{"id":9589,"date":"2026-10-05T13:45:20","date_gmt":"2026-10-05T11:45:20","guid":{"rendered":"https:\/\/infosilo.info\/dekom\/?p=9589"},"modified":"2026-10-05T13:45:20","modified_gmt":"2026-10-05T11:45:20","slug":"dihk-gewerbesteuer-wird-zur-standortbremse","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/infosilo.info\/dekom\/dihk-gewerbesteuer-wird-zur-standortbremse\/","title":{"rendered":"DIHK: Gewerbesteuer wird zur Standortbremse"},"content":{"rendered":"\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Deutschlands St\u00e4dte und Gemeinden stehen finanziell unter Druck. Wie sich das auf die Steuerbelastung der \u00f6rtlichen Wirtschaft auswirkt, zeigt die aktuelle DIHK-Hebesatzumfrage. Demnach haben 88 von 706 untersuchten St\u00e4dten und Gemeinden mit mindestens 20.000 Einwohnern ihren Gewerbesteuer-Hebesatz angehoben. Nur f\u00fcnf haben gesenkt. DIHK-Hauptgesch\u00e4ftsf\u00fchrerin Helena Melnikov sieht darin ein wachsendes Standortrisiko und fordert strukturelle Reformen bei der Finanzausstattung.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Der einwohnergewichtete Bundesdurchschnitt der Gewerbesteuer-Hebes\u00e4tze ist von 439 auf 441 Prozent gestiegen. 613 der untersuchten St\u00e4dte und Gemeinden halten ihren Hebesatz stabil. Das Verh\u00e4ltnis zwischen Anhebungen und Senkungen f\u00e4llt jedoch deutlich aus. Auf jede Senkung kommen rechnerisch knapp 18 Anhebungen.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Die regionalen Unterschiede bleiben erheblich. Die Spannweite reicht von 250 Prozent in Monheim am Rhein und Leverkusen bis zu 580 Prozent in Oberhausen und M\u00fclheim an der Ruhr \u2014 eine Differenz von 330 Hebesatzpunkten. Nordrhein-Westfalen weist mit einem einwohnergewichteten Durchschnitt von 476 Prozent weiterhin die h\u00f6chste Belastung unter den Fl\u00e4chenl\u00e4ndern auf. 40 der 214 dort untersuchten St\u00e4dte und Gemeinden haben ihren Hebesatz erh\u00f6ht. An der Spitze stehen Oberhausen und M\u00fclheim an der Ruhr mit jeweils 580 Prozent, gefolgt von Erftstadt mit 565, Elsdorf mit 555 und Kerpen mit 550 Prozent. Die st\u00e4rksten Einzelanhebungen verzeichnen H\u00fcckelhoven mit 53 Punkten und Kerpen mit 50 Punkten.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Den st\u00e4rksten Anstieg des Landesdurchschnitts weist Sachsen-Anhalt mit einem Plus von f\u00fcnf Punkten auf 427 Prozent auf. Es folgen Hessen mit vier und Baden-W\u00fcrttemberg mit drei Punkten. Bundesweit erhebt rund ein Drittel der erfassten St\u00e4dte und Gemeinden einen Hebesatz unter 400 Prozent. Zugleich liegen 217 von ihnen \u2014 knapp 31 Prozent \u2014 bei mindestens 450 Prozent. Hohe Hebes\u00e4tze konzentrieren sich dabei auf bev\u00f6lkerungsreiche St\u00e4dte.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Die Gewerbesteuer entwickle sich zur \u201estillen Standortbremse&#8220;, warnt Melnikov. Sie verweist auf die Folgen f\u00fcr mittelst\u00e4ndische Betriebe, die Investitionen \u00fcberwiegend aus eigenen Gewinnen finanzierten. F\u00fcr viele Familienbetriebe entscheide der Hebesatz dar\u00fcber, ob die n\u00e4chste Maschine angeschafft oder der n\u00e4chste Ausbildungsplatz geschaffen werden k\u00f6nne. Hohe Hebes\u00e4tze seien ein Standortsignal, das bei Ansiedlungsentscheidungen zunehmend Gewicht bekomme.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Die angespannte Finanzlage vieler St\u00e4dte und Gemeinden sieht die DIHK-Hauptgesch\u00e4ftsf\u00fchrerin durchaus als Ursache. Steigende Sozialausgaben und h\u00f6here Personal- und Sachkosten tr\u00e4fen auf enge Spielr\u00e4ume. Das kommunale Finanzierungsdefizit habe 2025 bei mehr als 31 Milliarden Euro gelegen. Dennoch d\u00fcrften die Finanzprobleme nicht auf die \u00f6rtlichen Betriebe abgew\u00e4lzt werden. H\u00f6here Gewerbesteuern schw\u00e4chten die wirtschaftliche Entwicklung und gef\u00e4hrdeten langfristig auch die Steuerbasis.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Melnikov fordert strukturelle Reformen. Bund und L\u00e4nder m\u00fcssten die St\u00e4dte und Gemeinden aufgabengerecht und dauerhaft ausstatten. Neue Aufgaben d\u00fcrften nur mit gesicherter Finanzierung \u00fcbertragen werden. Zugleich geh\u00f6rten bestehende Standards auf den Pr\u00fcfstand. Die Vereinbarung von Bund, L\u00e4ndern und Gemeinden, bei neuen Aufgaben ab Oktober eine engere Konnexit\u00e4t einzuhalten, sei ein wichtiger Schritt. Die strukturellen Probleme bei bestehenden Aufgaben und ihrer Finanzierung seien damit aber noch nicht gel\u00f6st. Auch der Steuergesetzgeber m\u00fcsse handeln. Der Anrechnungsfaktor der Gewerbesteuer auf die Einkommensteuer solle steigen. Wo Hebes\u00e4tze \u00fcber 422 Prozent hinausgingen, greife die neutrale Anrechnung auf Unternehmensebene nicht mehr voll, so dass Personenunternehmen zus\u00e4tzlich belastet w\u00fcrden. (DIHK, 05.10.2026) <a href=\"https:\/\/www.dihk.de\/de\/serviceportal\/fuer-gewerbetreibende-unternehmer\/hebesaetze-187116\">PM DIHK hier&#8230;<\/a><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Deutschlands St\u00e4dte und Gemeinden stehen finanziell unter Druck. Wie sich das auf die Steuerbelastung der \u00f6rtlichen Wirtschaft auswirkt, zeigt die aktuelle DIHK-Hebesatzumfrage. Demnach haben 88 von 706 untersuchten St\u00e4dten und Gemeinden mit mindestens 20.000 Einwohnern ihren Gewerbesteuer-Hebesatz angehoben. Nur f\u00fcnf haben gesenkt. 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