{"id":9623,"date":"2026-10-19T12:11:20","date_gmt":"2026-10-19T10:11:20","guid":{"rendered":"https:\/\/infosilo.info\/dekom\/?p=9623"},"modified":"2026-10-19T12:11:37","modified_gmt":"2026-10-19T10:11:37","slug":"frauenanteil-in-parlamenten-und-raeten-stagniert-auf-niedrigem-niveau","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/infosilo.info\/dekom\/frauenanteil-in-parlamenten-und-raeten-stagniert-auf-niedrigem-niveau\/","title":{"rendered":"Frauenanteil in Parlamenten und R\u00e4ten stagniert auf niedrigem Niveau"},"content":{"rendered":"\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Mehr als die H\u00e4lfte der Bev\u00f6lkerung in Deutschland ist weiblich. In den Volksvertretungen spiegelt sich das seit Jahren nicht wider. Die Landtage kommen im Durchschnitt auf einen Frauenanteil von gut 33 Prozent, der Bundestag auf knapp 32,4 Prozent. In den Kreistagen und Stadtr\u00e4ten liegt der Wert nach Angaben des Statistischen Bundesamts bei durchschnittlich 30,7 Prozent. Die Unterschiede zwischen den Bundesl\u00e4ndern und den einzelnen Ebenen sind dabei erheblich.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Die j\u00fcngsten Wahlergebnisse verschieben das Bild in zwei Richtungen. In Sachsen-Anhalt sank der Frauenanteil im Landtag nach der Wahl am 6. September 2026 nach vorl\u00e4ufigen Berechnungen von 27,8 auf 21,7 Prozent. Das ist der niedrigste Wert aller deutschen Landesparlamente. Der Landesfrauenrat Sachsen-Anhalt sprach von einem bundesweiten Tiefstand. Im Berliner Abgeordnetenhaus dagegen stieg der Anteil weiblicher Abgeordneter auf rund 40 Prozent, nach gut 38 Prozent in der vorherigen Legislaturperiode.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Die Ursachen f\u00fcr den R\u00fcckgang in Sachsen-Anhalt lassen sich an den Kandidatenlisten ablesen. Die AfD, die mit 43,8 Prozent der Stimmen st\u00e4rkste Kraft im Magdeburger Landtag wurde, hatte unter ihren Bewerberinnen und Bewerbern einen Frauenanteil von rund zw\u00f6lf Prozent. In Berlin stieg der Anteil vor allem durch den Stimmenzuwachs der Linken, die ihre Wahllisten st\u00e4rker parit\u00e4tisch besetzt hatte.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Das Institut der deutschen Wirtschaft (IW) hat die Entwicklung bundesweit ausgewertet und kommt zu dem Ergebnis, dass sich der Frauenanteil in den Landesparlamenten seit 2008 nur um rund einen Prozentpunkt erh\u00f6ht hat. Am n\u00e4chsten an einer Geschlechterparit\u00e4t liegt die Hamburger B\u00fcrgerschaft mit 48,8 Prozent, gefolgt von Bremen mit 42,5 Prozent. Am unteren Ende steht Bayern mit 24,6 Prozent, noch vor Sachsen mit 27,5 Prozent.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">In Nordrhein-Westfalen und Niedersachsen, den beiden einwohnerst\u00e4rksten Fl\u00e4chenl\u00e4ndern, entspricht der Frauenanteil im Landtag lediglich dem Bundesdurchschnitt. Bayern liegt mit seinem Wert von weniger als 25 Prozent weit darunter.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Auf kommunaler Ebene f\u00e4llt die Bilanz \u00e4hnlich aus. In den Kreistagen der Landkreise und den Stadtr\u00e4ten der kreisfreien St\u00e4dte betrug der Frauenanteil zuletzt im Mittel 30,7 Prozent. Gegen\u00fcber 2008, als das Bundesfamilienministerium die Zahlen erstmals in seinem Gleichstellungsatlas erhob, bedeutet das immerhin einen Anstieg um rund f\u00fcnf Prozentpunkte. In Bayern stieg der Frauenanteil in den Kommunalparlamenten nach den Wahlen im M\u00e4rz 2026 auf 25,4 Prozent, ein Plus von 2,2 Prozentpunkten gegen\u00fcber der Wahl 2020. Das Statistische Landesamt Bayern wies darauf hin, dass der Anteil in den Stadtr\u00e4ten der kreisfreien St\u00e4dte mit 36 Prozent deutlich \u00fcber dem in den Gemeinder\u00e4ten kreisangeh\u00f6riger Gemeinden mit 24,5 Prozent lag.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Die Debatte \u00fcber gesetzliche Regelungen f\u00fcr eine parit\u00e4tische Besetzung von Parlamenten dauert an. Brandenburg hatte 2019 als erstes Bundesland ein Parit\u00e4tsgesetz beschlossen, das die Parteien verpflichtete, ihre Wahllisten abwechselnd mit M\u00e4nnern und Frauen zu besetzen. Das Verfassungsgericht des Landes erkl\u00e4rte das Gesetz 2020 f\u00fcr nichtig. Eine Umfrage des Evangelischen Pressedienstes unter den Pr\u00e4sidentinnen und Pr\u00e4sidenten von Bundestag und Landtagen ergab im Fr\u00fchjahr 2026, dass die Unterrepr\u00e4sentanz zwar partei\u00fcbergreifend als Problem anerkannt werde, eine gesetzliche L\u00f6sung aber weiterhin umstritten sei. Die Hamburger B\u00fcrgerschaftspr\u00e4sidentin Carola Veit (SPD) erkl\u00e4rte, auf freiwilliger Basis funktioniere es offensichtlich nicht. Bayerns Landtagspr\u00e4sidentin Ilse Aigner (CSU) verwies auf die komplexen verfassungsrechtlichen Fragen. Berlin arbeitet derzeit an einem eigenen Gesetzentwurf.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">F\u00fcr Kreistage, Stadtr\u00e4te und Gemeinder\u00e4te fehlt eine vergleichbare Debatte weitgehend. Die Wahlsysteme auf kommunaler Ebene mit ihren offenen Listen, dem Kumulieren und Panaschieren setzen andere Rahmenbedingungen als die Landeslisten bei Landtagswahlen. Ob und wie sich der Frauenanteil in der Kommunalpolitik steigern l\u00e4sst, h\u00e4ngt deshalb weniger an einem einzelnen Gesetz als an Kandidatengewinnung, Vereinbarkeit von Ehrenamt und Beruf und an innerparteilichen Strukturen. (DEKOM, 19.10.2026\/IWD, 14.10.2026) <a href=\"https:\/\/www.iwd.de\/artikel\/frauen-sind-in-den-landtagen-klar-in-der-minderheit-692778\/\">Mehr Infos hier&#8230;<\/a><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Mehr als die H\u00e4lfte der Bev\u00f6lkerung in Deutschland ist weiblich. In den Volksvertretungen spiegelt sich das seit Jahren nicht wider. Die Landtage kommen im Durchschnitt auf einen Frauenanteil von gut 33 Prozent, der Bundestag auf knapp 32,4 Prozent. In den Kreistagen und Stadtr\u00e4ten liegt der Wert nach Angaben des Statistischen Bundesamts bei durchschnittlich 30,7 Prozent. 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