{"id":9610,"date":"2026-10-05T14:35:30","date_gmt":"2026-10-05T12:35:30","guid":{"rendered":"https:\/\/infosilo.info\/dekom\/?p=9610"},"modified":"2026-10-05T14:35:30","modified_gmt":"2026-10-05T12:35:30","slug":"forderungen-aus-gemeinderaeten-nach-einer-gasnetzstrategie-der-stadtwerke","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/infosilo.info\/dekom\/forderungen-aus-gemeinderaeten-nach-einer-gasnetzstrategie-der-stadtwerke\/","title":{"rendered":"Forderungen aus Gemeinder\u00e4ten nach einer Gasnetzstrategie der Stadtwerke"},"content":{"rendered":"\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Der Rat der Stadt Witten setzt sich daf\u00fcr ein, dass die Stadtwerke Witten ein Konzept zur k\u00fcnftigen Entwicklung des Gasnetzes im Stadtrat vorstellen. Den Beschluss fasste er am 14. September 2026 nach kontroverser Debatte in der Ratssitzung, \u00fcber den gemeinsamen Antrag von SPD, Gr\u00fcnen und Die Linke+ unter dem Titel \u201eZukunft der Gasversorgung in Witten&#8220;. Das Konzept soll unter anderem die Entwicklung der Gaskundenzahl bis 2040 und den Zustand der Leitungen abbilden sowie die Netzentgelte bei schrittweiser Stilllegung einem vollst\u00e4ndigen Netzerhalt gegen\u00fcberstellen. Die Stadt soll Eigent\u00fcmer auch dar\u00fcber informieren, dass das Heizen von Geb\u00e4uden mit Wasserstoff nach dem Zwischenbericht der W\u00e4rmeplanung gegenw\u00e4rtig unrealistisch ist. Auch in anderen Stadtr\u00e4ten ist die Zukunft der Gasnetze Gegenstand politischer Initiativen. In M\u00fcnchen forderte die CSU\/FW-Fraktion im Oktober 2025 die Stadtwerke M\u00fcnchen auf, die Sachlage zu Berichten \u00fcber eine angebliche Stilllegung des Gasnetzes bis 2045 klarzustellen. Ein entsprechender Beschluss sei der Fraktion nicht bekannt. In Leipzig hat die CDU-Fraktion mit einer umfangreichen Anfrage die st\u00e4dtische W\u00e4rmeplanung grunds\u00e4tzlich infrage gestellt. Die Initiativen kommen aus unterschiedlichen politischen Lagern und verfolgen unterschiedliche Ziele. Gemeinsam ist ihnen, dass die R\u00e4te von Verwaltung und Stadtwerken nachvollziehbare Aussagen zur k\u00fcnftigen W\u00e4rmeversorgung erwarten.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">\u201eDer W\u00e4rmeplan zeigt, wohin sich die W\u00e4rmeversorgung entwickeln kann. Die n\u00e4chste Frage aus den R\u00e4ten lautet dann fast immer: Was hei\u00dft das f\u00fcr unser Gasnetz? Eine nachvollziehbare Gasnetzstrategie gibt Eigent\u00fcmern und Stadtwerken die Sicherheit, die sie f\u00fcr ihre Investitionen brauchen&#8220;, sagt Dr.-Ing. Sven Killinger, Gesch\u00e4ftsf\u00fchrer des Freiburger W\u00e4rmeplanungsdienstleisters <a href=\"http:\/\/greenventory.de\/\">Greenventory<\/a>.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Der kommunale W\u00e4rmeplan beantwortet diese Frage nicht abschlie\u00dfend. Er ist rechtlich unverbindlich und begr\u00fcndet f\u00fcr B\u00fcrger und Unternehmen keine Rechte oder Pflichten. Gasnetzbetreiber ber\u00fccksichtigen seine Ergebnisse in ihrer eigenen Planung. Die Entscheidung \u00fcber das Netz liegt damit beim Betreiber, in vielen Kommunen also beim eigenen Stadtwerk. Die Zukunft der Gasnetze entscheide sich vor Ort, erkl\u00e4rte VKU-Hauptgesch\u00e4ftsf\u00fchrer Ingbert Liebing im M\u00e4rz 2026. Welche Kosten eine sp\u00e4te Entscheidung verursachen kann, hat das Fraunhofer IFAM im Auftrag des Umweltinstituts M\u00fcnchen modellhaft berechnet. Ohne Gegensteuern k\u00f6nnten die Gasnetzentgelte f\u00fcr Haushalte bis 2045 von heute 2,3 Cent auf rund 22 Cent je Kilowattstunde steigen. Beginnt die Stilllegungsplanung 2027 statt 2035, sinken die diskontierten Gesamtkosten nach der Studie um rund ein F\u00fcnftel, weil Ersatz- und Erweiterungsinvestitionen rechtzeitig zur\u00fcckgefahren und Betriebskosten durch die Stilllegung von Teilnetzen reduziert werden. Die Zahlen sind eine Modellrechnung und keine Prognose f\u00fcr einzelne Stadtwerke. Der Mechanismus dahinter gilt allgemein, denn sinkt der Gasabsatz, verteilen sich die Netzkosten auf weniger Kunden. Den Rechtsrahmen f\u00fcr diese Planung soll die EnWG-Novelle zur Umsetzung des EU-Gas- und Wasserstoff-Binnenmarktpakets schaffen, die das Bundeskabinett im M\u00e4rz 2026 beschlossen hat. Der Gesetzentwurf sieht Verteilernetzentwicklungspl\u00e4ne vor, in denen Gasnetzbetreiber die Nutzung ihrer Netze f\u00fcr die n\u00e4chsten zehn bis 15 Jahre planen, eng verzahnt mit der kommunalen W\u00e4rmeplanung. Einen fl\u00e4chendeckenden R\u00fcckbau von Gasleitungen will der Gesetzgeber vermeiden.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Bereits 2024 hat die Bundesnetzagentur mit der Festlegung KANU 2.0 die kalkulatorischen Nutzungsdauern und Abschreibungsmodalit\u00e4ten f\u00fcr Gasnetze angepasst. Zus\u00e4tzliche Unsicherheit bringt das Geb\u00e4udemodernisierungsgesetz, das der Bundestag am 10. Juli 2026 beschlossen hat. Es streicht die Vorgabe, neue Heizungen zu 65 Prozent mit erneuerbaren Energien zu betreiben. Neue Gas- und \u00d6lheizungen bleiben zul\u00e4ssig, ab 2029 muss ihnen ein steigender Bioanteil beigemischt werden.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Der Deutsche St\u00e4dtetag sowie St\u00e4dte- und Gemeindebund und Landkreistag kritisierten in der Bundestagsanh\u00f6rung, damit entfalle f\u00fcr Kommunen mit fertigem oder bald fertigem W\u00e4rmeplan eine wesentliche Grundlage f\u00fcr Investitionsentscheidungen in die W\u00e4rmeinfrastruktur. Der VKU warnte in der Anh\u00f6rung, Leitplanken, die alle paar Jahre neu zur Abstimmung gestellt w\u00fcrden, seien Gift f\u00fcr jede Infrastrukturplanung. Die Anforderungen an die Planung der Netzbetreiber steigen damit, weil die gesetzliche Verkn\u00fcpfung als Orientierung wegf\u00e4llt.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">\u201ePauschale Antworten helfen beim Gasnetz nicht weiter. N\u00f6tig ist eine netzstrangscharfe, integrierte Planung, die im Einklang mit der W\u00e4rmeplanung und weiteren Planwerken technische, wirtschaftliche und regulatorische Pr\u00e4missen zusammenf\u00fchrt. Genau daf\u00fcr haben wir ein Netzplanungsmodul entwickelt: damit Netzbetreiber fundierte, wirtschaftlich optimale Entscheidungen treffen k\u00f6nnen&#8220;, so Killinger.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Die Pflicht zur W\u00e4rmeplanung nach WPG bleibt bestehen. Gemeinden bis 100.000 Einwohner m\u00fcssen ihren W\u00e4rmeplan bis zum 30. Juni 2028 erstellen. In vielen dieser St\u00e4dte und Gemeinden betreiben eigene Stadtwerke oder regionale Versorger das Gasnetz. Dass sich beide Planungen verbinden lassen, zeigt Rehburg-Loccum im Landkreis Nienburg\/Weser mit knapp 10.000 Einwohnern. Den W\u00e4rmeplan hat die Gelsenwasser AG im Auftrag der Stadt gemeinsam mit <a href=\"https:\/\/greenventory.de\/loesungen-kommunale-waermeplanung\/\">greenventory<\/a> erstellt, zentrales Arbeitswerkzeug war ein geb\u00e4udegenauer digitaler Zwilling. Erdgas deckt dort 74 Prozent des Endenergieeinsatzes f\u00fcr W\u00e4rme, 3.147 Geb\u00e4ude sind an das 102 Kilometer lange Gasnetz angeschlossen. Der Netzbetreiber Gelsenwasser Energienetze hat eine Transformationsplanung f\u00fcr dieses Netz begonnen, ein Gasnetz-Transformationsplan ist Teil des Ma\u00dfnahmenkatalogs. Mittelfristig wird Biomethan in Teilen des Netzes erwartet, was vor allem f\u00fcr Industrie- und Gewerbekunden mit Hochtemperaturbedarf wichtig ist. F\u00fcr W\u00e4rmenetze weist der Plan zwei Eignungsgebiete aus. (DEKOM, 05.10.2026) <a href=\"https:\/\/greenventory.de\/ueber-uns\/\">Mehr Infos hier&#8230;<\/a><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Der Rat der Stadt Witten setzt sich daf\u00fcr ein, dass die Stadtwerke Witten ein Konzept zur k\u00fcnftigen Entwicklung des Gasnetzes im Stadtrat vorstellen. Den Beschluss fasste er am 14. September 2026 nach kontroverser Debatte in der Ratssitzung, \u00fcber den gemeinsamen Antrag von SPD, Gr\u00fcnen und Die Linke+ unter dem Titel \u201eZukunft der Gasversorgung in Witten&#8220;. 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