{"id":9488,"date":"2026-09-01T10:25:28","date_gmt":"2026-09-01T08:25:28","guid":{"rendered":"https:\/\/infosilo.info\/dekom\/?p=9488"},"modified":"2026-09-01T10:39:14","modified_gmt":"2026-09-01T08:39:14","slug":"kritische-rohstoffe-bergbau-braucht-zeit","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/infosilo.info\/dekom\/kritische-rohstoffe-bergbau-braucht-zeit\/","title":{"rendered":"Kritische Rohstoffe &#8211; Bergbau braucht Zeit"},"content":{"rendered":"\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Der Ausbau erneuerbarer Erzeugung und die Digitalisierung \u00f6ffentlicher Infrastruktur haben eine materielle Seite, die in Haushaltsberatungen selten auftaucht. Jede Windkraftanlage, jeder Ortsnetztrafo und jeder Elektrobus enthalten Metalle, die \u00fcberwiegend aus einem einzigen Land kommen. Wie belastbar diese Versorgung ist, zeigt sich gerade in den Handelszahlen. Die europ\u00e4ischen Importe bestimmter Seltener Erden aus China sind in den ersten f\u00fcnf Monaten dieses Jahres gegen\u00fcber dem Vorjahreszeitraum um 45 Prozent eingebrochen. Die Deutsche Rohstoffagentur verweist auf Exportkontrollen, die China zuletzt mehrfach versch\u00e4rft hat.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Kritische Rohstoffe sind Materialien von hoher wirtschaftlicher Bedeutung, die sich schlecht ersetzen lassen und zugleich einem hohen Versorgungsrisiko unterliegen, weil sie nur in wenigen L\u00e4ndern oder in geopolitisch heiklen Regionen vorkommen. Seltene Erden geh\u00f6ren dazu, ebenso Wolfram, Gallium oder Antimon. So beschreibt es Adriana Neligan, Senior Economist f\u00fcr Umwelt, Kreislaufwirtschaft und Nachhaltigkeit im Institut der deutschen Wirtschaft, in einem Interview mit dem Informationsdienst iwd. Deutschland verf\u00fcge \u00fcber keine nennenswerten eigenen Vorkommen und sei damit in einer Lage, die sich kurzfristig nicht aufl\u00f6sen lasse.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Betroffen ist ein erheblicher Teil der Wirtschaft. Fast jedes neunte Unternehmen in Deutschland bezieht direkt oder indirekt kritische Rohstoffe aus dem Ausland, im Verarbeitenden Gewerbe sind es 18 Prozent und in der Metall- und Elektro-Industrie sogar 28 Prozent. Neben der direkten Einfuhr wiegt die indirekte Abh\u00e4ngigkeit \u00fcber Vorprodukte schwer. Bei Permanentmagneten, wie sie in Windkraftanlagen und Fahrzeugantrieben stecken, liefere China mehr als 90 Prozent, f\u00fchrt Neligan aus. Rund 70 Prozent der weltweiten Gewinnung seltener Erden kontrolliere das Land, bei den nachgelagerten Verarbeitungsstufen sei die Dominanz noch ausgepr\u00e4gter.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Sp\u00fcrbar geworden ist das bereits ohne einen f\u00f6rmlichen Lieferstopp. 2025 gab China Lieferungen bestimmter Rohstoffe nur noch an zuvor lizenzierte Abnehmer frei, die daf\u00fcr detaillierte Angaben zu ihren Gesch\u00e4ftsaktivit\u00e4ten und Lieferbeziehungen machen mussten. In der IW-Befragung bewerten 37 Prozent der betroffenen Unternehmen genau diese erzwungene Offenlegung als sehr problematisch. Hinzu kommt eine extraterritoriale Wirkung, weil Erzeugnisse aus chinesischem Material unter Umst\u00e4nden nicht mehr in die USA ausgef\u00fchrt werden d\u00fcrfen. W\u00fcrden die Lieferungen weiter eingeschr\u00e4nkt, rechnen 88 Prozent der betroffenen Betriebe mit h\u00f6heren Beschaffungskosten, 61 Prozent m\u00fcssten ihre Produktion drosseln oder anhalten. Vier von zehn Unternehmen gehen davon aus, in der Folge Kunden zu verlieren.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">F\u00fcr Stadtwerke, Verkehrsbetriebe und kommunale Netzgesellschaften ist das keine ferne Industriedebatte. Sie beschaffen dieselben Komponenten wie die Privatwirtschaft und stehen in denselben Lieferketten. Transformatoren, Ladeinfrastruktur, W\u00e4rmepumpen f\u00fcr \u00f6ffentliche Liegenschaften und die Antriebe kommunaler Busflotten h\u00e4ngen an Kupfer, Aluminium und Magnetwerkstoffen. Wo Vergabeverfahren mit Lieferfristen kalkuliert werden, die aus der Zeit vor den Exportkontrollen stammen, entstehen Verz\u00f6gerungen und Nachtr\u00e4ge, die am Ende im Haushalt landen. Preisgleitklauseln und realistisch bemessene Ausf\u00fchrungsfristen sind deshalb weniger eine kaufm\u00e4nnische Feinheit als eine Absicherung gegen absehbare St\u00f6rungen.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Auf europ\u00e4ischer Ebene gibt der Critical Raw Materials Act den Rahmen vor, bis 2030 mehr kritische Rohstoffe selbst zu f\u00f6rdern und mehr davon im Kreislauf zu halten. Die Umsetzung gestalte sich schwierig, weil Europa kaum eigene Kapazit\u00e4ten besitze und Planungs- sowie Genehmigungsverfahren lange dauerten. \u201eBergbau braucht Zeit&#8220;, fasst Neligan zusammen. Die Deutsche Rohstoffagentur f\u00fchrt aktuell 150 Explorationsaktivit\u00e4ten, s\u00e4mtlich in fr\u00fchen Phasen und mit erheblichem Kapitalbedarf. Selbst ein f\u00fchrender EU-Produzent wie Finnland steuert nur gut ein Prozent zur globalen Nickelproduktion bei. Der deutsche Rohstofffonds h\u00e4lt Mittel f\u00fcr Gewinnung, Weiterverarbeitung und Recyclinganlagen bereit und f\u00f6rdert damit erste Vorhaben wie die Lithiumgewinnung am Oberrheingraben. Als Vorbild gilt Japan, das bereits 2010 in eine australische Mine f\u00fcr seltene Erden investierte und parallel Forschung zu Ersatzstoffen und Recycling ausbaute.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Die Wirtschaft selbst zeigt sich zahlungsbereit. F\u00fcr Rohstoffe aus sicheren Quellen au\u00dferhalb Chinas w\u00fcrden 41 Prozent der Unternehmen deutlich h\u00f6here Kosten akzeptieren, weitere 42 Prozent geringf\u00fcgig h\u00f6here. Eine gr\u00f6\u00dfere Lagerhaltung ziehen 63 Prozent in Betracht, und 72 Prozent w\u00fcrden Kostensteigerungen hinnehmen, um ihre Produktion so umzustellen, dass weniger kritische Rohstoffe gebraucht werden. Gut die H\u00e4lfte der Betriebe h\u00e4lt Sekund\u00e4rrohstoffe auch bei h\u00f6heren Preisen f\u00fcr eine sinnvolle Option.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Damit r\u00fcckt der dritte Baustein neben heimischer F\u00f6rderung und Import in den Vordergrund. Der Critical Raw Materials Act setzt bis 2030 ein Recyclingziel von 25 Prozent, wobei sich Kupfer und Aluminium bereits gut zur\u00fcckgewinnen lassen, w\u00e4hrend die Wiederverwertung bei Gallium oder Lithium bislang kaum eine Rolle spiele, so die Einsch\u00e4tzung aus dem IW. Offen bleibt, aus welchen Best\u00e4nden die Mengen kommen sollen, mit denen sich ein solches Ziel \u00fcberhaupt erreichen l\u00e4sst. (IWD, 26.08.2026) <a href=\"https:\/\/www.iwd.de\/artikel\/interview-versorgungssicherheit-kostet-688897\/\">Ganze PM hier\u2026<\/a><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Der Ausbau erneuerbarer Erzeugung und die Digitalisierung \u00f6ffentlicher Infrastruktur haben eine materielle Seite, die in Haushaltsberatungen selten auftaucht. Jede Windkraftanlage, jeder Ortsnetztrafo und jeder Elektrobus enthalten Metalle, die \u00fcberwiegend aus einem einzigen Land kommen. Wie belastbar diese Versorgung ist, zeigt sich gerade in den Handelszahlen. 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