{"id":9532,"date":"2026-09-22T11:43:24","date_gmt":"2026-09-22T09:43:24","guid":{"rendered":"https:\/\/infosilo.info\/dekom\/?p=9532"},"modified":"2026-09-22T11:45:05","modified_gmt":"2026-09-22T09:45:05","slug":"glasfaserausbau-nach-din-18220-behoerdenperspektive-auf-moderne-verlegeverfahren","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/infosilo.info\/dekom\/glasfaserausbau-nach-din-18220-behoerdenperspektive-auf-moderne-verlegeverfahren\/","title":{"rendered":"Glasfaserausbau nach DIN 18220: Beh\u00f6rdenperspektive auf moderne Verlegeverfahren"},"content":{"rendered":"\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Der Glasfaserausbau gilt in Deutschland als Vorhaben von \u00fcberragendem \u00f6ffentlichem Interesse. Das TKG-\u00c4nderungsgesetz 2026 soll Genehmigungsverfahren weiter vereinfachen. In der Praxis allerdings scheitern moderne Verlegeverfahren nach DIN 18220 vielerorts an der Zur\u00fcckhaltung der Stra\u00dfenbauverwaltungen. Tiefbau\u00e4mter bef\u00fcrchten Substanzsch\u00e4den an ihren Stra\u00dfen und lehnen Antr\u00e4ge im Zweifel ab \u2014 obwohl die Norm seit Juli 2023 als anerkannte Regel der Technik gilt und verbindliche Vorgaben zu Planung, Legekorridoren und Oberfl\u00e4chenwiederherstellung macht. Dr.-Ing. Richard Bosl kennt beide Seiten dieses Spannungsfelds. Als Leiter der Bau- und Gebietsabteilung am Staatlichen Bauamt Regensburg genehmigt er Aufgrabungen an rund 500 Kilometern Bundes- und Staatsstra\u00dfen. Im DIN-Normungsgremium hat er an der 18220 mitgeschrieben. Im Landkreis Cham baut ein kommunaler Eigenbetrieb seit 2019 ein eigenes Glasfasernetz und setzt dabei Pflug- und Fr\u00e4sverfahren ein \u2014 mit Zustimmung von Bosls Bauamt. Im DEKOM-Interview ordnet Bosl ein, was die Norm technisch leistet, wo Gew\u00e4hrleistungsfragen liegen und warum Stra\u00dfenbaulasttr\u00e4ger von einer fr\u00fchzeitigen Abstimmung mit den Ausbautr\u00e4gern profitieren.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><a><strong><em>DEKOM: Herr Dr.&nbsp;<\/em><\/strong><\/a><strong><em>Bosl<\/em><\/strong><strong><em>, Sie haben an der DIN 18220 mitgeschrieben und genehmigen zugleich Aufgrabungen an rund 500 Kilometern Bundes- und Staatsstra\u00dfen. W\u00fcrden Sie ein Verfahren nach dieser Norm in Ihrem eigenen Netz zulassen?<\/em><\/strong><strong><em><\/em><\/strong><\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><strong>Bosl:<\/strong> Selbstverst\u00e4ndlich. Der Eigenbetrieb Digitale Infrastruktur baut Im Landkreis Cham seit 2019 ein eigenes Glasfasernetz. Ca. 1\/3 der Trasse wird im Pflugverfahren hergestellt, damit wird auch an klassifizierten Stra\u00dfen mit unserer Zustimmung gepfl\u00fcgt. Keine Bedenken bestehen dar\u00fcber hinaus gegen\u00fcber dem Bankettfr\u00e4sverfahren, ein innovatives Legeverfahren aus \u00d6sterreich. Pflug- und Bankettfr\u00e4sverfahren sind in DIN 18220 geregelt. Bei Verlegeverfahren nach DIN 18220 ist seitens der Telekommunikationsunternehmen (TKU) darzulegen, dass kein geeigneter Legekorridor au\u00dferhalb des Stra\u00dfenk\u00f6rpers zur Verf\u00fcgung steht. Dar\u00fcber hinaus sind die Eigenschaften der Verf\u00fcllbaustoffe nachzuweisen. Abzulehnen sind offene Bauweisen in Mindertiefe au\u00dferhalb der DIN 18220, da diese im Widerspruch zu den anerkannten Regeln der Technik stehen, insbesondere hinsichtlich der Verdichtung.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><strong><em>DEKOM:<\/em> Stra\u00dfenbau\u00e4mter begr\u00fcnden ihre Ablehnung h\u00e4ufig mit der Sorge um den Substanzerhalt. Welche Festlegungen hat das Normungsgremium getroffen, um genau dieses Risiko abzusichern?<\/strong><strong><\/strong><\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><strong>Bosl:<\/strong> Jede Aufgrabung \u2013 egal welcher Art \u2013 verursacht eine Schwachstelle im Stra\u00dfenk\u00f6rper. Den Stra\u00dfenbaulasttr\u00e4gern im Normungsgremium war wichtig, dass der Glasfaserausbau m\u00f6glichst nachhaltig erfolgt \u2013 nachhaltig f\u00fcr die digitale Infrastruktur und nachhaltig f\u00fcr die analoge Infrastruktur, also die Stra\u00dfe. DIN 18220 beinhaltet mehrere Aspekte, um diesem Anspruch gerecht zu werden. Zum einen wird ein sehr starker Fokus auf die Planung gelegt, da Qualit\u00e4t in der Ausf\u00fchrung bereits mit der Planung beginnt. Zum anderen sieht die Norm verschiedene Pr\u00fcfschritte zur Festlegung des geeigneten Legekorridors und des Legeverfahrens vor. Legekorridore au\u00dferhalb der Fahrbahnen sind dabei zu bevorzugen. DIN 18220 enth\u00e4lt Regelquerschnitte f\u00fcr inner- und au\u00dfer\u00f6rtliche Stra\u00dfen. Diese beinhalten die zul\u00e4ssigen Legekorridore mit Mindest\u00fcberdeckungen und sind ein sehr anschauliches Hilfsmittel f\u00fcr Planer und Stra\u00dfenbaulasttr\u00e4ger.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><strong><em>DEKOM:<\/em> Die Gew\u00e4hrleistungsfrage treibt die Kommunen um: Wer tr\u00e4gt das Risiko, wenn nach f\u00fcnf Jahren Setzungen auftreten?<\/strong><strong><\/strong><\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><strong>Bosl:<\/strong> Das TKG enth\u00e4lt grunds\u00e4tzlich weitreichende Pflichten f\u00fcr die TKU, M\u00e4ngel zu beseitigen und f\u00fcr Erschwernisse bei der Unterhaltung aufzukommen. Der Aufwand f\u00fcr den Stra\u00dfenbaulasttr\u00e4ger besteht darin Sch\u00e4den festzustellen, den Nachweis zu f\u00fchren, dass die Sch\u00e4den auf die Legung der TK-Linie zur\u00fcckzuf\u00fchren sind und die Anspr\u00fcche durchzusetzen. Das ist sicher kein leichtes Unterfangen, da wir nicht vergessen d\u00fcrfen, dass auch der Stra\u00dfenbestand au\u00dferhalb der Leitungstrasse h\u00e4ufig Sch\u00e4den aufweist und durch die Vielzahl verschiedener Aufgrabungen eine eindeutige Zuordnung schwierig ist. Aus diesen Gr\u00fcnden ist eine Bestandsdokumentation wie sie auch DIN 18220 vorsieht f\u00fcr alle Beteiligten von Vorteil.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><strong><em>DEKOM:<\/em><\/strong> <strong>Mit der TKG-Novelle verk\u00fcrzt sich die Zustimmungsfrist auf zwei Monate. Was bedeutet das f\u00fcr ein Amt, das bisher jeden Antrag nach DIN 18220 einzeln gepr\u00fcft und im Zweifel abgelehnt hat?<\/strong><strong><\/strong><\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><strong>Bosl:<\/strong> Zun\u00e4chst sollte es nicht so sein, dass Antr\u00e4ge f\u00fcr Legeverfahren nach DIN 18220 im Zweifel abgelehnt werden. DIN 18220 definiert einen technischen Standard, der eine Zustimmung erm\u00f6glichen soll. Der Antragsteller sollte bereits mit dem Antrag darlegen, dass die Bauweise der DIN 18220 entspricht. Der schnelle Glasfaserausbau spiegelt den politischen und gesellschaftlichen Willen. Bis Ende 2030 ist er von \u00fcberragendem \u00f6ffentlichem Interesse. Die Stra\u00dfenbauverwaltungen k\u00e4mpfen auf allen Ebenen mit personellen Engp\u00e4ssen. K\u00fcrzere Zustimmungsfristen werden dazu f\u00fchren, dass die Anzahl von so genannten fiktiven Zustimmungen ansteigen wird. Die Stra\u00dfenbauverwaltungen werden die Antr\u00e4ge priorisieren m\u00fcssen. Unkomplizierte Antr\u00e4ge laufen lassen, komplexere Antr\u00e4ge genauer pr\u00fcfen.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><strong><em>DEKOM: Landkreise gr\u00fcnden Breitbandgesellschaften, die auf Geschwindigkeit und Kosteneffizienz beim Ausbau angewiesen sind. Gleichzeitig lehnt die Stra\u00dfenbaubeh\u00f6rde desselben Kreises Verlegeverfahren nach DIN 18220 ab. Wie l\u00e4sst sich dieser Widerspruch innerhalb ein und derselben Verwaltung aufl\u00f6sen?<\/em><\/strong><strong><em><\/em><\/strong><\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Die Gr\u00fcndung von interkommunalen Breitbandgesellschaften ist insgesamt sehr zu begr\u00fc\u00dfen. Das von Ihnen geschilderte Problem sollte so nicht vorkommen. Es ist nicht Ziel f\u00fchrend, nur seine eigenen Interessen durchzusetzen und das gro\u00dfe Ganze au\u00dfer Acht zu lassen. Kommunikation ist hier meines Erachtens der Schl\u00fcssel zum Erfolg. Wir haben im Landkreis Cham sehr fr\u00fchzeitig in Abstimmung mit dem Eigenbetrieb und der Tiefbauverwaltung Verlegebestimmungen entwickelt, die den Stand der Technik widerspiegeln &#8211; demzufolge auch Legeverfahren nach DIN 18220 ber\u00fccksichtigen &#8211; und f\u00fcr eine m\u00f6glichst hohe Qualit\u00e4t in der Ausf\u00fchrung sorgen sollen. (DEKOM, 22.09.2026) <a href=\"https:\/\/www.din.de\/de\/din-und-seine-partner\/presse\/mitteilungen\/glasfasernetz-neue-norm-regelt-und-beschleunigt-den-ausbau-in-deutschland-918270\">Mehr Infos zur DIN 18220 hier\u2026<\/a><\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><strong><em>Vielen Dank!<\/em><\/strong><strong><em><\/em><\/strong><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Der Glasfaserausbau gilt in Deutschland als Vorhaben von \u00fcberragendem \u00f6ffentlichem Interesse. Das TKG-\u00c4nderungsgesetz 2026 soll Genehmigungsverfahren weiter vereinfachen. In der Praxis allerdings scheitern moderne Verlegeverfahren nach DIN 18220 vielerorts an der Zur\u00fcckhaltung der Stra\u00dfenbauverwaltungen. 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