{"id":9502,"date":"2026-09-01T10:32:41","date_gmt":"2026-09-01T08:32:41","guid":{"rendered":"https:\/\/infosilo.info\/dekom\/?p=9502"},"modified":"2026-09-01T10:38:52","modified_gmt":"2026-09-01T08:38:52","slug":"bei-der-permanenten-ueberwachung-der-netze-stehen-wir-ganz-am-anfang-ebero-ceo-carsten-schweneker-im-gespraech","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/infosilo.info\/dekom\/bei-der-permanenten-ueberwachung-der-netze-stehen-wir-ganz-am-anfang-ebero-ceo-carsten-schweneker-im-gespraech\/","title":{"rendered":"Bei der permanenten \u00dcberwachung der Netze stehen wir ganz am Anfang \u2013 EBERO CEO Carsten Schweneker im Gespr\u00e4ch"},"content":{"rendered":"\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Der Brandanschlag auf das Berliner Stromnetz Anfang Januar hat gezeigt, wie verwundbar kritische Infrastrukturen in Deutschland sind. Im Sommer kommt eine weitere, weniger sichtbare Gefahr hinzu: Ausgetrocknete B\u00f6den setzen alten Wasserleitungen zu \u2013 Fachleute sprechen von Trockenfrost. Im DEKOM-Sommerinterview erkl\u00e4rt EBERO CEO Carsten Schweneker, warum Graugussleitungen jetzt zum Risiko werden, weshalb \u00f6ffentliche Trinkwasserbrunnen trotz Hitzeschutzpl\u00e4nen nur schleppend nachgefragt werden, was der Ladebordstein in dichten Quartieren leisten kann und warum der Rechenzentrumsboom Glasfaser knapp und teuer macht.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><strong><em>DEKOM: Herr Schweneker, wir haben im Dezember miteinander gesprochen. Damals haben Sie mehr Engagement beim Schutz kritischer Infrastrukturen angemahnt \u2013 im Januar wurden Sie durch den Anschlag auf das Berliner Stromnetz best\u00e4tigt. Jetzt, in den Hitzeperioden dieses Sommers, sind diese Infrastrukturen ganz anderen Gefahren ausgesetzt, n\u00e4mlich dem Trockenfrost. Das Wort war uns neu. Was hat es damit auf sich?<\/em><\/strong><\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><strong>Schweneker:<\/strong> Normalerweise sind B\u00f6den homogen, haben einen gewissen Feuchtigkeitsgehalt und dadurch auch eine gewisse Viskosit\u00e4t. Durch das Austrocknen der B\u00f6den entsteht genau der gleiche Effekt wie bei frostigen B\u00f6den: Die Leitungen halten den Belastungen nicht stand. Das betrifft im Grunde nur einen Werkstoff, den man vor 50 Jahren noch eingesetzt hat, die sogenannten Graugussleitungen. Dort sind die Auswirkungen am st\u00e4rksten. Grauguss ist erst in den Siebzigerjahren durch duktile Gussrohre ersetzt worden, die deutlich weicher sind. Bei den alten Graugussleitungen aber passiert so etwas \u2013 und die sollten eigentlich l\u00e4ngst ersetzt sein, denn die Lebensdauer einer Rohrleitung betr\u00e4gt etwa 50 Jahre \u2013 in der Realit\u00e4t liegen viele dieser alten Leitungen aber schon erheblich l\u00e4nger im Boden und sind entsprechend risikobehaftet. Passieren kann das auch bei neueren Werkstoffen, die sind aber deutlich resilienter. Die Versorger wissen, wo diese alten Leitungen liegen, das ist genau erfasst. Man sollte deshalb \u2013 ich werde nicht m\u00fcde, darauf hinzuweisen \u2013 bei kritischen Infrastrukturen den Lebenszyklus st\u00e4rker im Blick haben und an die Erneuerung denken. Ansonsten kann man tats\u00e4chlich nur abwarten, bis das Wasser irgendwo herauskommt.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><strong><em>DEKOM: Auch ohne Trockenfrost setzt die Hitze den Menschen zu. Kommunen sind im Rahmen der Daseinsvorsorge gefordert, Abhilfe zu schaffen, soweit es geht. \u00dcberall gibt es Hitzeschutzpl\u00e4ne, und \u00f6ffentliche Trinkwasserbrunnen stehen da immer drin. Sie haben welche im Sortiment. Wie l\u00e4uft die Nachfrage? Eigentlich m\u00fcsste man sie Ihnen aus den H\u00e4nden rei\u00dfen.<\/em><\/strong><\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><strong>Schweneker:<\/strong> Extrem schleppend. Das ist bisher vor allem eine ungekl\u00e4rte Zust\u00e4ndigkeits- und Kostenfrage. Die Kommune m\u00f6chte die Brunnen, sie fordert sie und geht damit auf ihren beauftragten Versorger zu, der Konzessionstr\u00e4ger ist. Und der wehrt sich, ich sage mal, aus guten Gr\u00fcnden eher dagegen. Er ist am Ende f\u00fcr den Betrieb verantwortlich, die Kosten verbleiben bei ihm als Betreiber, und er muss dar\u00fcber hinaus daf\u00fcr sorgen, dass eine hohe Trinkwasserreinheit gew\u00e4hrleistet ist. Das ist bei diesen sehr \u00f6ffentlich zug\u00e4nglichen Trinkwasserspendern extrem kritisch. Wenn wir auf der anderen Seite \u00fcber kritische Infrastruktur reden, soll m\u00f6glichst kein Gef\u00e4hrdungspotenzial entstehen. Das ist an dieser Stelle ein klassischer Zielkonflikt. Ich kenne \u00f6ffentliche Wasserversorger, die da sehr vorsichtig agieren, und das kann ich durchaus verstehen. Sie haben am Ende die Haftung, wenn Keime im Wasser sind \u2013 oder wenn Leute, die uns B\u00f6ses wollen, \u00fcber diesen Weg Zugang zum \u00f6ffentlichen Wassernetz bekommen und die Haftungsfrage nicht gekl\u00e4rt ist. Diesen Zielkonflikt werden wir so schnell nicht aufl\u00f6sen. Da braucht es vielleicht andere L\u00f6sungen.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><strong><em>DEKOM: Wasserverteilnetze sind ohnehin kommunales Dauerthema, die Stadtwerke besch\u00e4ftigen sich st\u00e4ndig damit. Sie bieten mit Ihrem Partner 3S Antriebe ein System an, mit dem Wasserverteilnetze digital nachger\u00fcstet werden k\u00f6nnen. K\u00f6nnen Sie das erkl\u00e4ren?<\/em><\/strong><\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><strong>Schweneker:<\/strong> Die Antriebe von 3S haben insofern mit Digitalisierung zu tun, dass man die Armaturen auf Knopfdruck sofort schlie\u00dfen kann, wenn es n\u00f6tig ist, weil das Trinkwasser belastet ist. Damit habe ich das Netz als solches noch gar nicht digitalisiert, sondern nur die Bet\u00e4tigung der Armatur \u2013 was schon ein gro\u00dfer Fortschritt ist, denn das war vorher nicht m\u00f6glich. Zur permanenten \u00dcberwachung des Netzes m\u00fcssten die Leitungen mit Sensoren und \u00dcbertragungskabeln versehen werden. Auch daf\u00fcr gibt es inzwischen L\u00f6sungen, aber da stehen wir ganz am Anfang, weil mit dem Thema KRITIS gerade erst das Bewusstsein f\u00fcr die Verletzbarkeit dieses Systems entsteht. Man kann Trinkwasser sehr leicht besch\u00e4digen oder im negativen Sinne manipulieren, und deshalb muss eine permanente \u00dcberwachung her.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><strong><em>DEKOM: Das alles spielt sich unter der Stra\u00dfe ab. Auf der Stra\u00dfe ist ebenfalls viel in Bewegung, zum Beispiel bei der Ladeinfrastruktur. Die Bundesnetzagentur z\u00e4hlt inzwischen rund 210.000 \u00f6ffentliche Ladepunkte, 17 Prozent mehr als im Vorjahr. Zugleich h\u00f6ren wir immer wieder, dass in dichten Quartieren gar kein Platz mehr f\u00fcr Lades\u00e4ulen ist. Sie haben mit dem Ladebordstein eine L\u00f6sung im Programm. Was kann der, was eine S\u00e4ule nicht kann?<\/em><\/strong><\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><strong>Schweneker:<\/strong> Die eigentlichen Anwendungsf\u00e4lle kommen meines Erachtens erst noch. Es gibt immer mehr Kleinwagen, die elektrisch betrieben werden \u2013 VW stellt in diesen Wochen den ID. Polo vor. Damit r\u00fcckt das elektrische Fahren auch in dichter besiedelten St\u00e4dten st\u00e4rker in den Fokus, also bei Leuten, die in Mehrfamilienh\u00e4usern wohnen, keine eigene Garage und keine eigene Ladem\u00f6glichkeit haben und ihr Auto \u00fcber Nacht an der Stra\u00dfe parken. F\u00fcr die ist der Ladebordstein genau das richtige Instrument. Zur Installation muss kein Parkplatz geopfert werden \u2013 wenn man sich das heute anschaut, ist in der Regel ein Parkplatz f\u00fcr eine Lades\u00e4ule weggefallen. Oder der B\u00fcrgersteig wird beeintr\u00e4chtigt, sodass Personen mit Kinderwagen oder Rollator nicht mehr vorbeikommen. Der dritte Aspekt ist das Stadtbild. Wir haben schon erste Anmerkungen von Denkmalsch\u00fctzern, die sagen: Eine Lades\u00e4ule vor der historischen Kirche oder dem historischen Rathaus m\u00f6chten wir nicht, macht das irgendwie anders. Da ist der Ladebordstein die L\u00f6sung. Er ist zwar teurer als eine normale Lades\u00e4ule, aber viele Stadtwerke-Gesch\u00e4ftsf\u00fchrer sagen mir auch, dass die S\u00e4ulen immer wieder umgefahren werden \u2013 dieses Risiko entf\u00e4llt beim Bordstein. Und dann ist er nat\u00fcrlich eine Option f\u00fcr Unternehmen, die Ladeinfrastruktur auf dem Firmenparkplatz haben wollen, ohne dass dort drei Meter hohe Lades\u00e4ulen stehen. Wir haben gerade erst Ladebordsteine bei der Deutschen Bundesbank auf dem Firmenparkplatz installiert. Weitere Nachfrage kommt von Verkehrsbetrieben, auch die Deutsche Bahn geh\u00f6rt zu den ersten Interessenten.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><strong><em>DEKOM: Anderes Thema, Glasfaserausbau. \u00dcberall h\u00f6ren wir, dass Projekte stillstehen. Im Landkreis Karlsruhe hat sich Deutsche Glasfaser zur\u00fcckgezogen und die Kommunen mit ihren Ausbauvorhaben zur\u00fcckgelassen. Wie k\u00f6nnen sich Landkreise dagegen sch\u00fctzen, dass ein Partner abspringt?<\/em><\/strong><\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><strong>Schweneker:<\/strong> Was ich seit 30 Jahren predige: Man sollte nicht unbedingt dem preislich besten Angebot den Zuschlag geben, sondern dem Anbieter, der stabil unterwegs ist, der Projekte in dieser Gr\u00f6\u00dfenordnung schon durchgef\u00fchrt hat und sich mit dem Thema auskennt. Neben den gro\u00dfen bundesweiten Telekommunikationsunternehmen, die seit 30, 40 Jahren am Markt sind, gibt es auch st\u00e4dtische Anbieter wie wilhelm.tel der Stadtwerke Norderstedt, die ebenfalls sehr lange unterwegs sind. Es funktioniert, wenn man Partner aussucht, die vielleicht nicht das g\u00fcnstigste, aber das wirtschaftlich stabilste Angebot abgeben. Wir erleben das ja auch anderswo: Da stehen Br\u00fccken still, weil der Bauunternehmer pleitegeht, der den Zuschlag als Billigster bekommen hat \u2013 und vorher hat das keinen Menschen interessiert. Das seit 30 Jahren bestehende Vorrecht des marktbeherrschenden Anbieters, bevorzugt auszubauen oder \u00fcberall einzusteigen, wenn ein anderer investieren m\u00f6chte, wird auch durch dieses Interview vermutlich nicht ge\u00e4ndert. Das Problem der Anbieter ist letztlich, dass viele die Anschl\u00fcsse bis zum Haus gar nicht abnehmen. Ich glaube aber, dieses Problem l\u00f6st sich durch die rasant steigenden Datenmengen ohnehin von allein \u2013 es wird immer mehr \u00fcbertragen und gestreamt, das schaffen Kupferkabel irgendwann nicht mehr.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><strong><em>DEKOM: Ein anderer Bereich, in dem viel Glasfaser gebraucht wird, sind Rechenzentren. Sie sind seit Oktober Authorized Distributor von Corning. Positionieren Sie sich auch in diesem Feld?<\/em><\/strong><\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><strong>Schweneker:<\/strong> Absolut, wir haben sehr viele Projekte in dem Bereich. Und dort ist eine extreme Mangellage entstanden. Aufgrund der Vielzahl der Rechenzentrumsneubauten, in die unglaublich gro\u00dfe Mengen Glasfaserkabel hineingehen \u2013 und auch wegen der Drohnenkriege, denn einige Drohnen werden \u00fcber Glasfaser gesteuert \u2013, ist die Nachfrage derart explodiert, dass es Engp\u00e4sse gibt. Glasfaser ist knapp geworden, auch f\u00fcr diejenigen, die den Ausbau gerne machen w\u00fcrden und das Geld daf\u00fcr haben. Man kann \u00c4pfel nicht mit Birnen vergleichen, aber was vor drei, vier Monaten noch 1,60 Euro gekostet hat, kostet inzwischen \u00fcber 5 Euro.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><strong><em>DEKOM: Machen wir es wie immer: Wenn wir am Jahresende erneut sprechen \u2013 wann w\u00e4re 2026 aus Ihrer Sicht ein gutes Jahr f\u00fcr die Infrastruktur gewesen?<\/em><\/strong><\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><strong>Schweneker:<\/strong> Wenn der Gedanke der kritischen Infrastruktur in den K\u00f6pfen verankert worden ist. Wenn das Bewusstsein da ist, dass wir mehr sch\u00fctzen und mehr investieren m\u00fcssen. Ich rede noch gar nicht davon, dass alles umgesetzt ist \u2013 der erste Schritt ist, das wahrzunehmen, zu verstehen und die Entscheidungen daran auszurichten. Und wenn wir bei der Digitalisierung weiterkommen, die damit eng zusammenh\u00e4ngt: dass die ersten Netze digital erfasst und \u00fcberpr\u00fcft worden sind und die ersten Schritte getan werden.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><strong><em>DEKOM: Vielen Dank f\u00fcr das Gespr\u00e4ch, Herr Schweneker. <\/em><\/strong>(DEKOM, 01.09.2026) <a href=\"https:\/\/ebero-fab.com\/\">Mehr Infos hier\u2026<\/a><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Der Brandanschlag auf das Berliner Stromnetz Anfang Januar hat gezeigt, wie verwundbar kritische Infrastrukturen in Deutschland sind. Im Sommer kommt eine weitere, weniger sichtbare Gefahr hinzu: Ausgetrocknete B\u00f6den setzen alten Wasserleitungen zu \u2013 Fachleute sprechen von Trockenfrost. 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