{"id":9459,"date":"2026-08-17T10:46:18","date_gmt":"2026-08-17T08:46:18","guid":{"rendered":"https:\/\/infosilo.info\/dekom\/?p=9459"},"modified":"2026-08-17T11:13:59","modified_gmt":"2026-08-17T09:13:59","slug":"digitalisierung-der-kreislaufwirtschaft-die-hatten-den-mut-die-satzung-zu-aendern","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/infosilo.info\/dekom\/digitalisierung-der-kreislaufwirtschaft-die-hatten-den-mut-die-satzung-zu-aendern\/","title":{"rendered":"Digitalisierung der Kreislaufwirtschaft: \u201eDie hatten den Mut, die Satzung zu \u00e4ndern&#8220;"},"content":{"rendered":"\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Nur rund 13 Prozent der in Deutschland eingesetzten Rohstoffe sind Sekund\u00e4rrohstoffe \u2013 wiederaufbereitetes Material aus zweiter Hand. Die \u00fcbrigen 87 Prozent stammen aus dem Prim\u00e4rabbau, weit \u00fcberwiegend aus dem Ausland. Genau an dieser L\u00fccke setzt die <a href=\"https:\/\/synqony.com\/\">SYNQONY-Gruppe<\/a>  an: Das Unternehmen entwickelt Software f\u00fcr die gesamte Wertsch\u00f6pfungskette der Kreislaufwirtschaft \u2013 von der Sperrm\u00fcllbestellung des B\u00fcrgers \u00fcber Bef\u00f6rderer, Sammler und Entsorger bis zur digitalen Nachweisf\u00fchrung im Umweltamt. Rund 9.000 Kunden nutzen sie. Firmenchef Robert Schmitz beobachtet das Feld seit \u00fcber 20 Jahren. Anfang Juni hat der Bund ein Aktionsprogramm f\u00fcr die Kreislaufwirtschaft aufgelegt und F\u00f6rdermittel bis 2030 eingeplant. Im Gespr\u00e4ch mit dem DEKOM erkl\u00e4rt Schmitz, warum der entscheidende Schritt aus seiner Sicht trotzdem nicht in Berlin f\u00e4llt, sondern in einer Vorlage, die jeder Rat selbst beschlie\u00dfen kann.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><strong><em>Herr Schmitz, die SYNQONY-Gruppe besteht heute aus mehreren Unternehmen. Womit hat das angefangen?<\/em><\/strong><\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><strong>Schmitz:<\/strong> Der Nucleus war die Firma 2R Software, die ich \u00fcber 20 Jahre aufgebaut habe. Wir haben ERP-Software f\u00fcr gewerbliche Entsorger gemacht, also Auftragsabwicklung, Wiegen, Abrechnen, Containerverwaltung, den gesamten Prozess. Vor vielen Jahren habe ich dann angefangen, auch f\u00fcr das Abfallmanagement der Abfallerzeuger eine L\u00f6sung zu entwickeln, weil da einfach gro\u00dfer Bedarf ist. Genau da habe ich mich entschieden. Ich hatte immer eine sehr gro\u00dfe Vision von digitaler Kreislaufwirtschaft, und mir wurde noch einmal richtig bewusst, dass ich die gerne realisieren w\u00fcrde. Deshalb habe ich mir einen Investor gesucht. Nicht, um das Unternehmen abzugeben, sondern um einen Hintergrund zu haben, mit dem wir viel gr\u00f6\u00dfer denken k\u00f6nnen.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><strong><em>Seither haben Sie mehrere Unternehmen zugekauft. Ist das Wachstum Selbstzweck?<\/em><\/strong><\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><strong>Schmitz:<\/strong> Die Grundidee dieses Unternehmenskaufens ist nicht, einfach Unternehmen zu kaufen, sondern die Verwirklichung dieser Idee einer digitalen Kreislaufwirtschaft. Wir haben aktuell rund 9.000 Kunden und vier Bereiche, die Abfallerzeuger, die Entsorger, die Regulatorik und die Beh\u00f6rdenseite mit Umwelt\u00e4mtern und Abfallwirtschaftsbetrieben. Wir decken vom B\u00fcrger mit Tonnenleerung und seiner Sperrm\u00fcllbestellung bis zum Umweltamt alles ab, was mit Kreislaufwirtschaft zu tun hat. Seit drei Jahren entwickeln wir gemeinsam eine neue Plattform, und das wird die eigentliche Verwirklichung der Vision der digitalen Kreislaufwirtschaft. Da hilft uns k\u00fcnstliche Intelligenz gerade massiv weiter. Jeder Zukauf hat genau das St\u00fcck erg\u00e4nzt, das f\u00fcr dieses Gesamtbild noch gefehlt hat.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><strong><em>Kreislaufwirtschaft gilt vielerorts als Zust\u00e4ndigkeit des Abfallwirtschaftsbetriebs. Sie sagen, sie geh\u00f6rt ins B\u00fcro der Verwaltungsspitze.<\/em><\/strong><\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><strong>Schmitz:<\/strong> Weil dort die Satzung beschlossen wird. Jede Stadt und jeder Kreis hat eine eigene, historisch gewachsene. Das f\u00fchrt dazu, dass Digitalisierungsprojekte ausgeschrieben werden, die die individuelle Geb\u00fchrensatzung referenzieren. Der Software-Anbieter muss sich darauf einstellen. Jedes Projekt f\u00fcr die kommunale Abfallwirtschaft wird damit ein recht individuelles Projekt.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><strong><em>Mit welchen Folgen?<\/em><\/strong><\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><strong>Schmitz:<\/strong> Erstens k\u00f6nnen die Software-Anbieter nur wenige solcher Projekte im Jahr erfolgreich umsetzen. Zweitens ist das eine wirkliche Verschwendung von Steuergeld, einmal bei der Investition und dann im laufenden Betrieb. Denn es gibt kaum Austausch in Sachen Best Practice. In dem einen Kreis wird der Restabfall verwogen. Im n\u00e4chsten wird mit der Papierentsorgung Geld verdient und das an die B\u00fcrgerinnen und B\u00fcrger r\u00fcckverg\u00fctet. Das gibt es dann nur dort. Daf\u00fcr gibt es viele Begr\u00fcndungen, die Satzung, die Politik, das ist auch alles nachvollziehbar. Am Ende landen diese Themen trotzdem nirgendwo anders.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><strong><em>Warum korrigiert sich das nicht \u00fcber die Ausschreibung selbst?<\/em><\/strong><\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><strong>Schmitz:<\/strong> Weil in den Ausschreibungen steht, das hier ist unsere Satzung, das musst du entsprechend abbilden. Es macht keiner seine Geb\u00fchrenabrechnung analog. Aber ausgeschrieben wird so, wie es die Satzung vorgibt. Also gibt es auch keine Verbesserung und Innovation im eigentlichen Kern. Das verhindert teils die Digitalisierung und treibt die Kosten. Das ist meiner Meinung nach sehr innovantionsfeindlich und verhindert das Potenzial, das die Kreislaufwirtschaft h\u00e4tte.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><strong><em>Welches Potenzial meinen Sie konkret?<\/em><\/strong><\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><strong>Schmitz:<\/strong> Deutschland wird immer als Trennweltmeister bezeichnet. Als Weltmeister vielleicht schon, aber beim Heben der Potenziale ist aus meiner Sicht noch sehr viel Luft nach oben. Dass die braune Tonne ein absolut wertvolles Gut ist, f\u00fcr Biogas oder f\u00fcr Kompost, wird \u00fcberhaupt nicht aktiv von den Beh\u00f6rden vorangetrieben. Dass sich mit Papier Geld verdienen l\u00e4sst, auch nicht, und umgesetzt wird es erst recht nicht. Viele B\u00fcrger trennen nicht, aus Unkenntnis oder weil es ihnen zu aufwendig erscheint, und werfen alles in die graue Tonne. Genau da entstehen die Potenziale, f\u00fcr die Stadt bei den Kosten und f\u00fcr den B\u00fcrger bei den Geb\u00fchren.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><strong><em>Der Bund treibt das Thema inzwischen mit Programm und Geld. Reicht das nicht?<\/em><\/strong><\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><strong>Schmitz:<\/strong> Nein, und das ist meine Kritik daran. Auf Bundesebene wird die Kreislaufwirtschaft vorangetrieben, aber die einzelne Stadt treibt sie nicht voran. Das Abfallaufkommen aus den privaten Haushalten ist riesig. Und da gibt es keine ausreichende und innovative Kreislaufwirtschaft au\u00dfer der, die zwangsweise verordnet wurde. Das darf doch eigentlich nicht sein.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><strong><em>Was raten Sie einem B\u00fcrgermeister, der das \u00e4ndern will und Satzungen und eingefahrene Prozesse vorfindet?<\/em><\/strong><\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><strong>Schmitz:<\/strong> Der erste Schritt ist die Frage, wie sich aus der Kreislaufwirtschaft wirklich Nutzen ziehen l\u00e4sst. Es gibt sehr moderne und innovative Landkreise in Deutschland, unser Nachbarkreis Ahrweiler zum Beispiel, die haben da extrem viel umgesetzt. Und was die hatten, ist die Antwort auf Ihre Frage. Die hatten den Mut und die M\u00f6glichkeit, die Satzung zu \u00e4ndern. Das ist der Schl\u00fcssel. Solange es hei\u00dft, ich kann das nur so machen, wie es schon immer ist, weil die Satzung das vorgibt, kann sich gar nichts \u00e4ndern. Dann muss so ausgeschrieben werden, wie die Satzung es vorgibt, und so abgerechnet werden, wie die Satzung es vorgibt.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><strong><em>Woran erkennt man eine Satzung, die den Weg freimacht?<\/em><\/strong><\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><strong>Schmitz:<\/strong> Dass die Menge der Restabf\u00e4lle gewogen oder nach Volumen abgerechnet wird. Dass es wirklich gezielte Kampagnen gibt, die eigene braune Tonne zu nutzen. Und dass es gute Vertr\u00e4ge gibt, um die Papiererl\u00f6se effizient zu nutzen. Das h\u00e4ngt unmittelbar mit der Trennung zusammen. Solange die B\u00fcrgerinnen und B\u00fcrger nicht besser trennen und nicht verstehen, warum, passiert nichts. Wenn auf dem Geb\u00fchrenbescheid steht, hier hast du zehn Euro zur\u00fcckbekommen, fangen die pl\u00f6tzlich an, das zu verstehen. Und dann kommen wir zur Kreislaufwirtschaft.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><strong><em>Sie verkaufen Software. Ist das nicht auch Eigeninteresse?<\/em><\/strong><\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><strong>Schmitz:<\/strong> Man kann sich nat\u00fcrlich vorstellen, dass ich aus dieser Welt komme und ein Verfechter von Kreislaufwirtschaft und Nachhaltigkeit bin. Aber ich sehe das nicht nur aus meiner eigenen Branchenperspektive, und ich sage das nicht aus kommerziellen Interessen. Ich finde, da l\u00e4uft wirklich einiges falsch. Das ist eine Verschwendung von Steuergeldern und eine Verschwendung von Kreislaufwirtschaftspotenzial. Was ich mir w\u00fcnschen w\u00fcrde, w\u00e4re ein einheitlicheres, relativ generisches und vereinfachtes Geb\u00fchrenmodell, das in der Umsetzung als Softwarel\u00f6sung einen Bruchteil dessen kostet, was heute f\u00fcr solche Projekte n\u00f6tig ist. Wir machen bewusst keine Ausschreibungsprojekte und wollen auch keine Individualsoftware. Das setzt aber voraus, dass es \u00fcberhaupt eine Standardisierung gibt.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><strong><em>Ihr Blick f\u00fcnf Jahre nach vorn?<\/em><\/strong><\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><strong>Schmitz:<\/strong> Dass sich immer mehr St\u00e4dte und Kreise satzungsm\u00e4\u00dfig \u00f6ffnen und den Mut haben, diese T\u00fcr f\u00fcr die Kreislaufwirtschaft aufzumachen, mit B\u00fcrgerkommunikation und mit den technischen M\u00f6glichkeiten. Das hei\u00dft: die Potenziale konsequent zu Ende denken, sie in der Satzung verankern und zu einer viel einfacheren Geb\u00fchrenabrechnung kommen, die den B\u00fcrger daf\u00fcr belohnt, dass er mitmacht. Dann sparen am Ende alle sp\u00fcrbar Geld. Wenn es dar\u00fcber einen Konsens g\u00e4be, mit deutlich weniger Varianten als heute, lie\u00dfe sich das Ganze wirklich konsequent digitalisieren. Dann w\u00e4re auch das Softwareprojekt einfach, statt zwei Jahre zu dauern. Und dann haben wir an allen Enden richtig etwas gewonnen. &nbsp;(DEKOM, 17.08.2026) <a href=\"https:\/\/synqony.com\/ueber-uns\/\">Mehr Infos hier\u2026<\/a><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Nur rund 13 Prozent der in Deutschland eingesetzten Rohstoffe sind Sekund\u00e4rrohstoffe \u2013 wiederaufbereitetes Material aus zweiter Hand. Die \u00fcbrigen 87 Prozent stammen aus dem Prim\u00e4rabbau, weit \u00fcberwiegend aus dem Ausland. 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