{"id":9495,"date":"2026-09-01T10:28:09","date_gmt":"2026-09-01T08:28:09","guid":{"rendered":"https:\/\/infosilo.info\/dekom\/?p=9495"},"modified":"2026-09-01T10:28:09","modified_gmt":"2026-09-01T08:28:09","slug":"bitterfeld-wolfen-und-das-dritte-solar-aus","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/infosilo.info\/dekom\/bitterfeld-wolfen-und-das-dritte-solar-aus\/","title":{"rendered":"Bitterfeld-Wolfen und das dritte Solar-Aus"},"content":{"rendered":"\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Wenn eine Stadt zusehen muss, wie ihre Zukunftsbranche zum dritten Mal einbricht, k\u00f6nnte man Resignation erwarten. In Bitterfeld-Wolfen klingt das anders. Nach Q-Cells und Sovello hat mit der Meyer-Burger-Zellfertigung im Ortsteil Thalheim zum 1. September 2025 der dritte gro\u00dfe Solarname aus dem sogenannten Solar Valley den Betrieb eingestellt, rund 330 Arbeitspl\u00e4tze sind dabei weggefallen. Oberb\u00fcrgermeister Armin Schenk (CDU) ordnet die Insolvenz im Gespr\u00e4ch dennoch n\u00fcchtern ein und verweist auf den Unterschied zu den fr\u00fcheren Einbr\u00fcchen.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Anders als beim Ende von Q-Cells, das nach der Insolvenz privatisiert wurde und als Hanwha Q-Cells mit heute \u00fcber 500 Besch\u00e4ftigten in Forschung und Entwicklung sowie einer Zellproduktion im Werk verblieben ist, bedeutet das Meyer-Burger-Aus laut Schenk keinen Totalausfall der Photovoltaik am Standort. Trotzdem bleibt der Verlust schmerzhaft. Knapp 200 Arbeitspl\u00e4tze seien durch die Insolvenz tats\u00e4chlich weggefallen, sagt Schenk, deutlich weniger als die zun\u00e4chst kolportierten rund 330 Stellen der Zellfertigung, weil ein Teil der Belegschaft bereits vorher abgebaut worden sei.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Die Insolvenzverwalter fanden f\u00fcr die deutschen Meyer-Burger-Gesellschaften zun\u00e4chst keinen Investor, der die Produktion in Thalheim und im s\u00e4chsischen Hohenstein-Ernstthal fortf\u00fchrt. Im M\u00e4rz 2026 kaufte das US-Unternehmen Swift Solar die zentrale Zellfertigungslinie aus Bitterfeld-Wolfen sowie das geistige Eigentum aus der Insolvenzmasse, um damit in Kalifornien eine Gigawatt-Fertigung aufzubauen. Die Anlagen wandern damit in die USA ab, die Halle in Thalheim wird frei. Wer k\u00fcnftig \u00fcber das Geb\u00e4ude verf\u00fcgt, ist allerdings nicht trivial, denn Meyer Burger war dort nur Mieter. Nach Schenks Angaben ist die Grundst\u00fcckseigent\u00fcmerschaft im Technologiepark Mitteldeutschland uneinheitlich, ein Teil der Fl\u00e4chen geh\u00f6re Hanwha Q-Cells, andere Eigent\u00fcmer k\u00e4men hinzu. Wer Interesse an einer Ansiedlung habe, sei bei der <a href=\"https:\/\/www.bitterfeld-wolfen.de\/de\/wisl_s-cms\/_redaktionell\/44\/Wirtschaftsfoerderung_business_development_service_.html\">st\u00e4dtischen Wirtschaftsf\u00f6rderung<\/a> an der richtigen Adresse, sagt Schenk, sie b\u00fcndele die Kontakte zu Eigent\u00fcmern und Insolvenzverwaltung.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Dass Bitterfeld-Wolfen trotz dreier gescheiterter Solarkapitel nicht am Boden liegt, f\u00fchrt Schenk auf die Struktur zur\u00fcck, die sich neben dem eigentlichen Solar Valley entwickelt hat. Der traditionelle Kern der Stadt, in dem einst Agfa, ORWO und die Filmfabrik Wolfen produzierten, ist nach 1990 zum Chemiepark zwischen Wolfen, Greppin und Bitterfeld umgebaut worden und beherbergt heute neben Feinchemie und Pharmazie auch Metall- und Glasindustrie sowie Unternehmen der Kreislaufwirtschaft. Das Solar Valley in Thalheim ist dagegen ein j\u00fcngeres, eigenst\u00e4ndiges Industrieareal. Im Technologiepark Mitteldeutschland habe sich inzwischen ein Branchenmix etabliert, der die Lage entspannter mache als in den neunziger Jahren, sagt Schenk. Unbebaute Fl\u00e4chen seien dort kaum noch verf\u00fcgbar, in der Vermarktung bef\u00e4nden sich vor allem Hallenfl\u00e4chen mit schwankender, aber laut Eigent\u00fcmer insgesamt zufriedenstellender Nachfrage.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Perspektivisch d\u00fcrften vor allem Rechenzentren und Batteriespeicher um Fl\u00e4chen mit hoher Netzanschlusskapazit\u00e4t konkurrieren, auch bei Bitterfeld-Wolfen liegen entsprechende Anfragen vor. Schenk verweist dabei auf ein zentrales Nadel\u00f6hr: Investoren fragten meist Anschl\u00fcsse auf der 380-Kilovolt-Ebene nach, und die vorhandene Infrastruktur f\u00fcr die fr\u00fcheren Industrieansiedlungen reiche daf\u00fcr regelm\u00e4\u00dfig nicht aus, zus\u00e4tzliche Investitionen seien n\u00f6tig. Eine Ansiedlung dieser Gr\u00f6\u00dfenordnung w\u00fcrde die Stadt nur gemeinsam mit der landeseigenen <a href=\"https:\/\/www.investieren-in-sachsen-anhalt.de\/wirtschaftsfoerderung?gad_source=1&amp;gad_campaignid=23830403465&amp;gbraid=0AAAAArFFB5n-LHZPOsLFBJ1X8KTk0wu-N&amp;gclid=Cj0KCQjw79nUBhCgARIsADSHka0pK_iiFAhSINZOrlfKUgAex_YstFuIzvUfRKkdwMKFGOddOk_h4d0aAkg_EALw_wcB\">Investitions- und Marketinggesellschaft Sachsen-Anhalt (IMG)<\/a> und den zust\u00e4ndigen Ministerien angehen, sagt Schenk, das sei f\u00fcr die Verwaltung noch Neuland. Priorit\u00e4t habe ohnehin die Ansiedlung von Zell- und Batterietechnologie im engeren Sinn, etwa entlang der bereits vorhandenen Lithium- und Siliziumverarbeitung in der Stadt.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Mit dem Land Sachsen-Anhalt und der IMG laufe die Zusammenarbeit bei Ansiedlungsanfragen gut, sagt Schenk auf die Frage, ob sich die Stadt von der Landespolitik allein gelassen f\u00fchle. Ein Wunsch bleibt trotzdem offen: Dass diese Zusammenarbeit so bestehen bleibt, wie sie heute ist.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Auch beim Glasfaserausbau zeigt sich ein zweigeteiltes Bild. Gewerbe- und Industriegebiete seien inzwischen weitgehend erschlossen, f\u00fcr Wohngebiete sei die Stadt dagegen noch nicht zufrieden, sagt Schenk. Eine urspr\u00fcnglich eigenwirtschaftlich angelegte Kooperationsvereinbarung mit einem Ausbauunternehmen sei gescheitert, aktuell laufe ein neues Interessenbekundungsverfahren. Bleibt das ohne eigenwirtschaftliches Angebot, will die Stadt auf F\u00f6rderprogramme des Landes zur\u00fcckgreifen, um die verbliebenen l\u00e4ndlichen L\u00fccken zu schlie\u00dfen, etwa einzelne Geh\u00f6fte oder Stra\u00dfenz\u00fcge mit wenigen Anschl\u00fcssen, die f\u00fcr Ausbauunternehmen unwirtschaftlich sind. Parallel hat sich die Wohnungswirtschaft der Stadt zu einer geb\u00fcndelten Ausschreibung zusammengeschlossen, den Zuschlag erhielt ein bundesweit bekanntes Unternehmen, das den Ausbau in den Wohnungsbest\u00e4nden sukzessive umsetzt.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Bei der Abwasserentsorgung sieht Schenk die Stadt gut aufgestellt. Die in den neunziger Jahren neu errichtete Gemeinschaftskl\u00e4ranlage, die sowohl die Stadt als auch umliegende Industriebetriebe und Nachbargemeinden versorgt, galt damals als \u00fcberdimensioniert und muss nun erweitert werden, eine Entwicklung, die Schenk als Erfolgsgeschichte bezeichnet.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Ein Thema l\u00e4sst Schenk zum Schluss nicht los, das Gewerbesteuerrecht. St\u00e4dte wie Bitterfeld-Wolfen, in denen Produktionsstandorte gro\u00dfer Unternehmen angesiedelt sind, s\u00e4hen die Gewerbesteuereinnahmen h\u00e4ufig nicht in dem Ma\u00dfe vor Ort ankommen, wie es der tats\u00e4chlichen wirtschaftlichen Leistung entspreche. Er habe dieses Anliegen wiederholt an die Bundespolitik adressiert, bislang ohne Ver\u00e4nderung, sagt Schenk. F\u00fcr die Finanzausstattung von St\u00e4dten wie Bitterfeld-Wolfen bleibe das Thema entsprechend zentral. (DEKOM, 01.09.2026) <a href=\"https:\/\/www.bitterfeld-wolfen.de\/de\/wisl_s-cms\/_redaktionell\/46\/Der_Standort_location_.html\">Mehr Infos hier\u2026<\/a><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Wenn eine Stadt zusehen muss, wie ihre Zukunftsbranche zum dritten Mal einbricht, k\u00f6nnte man Resignation erwarten. In Bitterfeld-Wolfen klingt das anders. Nach Q-Cells und Sovello hat mit der Meyer-Burger-Zellfertigung im Ortsteil Thalheim zum 1. 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