{"id":9608,"date":"2026-10-05T14:34:14","date_gmt":"2026-10-05T12:34:14","guid":{"rendered":"https:\/\/infosilo.info\/dekom\/?p=9608"},"modified":"2026-10-05T14:34:14","modified_gmt":"2026-10-05T12:34:14","slug":"ladeinfrastruktur-in-stadtwerken-fristablauf-zum-jahresende","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/infosilo.info\/dekom\/ladeinfrastruktur-in-stadtwerken-fristablauf-zum-jahresende\/","title":{"rendered":"Ladeinfrastruktur in Stadtwerken \u2013 Fristablauf zum Jahresende"},"content":{"rendered":"\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Die Stadtwerke Dreieich und die Stadtwerke Neu-Isenburg haben Ende September den Schalter umgelegt. Zum 1. Oktober 2026 \u00fcbertr\u00e4gt das kommunale Doppel den Betrieb seiner \u00f6ffentlichen Lades\u00e4ulen an die gemeinsame Netzgesellschaft SDNI. Die bestehenden Ladekartenvertr\u00e4ge wurden zum 30. September gek\u00fcndigt, Kundinnen und Kunden m\u00fcssen sich neu registrieren. Der Grund ist keine unternehmerische Entscheidung, sondern gesetzlicher Zwang.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Seit 2021 verbietet \u00a77c EnWG Betreibern von Elektrizit\u00e4tsverteilernetzen, \u00f6ffentlich zug\u00e4ngliche Ladepunkte zu besitzen, zu entwickeln oder zu betreiben. F\u00fcr gro\u00dfe Netzbetreiber gilt das Verbot bereits seit Anfang 2024. F\u00fcr sogenannte De-minimis-Unternehmen \u2014 typischerweise kleine und mittlere Stadtwerke mit weniger als 100.000 angeschlossenen Kunden, die Vertrieb und Netzbetrieb in einer Gesellschaft vereinen \u2014 wurde die Frist mehrfach verl\u00e4ngert. Nun l\u00e4uft sie am 31. Dezember 2026 endg\u00fcltig aus.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Das Problem betrifft viele Stadtwerke in ganz Deutschland. Viele von ihnen haben in den vergangenen Jahren mit F\u00f6rdermitteln von Bund und L\u00e4ndern \u00f6ffentliche Lades\u00e4ulen aufgebaut. Jetzt m\u00fcssen sie diese Infrastruktur organisatorisch und rechtlich aus dem eigenen Haus herausl\u00f6sen \u2014 und das unter Zeitdruck, denn eine erneute Fristverl\u00e4ngerung gilt als ausgeschlossen. Die Kanzlei Becker B\u00fcttner Held, die als f\u00fchrende Stadtwerke-Kanzlei Deutschlands die Entflechtung vieler H\u00e4user begleitet, hat im Sommer 2026 klargestellt, dass auch die theoretische Ausnahme f\u00fcr regionales Marktversagen praktisch kaum noch greife. Der Markt habe sich zu weit entwickelt.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Die g\u00e4ngige L\u00f6sung hei\u00dft Tochtergesellschaft. Das Stadtwerk gr\u00fcndet eine eigene Laden-GmbH, \u00fcbertr\u00e4gt die Lades\u00e4ulen und l\u00e4sst die neue Gesellschaft den Betrieb f\u00fchren. So machen es gerade Dreieich und Neu-Isenburg, so hat es die Stadtwerke Aalen im Sommer 2026 beschlossen. Doch was juristisch sauber klingt, ist in der Praxis aufwendig. Nach Einsch\u00e4tzung von Fachkanzleien darf die Tochtergesellschaft keine blo\u00dfe \u201eleere H\u00fclle&#8220; sein \u2014 sie muss \u00fcber eine eigene Gesch\u00e4ftsstrategie und echte Entscheidungsbefugnis verf\u00fcgen. Das erfordert Personal, Vertragswerke und eine steuerliche Neuordnung, die gerade bei kleinen H\u00e4usern den steuerlichen Querverbund gef\u00e4hrden kann.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">In Aalen entsteht die neue \u201eStadtwerke Aalen Laden GmbH&#8220; mitten in einer finanziellen Sanierung des Gesamtunternehmens. Personal und Betreuung der Lades\u00e4ulen verbleiben zun\u00e4chst bei den Stadtwerken, die neue Gesellschaft ist vorerst eine rechtliche Konstruktion. Wirtschaftliche Vorteile \u00fcber die Gesetzespflicht hinaus erwartet das Haus nach eigenen Angaben nicht. Welche strategische Bedeutung die Ladeinfrastruktur langfristig einnehmen soll, sei noch offen.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">F\u00fcr Stefan Kutz vom <a href=\"https:\/\/angebot.wirelane.com\/kommunen\/caas\">M\u00fcnchner Ladeinfrastruktur-Betreiber Wirelane<\/a> liegt genau darin das Problem. \u201eViele Stadtwerke gr\u00fcnden jetzt unter Zeitdruck Gesellschaften, die sie eigentlich gar nicht wollen&#8220;, sagt Kutz. Die Alternative sei, mit einem spezialisierten CPO partnerschaftlich zusammenzuarbeiten, der die Infrastruktur \u00fcbernimmt und wirtschaftlich betreibt, w\u00e4hrend die Kommune den Steuerungsanspruch beh\u00e4lt. Das sei immer noch besser als ein Alleingang. Stadtwerk und Partner arbeiteten zusammen, der Stromeinkauf bleibe bei den Stadtwerken, und ein Gro\u00dfteil der Wertsch\u00f6pfungskette bleibe regional integriert. Ohne solche Partnerschaften schnitten sich Stadtwerke h\u00e4ufig Effizienzpotenziale ab, die man allein nicht heben k\u00f6nne.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Das 2016 gegr\u00fcndete Unternehmen betreibt als Charge Point Operator ausschlie\u00dflich \u00f6ffentlich zug\u00e4ngliche Ladepunkte und arbeitet nach einem Modell, bei dem es entweder die bestehende Infrastruktur eines Stadtwerks \u00fcbernimmt oder neue Lades\u00e4ulen im Auftrag der Kommune errichtet und betreibt.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Der Vorteil f\u00fcr kleinere Stadtwerke liegt auf der Hand. Statt eine eigene Gesellschaft aufzubauen, die dauerhaft Personal, Abrechnungssysteme und Wartungsstrukturen vorhalten muss, \u00fcbergibt das Stadtwerk den operativen Betrieb an einen Charge Point Operator. Die Kommune bleibt \u00fcber die Konzession Herrin der Standorte, der CPO verantwortet Betrieb, Abrechnung und Wartung. Gerade bei Bestandsinfrastruktur, die aus der F\u00f6rderbindung herausgewachsen sei, biete sich in der Regel ein Asset-Kauf an, erl\u00e4utert Kutz. Das Stadtwerk trenne sich von Anlagen, die ohnehin am Ende ihres ersten Lebenszyklus stehen, und bekomme daf\u00fcr einen Partner, der die Standorte modernisiert, langfristig betreibt und dabei weitere Wertsch\u00f6pfung in der Region h\u00e4lt.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Mit einer weiteren Fristverl\u00e4ngerung ist nach Einsch\u00e4tzung von Becker B\u00fcttner Held nicht zu rechnen. Die \u00dcbergangsfrist wurde bereits verl\u00e4ngert, zuletzt Anfang 2025 bis Ende 2026. Das Entflechtungsgebot geht auf die EU-Strommarktrichtlinie zur\u00fcck. Wer jetzt noch keine L\u00f6sung hat, dem bleiben rechnerisch weniger als 90 Tage. \u201eWir f\u00fchren aktuell Gespr\u00e4che mit einer Reihe von Stadtwerken&#8220;, berichtet Kutz. \u201eJetzt wird es eng. F\u00fcr eine Gesellschaftsgr\u00fcndung wird die Zeit knapp \u2013 f\u00fcr echte Partnerschaften nie. Denn wir haben alle nur ein Ziel, die Mobilit\u00e4tswende gemeinsam zu gestalten.&#8220; (DEKOM, 05.10.2026) <a href=\"https:\/\/www.wirelane.com\/de\">Mehr Infos hier&#8230;<\/a><\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Die Stadtwerke Dreieich und die Stadtwerke Neu-Isenburg haben Ende September den Schalter umgelegt. Zum 1. Oktober 2026 \u00fcbertr\u00e4gt das kommunale Doppel den Betrieb seiner \u00f6ffentlichen Lades\u00e4ulen an die gemeinsame Netzgesellschaft SDNI. Die bestehenden Ladekartenvertr\u00e4ge wurden zum 30. September gek\u00fcndigt, Kundinnen und Kunden m\u00fcssen sich neu registrieren. Der Grund ist keine unternehmerische Entscheidung, sondern gesetzlicher Zwang. 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