{"id":9576,"date":"2026-09-28T12:19:29","date_gmt":"2026-09-28T10:19:29","guid":{"rendered":"https:\/\/infosilo.info\/dekom\/?p=9576"},"modified":"2026-09-28T12:19:29","modified_gmt":"2026-09-28T10:19:29","slug":"netzdienliche-steuerung-von-waermepumpen-steuern-duerfen-heisst-noch-nicht-steuern-koennen","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/infosilo.info\/dekom\/netzdienliche-steuerung-von-waermepumpen-steuern-duerfen-heisst-noch-nicht-steuern-koennen\/","title":{"rendered":"Netzdienliche Steuerung von W\u00e4rmepumpen: \u201eSteuern d\u00fcrfen hei\u00dft noch nicht steuern k\u00f6nnen&#8220;"},"content":{"rendered":"\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Mit jeder neuen W\u00e4rmepumpe w\u00e4chst die Zahl steuerbarer Verbraucher, die ein Verteilnetzbetreiber im Ernstfall in Echtzeit erreichen muss. Das Recht dazu liefert der \u00a714a EnWG l\u00e4ngst \u2014 die F\u00e4higkeit dazu fehlt vielerorts noch. Woran das liegt und was Stadtwerke vorher entscheiden m\u00fcssen, erl\u00e4utert Jan Lehmann, Vice President Strategy beim Dresdner Energie-Ion-Unternehmen Kiwigrid, das seit \u00fcber einem Jahrzehnt an der Schnittstelle zwischen Endkundenanlage, Vertrieb und Netz arbeitet.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><em><strong>DEKOM<\/strong>:<\/em> <em><strong>Viele Stadtwerke stehen vor der Aufgabe, W\u00e4rmepumpen k\u00fcnftig netzdienlich zu steuern. Welche Hausaufgaben m\u00fcssen Netz- und Messstellenbetreiber erledigen, damit die \u00a714a-Steuersignale \u00fcberhaupt sicher bei den Anlagen ankommen?<\/strong><\/em><\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><strong>Lehmann<\/strong>: Das Thema hat drei Seiten \u2014 den Netzbetreiber, den Messstellenbetreiber und den Vertrieb. Durch das Unbundling sind diese Parteien getrennt und, bis auf den Netzbetreiber, grunds\u00e4tzlich austauschbar. Der Engpass sitzt heute klar bei Netz- und Messstellenbetreibern. Sie m\u00fcssen die IT-Systeme aufbauen, die Smart-Meter-Gateways beschaffen und beim Endkunden verbauen \u2014 und vor allem wissen, wann sie wo was verbauen m\u00fcssen. Nur so wird der Netzbetreiber \u00fcberhaupt steuerungsf\u00e4hig. Der \u00a714a verlangt ja eine engpassgetriebene Steuerung. Nur haben die meisten Netzbetreiber \u00fcber ihre Engp\u00e4sse gar keine Kenntnis. Sie d\u00fcrfen k\u00fcnftig steuern, aber de facto wissen viele noch nicht, wann sie steuern m\u00fcssen. Beim Endkunden kommt hinzu, dass die Anlagen die unterschiedlichsten Schnittstellen mitbringen. Deshalb muss an standardisierten Schnittstellen \u00fcbergeben werden \u2014 und der Anlagenbetreiber oder Vertrieb muss sicherstellen, dass die Anlage am anderen Ende auch tats\u00e4chlich abgeregelt wird. Das ist die eigentliche Kunst.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><em><strong>DEKOM<\/strong>:<\/em> <em><strong>Der Gesetzgeber l\u00e4sst die Wahl zwischen einer einfachen Steuerbox und einem umfassenden Energiemanagementsystem. Wo liegen die entscheidenden Unterschiede \u2014 und ab wann lohnt der Mehraufwand?<\/strong><\/em><\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><strong>Lehmann<\/strong>: Genau genommen ist nicht einmal eine Steuerbox vorgeschrieben. Vorgeschrieben ist, dass der grundzust\u00e4ndige Messstellenbetreiber die Steuerung vorrichtet. Daf\u00fcr kann er eine Steuerbox einsetzen, er kann aber auch ein ausgekoppeltes, Ethernet-basiertes EEBUS-Signal ausgeben. Eine Steuerbox arbeitet analog wie digital, also \u00fcber Relais und teilweise \u00fcber digitale Steuerung. Entscheidend ist f\u00fcr mich, dass es standardisierte Schnittstellen gibt \u2014 und zwar nicht nur SG Ready im Sinne einer Relais-Steuerung, wie es einige Netzbetreiber heute umsetzen, sondern wirklich zukunftsgerichtete, digitale Steuerung. Nur so lassen sich weitere Anwendungsf\u00e4lle erschlie\u00dfen, ohne dass wir \u00fcberall neue Kabel ziehen, wo es gar nicht n\u00f6tig ist. Wir arbeiten selbst an einem Ger\u00e4t, das beides kann und die relevanten Zertifizierungsanforderungen erf\u00fcllen soll.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><strong><em>DEKOM: <\/em><\/strong><strong style=\"\"><i>Bevor gesteuert wird, muss ein Engpass erst einmal erkannt werden. Was sind hier die Erfolgsfaktoren?<\/i><\/strong><\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><strong>Lehmann<\/strong> \u2014 Wir sitzen auf einer sehr guten Datenbasis. \u00dcber kleine Ger\u00e4te beim Endkunden \u2014 auf der Hutschiene im Z\u00e4hlerschrank oder an der Wand \u2014 erfassen wir jede W\u00e4rmepumpe, jeden Wechselrichter, jede Wallbox. Diese Daten k\u00f6nnten wir anonymisiert einem Netzbetreiber zur Verf\u00fcgung stellen \u2014 in der Niederspannung deutschlandweit. Praktisch ist das heute aber kein nachgefragter Anwendungsfall, weil die Regulatorik daf\u00fcr fehlt und niemand gekl\u00e4rt hat, wer es bezahlt und wie es sich in die Netzentgelte einpreisen l\u00e4sst. Und der Netzbetreiber muss \u00fcberhaupt erst in der Lage sein, solche Daten zu verarbeiten und ein aktuelles Bild seines Netzes zu haben. Bis dahin ist es aus meiner Sicht noch ein weiter Weg.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><em><strong>DEKOM<\/strong>: <strong>Mit Matua entwickeln Sie eine KI-Komponente f\u00fcr Prognose und Optimierung. Welche Rolle kann sie f\u00fcr die Versorgungssicherheit spielen \u2014 und wo ziehen Sie bewusst Grenzen?<\/strong><\/em><\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><strong>Lehmann<\/strong>: Aus meiner Sicht ist die Perspektive umgekehrt richtig. Wir kommen von der Seite des Endkunden. Wir wollen dessen Energiefl\u00fcsse optimieren \u2014 nach Eigenverbrauch, nach Markt und nach Netz. Wann l\u00e4uft welcher Verbraucher, wann lade oder entlade ich den Speicher, das ist hochkomplex. Daf\u00fcr haben wir Matua aufgebaut. Der entscheidende Punkt ist aber die Grenze. Bei netzkritischen Vorgaben wie \u00a714a oder \u00a79 EEG machen wir keine Kompromisse. Da rechnet Matua nicht irgendeinen abweichenden Wert, sondern wir geben die Anforderung als feste, verbindliche Gr\u00f6\u00dfe durch. \u00dcber der gesamten Optimierung steht immer die Netzsteuerung, die im Zweifel sicherstellt, dass ausgef\u00fchrt wird, was der Netzbetreiber anfordert.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><em><strong>DEKOM<\/strong>: <strong>Modul 3 mit zeitvariablen Netzentgelten soll mehr Flexibilit\u00e4t bringen. Reicht der aktuelle Rahmen aus Ihrer Sicht?<\/strong><\/em><\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><strong>Lehmann<\/strong>: Beim regulierten Gesch\u00e4ft ist mein Standpunkt klar. Mit zeitvariablen Netzentgelten l\u00e4sst sich das Verhalten der Nutzer so ver\u00e4ndern, dass weniger Netzausbau n\u00f6tig wird \u2014 das entlastet die Volkswirtschaft und senkt den Investitionsbedarf vor Ort. Beim Vertrieb kommt hinzu, dass solche Produkte helfen, Kunden zu halten. Die kommunalen Vertriebe bekommen es zunehmend mit Anbietern wie 1Komma5 oder Enpal zu tun, die ihnen die guten Letztverbraucher aus der Grundversorgung ziehen. Um dagegenzuhalten, braucht ein Stadtwerke-Vertrieb ein konkurrenzf\u00e4higes System. Reicht der Rahmen? Ich glaube nicht. Die Bundesnetzagentur ist bei den Anforderungen an die Netzbetreiber noch sehr zur\u00fcckhaltend. Modul 3 ist ein sehr gutes Instrument, und ich bin daf\u00fcr, es deutlich st\u00e4rker zu nutzen.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><em><strong>DEKOM<\/strong>:<\/em> <em><strong>Was k\u00f6nnen Sie einem kommunalen Versorger ganz konkret anbieten?<\/strong><\/em><\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><strong>Lehmann<\/strong>: Wir stellen unser Energiemanagementsystem bereit, das die Vertriebe an ihre Kunden weiterreichen k\u00f6nnen. Interessant ist die Kombination in einem Ger\u00e4t, das Netz und Vertrieb direkt verbindet. Wir k\u00f6nnen aber auch schlank auf Vertriebsebene ein Produkt liefern, mit dem ein Stadtwerk seinen Kunden eine echte Alternative zu 1Komma5 oder Enpal bietet \u2014 inklusive dynamischer Stromtarife, zeitvariabler Netzentgelte und der Anbindung der unterschiedlichsten Anlagen beim Endkunden. Dar\u00fcber hinaus er\u00f6ffnen wir dem Stadtwerk mit Direkt- und Flexibilit\u00e4tsvermarktung eine weitere Erl\u00f6soption. <\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><strong><em>Vielen Dank!<\/em><\/strong> (DEKOM, 28.09.2026) <a href=\"https:\/\/kiwigrid.com\/de\/\">Mehr Infos zu Kiwigrid hier&#8230;<\/a><\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Mit jeder neuen W\u00e4rmepumpe w\u00e4chst die Zahl steuerbarer Verbraucher, die ein Verteilnetzbetreiber im Ernstfall in Echtzeit erreichen muss. Das Recht dazu liefert der \u00a714a EnWG l\u00e4ngst \u2014 die F\u00e4higkeit dazu fehlt vielerorts noch. 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