{"id":9465,"date":"2026-08-17T10:51:13","date_gmt":"2026-08-17T08:51:13","guid":{"rendered":"https:\/\/infosilo.info\/dekom\/?p=9465"},"modified":"2026-08-17T10:51:13","modified_gmt":"2026-08-17T08:51:13","slug":"drei-grossbaustellen-ein-budget-wie-troisdorf-strom-glasfaser-und-waerme-gleichzeitig-stemmt","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/infosilo.info\/dekom\/drei-grossbaustellen-ein-budget-wie-troisdorf-strom-glasfaser-und-waerme-gleichzeitig-stemmt\/","title":{"rendered":"Drei Gro\u00dfbaustellen, ein Budget: Wie Troisdorf Strom, Glasfaser und W\u00e4rme gleichzeitig stemmt"},"content":{"rendered":"\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Derzeit l\u00e4uft in Troisdorf die kommunale W\u00e4rmeplanung auf Hochtouren. Fast zeitgleich r\u00fccken in mehreren Stadtteilen die Glasfaserbagger an, und das \u00f6rtliche Stromnetz wird f\u00fcr W\u00e4rmepumpen und Elektroautos ert\u00fcchtigt. Drei Gro\u00dfbaustellen, die alle zur gleichen Zeit Kapital binden und zeigen, unter welchem Druck ein mittelgro\u00dfer Versorger heute steht. Michael Roelofs steuert die technische Seite dieses Umbaus. Der Diplom-Elektroingenieur f\u00fchrt die <a href=\"https:\/\/www.stadtwerke-troisdorf.de\/\">Stadtwerke Troisdorf<\/a> seit 2019 gemeinsam mit Andrea Vogt. Das j\u00fcngste Gesch\u00e4ftsjahr hat sein Haus mit einem starken Ergebnis abgeschlossen, f\u00fcr Roelofs weniger Ruhekissen als Fundament f\u00fcr die Investitionen, die nun anstehen. Im Interview erkl\u00e4rt er, warum der Stromnetzausbau bei ihm oberste Priorit\u00e4t genie\u00dfe und wo beim Glasfaserausbau trotz laufender Bagger der Schuh dr\u00fccke. Auch beim Reizthema Ladeinfrastruktur bezieht er klar Position und begr\u00fcndet, weshalb ein weiterer Zubau langsamer Ladepunkte im \u00f6ffentlichen Stra\u00dfenraum f\u00fcr ihn der falsche Weg w\u00e4re.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><strong><em>DEKOM: Die Stadtwerke Troisdorf haben ein sehr erfolgreiches Jahresergebnis erzielt \u2013 worauf f\u00fchren Sie diesen Erfolg zur\u00fcck, und welche Herausforderungen und Priorit\u00e4ten pr\u00e4gen nun Ihren Blick nach vorn?<\/em><\/strong><\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><strong>Michael Roelofs:<\/strong> Unser sehr gutes Ergebnis basiert auf drei tragenden S\u00e4ulen: Einer vorausschauenden und risikobewussten Beschaffungsstrategie, einer hohen operativen Exzellenz in allen Sparten und der tiefen Verwurzelung und Treue unserer Kundinnen und Kunden, die unser Engagement f\u00fcr eine lebenswerte Stadt zu sch\u00e4tzen wissen. Als TOP-Lokalversorger haben wir bewiesen, dass wirtschaftlicher Erfolg und faire Endkundenpreise Hand in Hand gehen k\u00f6nnen. Doch dieses Ergebnis ist f\u00fcr uns kein Ruhekissen, sondern das finanzielle Fundament f\u00fcr die gigantischen Aufgaben der Zukunft. Der Blick nach vorn wird ganz klar von der Realisierung der W\u00e4rme- und Stromnetztransformation gepr\u00e4gt. Die Priorit\u00e4ten der Vergangenheit verschieben sich vom Energievertrieb hin zum massiven Infrastrukturausbau und der Digitalisierung unserer Netz-Steuerungsprozesse sowie der konsequenten Optimierung unserer Prozesse unter Nutzung digitaler Hilfsmittel.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><strong><em>DEKOM: Warum hat der Ausbau des Stromnetzes f\u00fcr Sie aktuell h\u00f6chste Priorit\u00e4t \u2013 und wie gehen Sie damit um, dass Industrieunternehmen eigene Speicher und Rechenzentren planen?<\/em><\/strong><\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><strong>Michael Roelofs:<\/strong> Der massive Stromnetzausbau hat oberste Priorit\u00e4t, weil die Dekarbonisierung der Industrie, der Hochlauf der Elektromobilit\u00e4t und der Einbau von W\u00e4rmepumpen die Lastfl\u00fcsse in unserem Netz fundamental ver\u00e4ndern. Ein starkes, \u201eintelligentes\u201c Netz vor Ort wird zuk\u00fcnftig wesentlicher Standortfaktor f\u00fcr Industrieansiedlung sein und Schl\u00fcssel zur Energiewende der Stadt sein. Dass Industrieunternehmen eigene Gro\u00dfspeicher planen, sehen wir als Teil der L\u00f6sung f\u00fcr die Energiewende. Der Bau von Rechenzentren ist eine nachvollziehbare Folge der zunehmenden Digitalisierung, die nat\u00fcrlich in unserer Region stattfinden soll und nicht au\u00dferhalb von Deutschland. Insofern tun wir unser M\u00f6glichstes, um mit Weitblick im Netzausbau solche Projekte bei uns erm\u00f6glichen zu k\u00f6nnen.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><strong><em>DEKOM: Glasfaser gilt als Sorgenkind \u2013 woran hakt es konkret, und wie erkl\u00e4ren Sie sich die verhaltene Nachfrage der B\u00fcrgerinnen und B\u00fcrger?<\/em><\/strong><\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><strong>Michael Roelofs:<\/strong> Die Herausforderungen im Glasfasersegment sind vielschichtig: Extrem gestiegene Tiefbaukosten und der akute Fachkr\u00e4ftemangel belasten die Wirtschaftlichkeit im Markt sp\u00fcrbar. Das Hauptproblem bei der Nachfrage liegt jedoch in der aktuellen Marktdynamik: Die etablierten Telekommunikationsanbieter operieren auf einer nahezu vollst\u00e4ndig abgeschriebenen Kupfer- oder Kabel-Infrastruktur. Das erlaubt es ihnen, im Wettbewerb mit echten Kampfpreisen zu agieren, die f\u00fcr uns beim Neuaufbau eines Netzes kaum darstellbar sind. Gleichzeitig fehlt vielen Verbrauchern im Moment schlicht der akute Leidensdruck. Der Durchschnittshaushalt hat heute selten einen sp\u00fcrbaren Bedarf an Bandbreiten jenseits der 200 Mbit\/s. Solange das bestehende Netz f\u00fcr das aktuelle Nutzungsverhalten subjektiv ausreicht, sind viele B\u00fcrgerinnen und B\u00fcrger nicht bereit, f\u00fcr einen Glasfaseranschluss mehr zu bezahlen. Diese Zur\u00fcckhaltung wird erst dann br\u00f6ckeln, wenn der Bandbreitenbedarf in den kommenden Jahren massiv ansteigt. Durch den rasanten Einzug von KI-Anwendungen im Alltag, hochaufl\u00f6sendem Streaming, datenintensiven Uploads im Homeoffice und der vollst\u00e4ndigen Verlagerung von Anwendungen in die Cloud (Software as a Service) wird die alte Kupfer-Infrastruktur unweigerlich an ihre physikalischen Grenzen sto\u00dfen. Erst dann wird der Wechsel zu echter Glasfaser f\u00fcr die breite Masse alternativlos.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><strong><em>DEKOM: Wie finanzieren Sie den weiteren Glasfaserausbau \u2013 und was bedeutet die Zur\u00fcckhaltung der Banken bei einer Eigenkapitalquote unter 30 Prozent f\u00fcr Kommunen, die kein Nachrangdarlehen der Stadt mobilisieren k\u00f6nnen?<\/em><\/strong><\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><strong>Michael Roelofs: <\/strong>Wir profitieren in Troisdorf von der starken Aufstellung unseres Querverbundes und der engen, partnerschaftlichen Zusammenarbeit mit unserer Muttergesellschaft TroiKomm und der Stadt Troisdorf. Dennoch sp\u00fcren auch wir, dass die Banken bei der Kreditvergabe f\u00fcr den Breitbandausbau deutlich restriktiver geworden sind und strengere Ma\u00dfst\u00e4be an Eigenkapital anlegen. Das Kernproblem f\u00fcr uns ist dabei die extreme Gleichzeitigkeit konkurrierender, kapitalintensiver Investitions-Themen im kommunalen Querverbund: Wir m\u00fcssen zeitgleich den massiven Ausbau des Stromnetzes f\u00fcr die Energiewende finanzieren, investieren in die klassische Daseinsvorsorge wie die Sanierung des \u00f6rtlichen Schwimmbades und treiben parallel das Glasfasernetz voran. Diese Projekte k\u00e4mpfen alle um dieselben finanziellen Ressourcen. F\u00fcr Unternehmen, die bei einer Eigenkapitalquote von unter 30 Prozent keine Nachrangdarlehen oder Patronatserkl\u00e4rungen ihrer Stadt mobilisieren k\u00f6nnen, f\u00fchrt die Zur\u00fcckhaltung der Banken zu einer dramatischen Ausbaubremse. Ohne diese Absicherung r\u00fcckt eine klassische Bankenfinanzierung in weite Ferne. Der oft ins Spiel gebrachte Deutschlandfonds greift hier aktuell ins Leere: Er wurde zwar politisch angek\u00fcndigt, allerdings fehlen in der Praxis bislang die konkreten Instrumente zur wirksamen St\u00e4rkung des Eigenkapitals von Stadtwerken. F\u00fcr die betroffenen Regionen bedeutet das entweder den kompletten Baustopp beim Internet der Zukunft oder das bange Warten auf oft komplexe staatliche F\u00f6rderprogramme. Eine Alternative zur reinen Bankenfinanzierung bieten hier Public-Private-Partnerships (PPP), um privates Kapital mit kommunaler Steuerung zu verkn\u00fcpfen. Fehlen solche partnerschaftlichen Modelle jedoch, droht das komplette digitale Abh\u00e4ngen der Region: Da sich der rein private Ausbau in vielen Gebieten f\u00fcr Investoren allein nicht rechnet, findet ohne kommunale Flankierung oft \u00fcberhaupt kein Ausbau mehr statt \u2013 oder die Netze werden im Zuge einer erzwungenen Markt\u00fcbergabe rein renditeorientiert betrieben.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><strong><em>DEKOM: Die Auslastung Ihrer Lades\u00e4ulen liegt bei rund 20 Prozent \u2013 warum expandieren Sie im AC-Bereich dennoch nicht weiter?<\/em><\/strong><\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><strong>Michael Roelofs: <\/strong>Als Stadtwerke Troisdorf haben wir eine klare Haltung: Wir sind beim Aufbau des Ladenetzes massiv in Vorleistung gegangen. Wir wollten und wollen der \u201eEnabler\u201c, also der proaktive Erm\u00f6glicher der regionalen Elektromobilit\u00e4t sein. Eine Auslastung von etwa 20 Prozent im \u00f6ffentlichen Raum ist ein hervorragender Wert, der zeigt, dass unser bestehendes Netz gut platziert ist. Die Wahrheit ist aber auch: Allein mit dieser Auslastung finanziert sich diese Infrastruktur heute noch nicht. Vor diesem Hintergrund passt der oft laute Ruf nach immer mehr Lades\u00e4ulen schlicht nicht zur realen Dynamik bei den E-Fahrzeugneuzulassungen. Zudem verschieben sich die technologischen Anforderungen fundamental: Die Zukunftstechnologie f\u00fcr den \u00f6ffentlichen Raum ist ganz klar das schnelle DC-Laden. Die Autofahrer wollen unterwegs keine Stunden blockieren, sondern schnell Reichweite nachladen. Das langsame AC-Laden hingegen wandert perspektivisch fast vollst\u00e4ndig dorthin, wo Fahrzeuge ohnehin lange stehen \u2013 n\u00e4mlich in den privaten und halb\u00f6ffentlichen Raum, sprich in die heimische Garage oder auf den Mitarbeiterparkplatz. Ein weiterer breiter Zubau von klassischen AC-S\u00e4ulen im \u00f6ffentlichen Stra\u00dfenraum w\u00e4re daher wirtschaftlich und strategisch der falsche Weg.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><strong><em>DEKOM: Auf dem BDEW-Kongress haben Sie Ladebordsteine als innovative L\u00f6sung kennengelernt \u2013 was hat Sie daran \u00fcberzeugt?<\/em><\/strong><\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><strong>Michael Roelofs:<\/strong> Der Ansatz ist zweifellos ein interessanter Impuls f\u00fcr das Platzproblem auf st\u00e4dtischen Gehwegen. Die Idee, die Technik fl\u00e4chenschonend in die Bordsteinkante zu integrieren, hat rein konzeptionell ihren Charme, um Barrieren im \u00f6ffentlichen Raum zu reduzieren. In der Praxis sehe ich Ladebordsteine f\u00fcr uns jedoch als eine Nischenl\u00f6sung, da es sich hierbei um eine AC-Lade-Technologie handelt. Wie bereits erw\u00e4hnt, geh\u00f6rt das langsame AC-Laden aus unserer Sicht perspektivisch prim\u00e4r in den privaten und halb\u00f6ffentlichen Bereich \u2013 also in die heimische Garage oder auf den Mitarbeiterparkplatz. Im \u00f6ffentlichen Raum fordern die Kunden schnelles Laden, weshalb wir dort konsequent auf DC setzen. Der Ladebordstein bleibt damit ein interessanter Baustein, aber er ist kein Massenprodukt f\u00fcr unsere breite Infrastrukturstrategie. (DEKOM,17.08.2026) <a href=\"https:\/\/www.stadtwerke-troisdorf.de\/ueber-uns\/media-service\/geschaeftsbericht\">Mehr Infos hier\u2026<\/a><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Derzeit l\u00e4uft in Troisdorf die kommunale W\u00e4rmeplanung auf Hochtouren. Fast zeitgleich r\u00fccken in mehreren Stadtteilen die Glasfaserbagger an, und das \u00f6rtliche Stromnetz wird f\u00fcr W\u00e4rmepumpen und Elektroautos ert\u00fcchtigt. 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