{"id":9559,"date":"2026-09-28T11:39:54","date_gmt":"2026-09-28T09:39:54","guid":{"rendered":"https:\/\/infosilo.info\/dekom\/?p=9559"},"modified":"2026-09-28T12:02:21","modified_gmt":"2026-09-28T10:02:21","slug":"rechenzentrumsregister-des-bundes-zeigt-erhebliche-datenluecken","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/infosilo.info\/dekom\/rechenzentrumsregister-des-bundes-zeigt-erhebliche-datenluecken\/","title":{"rendered":"UBA-Daten zu Rechenzentren \u2014 effizient, aber kaum ausgelastet"},"content":{"rendered":"\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Rechenzentren verbrauchen in Deutschland immer mehr Strom, und wie ambitioniert die gesetzlichen Effizienzvorgaben sein d\u00fcrfen, ist in der Branche umstritten. Mitte August 2026 hat das Bundeswirtschaftsministerium ein Energieeffizienzregister ver\u00f6ffentlicht, das erstmals amtliche Daten zu Standorten zug\u00e4nglich macht. Eine Auswertung des Umweltbundesamtes (UBA) vom 21. September liefert jetzt ein differenziertes Bild \u2014 und widerlegt zentrale Einw\u00e4nde der Betreiber.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Betreiber von Rechenzentren ab einer elektrischen Anschlussleistung von 300 Kilowatt sind seit 2024 verpflichtet, Angaben unter anderem zu Energieverbrauch, Effizienz, Anteil erneuerbarer Energien und Wasserverbrauch zu melden. Allerdings sind im aktuellen Register lediglich 319 Rechenzentren mit \u00f6ffentlich zug\u00e4nglichen Daten verzeichnet. Das UBA geht davon aus, dass damit nur ein Bruchteil des tats\u00e4chlichen Bestands erfasst ist. Insbesondere gro\u00dfe internationale Betreiber h\u00e4tten ihre Daten nicht oder nur l\u00fcckenhaft eingestellt. Eine stichprobenhafte Pr\u00fcfung bei zwei Unternehmen habe ergeben, dass die gesetzlich vorgeschriebenen Angaben auch auf den jeweiligen Unternehmenswebsites nicht in der geforderten Differenzierung vorlagen.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Trotz der schmalen Datenbasis f\u00e4llt die Bewertung der tats\u00e4chlich gemeldeten Standorte \u00fcberraschend positiv aus. Rund 70 Prozent der erfassten Rechenzentren erreichen dem UBA zufolge bereits einen PUE-Wert von 1,5 oder besser \u2014 eine Anforderung, die nach dem Energieeffizienzgesetz (EnEfG) erst ab Juli 2027 verbindlich wird. 40 Prozent unterschreiten sogar den erst ab 2030 geltenden Zielwert von 1,3. Die in der Branche ge\u00e4u\u00dferte Bef\u00fcrchtung, die gesetzlichen Effizienzvorgaben seien zu ehrgeizig, lasse sich anhand der Daten nicht best\u00e4tigen, so das UBA.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Auch beim Einsatz erneuerbarer Energien zeigt das Register ein weitgehend g\u00fcnstiges Bild. 80 Prozent der erfassten Rechenzentren deckten ihren Stromverbrauch bilanziell bereits vollst\u00e4ndig aus erneuerbaren Quellen. Die entsprechende gesetzliche Pflicht greift erst zum 1. Januar 2027.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Weniger g\u00fcnstig f\u00e4llt dagegen die Auslastung aus. Die im Register verzeichneten Rechenzentren nutzten im Schnitt nur rund 35 Prozent ihrer vorgesehenen Kapazit\u00e4t, gemessen an der elektrischen Anschlussleistung. Das UBA wirft damit die Frage auf, in welchem Verh\u00e4ltnis der h\u00e4ufig reklamierte Bedarf an neuen Rechenzentren zur bereits vorhandenen, aber ungenutzten Kapazit\u00e4t steht. Die niedrige Auslastung lasse sich nicht allein mit dem Vorhalten f\u00fcr Spitzenlast erkl\u00e4ren.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Neben der l\u00fcckenhaften Erfassung weist das UBA auch auf erhebliche Qualit\u00e4tsm\u00e4ngel bei den gemeldeten Daten hin. Bei zw\u00f6lf Prozent der Meldungen sei die angegebene IT-Anschlussleistung gleich hoch oder h\u00f6her als die Gesamtanschlussleistung des Rechenzentrums, was auf fehlerhafte Berechnungen schlie\u00dfen lasse. In vier Prozent der F\u00e4lle \u00fcbersteige die gemeldete W\u00e4rmeabgabe den gesamten Stromverbrauch \u2014 physikalisch ausgeschlossen. Zudem fehlten wesentliche Eingangsgr\u00f6\u00dfen wie der Gesamtenergieverbrauch der IT oder der Gesamtwasserverbrauch, die zwar berichtspflichtig seien, aber keiner Ver\u00f6ffentlichungspflicht unterl\u00e4gen.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">F\u00fcr St\u00e4dte und Landkreise, die eigene Rechenzentren betreiben oder \u00fcber die Ansiedlung neuer Standorte verhandeln, liefert die UBA-Auswertung eine sachliche Orientierung. Die Effizienzziele des EnEfG sind nach aktuellem Stand der Technik erreichbar, und die Behauptung, ein niedriger PUE-Wert lasse sich nur mit hohem Wasserverbrauch erreichen, wird durch die Daten widerlegt. Gleichzeitig legen die niedrigen Auslastungswerte nahe, den tats\u00e4chlichen Bedarf neuer Rechenzentrumskapazit\u00e4ten kritischer zu hinterfragen, bevor kommunale Fl\u00e4chen und Netzanschl\u00fcsse vergeben werden. <a href=\"https:\/\/www.umweltbundesamt.de\/themen\/rechenzentrumsregister-daten-widerlegen-hohe\">UBA, 21.09.2026<\/a><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Rechenzentren verbrauchen in Deutschland immer mehr Strom, und wie ambitioniert die gesetzlichen Effizienzvorgaben sein d\u00fcrfen, ist in der Branche umstritten. Mitte August 2026 hat das Bundeswirtschaftsministerium ein Energieeffizienzregister ver\u00f6ffentlicht, das erstmals amtliche Daten zu Standorten zug\u00e4nglich macht. Eine Auswertung des Umweltbundesamtes (UBA) vom 21. 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