{"id":9528,"date":"2026-09-22T11:34:13","date_gmt":"2026-09-22T09:34:13","guid":{"rendered":"https:\/\/infosilo.info\/dekom\/?p=9528"},"modified":"2026-09-22T12:14:31","modified_gmt":"2026-09-22T10:14:31","slug":"flussthermie-fuer-waermewende-in-rosenheim","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/infosilo.info\/dekom\/flussthermie-fuer-waermewende-in-rosenheim\/","title":{"rendered":"Flussthermie f\u00fcr W\u00e4rmewende in Rosenheim"},"content":{"rendered":"\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Die bayerische Staatsregierung forciert aktuell den Ausbau der Flussthermie. Das Wirtschaftsministerium motiviert Kommunen und Unternehmen mit einer gro\u00df angelegten Informationskampagne. Berechnungen zeigen landesweit ein enormes Potenzial. Entlang von 104 bayerischen Fl\u00fcssen k\u00f6nnen 667 Kommunen diese Technik nutzen. Die ermittelte Leistung liegt zwischen 10 und 27 Terawattstunden. Rein rechnerisch deckt das bis zu 16 Prozent des Geb\u00e4ude-W\u00e4rmebedarfs im Freistaat ab. Die Stadtwerke Rosenheim betreiben bereits seit 2021 drei Gro\u00dfw\u00e4rmepumpen \u2013 mit einer thermischen Gesamtleistung von 4,5 Megawatt. Sie entziehen dem lokalen Flusswasser kontinuierlich W\u00e4rme f\u00fcr das st\u00e4dtische Fernw\u00e4rmenetz. F\u00fcr dieses Leuchtturmprojekt wurden die Stadtwerke im Dezember 2025 offiziell ausgezeichnet. Die Minister Hubert Aiwanger und Thorsten Glauber ernannten den Versorger zum Gestalter im Team Energiewende Bayern. Wir haben mit dem Gesch\u00e4ftsf\u00fchrer der <a href=\"https:\/\/www.swro.de\/\">Stadtwerke Rosenheim<\/a>, Heiko Peckmann, gesprochen. Im Interview erkl\u00e4rt er den Weg von der ersten Idee bis zum laufenden Kraftwerksbetrieb. Er benennt klare wirtschaftliche Voraussetzungen und schildert die strategischen Anforderungen an kommunale Versorger bei der lokalen W\u00e4rmewende.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><strong><em>DEKOM: Die Stadtwerke Rosenheim gelten als Pionier der Gew\u00e4sserthermie und haben im Dezember eine Auszeichnung als \u201eGestalter im Team Energiewende Bayern&#8220; erhalten \u2013 wof\u00fcr genau?<\/em><\/strong><\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><strong>Heiko Peckmann:<\/strong> Im vergangenen Jahr wurden wir vom Bayerischen Wirtschaftsministerium f\u00fcr den Einsatz von Flussthermie f\u00fcr die W\u00e4rmeversorgung ausgezeichnet. Ausschlaggebend war, dass wir bereits 2021 bundesweit zu den ersten Versorgungsunternehmen geh\u00f6rten, die Gro\u00dfw\u00e4rmepumpen mit Flusswasser als W\u00e4rmequelle in Betrieb nahmen. Mit einer Gesamtleistung von 4,5 Megawatt, verteilt auf drei Anlagen mit jeweils 1,5 Megawatt, z\u00e4hlten sie damals zu den gr\u00f6\u00dften Anlagen dieser Art in Deutschland. Die weiterhin hohe Nachfrage nach Kraftwerksf\u00fchrungen und fachlichem Erfahrungsaustausch unterstreicht die Bedeutung des Projekts und war ein weiterer Grund f\u00fcr die Auszeichnung.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><strong><em>DEKOM: Was braucht eine Kommune mindestens, damit ein solches Projekt \u00fcberhaupt wirtschaftlich darstellbar ist \u2013 ein Gew\u00e4sser und ein Fernw\u00e4rmenetz?<\/em><\/strong><\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><strong>Heiko Peckmann:<\/strong> Grunds\u00e4tzlich soll mit einer solchen Anlage die Fern- oder Nahw\u00e4rmeversorgung bedient werden. Voraussetzung ist daher, dass die Kommune bereits im Bereich der W\u00e4rmeversorgung t\u00e4tig ist oder den Aufbau eines entsprechenden Gesch\u00e4ftsfelds plant. Dies ist unerl\u00e4sslich, da die erzeugte W\u00e4rme auch abgenommen werden muss. Dar\u00fcber hinaus ist ein geeignetes Gew\u00e4sser erforderlich. Ebenso wichtig sind Mut und eine vertrauensvolle Zusammenarbeit innerhalb des kommunalen Verbunds \u2013 insbesondere zwischen den Stadtwerken, der Verwaltung und den Fachplanern. Zudem sollte innerhalb des Unternehmens eigenes Fachwissen aufgebaut werden, um die Arbeit externer Fachplaner fundiert begleiten und beurteilen zu k\u00f6nnen.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><strong><em>DEKOM:&nbsp; Zu den entscheidenden Planungsaspekten geh\u00f6ren Standortfragen und die Genehmigung. Wie aufwendig war der wasserrechtliche Genehmigungsprozess \u2013 und was w\u00fcrden Sie anderen Kommunen raten, die mit Wasserbeh\u00f6rden verhandeln m\u00fcssen?<\/em><\/strong><\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><strong>Heiko Peckmann:<\/strong> In unserem Fall war das Verfahren vergleichsweise unkompliziert, da bereits eine wasserrechtliche Genehmigung vorlag und der Bach schon zuvor in unser Kraftwerk eingebunden war. Daher war im Wesentlichen eine \u00c4nderung der bestehenden Genehmigung erforderlich. Zudem kannten die zust\u00e4ndigen Ansprechpartner das Vorhaben und die \u00f6rtlichen Gegebenheiten bereits aus der Vergangenheit. Bei neuen Projekten h\u00e4ngt der Aufwand hingegen stark von den jeweiligen Rahmenbedingungen ab. Deshalb sollten Gespr\u00e4che mit den Fachbeh\u00f6rden fr\u00fchzeitig gef\u00fchrt werden, um die grunds\u00e4tzliche Genehmigungsf\u00e4higkeit und den voraussichtlichen Zeitrahmen einsch\u00e4tzen zu k\u00f6nnen. So l\u00e4sst sich vermeiden, dass gegen\u00fcber den B\u00fcrgerinnen und B\u00fcrgern ein W\u00e4rmeversorgungsnetz innerhalb von zwei oder drei Jahren angek\u00fcndigt wird, obwohl dieser Zeitplan aufgrund des Genehmigungsverfahrens nicht eingehalten werden kann.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><strong><em>DEKOM:&nbsp; Die Gro\u00dfw\u00e4rmepumpen \u00fcbernehmen etwa 14 Prozent der Fernw\u00e4rmelast. War dieser Anteil von Beginn an das Ziel, oder hat sich das im Betrieb anders entwickelt als geplant?<\/em><\/strong><\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><strong>Heiko Peckmann:<\/strong> Der m\u00f6gliche Anteil ist stets projektspezifisch zu betrachten. Bei der Planung einer W\u00e4rmepumpe l\u00e4sst sich thermodynamisch berechnen, welche Leistung und j\u00e4hrliche W\u00e4rmemenge aus dem jeweiligen Fluss gewonnen werden k\u00f6nnen. Wenn die Investitionsentscheidung getroffen und das Genehmigungsverfahren eingeleitet wird, ist es in der Regel nicht sinnvoll, die Anlage kleiner zu dimensionieren, als es das Potenzial des Gew\u00e4ssers zul\u00e4sst. Ein m\u00f6glichst hoher Anteil ist grunds\u00e4tzlich vorteilhaft, da die erzeugte W\u00e4rme erneuerbar und nachhaltig ist und zugleich vergleichsweise niedrige Betriebskosten aufweist. Bei uns liegt der Anteil derzeit bei knapp unter 20 Prozent. Die genaue Quote h\u00e4ngt jedoch von den Witterungsbedingungen des jeweiligen Jahres und dem daraus resultierenden W\u00e4rmeabsatz ab.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><strong><em>DEKOM: Bayernweit pr\u00fcfen bereits mehrere St\u00e4dte \u00e4hnliche Projekte. Welche Gew\u00e4ssercharakteristika sind Ihrer Erfahrung nach die eigentliche Mindestvoraussetzung?<\/em><\/strong><\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><strong>Heiko Peckmann:<\/strong> Die Wassertemperatur eines Flusses unterliegt im Jahresverlauf nat\u00fcrlichen Schwankungen. Auf Grundlage der spezifischen Temperatur- und Abflussverh\u00e4ltnisse l\u00e4sst sich thermodynamisch berechnen, welche Leistung und j\u00e4hrliche W\u00e4rmemenge aus dem jeweiligen Gew\u00e4sser gewonnen werden k\u00f6nnen. Diese Rahmenbedingungen bestimmen zugleich das technisch nutzbare Potenzial und setzen der W\u00e4rmegewinnung eine nat\u00fcrliche Grenze.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><strong><em>DEKOM: Sie pr\u00fcfen bereits die Nutzung von Abwasserw\u00e4rme. Ist das der logische n\u00e4chste Schritt f\u00fcr Kommunen, die kein geeignetes Flie\u00dfgew\u00e4sser haben \u2013 eine Art Plan B?<\/em><\/strong><\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><strong>Heiko Peckmann:<\/strong> W\u00e4hrend die Temperatur eines Flusses im Jahresverlauf schwankt, weist Abwasser in der Regel ganzj\u00e4hrig eine vergleichsweise konstante Temperatur auf. Da bei der Fernw\u00e4rmeerzeugung W\u00e4rme auf einem niedrigen Temperaturniveau auf ein nutzbares h\u00f6heres Temperaturniveau angehoben wird, ist Abwasser insbesondere unter Effizienzgesichtspunkten eine interessante W\u00e4rmequelle. Sofern ein geeigneter Zugang zu Abwasser besteht, sollte dessen Nutzungspotenzial daher in jedem Fall gepr\u00fcft werden.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><strong><em>DEKOM:&nbsp; Was w\u00fcrden Sie einem Stadtwerke-Gesch\u00e4ftsf\u00fchrer mitgeben, der Ihren Vortrag auf einer Fachtagung geh\u00f6rt hat und jetzt fragt: \u201eWo fange ich an?\u201c<\/em><\/strong><\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><strong>Heiko Peckmann:<\/strong> Unternehmen, die ein solches Gesch\u00e4ftsfeld aufbauen m\u00f6chten, sollten zun\u00e4chst eine verantwortliche Person benennen oder einstellen, die internes Fachwissen entwickelt und die Zusammenarbeit mit Ingenieurb\u00fcros fachlich steuern kann. Die grundlegende Entscheidung besteht darin, die erforderlichen personellen Ressourcen bereitzustellen, eigenes Know-how aufzubauen und geeignete Fachplaner auszuw\u00e4hlen. Dar\u00fcber hinaus empfehle ich, fr\u00fchzeitig den Erfahrungsaustausch mit anderen Projekttr\u00e4gern zu suchen, um von deren Erkenntnissen zu profitieren und bereits bekannte Fehler zu vermeiden. Da W\u00e4rmepumpen industrielle Sonderanfertigungen sind, handelt es sich jeweils um ein projektspezifisches Vorhaben. Ebenso sollten fr\u00fchzeitig Gespr\u00e4che mit den zust\u00e4ndigen Fachbeh\u00f6rden gef\u00fchrt und insbesondere die technischen sowie wasserrechtlichen Genehmigungsanforderungen gekl\u00e4rt werden. (DEKOM, 22.09.2026)<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><strong><em>Vielen Dank!<\/em><\/strong><\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><strong><u>\u00dcber die Stadtwerke Rosenheim:<\/u><\/strong><\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Die Stadtwerke Rosenheim sind das kommunale Versorgungsunternehmen der Stadt Rosenheim. Rund 550 Mitarbeiter versorgen Privat- und Gesch\u00e4ftskunden in Rosenheim mit Strom, Gas, W\u00e4rme und Wasser. Ebenso betreiben die Stadtwerke die Rosenheimer B\u00e4der und k\u00fcmmern sich um die Abfallentsorgung. \u00dcber die Telekommunikations-Tochter komro GmbH erhalten die Rosenheimer zudem moderne L\u00f6sungen f\u00fcr Gigabit- Internet, Festnetz-Telefonie und Kabelfernsehen. F\u00fcr weitere Informationen: <a href=\"http:\/\/www.swro.de\">www.swro.de<\/a><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Die bayerische Staatsregierung forciert aktuell den Ausbau der Flussthermie. Das Wirtschaftsministerium motiviert Kommunen und Unternehmen mit einer gro\u00df angelegten Informationskampagne. Berechnungen zeigen landesweit ein enormes Potenzial. Entlang von 104 bayerischen Fl\u00fcssen k\u00f6nnen 667 Kommunen diese Technik nutzen. Die ermittelte Leistung liegt zwischen 10 und 27 Terawattstunden. 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