{"id":9483,"date":"2026-09-01T10:23:52","date_gmt":"2026-09-01T08:23:52","guid":{"rendered":"https:\/\/infosilo.info\/dekom\/?p=9483"},"modified":"2026-09-01T10:23:52","modified_gmt":"2026-09-01T08:23:52","slug":"kommunale-rueckbauwelle-bei-photovoltaikanlagen","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/infosilo.info\/dekom\/kommunale-rueckbauwelle-bei-photovoltaikanlagen\/","title":{"rendered":"Kommunale R\u00fcckbauwelle bei Photovoltaikanlagen"},"content":{"rendered":"\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Wie gut ein Stoffstrom erfasst wird, entscheidet sich an der Rampe. Was danach mit ihm geschieht, entscheidet sich in den Werkshallen der Verwerter, und dort trennt sich, ob aus Altmaterial wieder Rohstoff wird oder nur Schrott. Bei einem Stoffstrom stellt sich diese Frage ab sofort in wachsendem Umfang. Zum 31. Dezember dieses Jahres f\u00e4llt erstmals ein gr\u00f6\u00dferer Bestand an Photovoltaikanlagen aus der EEG-Verg\u00fctung, und das \u00d6ko-Institut rechnet bis 2030 mit einem j\u00e4hrlichen R\u00fccklauf von rund 400.000 Tonnen Altmodulen in Deutschland. Ein erheblicher Teil davon liegt auf Schuld\u00e4chern und \u00f6ffentlichen Freifl\u00e4chen. Die <a href=\"https:\/\/solar-materials.com\/ueber-uns\/\">SOLAR MATERIALS GmbH<\/a> aus Magdeburg betreibt die erste industrielle Recyclinglinie Deutschlands, die ausgediente Module stofflich zerlegt statt sie zu schreddern. Das 2021 von Fridolin Franke, Jan Bargel und Dr. Jan-Philipp Mai gegr\u00fcndete Unternehmen ist seit 2023 als Abfallbehandlungsbetrieb f\u00fcr Solarmodule zertifiziert und besch\u00e4ftigt rund 60 Menschen, ein zweiter Standort in Italien ist angek\u00fcndigt. Mitgr\u00fcnder und Gesch\u00e4ftsf\u00fchrer Mai erl\u00e4utert im Interview, welche Rohstoffe sich in welcher Qualit\u00e4t zur\u00fcckholen lassen und warum die Verantwortung f\u00fcr gewerblich betriebene Anlagen auf \u00f6ffentlichen D\u00e4chern anders geregelt sei als die R\u00fcckgabe am Wertstoffhof. Und er skizziert einen Weg, auf dem St\u00e4dte und Gemeinden am Wert der Altmodule beteiligt werden k\u00f6nnten, ohne selbst in eine kapitalintensive Verwertungskette einzusteigen.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><strong><em>SOLAR MATERIALS betreibt in Magdeburg nach eigenen Angaben Deutschlands modernste industrielle Recyclinglinie f\u00fcr Solarmodule. Was genau passiert dort mit den ausgedienten Modulen \u2014 und welche Rohstoffe lassen sich in welchem Umfang zur\u00fcckgewinnen?<\/em><\/strong><\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Unsere Technologie basiert darauf, dass wir die Solarmodule schrittweise wieder auseinandernehmen und dabei Schicht f\u00fcr Schicht abtragen. Es entstehen sortenreine Rohstofffraktionen. Hierbei setzen wir auf Automatisierung, Robotik und mechanische Prozesse, die sich leicht skalieren lassen und kosteng\u00fcnstig sind. Das erlaubt es uns, die Rohstoffe eines Solarmoduls schrittweise zu extrahieren: Silber, Aluminium, Silizium, Kupfer und Glas. Mit unserem patentierten Verfahren k\u00f6nnen wir 99 % der Rohstoffe zur\u00fcckgewinnen. Zum Vergleich: \u00fcblicherweise werden Solarmodule geschreddert und das dabei entstehende Granulat wird anschlie\u00dfend nach seinen Bestandteilen sortiert. Dieser Prozess erlaubt es zwar auch Glas, Aluminium und Kupfer zur\u00fcckzugewinnen, jedoch in einer minderen Qualit\u00e4t, da die Rohstoffe durch Anhaftungen von Silizium und Silber verunreinigt sind. Zudem gehen insbesondere diese beiden wertvollen Rohstoffe \u2013 Silber und Silizium \u2013 dabei gr\u00f6\u00dftenteils verloren.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><strong><em>Kommunale Energie- und Liegenschaftsbetriebe verantworten wachsende PV-Fl\u00e4chenbest\u00e4nde auf \u00f6ffentlichen D\u00e4chern und Freifl\u00e4chen. Wenn diese Module in zehn bis f\u00fcnfzehn Jahren das Ende ihrer Lebensdauer erreichen, stehen die Betriebe vor der Frage der fachgerechten Entsorgung und Verwertung. Welche konkreten Abnahme- und R\u00fcckf\u00fchrungswege bietet SOLAR MATERIALS diesen kommunalen Betreibern heute schon an?<\/em><\/strong><\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Hier gilt: Recycelt wird kostenlos. M\u00f6glich wird das durch unsere Wertsch\u00f6pfung. Wir holen schlicht mehr Rohstoffe in h\u00f6herer Qualit\u00e4t aus den Modulen. Diese Mehrerl\u00f6se erlauben es uns dann Kosten f\u00fcr unsere Kunden zu senken, w\u00e4hrend andere Anbieter eine tonnenbasierte Recyclinggeb\u00fchr abrufen m\u00fcssen. Je nach Zustand und Anzahl der Solarmodule k\u00f6nnen wir sogar die Logistik kostenlos mit anbieten. Das ist f\u00fcr alle unsere Kundengruppen \u00e4u\u00dferst attraktiv. Fixiert man die Abnahme vertraglich, lassen sich damit sogar R\u00fcckstellungen f\u00fcr R\u00fcckbau reduzieren und ggf. damit verbundene Bankb\u00fcrgschaften. So wird Kapital frei, dass f\u00fcr andere Zwecke genutzt werden kann. In Zeiten knapp gef\u00fcllter kommunaler Kassen ist das ein interessantes Angebot.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><strong><em>Die EU-Altger\u00e4terichtlinie verpflichtet Hersteller und Vertreiber zur R\u00fccknahme von PV-Modulen, doch die praktische Umsetzung auf kommunaler Ebene \u2014 etwa \u00fcber Wertstoffh\u00f6fe \u2014 wirft organisatorische und logistische Fragen auf. Wie bewerten Sie die bestehende Sammelinfrastruktur, und wo sehen Sie f\u00fcr Kommunen den gr\u00f6\u00dften Handlungsbedarf?<\/em><\/strong><\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Die Frage vermischt zwei unterschiedliche Regelungen. Wertstoffh\u00f6fe nehmen Solarmodule aus privaten Haushalten an. Dort gilt, unabh\u00e4ngig vom Baujahr, eine kostenfreie R\u00fcckgabe f\u00fcr Privatpersonen, finanziert \u00fcber die kollektive Herstellerverantwortung. F\u00fcr kommunale Liegenschaften und Freifl\u00e4chen gilt dies nicht, da diese aufgrund ihrer Gr\u00f6\u00dfenordnung meist gewerbliche Anlagen sind. Hier ist der 24. Oktober 2015 der entscheidende Stichtag. Das hei\u00dft: Bei Modulen, die vor diesem Tag in Verkehr gebracht worden, liegt die Verantwortung der Entsorgung beim Eigent\u00fcmer, nicht beim Hersteller. Genau diese Verantwortung \u00fcbernehmen wir, wie eben beschrieben. Handlungsbedarf bei den Kommunen sehen wir an anderen Stellen. Zun\u00e4chst herrscht nach wie vor viel Unwissenheit beim Thema Solar, obwohl diese Technologie schon seit \u00fcber 20 Jahren weit verbreitet ist. Das \u00e4u\u00dfert sich in der Sortierung in den Wertstoffh\u00f6fen, hier werden Solarthermie-Module und Photovoltaik-Module vermischt. Oder auch verschiedene Photovoltaik-Technologien, f\u00fcr die unterschiedliche Recyclingprozesse genutzt werden. Diese Vermischung erschwert uns die Arbeit durch einen erh\u00f6hten Sortieraufwand. Hinzukommt, dass nicht jeder Wertstoffhof Module annimmt und daher die Informationslage f\u00fcr B\u00fcrger uneinheitlich ist. Aus unserer Sicht bedarf es Informationen und einer aktiven Wissensvermittlung. Nicht nur f\u00fcr Privatpersonen. Denn auch gewerbliche Betreiber sind f\u00fcr die ordnungsgem\u00e4\u00dfe Entsorgung der Module verantwortlich und m\u00fcssen daf\u00fcr einen zertifizierten Nachweis f\u00fchren. Der Verkauf von nicht funktionierenden Solarmodulen ohne zertifizierte Funktionspr\u00fcfung verst\u00f6\u00dft gegen die Pflichten aus \u00a7 20 ElektroG und kann als Ordnungswidrigkeit mit hohen Bu\u00dfgeldern geahndet werden.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><strong><em>Magdeburg ist Ihr erster Produktionsstandort, ein weiterer in Italien ist angek\u00fcndigt. Nach welchen Kriterien w\u00e4hlen Sie Ihre Standorte \u2014 und welche Rolle spielen dabei kommunale Rahmenbedingungen wie Fl\u00e4chenverf\u00fcgbarkeit, Genehmigungspraxis oder die N\u00e4he zu regionalen Stoffstr\u00f6men?<\/em><\/strong><\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Betrachtet man den Entsorgungsprozess von der Baustelle eines Solarparks bis zu uns ins Werk, sind die Logistikkosten ein wesentlicher Kostenfaktor. Folglich ist es logisch, Standorte zu pr\u00fcfen, an denen es viele Solarparks gibt. Damit verbunden spielt auch die Infrastruktur eine gro\u00dfe Rolle, ebenso wie kommunale Rahmenbedingungen. Wir haben keine Glaskugel, wo sich welche M\u00e4rkte entwickeln, aber dank der Geschichte der Solarindustrie k\u00f6nnen wir sehen, wo in den letzten Jahrzehnte M\u00e4rkte entstanden sind und somit unweigerlich die Frage der Entsorgung fr\u00fcher oder sp\u00e4ter auftauchen wird. Und wenn es soweit ist, wollen wir da sein.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><strong><em>In der kommunalen Abfallwirtschaft wird zunehmend diskutiert, ob sich aus dem Recycling kritischer Rohstoffe \u2014 etwa Silizium, Silber oder Kupfer aus Solarmodulen \u2014 eigenst\u00e4ndige regionale Wertsch\u00f6pfungsketten entwickeln lassen. Wie sch\u00e4tzen Sie das wirtschaftliche Potenzial realistisch ein, und ab welchen Mengen wird ein solcher Kreislauf f\u00fcr eine Kommune oder einen regionalen Zweckverband wirtschaftlich tragf\u00e4hig?<\/em><\/strong><\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Recycling ist immer ein lokales Gesch\u00e4ft. Zum einen, weil niemand Abfall verschicken m\u00f6chte, zum anderen, weil man erkannt hat, dass hier enormer Wert liegt. Auf der Rohstoffseite geht es dann aber immer um die bestm\u00f6gliche Nutzung. Das bedeutet auch die Betrachtung von Transportkosten. Glas, Aluminium, Kupfer sind dabei prim\u00e4r lokale Rohstoffe. F\u00fcr Silizium und Silber arbeiten wir dann mit spezialisierten Abnehmern zusammen. F\u00fcr uns gilt dabei aus Sachsen-Anhalt f\u00fcr Europa. Unser patentierter Prozess ist ein modulares Konzept. So w\u00e4re die Beteiligung an einzelnen dieser Schritte wom\u00f6glich sinnvoller als der Aufbau einer eigenen Kette. Beispielsweise ist Entfernen des Aluminiumrahmens technisch einfach und l\u00e4sst sich vor Ort leisten. Eine Kommune k\u00f6nnte diesen Schritt \u00fcbernehmen und daf\u00fcr verg\u00fctet werden, statt die komplette, kapitalintensive Weiterverarbeitung selbst aufzubauen. Denkbar w\u00e4re auch, dass die Kommune das gewonnene Aluminium selbst vermarktet, statt es an uns abzugeben. Module, die noch funktionsf\u00e4hig sind, kaufen wir bereits heute f\u00fcr die Wiederverwendung an. Das w\u00e4re auch ein zus\u00e4tzlicher Anreiz f\u00fcr eine gute Vorsortierung auf den Wertstoffh\u00f6fen. Schlie\u00dflich ist Re-Use im Sinne der Kreislaufwirtschaft die bevorzugte L\u00f6sung. Damit wird die Kommune Teil des Kreislaufs, ohne das Investitions- und Marktrisiko einer eigenen Verwertungskette zu tragen. (DEKOM, 01.09.2026) <a href=\"https:\/\/solar-materials.com\/ueber-uns\/\">Mehr Infos hier\u2026<\/a><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Wie gut ein Stoffstrom erfasst wird, entscheidet sich an der Rampe. Was danach mit ihm geschieht, entscheidet sich in den Werkshallen der Verwerter, und dort trennt sich, ob aus Altmaterial wieder Rohstoff wird oder nur Schrott. Bei einem Stoffstrom stellt sich diese Frage ab sofort in wachsendem Umfang. Zum 31. Dezember dieses Jahres f\u00e4llt erstmals [&hellip;]<\/p>\n","protected":false},"author":4,"featured_media":0,"comment_status":"closed","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[1],"tags":[],"class_list":["post-9483","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-allgemein"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/infosilo.info\/dekom\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/9483","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/infosilo.info\/dekom\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/infosilo.info\/dekom\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/infosilo.info\/dekom\/wp-json\/wp\/v2\/users\/4"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/infosilo.info\/dekom\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=9483"}],"version-history":[{"count":1,"href":"https:\/\/infosilo.info\/dekom\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/9483\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":9484,"href":"https:\/\/infosilo.info\/dekom\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/9483\/revisions\/9484"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/infosilo.info\/dekom\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=9483"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/infosilo.info\/dekom\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=9483"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/infosilo.info\/dekom\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=9483"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}