalen Modell des Netzes. Dieses Modell berechnet den aktuellen und den voraussichtlichen Netzzustand. Auf dieser Grundlage lassen sich Engp\u00e4sse erkennen, bevor sie zu einer \u00dcberlastung f\u00fchren, und Steuerungseingriffe auf den betroffenen Netzabschnitt begrenzen, statt ein ganzes Versorgungsgebiet einzuschr\u00e4nken. Danzeisen sagt, Netzbetreiber sollten dimmen d\u00fcrfen. Der Eingriff solle im Idealfall so ablaufen, dass der Kunde nichts davon bemerkt. Rechtlich regelt Paragraf 14a des Energiewirtschaftsgesetzes diesen Spielraum. Er erlaubt Verteilnetzbetreibern seit 2024, den Verbrauch steuerbarer Einrichtungen wie W\u00e4rmepumpen oder Ladepunkten tempor\u00e4r zu reduzieren, wenn eine Netz\u00fcberlastung droht. Voraussetzung ist, dass der Netzbetreiber den Netzzustand anhand objektiver Kriterien belegen kann und diskriminierungsfrei eingreift. Venios.NET deckt nach Unternehmensangaben neben Paragraf 14a EnWG auch die Steuerung nach Paragraf 9 des Erneuerbare-Energien-Gesetzes ab sowie die technische Anbindung nach Paragraf 12 des Energiewirtschaftsgesetzes. F\u00fcr Kommunen hat diese Entwicklung zwei Konsequenzen. Als Gesellschafter kommunaler Stadtwerke entscheiden sie mit, in welchem Verh\u00e4ltnis k\u00fcnftige Investitionen in physischen Netzausbau und in digitale Netzf\u00fchrung flie\u00dfen. Als Genehmigungsbeh\u00f6rden f\u00fcr Neubaugebiete oder Ladeinfrastruktur sind sie davon betroffen, wie ihr Netzbetreiber Anschlussbegehren pr\u00fcft. Mit einem digitalen Netzmodell l\u00e4sst sich die technische Anschlusspr\u00fcfung f\u00fcr kleine Verbraucher oder Erzeuger ohne aufwendige Einzelfallberechnung durchf\u00fchren. Die Konsultation der Bundesnetzagentur betrifft formal das \u00dcbertragungsnetz. Die Abw\u00e4gung zwischen Netzausbau und Engpassmanagement, die ihr zugrunde liegt, stellt sich f\u00fcr die Verteilnetze in gleicher Weise. \u00a0(DEKOM\/BNetzA, 22.06.2026) <a href=\"https:\/\/www.bundesnetzagentur.de\/SharedDocs\/Pressemitteilungen\/DE\/2026\/20260612_NEP.html\">Ganzer Artikel hier\u2026<\/a><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Die \u00dcbertragungsnetzbetreiber stellen in ihrem aktuellen Entwurf zum Netzentwicklungsplan erstmals die Kosten f\u00fcr Engpassmanagement den Investitionskosten f\u00fcr Netzausbau systematisch gegen\u00fcber und ermitteln daraus die kosteng\u00fcnstigste Kombination. Damit vollzieht sich ein Paradigmenwechsel. 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